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Die Leidenschaft für die Pflanzen hatte er vom Vater geerbt. Der züchtete Obstbäume, die er durch Aufpfropfen von Reisern anderer Sorten veredelte. Obwohl die Eltern einfache, ihrem Gutsbesitzer tributpflichtige Bauersleute waren, besuchte der 1822 geborene Sohn die höhere Schule und schloss daran sogar ein Philosophiestudium an. Eine brotlose Kunst, da der frischgebackene Absolvent sich alsbald „gezwungen sah, in einen Stand zu treten, der ihn von den bitteren Nahrungssorgen befreite.“

Der junge Mann bekam eine Mönchskutte und einen zweiten Vornamen verpasst: Statt Johann hieß er jetzt Gregor. Das Augustinerkloster vor den Toren des mährischen Brünn erwies sich jedoch als Glücksfall: Hier konnte Gregor ungestört seiner alten Leidenschaft frönen: den Pflanzen. Es gab ein Herbarium, meteorologische Messinstrumente und eine Bibliothek mit 20 000 Bänden. Er experimentierte mit Erbsen, kreuzte rot- mit weißblühenden und beobachtete, wie sich die Blütenfarben weitervererbten. Die Nachkommen der ersten waren allesamt rot. Dann kreuzte Mönch Gregor die roten untereinander, und, oh Wunder, ein Teil der neuen Pflanzen war wieder weiß. Es gab also dominante und rezessive Anlagen, und daraus leitete unser Mönch die erste seiner insgesamt drei Vererbungsregeln ab.

Heute vor 145 Jahren veröffentlichte er die Ergebnisse im von ihm mitgegründeten Naturforschenden Verein. Die Reaktionen der vierzig Zuhörer waren skeptisch – und blieben es, nachdem in den nächsten Jahren eine weitere Versuchsreihe mit Habichtskraut scheiterte. Da war Gregor schon Abt des Klosters, und die Zeit für Forschungen wurde knapper Dennoch machte er weiter: „Ich bin überzeugt“, meinte er selbstbewusst, „dass es nicht lange dauern wird, da die ganze Welt die Ergebnisse dieser Arbeiten anerkennen wird.“ Gregor Mendel sollte Recht behalten.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Ist es richtig, ein Beweismittel von Kriminellen zu kaufen, um damit andere Kriminelle dingfest zu machen? Ja, meint die überwiegende Mehrheit der Deutschen wie auch die Mehrzahl ihrer Politiker. In der Schweiz sieht man das ein wenig anders: Diskretion und Zurückhaltung sind Urschweizer Tugenden, die man selbst zur Pflege der Beziehungen mit dem großen Nachbarn nicht opfern darf. Manche Deutsche wiederum wissen gerade diese Prinzipientreue zu schätzen (siehe unseren Newsletter vom 16. Mai 2006 „Tipp für ein Bargeld-Versteck – aber nicht weitersagen“). Andere nicht.

So hob einst ein deutscher Finanzminister den Zeigefinger gegen so genannte Steueroasen und erwähnte in diesem Zusammenhang die Schweiz, Österreich, Luxemburg und Liechtenstein. Geistreich formuliert wäre die Schelte womöglich recht witzig ausgefallen – hätte Peer Steinbrück nicht noch einmal nachgelegt und dabei in seiner grenzenlosen Dummheit das westafrikanische Burkina Faso mit dessen Hauptstadt Ouagadougou verwechselt.

