Kleines Gespräch, nette Begegnung, schöne Erinnerung

30. Dezember 2014

Small Talk ist die unscheinbare Konversation, die manchmal wertvolle Verbindungen schafft. Ein solches Gespräch kann bereits bei Ihrem nächsten Termin stattfinden; ganz gleich, ob es sich um ein Essen oder einen Empfang, ein berufliches Beisammensein oder eine private Party handelt.

Anlässe, Kontakte zu knüpfen, wird es im Jahr 2015 hoffentlich genug für Sie geben. Nicht jeder scheint gleich von Beginn an Erfolg zu versprechen. Und doch kann eine weichenstellende Begegnung darunter sein, die Sie im Leben oder in der Karriere einen Schritt weiterbringt.

Ist das nicht ein bisschen dick aufgetragen?, werden Sie jetzt womöglich fragen. Dazu möchte ich Ihnen eine Geschichte erzählen. Ein junger Journalist sollte für die rechtsrheinische Regionalausgabe des Bonner General-Anzeigers über eine Karnevalsveranstaltung der rund um das Siebengebirge ansässigen Vereine berichten. Nicht schlecht, wenn man Karneval mag. Handelt es sich jedoch um eine reine Funktionärsveranstaltung, bei der Ausschüsse einberufen, Aufgabenbereiche überantwortet, Positionen neu zur Wahl gestellt und deren bisherige Inhaber verabschiedet werden, ist das Vergnügen nicht mehr ganz so groß – und ein Langweilerartikel im Lokalblatt programmiert.

Doch der Abend im Nebenraum einer Königswinterer Gaststätte verlief ein wenig anders. Beim abschließenden Bier diskutierten der Journalist und der Ehrenvorsitzende über die Bedeutung der rheinischen Zahl 11. In der Nacht ging der Journalist mit einem Orden 111 Jahre Siebengebirgsbahn Königswinter nach Hause.

Gleich am nächsten Morgen – in Anbetracht der zu später Stunde konsumierten Kölsch war es wohl eher Mittag – schrieb er einen beschwingten Artikel. Der Ehrenvorsitzende freute sich. Künftig hatte er jedes Mal, wenn er den Journalisten („Sie sind doch der Elfer-Experte!“) traf, für ihn eine besondere Geschichte parat.

Darüber freut sich jede Lokalredaktion. Hans Nickolaus lebt leider nicht mehr, aber den Orden habe ich noch heute.
Das Redaktionsteam wünscht Ihnen einen guten Rutsch und ein erfolgreiches Jahr 2015.

Danke noch einmal dafür, dass Sie uns so lange (falls Sie von Anfang an dabei waren: fast ein Jahrzehnt!) die Treue gehalten haben! Wer weiß, vielleicht gibt es ja ein Wiedersehen. Und falls Sie eine Aufgabe für den Schreiber dieser Zeilen wissen oder einen Tipp haben, melden Sie sich doch im neuen Jahr ab dem 5 Januar bitte bei Ralf Höller, Telefon 0228 317272 oder, per Mail, unter der Adresse r.hoeller@loquis.de.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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So gelingt Ihr Small Talk

29. Dezember 2014

Die Kunst, alles zu berühren und nichts zu vertiefen: So definierte Oscar Wilde den Small Talk. Doch nahm der irische Spötter die unverbindliche Konversation ernst. Wilde wusste: Der Small Talk öffnete ihm manche Tür. Auch Ihnen kann er hilfreich sein. Vor allem, wenn Sie die Grundsätze befolgen.

Ein Small Talk sollte keinen hochgeistigen Anspruch erfüllen müssen. Das war Oscar Wilde ebenfalls bewusst. Auch Sie würden sich nur unnötig unter Druck setzen. Der Small Talk als lockeres Gespräch würde unmöglich. Funktionieren wird er aber, sofern Sie die elementaren Regeln beachten.

Gelingt der Small Talk? Oder geht er in die Hose? Die Entscheidung fällt meist schon, bevor Sie den Mund aufmachen. Die allererste Regel lautet daher: Begegnen Sie Ihrem Gesprächspartner mit einer positiven Einstellung.

