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Eigentlich wäre der Februar gestern zu Ende gegangen. Da aber 2008 ein Schaltjahr ist, müssen Sie den kältesten Monat noch einen Tag länger aushalten. Eingeführt hatte den Extratag Julius Cäsar bereits im Jahr 46 vor Christus: Seine Astronomen hatten wie schon zuvor die alten Ägypter erkannt, dass das Jahr nicht nur 365 Tage, sondern dazu noch sechs Stunden länger dauerte.

Die summierten sich alle vier Jahre zu einem vollen Tag. Der wurde im Julianischen Kalender in jedem glatt durch vier teilbaren Jahr eingefügt. Das wäre alles wunderbar gewesen, wenn das Jahr tatsächlich volle sechs Stunden länger gedauert hätte. Es waren aber nur 5 Stunden, 48 Minuten und 46 Sekunden. Die Folge war, dass sich der Frühlingsbeginn immer weiter nach vorne schob.

Im Jahr 1582 zog Papst Gregor XIII. die Notbremse. Am 4. Oktober verkündete er, dass die nächsten zehn Tage einfach ausfallen würde, und nach dem nächsten Erwachen alle Kalender gefälligst auf den 15. zu stellen seien. Das half schon ganz ordentlich. Letzte Unstimmigkeiten wurden beseitigt, indem jedes Jahr mit zwei Nullen am Ende, das sich nicht ohne Rest durch 400 teilen lässt, als Schaltjahr ausfiel.

Klingt das zu kompliziert? Dann versuche ich, dies an einem Beispiel zu erläutern: 1700, 1800 und 1900 gab es keinen 29. Februar, 2000 sehr wohl, und alle durch vier teilbare Jahre wie das aktuelle haben dieses Datum sowieso.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Das Album Pat Garrett & Billy the Kid ist eines der schwächsten von Bob Dylan. Es bildete den Soundtrack zum gleichnamigen Western – in dem der Liedermacher übrigens eine Nebenrolle spielt – und erhielt dadurch mehr Beachtung, als es eigentlich verdiente.

Ein Song brachte es sogar zu Weltruhm: Knocking on Heaven’s Door haben seitdem zahlreiche Interpreten neu aufgenommen. Noch heute wird das Stück von Hobbymusikern gerne auf der Gitarre gequält. Auch der von Sam Peckinpah gedrehte Film besitzt inzwischen Klassikerstatus. Er gewinnt nicht zuletzt durch die Tatsache, dass der den Revolverhelden verkörpernde Songwriter-Kollege Dylans, Kris Kristofferson, auf jegliche Gesangseinlage verzichtete. Die andere Hauptrolle besetzte der Regisseur mit einem etablierten Schauspieler: James Coburn.

Der Film beschreibt das Leben zweier Menschen am Rande der Gesellschaft. Sie haben wirklich existiert, und in ihrem ersten Leben als Outlaws standen sie sich recht nahe. Doch mit der Freundschaft ist es vorbei, als Pat Garrett zum Sheriff von Lincoln County gewählt wird – jener Gegend, in der Billy the Kid einem nicht immer legalen Zeitvertreib huldigt. Zweimal verhaftet der Gesetzeshüter den Gesetzesbrecher. Zweimal gibt er ihm die Möglichkeit der Flucht, verbunden mit der Auflage, in Mexiko die Rente einzureichen. Doch Billy hat noch keine Lust, sich aufs Altenteil zu begeben, und schlägt das Angebot aus.