Schweizer lassen sich nicht gerne bevormunden, schon gar nicht von Nationen, deren Vertreter sie für überheblich und ignorant halten. „Die Ideologie der Schweiz“, analysierte der gegenüber seinem Land recht kritisch eingestellte Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt, „besteht darin, dass sich die Schweiz passiv stellt.“ Angesichts der seit 1815 festgeschriebenen immerwährenden Neutralität wird dies von außen mit Wohlwollen betrachtet. Wechselt diese Neutralität von der Außenpolitik ins Finanzressort – dorthin, wo es richtig weh tun kann – nimmt die Sympathie jäh ab.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Krimis drehen sich meist um Kommissare oder Privatdetektive, die Verbrecher dingfest machen und der guten Sache zu ihrem Recht verhelfen. Verkauft sich die Geschichte gut, kann der Autor oder die Autorin eine Serie daraus machen. Nur wenige Krimis schildern die Sache aus der Sicht des Übeltäters. Das kommt beim Publikum erstens nicht so gut an, zweitens ist die Idee mit den Fortsetzungen problematisch – zumal die meisten Leser möchten, dass der Kriminelle seine gerechte Strafe erhält.

Eine Ausnahme von diesem Muster erlaubte sich Patricia Highsmith. Die US-Schriftstellerin erfand eine Figur, die auf den ersten Blick abstoßend wirkt: Tom Ripley begeht einen Mord aus niedrigen Beweggründen. Um dessen Vermögen an sich zu reißen, bringt er den Erben einer Reederdynastie um. Vorher hat er das Vertrauen des Gleichaltrigen erschlichen. Der Mord wird nie aufgeklärt. Um weitere Ermittlungen zu verhindern, tötet Ripley ein zweites Mal. Wieder kommt er ungeschoren davon. Die Geschichte, spannend geschrieben, nicht ohne Mitgefühl für den Protagonisten erzählt, findet Akzeptanz auf dem Buchmarkt.

Patricia Highsmith lässt dem 1955 veröffentlichten Talented Mr. Ripley vier Fortsetzungen folgen, die letzte 1991. In jeder wird weiter gemordet; allerdings macht der Anti-Held eine positive Veränderung durch. Er denkt nicht immer nur an sich selbst, interessiert sich, manchmal sogar uneigennützig, für andere Menschen und setzt sich auch für diese ein. Natürlich ist er weiterhin ein Verbrecher, doch von den kriminellen Akten – er begeht sie hauptsächlich zur Verdeckung der vergangenen Straftaten – abgesehen ähnelt er mehr und mehr einem Musterbürger.

Das Sonderbare an den Ripley-Romanen ist, dass der Leser eine gewisse Sympathie für den Bösewicht entwickelt. Das Ende hat die Autorin offen gelassen, doch ist Ripley auch am Schluss von Folge fünf immer noch ein freier Mann. Patricia Highsmith starb heute vor fünfzehn Jahren. Eine sechste Ripley-Geschichte hat sie nicht mehr geschrieben.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Eine kühne Prognose

3. Februar 2010

Reif für den Zauberberg (siehe unseren Newsletter vom 11. Januar) ist Joachim Löw noch nicht, denn das ist ein Sanatorium in Davos, das Thomas Mann in einem Roman beschrieb. Auch gehen weder die Haare zum Teufel noch die Zähne flöten, obwohl der Mann heute fünfzig wird. Nein, Jogi, wie er allenthalben genannt wird, kommt noch recht jugendlich daher, und sein größtes Ziel hat er noch vor sich: Das wäre ein Titelgewinn mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.

Ob es schon in diesem Jahr bei der WM in Südafrika klappt? Warum nicht?, lautet die Gegenfrage dieser Redaktion, die den einzig wahren Fußballexperten beherbergt. Leider hat der sich schon öfters geirrt, was die Leser bislang brav zur Kenntnis genommen haben. Beim im Juni beginnenden Turnier sind die Voraussetzungen für die deutsche Elf allerdings ähnlich derjenigen beim letzten Titelgewinn vor 20 Jahren.

Es gibt keinen eindeutigen Favoriten: Brasiliens Stars kommen in die Jahre, Argentinien und Italien schwächeln, England ist noch nicht so weit, Holland hat noch nie eine WM gewonnen und Frankreich seine besten Jahre ohnehin hinter sich. Damit wären alle Finalteilnehmer seit 1966 aufgezählt – außer Deutschland. Die DFB-Kicker haben es seither sechsmal ins Endspiel geschafft, warum sollte es ihnen kein siebtes Mal gelingen? Dann fehlten Jogi Löw noch 90, vielleicht auch 120 Minuten bis zum ganz großen Ziel.