Regel Nummer 2 behandelt ebenfalls den nonverbalen Bereich: Lassen Sie sich im Small Talk mit einem Gegenüber nicht durch andere Personen ablenken. Das ist nicht nur unhöflich. Es würde auch das Interesse Ihres Gesprächpartners an der Konversation schmälern.

Jetzt noch zum verbalen Teil des Small Talks! Hier sind 2 Grundregeln, welche die Konversation betreffen. Erstens; Vermeiden Sie Monologe! Reden Sie Ihr Gegenüber nicht in Grund und Boden. Lassen Sie Pausen zu, stellen Sie Fragen. Aktives Zuhören fördert den Dialog. Zweitens: Beenden Sie Gespräche positiv. Tun Sie dies keinesfalls abrupt. Und schließen Sie mit einem freundlichen Wort. Machen Sie beispielsweise ein Kompliment zum Abschied: „Selten habe ich ein so angeregtes Gespräch erlebt!“

Bei der gepflegten Konversation will die Etikette gewahrt bleiben. Zum Schluss daher noch eine Benimmregel für den Small Talk: Befleißigen Sie sich – bei aller Kontaktfreude – einer gewissen Zurückhaltung. Stören Sie andere Personen nicht, wenn diese gerade im Gespräch sind. Bei Empfängen ist es üblich, sich still zu einer Gruppe zu gesellen. Keine Bange: Sie werden nicht ignoriert werden! Jemand wird Sie sicher bald vorstellen oder in die Unterhaltung einbeziehen.

Eine letzte Grundregel, die Etikette betreffend: Reden Sie nie negativ über andere Personen! Dabei macht es keinen Unterschied, ob diese anwesend sind oder nicht. Denken Sie immer daran: Was Sie über eine andere Person sagen, sagt, genauer betrachtet, am meisten über Sie selbst aus.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Small Talk auf Zehenspitzen? Small Talk auf Augenhöhe!

23. Dezember 2014

Was tun Sie, wenn sich unterschiedlich große Teilnehmer beim Small Talk gegenüberstehen? Es hilft wenig, wenn der eine Gesprächspartner sich auf Zehenspitzen stellt und der andere sich ständig herabbeugt. Störende Größenunterschiede lassen sich auch auf elegante und wesentlich weniger ermüdende Weise überwinden.

Vom Besuch des französischen Staatsoberhauptes im Weißen Haus anno 2009 ist ein Foto erhalten, das lediglich ein paar Schuhe zeigt. Sie gehörten dem damaligen Amtsinhaber. Beim Gruppenbild mit Damen versuchte Nicolas Sarkozy, sich Barack Obama (1 Meter 88 Körpergröße), dessen Frau Michelle (1 Meter 80) und auch der eigenen Gattin Carla Bruni (1 Meter 75) ein wenig zu nähern – indem er sich auf seine Zehenspitzen stellte.

Da das amerikanische Präsidentenehepaar Sarkozy immer noch um eine halbe beziehungsweise eine viertel Haupteslänge überragte, schlug dieser Verzweiflungsversuch fehl, obwohl Sarkozys Streckungsversuch einem in dieser Kunst sehr versierten Hauskaninchen zur Ehre gereicht hätte. Den aufgemotzten 1,67 Metern des Ex- und, wer weiß, Vielleichtbaldschonwiederpräsidenten blieb nur die Häme der Presse.

Ein Small Talk dauert gewöhnlich länger als ein Foto: Daher müssten Sie sehr lange auf Zehenspitzen ausharren. Versuchen Sie es lieber erst gar nicht! Ein Small Talk auf Augenhöhe gleicht störende Größenunterschiede elegant aus. Wie Ihnen das gelingt? Ganz einfach: Stellen Sie sich in einem stumpfen Winkel – der ist, wenn Sie sich an Ihren Mathematikunterricht erinnern, größer als 90 Grad – zu Ihrem Gesprächspartner auf. So ändern Sie die Perspektive: Sie und Ihr Gegenüber sind nicht mehr miteinander konfrontiert. Statt sich gegenseitig zu mustern, blicken Sie gemeinsam in eine leicht veränderte Richtung.