Bei einem Einbruch, von dem er Wind bekommen hat, lauert der Mann mit dem Stern seinem Widersacher auf und erschießt ihn. Die Kleinigkeit, dass Billy unbewaffnet war, stößt sogar der ortsansässigen Bevölkerung, die unter Billys Raubzügen gelitten hat, sauer auf. Sie versagt Garrett die Anerkennung und verweigert ihm jeden Rückhalt. Die letzten Jahre im Amt werden für den Sheriff kein Vergnügen. Heute vor 100 Jahren ist er bei einer hundsgewöhnlichen Schießerei ums Leben gekommen.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Von König Heinrich VIII. von England ist bekannt, dass er sechs Frauen besaß und mit dem Papsttum brach. Doch war er nicht der erste Monarch in Europa, der diesen Schritt vollzog. Schon ein Jahrhundert zuvor schwor Georg von Podiebrad der römisch-katholischen Kirche ab und bekannte sich als frisch gekrönter König von Böhmen ausdrücklich zur Lehre des Reformators Jan Hus. Das war am 27. Februar 1458, also heute vor 550 Jahren.

Zunächst bemühte sich Georg noch um einen Ausgleich mit Rom. Damit war es endgültig vorbei, als Papst Pius II. starb. Sein Nachfolger Paul II. entwickelte sich zu einem wahren Hussitenhasser. Er exkommunizierte den Unbotmäßigen, erklärte ihn zum Ketzer und forderte die böhmischen Adligen zu dessen Sturz auf. Es kam zum Aufstand, in dessen Verlauf der ungarische König Matthias Hunyadi 1469 zum Gegenkönig ausgerufen wurde.

Die Geschichte endete tragisch: Zwei Jahre darauf starb Georg – der Bonvivant konnte kein Essen stehen lassen und spülte alles gerne mit einem kräftigen Schluck herunter – gleich an mehreren körperlichen Defekten, hervorgerufen durch seine Fettsucht.

Um seine Nachfolge stritten sich zwei Katholiken: Neben dem oben erwähnten Matthias warf der polnische Thronfolger Wladislaw II. seinen Hut in den Ring. Am meisten leiden unter dieser Konkurrenz musste das böhmische Volk, das mit einer Reihe von Kriegen überzogen wurde. 1526 fiel das Land schließlich den gefräßigen Habsburgern zum Opfer.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Heute ist Anmeldeschluss

26. Februar 2008

Treffen sich zwei Jäger. Beide sind tot. Witze über Jäger gibt es viele, aber kaum einer ist so kurz wie dieser. Sie können ihn sich für die allerletzten Sekunden eines Small Talks aufbewahren – zeitlich unterkriegen werden Sie ihn auf jeden Fall. Ob er ankommt, hängt davon ab, wie intensiv Ihr Gegenüber dem Waidwerk frönt.

Um eine solche Leidenschaft korrekt ausüben zu können, muss man eine Jagdprüfung ablegen. Die wird ein- bis zweimal im Jahr angeboten. In der Unteren Jagdbehörde meiner Heimatstadt ist es wieder so weit: Da müssen Sie sich bis heute Mittag – es zählt der Eingangsstempel – angemeldet haben. Die schriftliche Prüfung folgt am 28. April im Ratssaal des Bonner Stadthauses. Dort kann der praktische Teil leider nicht stattfinden. Deshalb wird die Schießprüfung – sie steigt am 5. Mai – in die Bengener Heide, ein einsames Waldstück jenseits der rheinland-pfälzischen Landesgrenze, verlegt.

Wer die überlebt, hat ab dem 6. Mai, wieder im Stadthaus, die Möglichkeit, sein Können im mündlich-praktischen Teil unter Beweis zu stellen. Was da wohl verlangt wird? Vielleicht Tipps, wie man die zuvor bei den Schießübungen zur Strecke gebrachten Kollegen fachmännisch ausweidet?

Zur Prüfung mitbringen muss man einen Nachweis über die Existenz einer Jagdhaftpflichtversicherung mit den gesetzlichen Mindestsummen von 500 000 Euro für Personenschäden und 50 000 Euro für Sachschäden. Wenn man so hoch versichert ist, kann man schon eine Menge Unsinn anstellen.

