Archiv für 2006

Happy Christmas? Merry Christmas!

Freitag, 22. Dezember 2006

Warum heißt es nicht „Happy Christmas“, sondern „Merry Christmas“ auf englischsprachigen Weihnachtskarten? Der Erfinder ließ genau diesen Text auf seine allererste Ausgabe drucken. Wie Sie in unserer Ausgabe vom 18. Dezember nachlesen konnten, hieß der Mann Henry Cole und war Museumsdirektor in London. Im Jahr 1843 beauftragte er einen Künstler namens John Calcott Horsley mit der Gestaltung einer Grußkarte zu Weihnachten. Sie zeigte eine stimmungsvolle Familienfeier mit Eltern und Kindern, umrahmt von wohltätigen Menschen, die den Armen Essen und Kleidung schenken.

Die Inschrift – heute noch aktuell – lautete: „Merry Christmas and a happy New Year to you“. Nur die Bedeutung des Wörtchens „merry“ hat sich geändert: heute heißt es „fröhlich“, früher entsprach es „gesegnet“.

Ich wünsche Ihnen ein Weihnachtsfest, das sowohl gesegnet als auch fröhlich ist. Da unser Newsletter erst wieder am 2. Januar erscheint, wünsche ich Ihnen heute schon einen reibungslosen Jahreswechsel und ein erfolgreiches Jahr 2007.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Der Winter ist eine Aufgabe

Donnerstag, 21. Dezember 2006

Der Winter ist keine Jahreszeit, sondern eine Aufgabe. So sah es Sinclair Lewis, der erste Amerikaner, der einen Literatur-Nobelpreis gewann. Ich weiß nicht, welche Aufgabe Lewis sich gestellt hat. Es gibt aber einige Dinge, die Sie in der kalten Jahreszeit erledigen können: sich fit machen für das nächste Frühjahr beispielsweise, oder Urlaub ansammeln für die Zeit, wenn es wieder wärmer wird.

Wenn ich recht überlege, kommen mir allerdings nur wenige Aufgaben in den Sinn. Sie können die Frage ja mal in Ihrem nächsten Small Talk aufwerfen. Morgen ist Winteranfang – genauer gesagt um 01:22 MEZ –, da haben Sie gleich den richtigen Aufhänger.

Mir fällt aber noch etwas zu Sinclair Lewis ein: Als er im Jahr 1930 die Auszeichnung erhielt, verlor er nur wenige Worte über sich. Statt dessen nahm er für seine Dankesrede ein Buch mit auf die Bühne. Ohne Umschweife begann er daraus vorzulesen. Es war der großartige Roman Schau heimwärts, Engel des damals – und heute leider auch wieder – ziemlich unbekannten US-Schriftstellers Thomas Wolfe. „Er hat die Auszeichnung verdient, nicht ich“, sagte Lewis. Zur Erleichterung der Jury nahm er den Preis schließlich doch noch entgegen.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Hightech-Ampeln für Pferdefuhrwerke?

Mittwoch, 20. Dezember 2006

Der Bahnhof von Sibiu ähnelt dem einer Provinzstadt im amerikanischen Westen der Jahrhundertwende, nur dass hier weniger los ist. Locker überqueren Passanten die Gleise, und wenn ein Zug kommt, ist er so langsam, dass man ruhig noch einmal vor und zurück gehen könnte.

Besser ist es jedoch, stehen zu bleiben und sich in Ruhe die prächtige Kulisse anzuschauen, die nicht jeder Bahnhof zu bieten hat: In der Ferne leuchten nämlich weiß die Gipfel der Südkarpaten und sorgen für einen atemberaubenden Ausblick.

In Sibiu haben sich, als es noch keinen Bahnhof gab, zahlreiche aus Schwaben eingewanderte Deutsche niedergelassen. Heute zeugen davon nur noch die Bauwerke; die Stadt, die früher einmal Hermannstadt hieß, ist mittlerweile zu 98 Prozent von Rumänischstämmigen bewohnt.