Sollten Sie mit dieser Lösung immer noch nicht zufrieden sein und sich weiter unwohl fühlen, gibt es eine dritte Alternative: Suchen Sie sich für die Fortsetzung Ihres Small Talks eine Sitzmöglichkeit. Auf einer Couch oder auf 2 Sesseln fallen selbst markante Größenunterschiede kaum noch ins Gewicht.

Das Redaktionsteam wünscht Ihnen ein besinnliches und friedliches Weihnachtsfest. Nächste Woche erscheint unser Newsletter am 29. und 30. Dezember; danach ist leider Schluss.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Die Post passt an

22. Dezember 2014

„Ich habe einen jungen Mann gekannt, der sich durch das Laster, alle Briefe zu beantworten, ruiniert hat.“ Dieser Ausspruch stammt von Oscar Wilde, der sich selber auf ganz andere Arten ruiniert hat (siehe unseren Newsletter vom 30. November 2010: Ein Land, das es vielleicht bald nicht mehr gibt).

Ab dem 1. Januar 2015 käme des irischen Schriftstellers damals junger Bekannter, würde er denn noch leben, dem Bankrott ein weiteres Stück näher. Dann wird der Preis für einen Standardbrief Inland von 60 Cent auf 62 Cent „angepasst“, so die Deutsche Post in ihrem manipulativen Sprachduktus, der nicht nur ein wenig an den Roman 1984 (siehe auch unsere Ausgabe vom 12. Juni 2014: Eine unendliche Geschichte) erinnert.

Sein Autor George Orwell hatte darin ein sehr wirksames Propagandamittel vorgestellt: das so genannte Neusprech als Beschönigung hässlicher Dinge durch nette Vokabeln. Im imaginären Imperium Orwells, dem totalitären Staat von 1984, hieß beispielsweise das Kriegsministerium „Ministerium der Liebe“, und der minderwertige Brösel-Tabak bekam das schmeichelhafte Etikett „Victory-Zigaretten“ verpasst.

Inzwischen ist dieser Sprachgebrauch, 66 Jahre nach Erscheinen des Romans, auch in unserer Gesellschaft fest verankert. So wurden Müllabfuhren zu Umweltdiensten, wandelten sich Arbeitsämter zur Bundesagentur für Arbeit, firmierten Entlassungen unter Reduzierung der Personalkosten, las sich Verteuerung als neue Preisgestaltung, mutierte die Propaganda zu Public Relations, abgekürzt PR, gerierten sich Krankenkassen als Gesundheitskassen, wurden Kriegstote als Kollateralschäden registriert und traten militärische Besatzungsmächte als Koalition der Willigen in Erscheinung.

Schöne neue Welt, könnte man eine weitere düstere Zukunftsvision bemühen – diesmal nicht von George Orwell, sondern von seinem britischen Landsmann und Schriftstellerkollegen Aldous Huxley. Da wir gerade beim Zitieren sind und den Bogen zum Anfang dieses Newsletters schlagen möchten: „Nimm einem Menschen den Briefkasten“, fand der Wiener Autor, Literatur- und Theaterkritiker Alfred Polgar (der auch einen guten Postkritiker abgegeben hätte), „und du nimmst ihm die halbe Welt.“

Die Post hat seit der Wende nicht nur jeden zweiten Briefkasten abgebaut. Sie erhöht mit Wirkung vom 1. Januar das Porto sowohl für Postkarten als auch für Standardbriefe ins Ausland von 75 auf 80 Cent. Pardon, die Post erhöht natürlich nicht. Sie passt an.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Woran Sie Ihren Small Talk binden können

17. Dezember 2014

Zum Small Talk passt alles Positive. Manchmal sind dies Kleinigkeiten. Warum nicht der Schlips, die Krawatte, der Binder? An diesem Accessoire können Sie den Small Talk aufhängen. Machen Sie Ihrem Gegenüber ein Kompliment: „Ihre Krawatte gefällt mir.“ Und hängen Sie eine Frage an: „Wo haben Sie die erworben?“