Wir sind mit unserem Newsletter übrigens nicht versichert. Deswegen dürfen wir uns nur ganz kleine Fehler erlauben – etwa den, dass Liechtenstein ganze 160 Quadratmeter groß sein soll. Das wäre die Fläche eines Einfamilienhauses, in das nur mit viel Wohlwollen 35000 Menschen passen würden. Natürlich sind es 160 Quadratkilometer. Dass wir auf diesen Lapsus hin gleich eine Reihe von Zuschriften erhielten, zeigt eindrücklich, dass Sie, liebe Leserinnen und Leser, unsere gestrige Ausgabe sorgfältig studiert haben.

Für mich ist das eine willkommene Gelegenheit, für Ihre Aufmerksamkeit zu danken. Den Kollegen, der den Fehler beim Gegenlesen übersehen hat, werde ich überreden, sich zur Jagdprüfung anzumelden. Wenigstens zum praktischen Teil.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Als in diesem Newsletter das letzte Mal von Liechtenstein die Rede war (siehe Ausgabe vom 11. Oktober 2005), wurde darauf hingewiesen, dass der Zwergstaat außer Banken und Briefkastenfirmen auch anderes zu bieten hat: eine kleine, aber feine Industrie – und ein nicht minder effizientes Fußballteam. Letzteres machte in der Qualifikation zur Europameisterschaft mal wieder von sich reden:

Von zwölf Spielen konnte der Außenseiter immerhin zwei gewinnen, einmal spielte man unentschieden. Das ist keine schlechte Bilanz für ein Land von 160 Quadratmetern mit gerade mal 35 000 Einwohnern. Der beste Klub Liechtensteins ist so gut, dass er – um gleichwertige Gegner zu finden – im Ausland spielen muss: Der FC Vaduz kickt in der Zweiten Schweizer Liga. Dort steht er aktuell auf dem zweiten Platz, der zu Ausscheidungsspielen um den Aufstieg in die eidgenössische Eliteklasse berechtigt. Auch die deutsche Mannschaft muss sich vor den Liechtensteinern ein wenig in Acht nehmen:

Am 6. September ist die DFB-Auswahl zu Gast in Vaduz. Es handelt sich um das erste Qualifikationsspiel zur Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika. Da kann auch eine Klasse-Elf leicht stolpern. Jetzt habe ich aber genug Werbung für das kleine Fürstentum gemacht. Staatsoberhaupt Hans-Adam II wird sich bestimmt ebenso über die Ablenkung von jüngsten Negativschlagzeilen im Zusammenhang mit Steuerflüchtlingen freuen wie Regierungschef Otmar Hasler über die positive PR. Vielleicht möchte sich einer der Beiden erkenntlich zeigen? Ein Postfach würde mir schon reichen …

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Am Wochenende feiert Estland seinen Unabhängigkeitstag: Das kleine Land im Norden Europas stand die längste Zeit unter Einfluss von außerhalb: Zuerst räuberten dort die Wikinger, dann eroberten es die Dänen, anschließend missionierten die geistlichen Ritter vom Deutschen Orden die Region. 1721 wurde Estland russisch – und blieb es bis zum 24. Februar 1918:

Die Schwäche der Großmacht nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg und dem Zusammenbruch des Zarenreiches ausnutzend, erklärte das kleine Ostseevolk an diesem Tag seine Selbstständigkeit. Ihre Freiheit genoss die neue Nation nur gut zwei Jahrzehnte lang; dann besetzte die sowjetische Rote Armee das gesamte Baltikum und annektierte die drei bis dato souveränen Staaten Estland, Lettland und Litauen. Die zweite Unabhängig begann für Estland am 20. August 1991. Sie dauert bis heute an. Eine Gefahr der Rückeroberung durch die längst untergegangene Sowjetunion besteht zum Glück nicht mehr.