Da Sibiu am 1. Januar 2007 – zusammen mit Luxemburg – europäische Kulturhauptstadt wird, herrscht rege Bautätigkeit. Am modernsten sind die Ampeln. Sie zählen jeweils in roter und grüner Farbe die Sekunden, die der Autofahrer noch warten muss und der Fußgänger an Schonung genießen darf.

Nicht ganz dazu passen wollen die Pferdefuhrwerke, die nicht für die Touristen, sondern als alltägliches Transportmittel durch die Astraßen zockeln, und die mitunter recht betagten Autos. Es fällt auf, dass die meisten einheimischer Bauart sind: Dacias aus den Siebziger, Achtziger, Neunziger Jahren, die meisten von ihnen in erstaunlich gutem Zustand – wie überhaupt die Stadt einen Eindruck macht, auf den der Bahnhof bei der ersten Begegnung nicht schließen lässt. Fahren Sie mal hin. Es lohnt sich!

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Staatsmann und Komödiant

Dienstag, 19. Dezember 2006

„Es scheint, dass dieser nicht so sehr seiner Fähigkeiten wegen an die Spitze der Partei gebracht wurde. Aber das muss man ihm lassen: Ein Komödiant ist er – vor allem, was seine Augenbrauen betrifft. Sein Werk dagegen ist tragisch vom Anfang bis zum Ende.“

Derjenige, über den so despektierlich geurteilt wurde, hätte heute seinen 100. Geburtstag gefeiert. Leonid Iljitsch Breschnew war von 1966 bis zu seinem Tod am 10. November 1982 Generalsekretär der KPdSU und leitete damit die Geschicke der zweitgrößten Macht der Welt.

Nicht immer mit Erfolg: In seine Amtszeit fällt die Invasion in der Tschechoslowakei 1968, mit der er Europa an den Rand des dritten großen Krieges in nur gut einem halben Jahrhundert brachte. Noch unglücklicher agierte er in Afghanistan: Als er seine Truppen dort einmarschieren ließ, war das der erste Schritt zum Untergang des Sowjetimperiums. Breschnews politische Borniertheit und militärische Abenteuer mussten seine Nachfolger ausbaden – selbst für einen Michail Gorbatschow gab es da nur noch wenig zu retten.

Das Zitat zu Beginn stammt übrigens von einem anderen kommunistischen Diktator: Der Albaner Enver Hodscha riskierte mit seinem öffentlichen Spott sehr viel – und noch mehr mit seinem Austritt aus dem östlichen Verteidigungsbündnis, dem Warschauer Pakt. Dieser erfolgte übrigens als Reaktion auf den sowjetischen Einmarsch in der Tschechoslowakei. Gut, dass Albanien keine gemeinsame Grenze mit der UdSSR hatte; sonst hätte die Rote Armee wohl auch noch Tirana besetzt.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Eine Idee vom Museumsdirektor, die Furore machte

Montag, 18. Dezember 2006

Haben Sie schon Ihre Weihnachtskarten geschrieben und abgeschickt? Na ja, ein wenig Zeit bleibt Ihnen noch. Aber denken Sie bitte daran: Vor den Feiertagen haben die Briefträger besonders viel zu tun, und da kann es schon mal vorkommen, dass eine Postkarte etwas länger als die üblichen zwei Tage unterwegs ist.

Zeitknappheit war es auch, die im Dezember 1843 bei der Geburt der ersten Weihnachtskarte Pate stand: Der Londoner Museumsdirektor Henry Cole war total im Stress – er musste zusätzlich zu seiner Arbeit im „Victoria and Albert Museum“ jede Menge Weihnachtsbriefe schreiben. Da kam ihm eine Idee.

Er engagierte einen Künstler, der eine kleine Karte entwarf. Sie zeigte die Familie Cole, die an der Festtafel saß und ihre Gläser auf einen abwesenden Gast erhob: den Empfänger der Karte. Cole musste nur noch unterschreiben – und fertig war der persönliche Weihnachtsgruß!

Wie wir heute wissen, machte die Idee Furore: Bunte Weihnachtskarten werden inzwischen rund um die Welt verschickt und sind aus der Adventszeit nicht mehr wegzudenken.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Macht unsere Bücher billiger!

