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• WETTER, ANREISE ... UND DANN?

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Das kann morgens im Bus oder Zug sein ... oder in der Pause mit den Kollegen ... oder im Aufzug mit dem Chef ... oder in der Schlange in der Kantine ... oder während der Mittagspause im Seminar ... oder ... oder ...

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• Ihr Small Talk-Thema
für den 21. Mai 2013*


Die lange Reise eines Denkmals

Zum 100. Geburtstag wollte die Stadt Leipzig ihren großen Sohn Richard Wagner ehren. Beim ebenfalls in der sächsischen Metropole geborenen Bildhauer Max Klinger gab sie ein entsprechendes Werk in Auftrag, mit Treppenanlage, reichlich verziertem Jugendstil-Sockel und Büste. Nur die Treppe fand den vorgesehenen Weg in den Leipziger Matthäikirchhof. Der Sockel mit zahlreichen lebensgroßen Figuren aus Wagners Opern ruhte am Ehrentag in Südtirol, wo Klinger nach wie vor mit der Ausfertigung beschäftigt war.

Immer wieder hatte es Streit gegeben: über die hohen Kosten, über die Gestaltung, über die freizügige Umsetzung - 3 vom Künstler verewigte Rheintöchter waren komplett nackt und würden für, aus welcher Sicht auch immer, unnötige Erregung sorgen.

Als das Fundament endlich fertig war, machten veränderte logistische Präferenzen einen Transport nach Leipzig unmöglich: Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs sah die Bahn ihre wichtigste Aufgabe darin, Soldaten und Kriegsgerät an die verschiedenen Fronten zu befördern.

Erst 1924 kam der Sockel an, 4 Jahre nach Klingers Tod. Aufgestellt wurde er jedoch nicht an der ursprünglich vorgesehenen Stelle, sondern im zu Ehren des Bildhauers in Klingerhain umbenannten Leipziger Palmengarten. Eine weitere Möglichkeit, dem Fundament zur ursprünglichen Funktion als Wagneruntersatz zu verhelfen, wurde zum 50. Todestag des Musikers im Sommer 1933 vertan. Die neuen faschistischen Machthaber planten gleich ein Nationaldenkmal für Hitlers Lieblingskomponisten in einem neu eingerichteten Richard-Wagner-Hain.

Für verspielte Rheintöchter blieb in solcher Heldenkonzeption kein Platz. Doch auch das beim Bildhauer Erich Hipp bestellte Werk sollte niemals realisiert werden. „Die Denkmalsteile“, heißt es in einer von der Stadt Leipzig herausgegebenen Broschüre, „erreichten Leipzig bedingt durch die Kriegswirren nie.“

Zu Wagners 100. Todestag erinnerte man sich in Sachsens Zentrum der Büste, deren Herstellung man einst bei Klinger nachgefragt hatte. Tatsächlich existierte noch ein Gipsbdruck. Den nahm die heimische Firma Noack zum Vorbild und schuf einen Bronzeabdruck. Dieser wurde, auf einem einfachen Sandsteinsockel ruhend, in der Promenade am Leipziger Schwanenteich unweit des Opernhauses aufgestellt.

Zum 200. Geburtstag Richard Wagners werden wenigstens Treppe und Jugendstilfundament wiedervereint. Sie sind Teil des neuen Denkmals, das morgen am Leipziger Promenadenring, in dessen Nähe sich der Gasthof befand, in dem Wagner am 22. Mai 1813 zur Welt kam. Statt Klingers Büste thront dort eine Ganzkörperabbildung des Komponisten in jungen, politisch wilden Jahren (siehe unseren Newsletter vom 13. Februar 2008: Großartige Momente, grässliche Viertelstunden), die wiederum von einer doppelt so großen Silhouette des Künstlers gespiegelt wird. Gefertigt hat beides der Bildhauer Stephan Balkenhol. Bleibt zu hoffen, dass das Ensemble endlich seine Heimat gefunden hat. Noch lieber als das Denkmal hätten sie in Leipzig freilich die Festspiele. Die werden wohl noch eine Weile in Wagners letztem Wohnort in Oberfranken bleiben.

Einen erfolgreichen Tag wünscht Ihnen

Ihr

Ralf Höller

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