Die Ungebundenheit ist dem 1,5-Millionen-Volk gut bekommen: In der PISA-Studie belegt es stets vordere Plätze, das Land weist mit 0,2 Prozent die niedrigste Analphabetenrate weltweit auf, und was die Zahl der Internetanschlüsse pro Einwohner betrifft, kann ihm ebenfalls kein anderer Staat das Wasser reichen. Nur die Verständigung mit den Einheimischen ist problematisch: Das Estnische ist keine indogermanische Sprache, sondern eng mit dem Finnischen verwandt.

Fahren Sie trotzdem hin: Selbst wenn Sie außer tere – das heißt „hallo“ – kein Wort Estnisch sprechen, kommen Sie gut klar. Viele Esten sprechen neben Finnisch und Englisch auch Schwedisch und Deutsch.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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In Köln, Düsseldorf und anderen närrischen Hochburgen ist der Karneval die fünfte Jahreszeit; in München beginnt diese erst nach Aschermittwoch. Die Rede ist vom Starkbierfest. Das wird heute eingeläutet und dauert bis zum 9. März. Die Tradition geht zurück auf die Mönche vom Paulanerorden. Seit 1627 betrieben sie im heutigen Stadtgebiet oberhalb der Isar das Kloster Neudeck ob der Au.

Die Erlaubnis dazu hatte ihnen der bayerische Kurfürst Maximilian I. gegeben. Sieben Jahre später begannen die Mönche, Bier zu brauen. Da sie strenge Fastenregeln einhielten, wurde das flüssige Brot in den Wochen vor Ostern zu ihrer Hauptnahrung. Um sich die nötigen Kalorien einzuführen, machten sie das Bier währenddessen besonders stark. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde den Paulanern – damit sie sich etwas dazuverdienten – gestattet, ihr Salvator öffentlich auszuschenken. Aus dieser Zeit stammt auch der Brauch des Starkbieranstichs, der sich bis heute gehalten hat – mit dem Unterschied, dass statt des Kurfürsten der demokratisch gekürte bayerische Landesfürst die Auftaktmaß trinken darf.

So wird heute Brauereichef Peter Kreutzpaintner erstmals dem unklängst gewählten bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein den Maßkrug reichen mit den überlieferten Worten: „Salve, pater patriae! Bibas, princeps optime!“ „Sei gegrüßt, Landesvater! Trinke, bester Fürst.“ Das wird Günther Beckstein gerne hören – und sich anschließend das Salvator munden lassen.

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Tod durch Karoshi

20. Februar 2008

Die Neigung, sich tot zu arbeiten, soll eine typisch deutsche Eigenschaft sein. Das Wort dafür haben jedoch die Japaner erfunden: Karoshi, Tod durch Überarbeitung, heißt die Krankheit, der in der zweitgrößten Ökonomie der Welt jährlich zehntausend Übereifrige zum Opfer fallen (siehe dazu auch unseren Newsletter vom 19. Juli 2006). Aber was heißt übereifrig?

Was kann ein Arbeiter dafür, wenn sein Konzern ihn nötigt, 106 Überstunden im Monat zu machen? So geschehen bei Japans größtem Automobilproduzenten Toyota: Aus einem Arbeiter wurde ein Vorarbeiter, der zusätzlich in die Kommission für Qualitätskontrolle berufen wurde – alles angeblich freiwillige Leistungen, die Toyota sich nicht zu vergüten veranlasst sah. Irgendwann wurde die Belastung für den Arbeiter zu groß, und er fiel tot um: Herzversagen. Jetzt hat die Witwe das Unternehmen zur Zahlung einer Entschädigung verklagt:

Gelingt es nachzuweisen, dass die Firmenpolitik Toyotas – unbezahlte „freiwillige“ Überstunden zusätzlich zu den vertraglich festgelegten Aufgaben – verantwortlich für den Tod des Beschäftigten war, könnte das in Japans Arbeitswelt einiges ändern. Dann würden sich die Betriebe nicht mehr, ohne Folgen fürchten zu müssen, über die gesundheitlichen Belange ihrer Belegschaft hinwegsetzen. Allerdings wäre es naiv zu glauben, dieses Phänomen existiere in anderen Gesellschaften nicht. Es hat außerhalb Japans nur noch keinen Namen gefunden.