„Eine gut gebundene Krawatte ist der erste wichtige Schritt im Leben“, wusste bereits Oscar Wilde. Auch mit einem Zitat wie diesem können Sie den Small Talk eröffnen. Krawatten sind immer noch Erfolgsgarant. Wenn Sie im Leben etwas bekommen möchten – Geld, eine gute Stelle, Respekt – hilft es, eine Krawatte zu tragen. Die Krawatte verleiht Autorität. Sie ist ein Symbol dafür, dass ein Mann in der beruflichen Hierarchie einen gewissen Rang bekleidet.

In diesem Zusammenhang noch eine kleine Anekdote über erfolgreiche Schlipsträger. Sie stammt von der Wiener Etikette-Expertin Andrea Hurton. Erzählen Sie die Geschichte im Krawatten-Small Talk: Ein amerikanischer Autor stellte sich in New York auf einen Busbahnhof. Dort gab er sich als jemand aus, der kein Geld hat. Er bat Passanten, ihm den Fahrpreis für den Bus zu zahlen. Einmal unternahm er diesen Feldversuch ohne Schlips. Ein anderes Mal band er sich eine Krawatte um. Stets trug er jedoch einen Anzug. Der Unterschied: mit Krawatte nahm er das Vierfache an Geld ein.

Ein Thema für den Small Talk kann auch das lästige Ankleiden sein: Wie binden Sie die Krawatte richtig? Vor jeder Einladung plagt sich vielleicht auch Ihr Small Talk-Gegenüber mit dem komplizierten Knoten ab. Machen Sie das Kreuz mit der Krawatte zum Thema! Selbst Schlipsträger im reiferen Alter tun sich mit den Bindern schwer. Und das, obwohl viele das Handwerk schon bei ihrer Kommunion oder Konfirmation gelernt haben. Beziehungsweise gelernt haben sollten. Fragen Sie Ihr Gegenüber im Small Talk, wie er beim Binden alles richtig macht. Oder ob er sich eines praktischen Tricks bedient.

Schließlich können Sie im Small Talk mit einen vermutlich sehr willkommenen Tipp Sympathiepunkte sammeln. Ob Standard-, Kreuz-, Windsor-, Prinz Albert- oder altdeutscher Knoten: Der Herrenausstatter Harry & Sons hat mit leicht verständlichen Zeichnungen die gebräuchlichsten Bindetechniken für Krawatten zusammengestellt. Gehen Sie auf die Webseite harryandsons.at. Dort klicken Sie den Button Styleguide“ an.

Nicht nur der Krawattenknoten verursacht Probleme beim Binden. Auch die richtige Länge der Krawatte ist nicht leicht hinzubekommen. Zu lang? Zu kurz? Wie ist es richtig? Gibt es eine Faustregel? Diese Fragen werden sich auch Ihrem Small Talk-Gesprächspartner immer wieder stellen. Sie können ihm helfen. Es gibt tatsächlich eine Faustregel! Für die Ideallänge einer Krawatte gilt eine einfache Formel: bis zur Mitte der Gürtelschnalle.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Shakespeare und sein Schneemann

16. Dezember 2014

„O dass ich ein zum Scherz aus Schnee zusammengeballter König wäre, und hier, vor Bolingbrokes Sonne stehend, in Wassertropfen wegschmelzen möchte“: So beklagt der verschwenderische und genusssüchtige König Richard II. von England sein Schicksal in Shakespeares Drama – hier in der Übersetzung von Christoph Martin Wieland – bevor er auf Veranlassung seines Rivalen und Nachfolgers auf dem Thron, Henry Bolingbroke, in den Tower gesperrt und schließlich ermordet wird.