Um dieses zu erreichen, hat er sich vorher drei kleine gesetzt: die Gruppenspiele gegen Australien, Serbien und Ghana. Was die kühne Prognose der Redaktion und deren Expertenstatus angeht, sei leicht abgewandelt Sportsfeind Churchill zitiert: Man müsse „zum einen die Kunst“ beherrschen, „im Voraus sagen zu können, was morgen, in einer Woche, in einem Monat und in einem Jahr geschehen wird. Und schließlich noch die Fähigkeit, hinterher erklären zu können, warum es nicht eingetreten ist:“

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Punxsutawney Phils erstes Auftauchen im Jahr ist in den Vereinigten Staaten immer ein Gesprächsthema. Nicht nur für den Smalltalk, auch in Hollywood. Davon zeugt der Streifen Und täglich grüßt das Murmeltier (siehe unseren Newsletter vom 1. Februar 2008 „Morgen ist Groundhog Day“). Eine Prognose über die Reaktion des haarigen Gesellen, wenn die Klappe zu seinem Bau für einen Moment geöffnet wird, ist nicht schwer: Er wird seinen Schatten sehen und vor Schrecken zusammenzucken.

Letzteres ist jederzeit, das Erblicken des eigenen Ebenbildes nur an sehr klaren und kalten Tag möglich. Nicht unwahrscheinlich, dass das vorherrschende Hoch stabil und die Kälte von Dauer ist. Sechs Wochen soll der Winter in Phils Heimat, dem Nordosten der USA, noch dauern, wenn das Tier Nerven zeigt. Schade, dass es bei uns keinen Groundhog Day wie in Amerika gibt! Murmeltiere gibt’s in Oberbayern an der Zahl. Vielleicht könnte man auch ein anderes Tier zu einer Prognose bewegen – warum nicht einen Dachs, der sieht ebenfalls sehr possierlich aus.

Am besten, wir fragen Jörg Kachelmann. Der ist zwar nur Spezialist für Nordbayern (siehe unseren Newsletter vom 15. Juli 2008 „Wetter und Wetterfrösche“), hat aber immer eine gute Idee. Nicht so gut für Prognosen eignet sich der Verantwortliche für diese Zeilen; doch das ist ein ganz anderes Thema, das morgen an dieser Stelle näher beleuchtet wird.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Heute beginnt der Monat, in dem die meisten von uns merken, dass das Monatsgehalt in 28 Tagen ebenso wenig ausreicht wie in 31. Dabei sollte es im Februar wirklich langen.

Die Steuererleichterungen, welche die neue Bundesregierung den Bürgern versprochen hat, werden sich vermutlich mehrend auf das Nettogehalt auswirken. Das Wetter im kältesten Monat des Jahres wird wohl auch 2010 so sein, dass es nicht gerade zum Ausgehen reizt. Wer dazu noch evangelisch ist – Protestanten wird generell ein besseres Verhältnis zum Geld nachgesagt als Katholiken – muss sich auch durch den in diesem Monat anstehenden Karneval nicht zu portemonnaieschmälerndem Hedonismus animiert wähnen.

Hinzu kommt, dass die Olympischen Winterspiele in Vancouver einen Vorwand liefern, sechzehn Abende und Nächte – die Zeitverschiebung von Mitteleuropa zum Westen Kanadas beträgt neun Stunden – vor dem Fernseher zu verbringen.

Sollten Abende übrig bleiben, an denen Sie nichts zu tun haben und sich vor der Leere fürchten, dann überlegen Sie in diesen Stunden doch, was Sie mit dem eingesparten Geld anfangen können. Vielleicht lässt es sich in den letzten Februartagen noch rasch ausgeben.