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Die Liga der Besten

19. Februar 2008

Heute rollt nach langer Winterpause endlich wieder der Ball in der Champions League. Den Wettbewerb für die besten europäischen Vereinsmannschaften gibt es seit 15 Jahren. Damals löste er den Europapokal der Landesmeister ab, der seit der Saison 1955/56 ausgetragen wurde. Doch während der Vorgängerwettbewerb ausschließlich Teams vorbehalten war, die in der heimischen Liga die Meisterschaft gewonnen hatten, dürfen in der Champions League bis zu vier Mannschaften eines Landes mitmachen.

Das führt zu gewissen Dominanzen: Bis auf eine Ausnahme erreichten immer Teilnehmer aus England, Italien oder Spanien das Endspiel. Die Ausnahme bescherte uns die Saison 2003/04, als sich im Finale der FC Porto und AS Monaco (das in der französischen Liga spielt) gegenüberstanden. Die Portugiesen unter ihrem exzentrischen Trainer José Mourinho gewannen. Wenn heute das Hinspiel des Achtelfinales ausgetragen wird, sind die Augen der Fans hierzulande wieder auf den FC Porto gerichtet. Der ist Gegner des letzten im Rennen verbliebenen Bundesliga-Teams, des FC Schalke 04. Wer immer sich auch durchsetzt: Große Chancen, am 21. Mai das Finale im Moskauer Luzhniki-Stadion zu erreichen, hat keine der beiden Mannschaften.

Da drängen sich wieder die Vertreter der englischen, italienischen und spanischen Ligen auf. Das war auch beim Debüt vor 15 Jahren so. Gewonnen hat dann doch ein Außenseiter: Olympique Marseille aus Frankreich.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Der eine ist Kopfmensch, befasst sich mit der Sinnsuche im allgemeinen und dem Philosophen Friedrich Nietzsche im besonderen. Er wendet sich dem Zen-Buddhismus zu. Der andere lässt seinen Gefühlen freien Lauf, liest ungern und kennt von Nietzsche vermutlich nur die Aufforderung, die Peitsche beim Umgang mit dem vermeintlich schwächeren Geschlecht nicht zu vergessen. Er lässt den lieben Gott einen guten Mann sein.

Der eine, das ist der griechische Schriftsteller Nikos Kazantzakis. Er trifft den anderen im realen Leben zum ersten Mal auf dem heiligen Berg Athos im Norden des Landes, als dieser dort Bäume abhackt. Aus dieser Begegnung entwickelt sich ein Roman, für dessen Titel der Holzfäller Georgios Sorbas Pate steht. Nur der Vorname wurde später in Alexis umgewandelt und die ganze Geschichte auf Kreta angesiedelt. Sein Roman verhalf Kazantzakis zu literarischem Weltruhm. Noch bekannter wurde der Film des Regisseurs Michael Cacoyannis mit Anthony Quinn in der Hauptrolle.

Er heimste gleich drei Oscars ein. Unvergessen die Szene, in der Sorbas den schüchternen und etwas steifen Ich-Erzähler zum Sirtaki animiert und anschließend alles um ihn herum an die Wand tanzt und spielt. Leider erhielt Quinn für seine exzellente Darstellung nur eine Nominierung, aber keine Auszeichnung. Heute vor 125 Jahre wurde Kazantzakis in Heraklion auf Kreta geboren.

Es ist die Insel, auf die westeuropäische Abenteurer und Teilzeit-Aussteiger am liebsten reisen, um in vier Wochen Urlaub auszuspannen und das Sorbas-Gefühl möglichst authentisch zu genießen. Bereits am Flughafen von Heraklion werden sie eingestimmt: Er ist nach Nikos Kazantzakis benannt.

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