William Shakespeare schrieb sein Drama Richard II. vermutlich im Jahr 1595. Damals wurde der Winter auf der Insel wohl als solcher empfunden, dafür gibt es auch in Shakespeares Werken zahlreiche Belege. Der eingangs erwähnte Vergleich Richards ist übrigens die erste Erwähnung eines Schneemanns in der Weltliteratur.

Es dauerte noch eine Weile, ehe sich das Schneemannbauen zum Volksvergnügen auswuchs. Erste bildliche Darstellungen stammen aus dem 18. Jahrhundert. Sie zeigen meist harte, strenge Gesichter; entsprechend einer als feindlich empfundenen Natur mit harten, strengen Wintern. In späteren Abbildungen wichen die grimmigen Züge weicheren und fröhlicheren. Bei Shakespeare hatte die Figur offenbar auch einen heiteren Ursprung. Die frühe Popularität in England mag auch damit zu tun haben, dass die Winter im atlantisch beeinflussten Klima längst nicht so kalt und lang gerieten wie auf dem Kontinent.

Schneemänner werden zudem meistens dann gebaut, wenn der erste Schnee gefallen ist und noch weiß, rein und jungfräulich aussieht. Aus der Veränderung seiner Struktur lasen die Menschen den weiteren Verlauf des Winters heraus: Fiel der Kopf des Schneemanns ab, stiegen die Temperaturen; bis zum Hereinbrechen des Frühlings würde es nicht mehr allzu lange dauern.

Der Schneemann als Sinnbild winterlicher Idylle hielt erst ab Mitte des 19. und vor allem im 20. Jahrhundert Einzug. Die positive Interpretation einer Schneelandschaft führte dazu, Schneemänner auf Postkarten zu verewigen und diese als Weihnachts- oder Neujahrsgrüße zu versenden.

Daran erinnert dieser Tage die Post mit einer Sondermarke, die eine grinsende Figur mit Mohrrübennase, schwarzer Melone auf dem Kopf und rotem Schal um den Hals präsentiert.

Ob dieser Winter wieder ausreichend Rohmaterial zum Schneemannbau liefert? Ein wichtiges Utensil dürfte ebenfalls nicht mehr so leicht wie in früheren Zeiten zu ergattern sein: In meiner Jugendzeit bedurfte es 5 runder Kohlen zur Darstellung der Augen und der Mantelknöpfe.

Doch wer heizt heute noch mit Kohlen? Und falls dies materielle Ursachen hat: Wer kann es sich leisten, gleich 5 davon zu verschwenden?

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Verschwundene Dinge, von denen nur wehmütige Erinnerungen übriggeblieben sind

15. Dezember 2014

Sie suchen noch nach einem Weihnachtsgeschenk? Wie wäre es mit dem neuen Buch von Beppo Beyerl (siehe auch unseren Newsletter vom 23. April 2013: Die Straße mit 7 Namen)?

26 Verschwindungen lautet sein Titel und widmet sich Dingen, an denen wir uns einst erfreut oder über die wir uns früher so manches Mal geärgert hatten, die es aber allesamt nicht mehr gibt.

Sein alphabetisch geordnetes Brevier beginnt der Autor - er ist Wiener - mit der Arbeiter-Zeitung, in der Oskar Maria Graf seinen berühmten Aufruf Verbrennt mich! anlässlich der Nichtbeachtung seiner Werke bei der Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten veröffentlichte (siehe auch unsere Ausgabe vom 10. Mai 2006: „Verbrennt mich!“).

Weitere Verschwindungen, die Beyerl in Erinnerung ruft, sind die früher in Wiener Gemeindebauten allgegenwärtigen Hausmeister, das in den Gassen so häufig gesprochene Jiddisch oder – ebenfalls, aber nicht nur eine typisch Wiener Erscheinung – die öffentliche Uhr, ein ehedem an jeder größeren Straßenkreuzung installiertes meist würfelförmiges Objekt, an dem die der Hauptstädter sich verabreden konnte und das ihnen noch dazu den Grund anzeigte, warum ein verabredetes Treffen nicht zustande gekommen war.