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William Claude Dukenfield, heute vor 130 Jahren in Philadelphia geboren, war ein bekannter Schauspieler. Unter seinem Künstlernamen W. C. Fields bekam er sogar einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame; zu seinem 100. Geburtstag ehrte ihn die US-Post mit einer Gedenkbriefmarke. Inzwischen ist der 1946 verstorbene Schauspieler allenfalls mal in der Wiederholung einer David Copperfield-Verfilmung zu sehen, in der er freilich nur eine Nebenrolle spielte.

W. C. Fields hatte viele Talente. Er war ein passabler Billardspieler und jonglierte so gut, dass es in dieser Kunst für einige Bühnenauftritte und Zirkusnummern reichte. Letztere paarte er mit einer gewissen Komik, indem er die längste Zeit so tat, als könne er überhaupt nicht mit den Bällen umgehen. Am lustigsten war W. C. Fields aber außerhalb von Bühne und Leinwand: Es gibt keine englischsprachige Zitatensammlung, die ohne seine Sprüche auskommt. Seinen Ruf hatte er weg als Kinderfeind („Jemand, der Kinder und Tiere hasst, kann so schlecht nicht sein“), Alkoholfreund („Ich trinke, also bin ich“; „Ich habe immer eine Flasche griffbereit, für den Fall, dass ich eine Schlange sehe. Ich habe immer auch eine Schlange griffbereit“), schwarzes Schaf der Familie („Alle Männer in meiner Familie hatten Bärte. Die meisten Frauen auch“), Menschenverächter („Ich lasse mir nicht nachsagen, ich hätte Vorurteile. Ich hasse alle Menschen gleich“) und, ja doch, Lebensbejaher („Beginne jeden Tag mit einem Lächeln. Dann hast Du’s hinter dich gebracht.“).

Was auf seinem Grabstein steht, entzieht sich der Kenntnis dieser Redaktion. Hätte Mr. Dukenfield dies selbst entscheiden können, stünde dort: „Hier liegt W. C. Fields. Er würde viel lieber in Philadelphia leben.“

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Pfeiffer mit drei ‚f’

28. Januar 2010

Eine unbehandelte Orange, eine unbehandelte Zitrone, zwei Liter billiger Rotwein, 50 ml Orangensaft, 35 cl vierundfünfzigprozentigen Rum, eine Zimtstange, sechs Gewürznelken und ein Zuckerhut ergibt, richtig verhackstückt und gemischt, langsam erhitzt und schließlich mit einem langen Streichholz angezündet was? Richtig, eine Feuerzangenbowle! Jetzt ist das richtige Wetter dafür. Gibt man den Begriff in Google ein, erhält man als ersten Treffer das Getränk; mit dem Hinweis, dass es sich um keine eigentliche Bowle, sondern um einen Punsch handelt. Direkt anschließend weist einen die Suchmaschine auf den gleichnamigen Film hin.

Der kam heute vor 66 Jahren zum ersten Mal ins Kino. Heinz Rühmann spielte darin den Dr. Johannes Pfeiffer, der ähnlich wie Thomas Alva Edison (siehe Newsletter von gestern „Eine Erfindung, die so neu nicht war“) niemals eine Schule von innen gesehen hatte. Der fiktive Pfeiffer – mit drei ‚f’, wie er gerne betont – wurde von Hauslehrern erzogen; seine Freunde beschließen, dass er unbedingt die Erfahrung eines Gymnasialbesuchs nachholen muss. Daraus entwickelte sich eine der erfolgreichsten deutschen Komödien aller Zeiten. In Universitäten hierzulande wird sie gerne als Winterkinospektakel aufgeführt; oft, wie etwa in Göttingen, mit tausenden rumseligen, wunderkerzenbewehrten Zuschauern.

