Archiv für Dezember, 2007

Carlos der Trinker und der sonderbare Zaza

Freitag, 7. Dezember 2007

Heute begehen die Amerikaner den Pearl-Harbor-Day zum Gedenken an den Angriff japanischer Flieger im Jahr 1941 (siehe unseren Newsletter vom 7. Dezember 2006). Nicht mit Düsen-, sondern mit Korbjägern befasst sich unsere heutige Ausgabe:

Es geht um die beste Basketball-Liga der Welt. Die National Basketball Association, kurz NBA, hat lange Zeit vergeblich um Erwähnung in diesem Newsletter geschmachtet. Dabei haben Amerikas Elite-Spieler mehr zu bieten als nur ihren Sport. Lustige Namen zum Beispiel: So beißen sich Reporter regelmäßig auf die Zunge – und haut sich deren Hörerschaft entsprechend auf die Schenkel – wenn Wally Szczerbiak von den Seattle Super Sonics oder Nikoloz Tskitishvili für die New York Knicks im Einsatz sind.

Versuchen Sie einmal, deren Namen unfallfrei auszusprechen! Für die lautmalerischen Effekte ist Boniface Ndong zuständig, wenn er für seine Los Angeles Clippers Brett und Netz trifft. Einer der absoluten Stars der Liga ist Carlos Boozer, auch wenn man ihm so viel Klasse bei seinem Namen nicht zutraut: Ein boozer ist ein harter Trinker. Etwas befremdlich wirkt zuweilen Zaza Pachulia von den Atlanta Hawks; sein Nachname lautet, englisch ausgesprochen und ins Deutsche übersetzt, Zaza Befremdlich. Diese Versinnlichungen lassen uns schmunzeln, zum Schreien komisch sind sie nicht.

Außer vielleicht der Zuname des Denver Nuggets-Spielers Nene Hilario: hilarious bedeutet auf Deutsch – zum Schreien komisch.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Verantwortungsvoller Umgang mit Büchern

Donnerstag, 6. Dezember 2007

Ein Mann liest ein Buch, ärgert sich und wirft es in die Mülltonne. Kommt Ihnen ein solches Szenario bekannt vor? Seit einiger Zeit gibt es einen Weg, der Büchern zumindest das dritte Glied der eingangs beschriebenen Handlungskette erspart:

Beim BookCrossing reichen die Beteiligten ihre Lektüre an andere weiter. Dies geschieht kostenlos, anonym und ohne Verpflichtung. Niemand verbietet einem, auch ein gutes Buch auf die Reise zu schicken und mit einem entsprechenden Etikett kenntlich zu machen. Der Empfänger notiert den Fundort auf der Website www.bookcrossers.de – dort sind auch die Etiketten erhältlich – und gibt das Buch nach Lektüre weiter.

So ist BookCrossing eine Gemeinschaft von Buchliebhabern geworden, die Leselust und Leseleid teilen. Die Orte, an denen man ein Buch auf die Reise schickt, sind ebenfalls nicht vorgegeben: Es kann eine Kneipe, ein Nahverkehrsmittel, ein Flugzeug, ein Hotel oder ein Park sein – Hauptsache, es wird irgendwann gefunden und ist mit einem Etikett versehen.

Inzwischen haben auch Autoren und Verlage die Möglichkeit entdeckt, durch Gratis-Verteilung von Büchern indirekt ihren Absatz anzukurbeln. Die meisten BookCrosser geben an, durch das Projekt mehr Bücher als zuvor gekauft und gelesen zu haben.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Spendabler Schmutzli, kreuzbrave Klausjäger

Mittwoch, 5. Dezember 2007

Im westlichen unserer beiden alpinen Nachbarländer – das wissen treue Leserinnen und Leser unseres Newsletters – hört der Nikolaus auf den Namen Samichlaus; der Assistent des Weißbärtigen wird Schmutzli genannt. Diese Nacht treten sie wieder in Aktion. In der schönen Stadt Küssnacht am Rigi – diese wiederum ist den Schiller-Kundigen unter der Leserschaft bekannt – werden der Samichlaus und sein Gehilfe von einer Horde junger Burschen begleitet, die sich Klausjäger nennen.