Ein sehr österreichisches, heut leider ebenfalls nicht mehr in Gebrauch befindliches nützliches Utensil war die Nurfünfwörteransichtskarte. Sie belohnte alle diejenigen, die sich kurz zu fassen vermochten, denn das Porto für eine Drucksache – als solche gingen die fünf Wörter gerade noch durch – war wesentlich geringer als für eine Postkarte.

Wäre Beyerl Deutscher und würde sein Buch erst in, sagen wir mal, 10 Jahren veröffentlichen, könnte er unter dem Buchstaben N unseren Newsletter aufführen. Der verschwindet auch, am 30. Dezember erscheinen unsere letzten Worte. Bis dahin möchten wir Ihnen weiterhin jeden Werktag amüsante Geschichten und ein wenig Allgemeinbildung in Kurzform zukommen zu lassen.

Das vorletzte Wort gebührt wiederum unserem heutigen Gast. Beppo Beyerls Verschwindung Nummer 25 dreht sich um einen einzigen Buchstaben. Selten wurde schöner über das schon immer unscheinbare, aber nun wohl allmählich auch obsolet gewordene Ypsilon geschrieben. Aber lesen Sie selbst: Beppo Beyerl, 26 Verschwindungen. Löcker Verlag, Wien 2014. ISBN 978-3-85409-729-7.

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Der Krieg, der Südamerika veränderte

12. Dezember 2014

Erinnern Sie sich noch an unseren Newsletter über einen wohlwollenden Diktator? (siehe unsere Ausgabe vom 6 Oktober 2014: Ein wohlwollender Diktator). Sein Nachfolger, der Rechtsanwalt Carlos Antonio López, setzte im wesentlichen Francias Lebenswerk fort, führte sein Land aber nach und nach aus der Isolation.

Durch die vorsichtige Öffnung nach außen entwickelte sich Paraguay dank der soliden Basis, die Francia der Republik verschafft hatte, zum mit Abstand reichsten Land des Kontinents. Als erster lateinamerikanischer Staat besaß Paraguay eine Eisenbahn und eine Telegraphenlinie. In dem früheren reinen Agrarland entstand eine eisenverarbeitende Industrie, und in der Hauptstadt Asunción wurde sogar eine Werft gebaut.

Dabei blieb Paraguay im Gegensatz zu seinen hochverschuldeten Nachbarn unabhängig von ausländischem Kapital, konnte sich auf eine stabile Währung stützen und eine positive Handelsbilanz erzielen. Carlos Antonio López regierte Paraguay bis zu seinem Tod 1862.

Nachfolger wurde sein Sohn Francisco Solano López. Inzwischen war aus dem unscheinbaren Land eine nicht nur wirtschaftlich bedeutende Regionalmacht geworden. Mit einem stehenden Heer von 25.000 Soldaten besaß Paraguay eine größere Armee als Argentinien und Brasilien. Leider beging Francisco Solano López den Fehler, in der La-Plata-Region Großmachtpolitik zu betreiben. Als Brasilien in einen innerpolitischen Konflikt in Uruguay eingriff, ergriff López Partei. Er tat dies nicht aus politischer Überzeugung, sondern nur, um einen Vorwand für einen Einfall in Brasilien zu erhalten. Sobald die Regierung in Rio de Janeiro ihre ersten Soldaten nach Uruguay schickte, erklärte Paraguay – morgen vor 150 Jahren, am 13. Dezember 1864 – Brasilien den Krieg und marschierte mit seiner Armee in die brasilianische Provinz Mato Grosso ein.

Als Argentinien und Uruguay sich daraufhin mit Brasilien zur Tripelallianz verbündeten, besetzten paraguayische Truppen auch die argentinische Provinz Corrientes. In der Folgezeit tobte zwischen 1864 und 1870 der blutigste Konflikt, der je auf südamerikanischem Boden ausgetragen wurde. Mit seiner modernen Armee erwies sich Paraguay anfangs als klar überlegen. Doch auf Dauer konnte das bevölkerungsarme, etwa eine Million Einwohner zählende Land diesen Krieg nicht durchhalten. Die Wende trat ein, als die paraguayische Festung Humaitá am Paraguay-Fluss nach mehr als einjähriger Belagerung im August 1868 kapitulierte.