Freitag, 15. Dezember 2006

„Lieber Meister Rowohlt, liebe Herren Verleger: Macht unsere Bücher billiger!“ Diese Zeilen schrieb Kurt Tucholsky Ende 1932 an den Hamburger Verlag, nachdem ein Schüler sich bei dem Autor beschwert hatte: „Ihr letztes Buch ist wieder so teuer, dass man es sich nicht kaufen kann. Hoffentlich sterben Sie bald, damit Ihre Bücher billiger werden.“

Böse Zungen würden jetzt behaupten, dass der Verlag es nicht nötig hatte, seine Preispolitik zu revidieren, denn Tucholsky starb tatsächlich bereits drei Jahre später. Allerdings waren die Umstände seines Todes sehr unglücklich: Er nahm sich im schwedischen Exil aus Verzweiflung über die Naziherrschaft in Deutschland das Leben.

Der Rowohlt-Verlag musste Faschismus und Weltkrieg abwarten, bis er Tucholskys Wunsch entsprechen konnte. Heute vor 60 Jahren erschienen die ersten – mit Hilfe eines preiswerten Rotationsverfahrens auf Zeitungspapier gedruckten – Taschenbücher der Reihe rororo.

Wiederum 30 Jahre später habe ich mir mein erstes gekauft: Der Fremde von Albert Camus. Der Preis damals: Drei Mark achtzig. Der bislang letzte rororo-Band in meinem Regal – Dezsö Kosztolanyis brillanter Schelmenroman Ein Held unserer Zeit. Die Bekenntnisse des Kornél Esti – kostete dagegen schon fast neun Euro. Verglichen zu den meisten anderen Taschenbüchern auf dem Markt ist das aber immer noch relativ preiswert.

PS: Die Deutsche Gesellschaft für Sprache hat soeben das Wort des Jahres 2006 veröffentlicht: „Fanmeile“.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Weihnachtsmänner gibt es auch außerhalb Berlins

Donnerstag, 14. Dezember 2006

Gestern haben wir ein bisschen Werbung für Weihnachtsmänner gemacht. Leider nur für Berliner. Damit der Rest der Republik nicht in die Röhre guckt, möchte ich folgende Anregung aufnehmen und weitergeben:

Wer in ganz Deutschland für seine Kinder einen Weihnachtsmann sucht, wendet sich am besten an eine der folgenden Internet-Adressen: weihnachtsbuero.de oder weihnachtsmannbuero.de.

Diese Information habe ich von unserem Leser Jörg Lorenzen. Er ist der Kieler Weihnachtsmann, offiziell autorisiert durch den „Santa Claus of Greenland“, Mitglied der „International Santa Claus Association“ und Repräsentant für Deutschland beim alljährlichen „World Santa Claus Congress“ im Kopenhagener Stadtteil Bakken.

Sie sehen, bald wird dieser Newsletter nicht mehr nur Small Talk-Themen liefern, sondern sich zum Weihnachtsmann-Expertenforum schlechthin entwickeln. Aber keine Sorge: Morgen werde ich Ihnen vom Jubiläum der rororo-Bücher berichten – ohne Weihnachtsmann ;-).

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Weihnachtsmann gesucht?

Mittwoch, 13. Dezember 2006

Seine Dienstkleidung besteht aus roter Zipfelmütze, rotem Mantel, schwarzer Hose und roten Stiefeln. Der weiße Bart darf ebenso wenig fehlen wie der Jutesack, in dem die Geschenke für die braven Kinder sind. Die Rede ist vom Weihnachtsmann, der dieser Tage allein in Berlin in 400-facher Ausführung in Kaufhäusern und Fußgängerzonen, in Kindergärten und Freizeiteinrichtungen unterwegs ist. Doch wo finden diejenigen, die Kinder bescheren möchten, das geeignete Subjekt?

Am ehesten beim studentischen Arbeitsvermittler „Heinzelmännchen“: Die Agentur bietet dieses Jahr zum 58. Mal rotbefracktes und weißbärtiges Personal an. Eine Bescherung ist auf 20 Minuten angesetzt. Dafür erhält der Weihnachtsmann 30 Euro. An guten Tagen kann er auf zehn bis zwölf Termine kommen. Für einen Studenten ist das kein schlechter Nebenverdienst.