Deren vornehmste Aufgabe war es, in der Nikolausnacht durch die Gassen ihres sonst eher stillen Heimatörtchens zu ziehen: In Hooliganmanier wurden unbedarften Passanten Lebens- und Genussmittel, gerne in Form von Alkohol, abgepresst. Hatten die so Angepöbelten weder Ess- noch Trinkbares dabei, konnten sie sich auch mit einem kleinen Geldgeschenk aus der Klemme ziehen. Die Schweiz ein Biotop für Hooligans? Das war einmal! Inzwischen läuft unterhalb des heiligen Berges der Eidgenossen alles in geordneten Bahnen ab:

Die Klausjäger haben sich in einem braven Umzug organisiert, und der Küssnachter Schmutzli verteilt währenddessen sogar selber Geschenke – Nüsse, Krapfen, Dörrobst – an die Umstehenden. Ist der Umzug vorbei, spalten sich die Klausjäger in kleine Gruppen auf und klingeln an den Häusern, um noch Trinkbares zu ergattern. Doch auch hier geht es recht zivil zu.

Hooligans dulden weder die Schweizer noch deren östliche Anrainer – nicht in der Nikolausnacht, und schon gar nicht während der Fußball-Europameisterschaft im nächsten Jahr.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Verflucht! Verflucht! Verflucht!

Dienstag, 4. Dezember 2007

Heute vor 444 Jahren fand das Konzil von Trient seinen Abschluss. Die Veranstaltung in der Kathedrale der oberitalienischen Stadt endete damit, dass sechs Kardinäle, drei Patriarchen, 25 Erzbischöfe, 169 Bischöfe, sieben Ordensgeneräle und 19 Prokuratoren der römisch-katholischen Kirche sich von ihren Sitzen erhoben und „Verflucht! Verflucht! Verflucht!“ riefen.

Wer oder was sollte verflucht werden? Natürlich die Ketzer, die im 16. Jahrhundert mächtig Auftrieb erhalten hatten! Martin Luther, Ulrich Zwingli und Johannes Calvin waren die Anführer der Abtrünnigen, und die Orte ihres Wirkens – Wittenberg, Zürich und Genf – entwickelten sich zu den Hauptorten der reformatorischen Protestbewegungen.

Heute zählt die römisch-katholische Kirche rund 1,1 Milliarden Mitglieder. Protestanten gibt es offiziell nur 400 Millionen. Nicht eingerechnet in dieser Zahl sind die Pentecostals und Charismatics, also die Pfingstler und die charismatischen Christen. Die Zahl dieser Anhänger der so genannten Freikirchen dürfte um die 700 Millionen betragen.

Bedenkt man, dass die weltweite Gemeinde der Protestanten mit jährlich 2,2 Prozent doppelt so stark wächst wie die der Katholiken – ihre Zahl steigt pro Jahr um 1,1 Prozent – wird es in absehbarer Zeit mehr Ketzer als Rechtgläubige geben. Alles Verfluchen hat also wenig geholfen.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Der erste Mensch mit fremdem Herzen

Montag, 3. Dezember 2007

Audienz beim Papst, Empfang beim US-Präsidenten Lyndon B. Johnson, Affäre mit dem italienischen Leinwandstar Gina Lollobrigida: Christiaan Barnard wurde herumgereicht wie ein Popstar. Dabei hatte der Südafrikaner nur etwas vollbracht, was bis dahin allenfalls im Kollegen- und Wissenschaftlerkreis Anerkennung fand:

Er hatte einen Patienten erfolgreich medizinisch behandelt. Aber was war das für eine Operation! Barnard hatte heute vor 40 Jahren erstmals einem Menschen ein fremdes Herz eingesetzt. Fünfeinhalb Stunden hatte der Eingriff gedauert, an dessen Ende Louis Washkansky mit dem gesunden Spenderorgan der erst 25-jährigen Denise Darvall weiterlebte.

Die junge Frau war zuvor bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Operation gelungen, Patient trotzdem tot: 18 Tage später starb Washkansky. Was war geschehen? Um zu verhindern, dass der Körper das fremde Herz abstieß, hatte Barnard die Immunabwehr seines Patienten heruntergefahren. Washkansky zog sich eine Lungenentzündung zu, gegen die sein geschwächter Körper letztlich keine Chance hatte. Das hielt den wackeren Arzt nicht davon ab, weiter zu transplantieren.

Sein nächster Patient, Philip Blaiberg, wurde ein Jahr später operiert und lebte immerhin 19 Monate mit seinem neuen Herzen. Barnard unternahm weitere Verpflanzungen des zentralen Organs. Bald wurde die Herzplantation zum Routineeingriff, und Barnards Patienten sollten fast länger leben, als die Ehen des Arztes dauerten. Nachdem seine erste Frau einen Liebesbrief von Gina Lollobrigida entdeckt hatte, gab sie ihm den Laufpass. Es folgten zwei weitere Ehen und Scheidungen, ehe Barnard 2001 während eines Zypernurlaubs an einem Asthmaanfall starb.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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