5 Monate später rückten die alliierten Truppen in Asunción ein. Der Krieg war jedoch erst zu Ende, als López, der sich mit seinen letzten Getreuen in den menschenleeren Nordwesten Paraguays zurückgezogen hatte, am 1. März 1870 im feindlichen Kugelhagel fiel. Die Auseinandersetzung zwischen Paraguay und der Tripelallianz forderten auf beiden Seiten ungeheure Opfer. Paraguay verlor vier Fünftel seiner männlichen Bevölkerung. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg überschritt die Einwohnerzahl des Landes wieder die Millionengrenze.

Von Francias Erbe ist in Paraguay nichts übrig geblieben. Seit dem Krieg gegen die Tripelallianz kam das Land wirtschaftlich nicht mehr auf die Füße. In den 4 Jahrzehnten nach López’ Tod wechselten sich 22 Präsidenten an der Regierung ab. Paraguay versank im Chaos; Francias Revolution war nur noch Geschichte. Heute zählt Paraguay zusammen mit Bolivien zu den ärmsten Ländern Südamerikas.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Trainingslager für Small Talk-Profis

11. Dezember 2014

Halten Sie sich für einen Small Talk-Profi? Dann fahren Sie doch mal nach Finnland! Nicht, dass Sie hier ideale Voraussetzungen und jede Menge Gesprächspartner für die leichte Konversation fänden! Im Gegenteil: Das Reiseziel bietet sich für einen Liebhaber des Small Talks nur dann an, wenn er eine Herausforderung sucht. In Finnland eine lockere Unterhaltung anzuknüpfen scheint nicht so einfach.

„Small Talk ist absolut unfinnisch“, schreibt der Experte Rasso Knoller in seinem Länderporträt über das schweigsame Volk im Norden. Eine Erklärung bietet er ebenfalls an – leider nur aus Sicht der Einheimischen: „Wenn man schon nur wenige Worte benutzt, dann sollen die auch sinnvoll sein. Warum extra erwähnen, dass die Sonne scheint, wenn es doch sowieso jeder sieht? Auch ein Kompliment, das neue Kleid stehe der Trägerin besonders gut, ergibt aus finnischer Sicht wenig Sinn: Wenn das Textil gut kleidet, bekommt dass ja jeder mit. Steht es ihr nicht ist es ohnehin besser zu schweigen.“

Ein Mitteleuropäer würde hier schon den einen oder anderen Ansatzpunkt für den Small Talk-Einstieg sehen. Einen nicht gerade von der Sonne verwöhnten Finnen auf den seltenen Umstand hinzuweisen, dass sich der ersehnte Himmelskörper endlich mal wieder zeigt, würde bestimmt eine Reaktion hervorrufen. Falls nicht, könnten Sie das Gespräch aufs Klima lenken. Das bereitet allen Finnen Sorgen: Der für den Norden Skandinaviens prognostizierte Anstieg der Jahresdurchschnittstemperatur um 2 bis 4(!) Grad im in den kommenden Jahrzehnten wird eine massive Veränderung des Ökosystems zur Folge haben. Das mag selbst der wortkärgste Finne nicht mit einem Schulterzucken abtun.

Es sei denn, er heißt Aki Kaurismäki. Der bekannteste finnische Filmregisseur sagte in einem Interview der Schweizer Weltwoche: „Lassen Sie es mich linguistisch erklären: Auf Finnisch heißt Sprache puhe. Das leitet sich von puhaltaa ab dem Wort für ‘blasen’. Für die Finnen ist das Sprechen nichts anderes, als mit jedem Wort weitere Luft in die Atmosphäre zu blasen. Eine ziemlich unnütze Tätigkeit. Mit Small Talk, so wie wir ihn hier gerade betreiben, können Finnen wenig anfangen. Wir kennen uns nicht. Was also haben wir uns zu sagen?“