Heinrich Spoerl schrieb die literarische Vorlage, Helmut Weiss führte Regie. Rühmann, neben Hauptdarsteller auch Produzent des Streifens, warnte vor zu exzessivem Genuss der Feuerzangenbowle: „Schon manche Gesundheit ist dadurch ruiniert worden, dass man auf die der anderen getrunken hat.“

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Der Erfinder der Glühbirne, das wissen die Leser dieses Newsletters, heißt Jára Cimrman und kommt aus Prag (siehe unsere Ausgabe vom 12. Oktober 2007 „Der Erfinder der Glühbirne, des Joghurts und des Panamakanals“). Sie wissen auch, dass der geniale Tscheche vergessen hatte, sein Patent anzumelden. Wegen dieses Versäumnisses kam ein gewisser Thomas Alva Edison heute vor 130 Jahren in den Genuss dieser Erfindung. Doch auch hinter dem US-Genie steckt eine gute Geschichte. Im Gegensatz zu allem, was über Jára Cimrman erzählt wird, besitzt sie sogar den Vorteil, der Wahrheit zu entsprechen.

Thomas Alva Edison war es nicht in die Wiege gelegt, später einmal eine große Leuchte zu werden. Diese Aussichten sollten sich in den folgenden Lebensjahren kaum verbessern. Nicht, dass Edison ein schlechter Schüler war. Er ging erst gar nicht zur Schule. Deshalb konnte er selbst als Erwachsener keinen Satz fehlerfrei schreiben. Halb so wild, als Naturwissenschaftler musste er sich weniger mit Wörtern als mit Zahlen auskennen. Was Edison half, war seine Beharrlichkeit. „Unsere größte Schwäche“, bekannte er einmal, „liegt im Aufgeben. Der sicherste Weg zum Erfolg ist immer, es doch noch einmal zu versuchen.“

Tatsächlich war auch Edison nicht der Erfinder der Glühbirne beziehungsweise der Glühlampe. Der Brite Frederick de Moleyns erfand bereits 1841 ein ähnliches Gerät, das jedoch nicht sehr funktionstüchtig war. Andere, bessere Versionen folgten. Doch erst Edison gelang es, eine Glühlampe herzustellen, die haltbarer war, mehr Licht abgab und vor allem viel kostengünstiger war als die damals handelsüblichen Gaslampen.

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Das Weltwirtschaftsforum in Davos feiert Jubiläum: Zum 40. Mal treffen sich ab morgen in den Schweizer Bergen die Mächtigen dieser Erde zum „Überdenken, umgestalten, erneuern.“ So lautet der Titel der fünftägigen Veranstaltung, zu der 2500 Teilnehmer erwartet werden. Darunter sind 30 Staats- und Regierungschefs und 60 Minister. Zum Vergleich: Das Debüt im Jahr 1971 lockte 444 Manager an.

Doch das Treffen in Davos hat schon bessere Tage gesehen. So stimmte beispielsweise die Süddeutsche Zeitung in den letzten Jahren stets mit einer mehrseitigen Beilage auf das Großereignis ein. Inzwischen beschränkt sie sich auf eine Seite im Wirtschaftsteil. Gegner des Weltwirtschaftsforums (siehe unseren Newsletter vom 23. Januar 2008 „Ein Nest in den Schweizer Bergen wird zum Nabel der Welt“) werden diese Entwicklung mit Wohlwollen betrachten. Zu sehr ist Davos ein Jahrmarkt der Eitelkeiten, eine Bühne der Selbstdarsteller; zu selten folgen auf große Worte entsprechende Taten. Die Welt ist seit dem ersten Forum keine bessere geworden, die Globalisierung hat mehr Schatten als Licht produziert, und der Kapitalismus befindet sich in der kapitalsten Krise seiner Geschichte – allerdings ohne dass die von Karl Marx beschworenen Folgen tatsächlich eintreten werden.

Wie gut für die Verfechter der freien, Grenzen ignorierenden Marktwirtschaft, dass sich auch ihre Kritiker mitten in einer Krise befinden – sogar einer, die sich rational kaum erklären läst. Normalerweise müssten Organisationen wie attac in Zeiten der Krise Zulauf wie nie zuvor haben. Das Gegenteil ist der Fall. Und wenn die Globalisierungskritiker zum Gegenforum im brasilianischen Porto Alegre zusammenkommen, wird auch dieses Treffen viel weniger als bislang im Fokus der Öffentlichkeit sein.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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