In Berlin haben einige später berühmt gewordene Studenten diese Erwerbsquelle genutzt, schreibt die Süddeutsche Zeitung, darunter auch Karl Dall und Jürgen von der Lippe. Kontaktfreude, Extrovertiertheit, schauspielerisches und komödiantisches Talent sind nicht die schlechtesten Voraussetzungen für den Job. Daneben achten die Vermittler darauf, dass ein Weihnachtsmann – zumindest an seinen Arbeitstagen – nicht raucht und keinen Alkohol zu sich nimmt. Schmutzli-Verdacht (siehe Newsletter vom 4. Dezember) besteht in Deutschland übrigens nicht: Weihnachtsmänner dürfen Kinder auf den Schoß nehmen.

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Friedenspfeife statt Kriegsbeil

Dienstag, 12. Dezember 2006

Die ersten Soldaten der Bundeswehr wurden am 12. November 1955 vereidigt – in der Bonner Ermekeilkaserne. Da unsere Armee aber lieber zur Friedenspfeife statt zum Kriegsbeil greift, wird dieses Gebäude ab dem Jahr 2010 nicht mehr gebraucht. Jedenfalls nicht für militärische Zwecke. Was aber lässt sich mit eine leeren Kaserne Schönes anstellen?

Darüber macht sich die Bonner „Initiative zur zivilen Nutzung der Bonner Ermekeilkaserne“ Gedanken und startete eine Umfrage unter Bonner Bürgern. Die wünschten sich eine Nutzung des Areals als Wohnraum: für alle Generationen, familienfreundlich, bezahlbar. Platz soll dort in Zukunft auch für eine Kindertagesstätte, ein Bürger- und Begegnungszentrum, Kleingewerbe mit Läden, ein Bildungswerk, Vereinsräume und ein Jugendzentrum sein.

Was die Befragten auf keinen Fall wollen, ist eine kommerzielle Übernahme durch einen privaten Investor, dem nur die Dollar- oder Eurozeichen in den Augen stehen. Ich finde die zivile Nutzung von Kasernen eine gute Idee; das sollte es öfter geben. Wenn Sie sich über den weiteren Verlauf des Bonner Projekts informieren möchten (und der Initiative vielleicht etwas spenden wollen, es ist ja bald Weihnachten), gehen Sie doch mal auf die Webseite ermekeilkaserne-zivil.de, und dort auf der oberen Leiste auf die Menüpunkte „Initiative“ oder „Kontakt“.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Zeitvertreib für lange Winterabende

Montag, 11. Dezember 2006

Wenn Sie abends einkaufen gehen, müssen Sie nicht bis 20 Uhr alles erledigt haben. Es sei denn, Sie wohnen in Bayern oder im Saarland. In diesen tief katholischen Bundesländern haben die Geschäfte ja sogar an Mariä Himmelfahrt (siehe unseren Newsletter vom 25. August) geschlossen! Sie bleiben es auch an allen anderen Tagen ab 20 Uhr – im Gegensatz zu den Läden in Sachsen und Rheinland-Pfalz, die bis um 22 Uhr geöffnet haben. Noch zwei Stunden länger einkaufen dürfen Sie in den übrigen Bundesländern.

Der Ladenschluss in Deutschland wird wohl noch eine Zeitlang Zankapfel bleiben. Ein erstes Gesetz, schreibt die Süddeutsche Zeitung, gab es nicht vor 1900: In diesem Jahr legte man eine Öffnungszeit von 5 bis 21 Uhr fest. In der Weimarer Republik wurde die Maßnahme verschärft: Von 1919 an waren ab 19 Uhr alle Ladentüren verriegelt.

In der Bundesrepublik durften die Geschäfte qua Gesetz vom 28. November 1956 unter der Woche von 7 bis 18 Uhr 30, am Samstag bis 14 Uhr offen bleiben. Eine Ausnahme bildete ab 1989 der Donnerstag: Am so genannten Dienstleistungsabend wurden die Ladengitter erst um 20 Uhr 30 heruntergelassen. Am 1. Juni 2003 trat dann die bis Ende November dieses Jahres gültige Regelung in Kraft.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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