Zitieren Sie im Small Talk Kaurismäki und fragen Ihr finnisches Gegenüber, ob das mit dem Wörter-in-die-Luft-Blasen stimmt. Ihr Gesprächspartner wird erstaunt und froh sein, dass Sie 2 Wörter der europäischen Außenseitersprache kennen. So haben Sie schon mal eine positive Atmosphäre geschaffen. Im übrigen sind die Finnen nicht immer so wortkarg, wie es den Anschein hat. An einem Ort, wo in Deutschland oft betretenes Schweigen herrscht, kommen in Finnland viele Gespräche ins Rollen: In der Sauna taut der Finne auf.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Wortführer des amerikanischen Geistes

9. Dezember 2014

Morgen werden die Nobelpreise vergeben. Eklats auf der Feier sind nicht zu befürchten, etwa wenn der Franzose Patrick Modiano die Auszeichnung in der Sparte Literatur entgegennimmt. Er wird schon nicht aus den Werken eines anderen lesen und behaupten, jener habe die Ehrung verdient, nicht er.

So geschah es tatsächlich anno 1930, als Sinclair Lewis, der erste US-Literaturnobelpreisträger überhaupt, aus Schau heimwärts, Engel vortrug. Der Roman stammt von einem damals – und heute leider auch wieder – recht wenig bekannten Autor (siehe unseren Newsletter vom 30. September 2011: Amerika neu entdeckt). Thomas Wolfe starb bereits mit 37 Jahren, an Tuberkulose. Vorher schrieb er 4 großartige Bücher.

Dem oben erwähnten folgten Von Zeit und Fluss sowie, posthum aus den Manuskripten veröffentlicht, Geweb und Fels und Es führt kein Weg zurück (siehe unsere Ausgabe vom 2. Oktober 2012: Im achten Jahr darf’s auch mal ein sperriges Thema sein). Das letzte zu Lebzeiten Wolfes erschienene Werk liegt nun in einer neuen deutschen Übersetzung vor. Das Verdienst gebührt dem in Zürich ansässigen Verlag Manesse.

Dass überhaupt ein Werk von Wolfe erschienen ist, ist dessen Lektor Maxwell Perkins zu verdanken. Ursprünglich hatte der Autor ein kaum strukturiertes Manuskript von 4000 Druckseiten (!) abgeliefert. Daraus machte Perkins die ersten beiden Romane. Und Wolfe? „In einem Brief“, diese Information verdanken wir einem ungewöhnlich kenntnisreichen und erhellenden Nachwort von Michael Köhlmeier in der Manesse-Ausgabe, „machte ihm der Autor heftige Vorwürfe, weil er so selbstherrlich und rücksichtslos sein Werk zusammengekürzt habe.“

Der Umstand, dass diese Mitteilung 28 eng beschriebene Seite umfasste, verrät einiges über Wolfes Detailversessenheit. Letztere wiederum kommt seinen Romanen zugute. Von Zeit und Fluss ist nicht einfach zu lesen. Dass der Leser sich ganz auf die Lektüre konzentrieren und diese nach einer Zeit der Gewöhnung an Wolfes Rhythmus und Wortgewalt zum Vergnügen wird, ist auch 40 Seiten hilfreicher Kommentare geschuldet.

Irma Wehrli sei Dank hierfür. Von Zeit und Fluss beginnt mit einer 700 Meilen und über 100 Seiten langen Eisenbahnfahrt, die den Protagonisten – Wolfes bereits aus Schau heimwärts, Engel bekanntes alter ego Eugene Gant – von Altamont in North Carolina nach New York reisen und den Leser tief in das Amerika der 1920er Jahre eintauchen lässt.

Als „Wortführer des amerikanischen Geistes“ hatte Sinclair Lewis Wolfe in seiner Stockholmer Rede bezeichnet und den Autor allen Anwesenden wärmstens ans Herz gelegt, „als Unterpfand für Amerikas eigentliches Wesen und für Amerikas Zukunft.“ Um beides besser zu verstehen, lohnt der bisweilen etwas beschwerliche Umweg via Wolfes zweitem Roman.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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