Zwei Tore, die Geschichte machten
Freitag, 15. Februar 2008„Wir gewinnen, das ist doch wohl klar. Wenn wir die nicht schlagen, fahre ich mit dem nächsten Zug nach Hause.“ „Wir“, das war die deutsche Fußball-Nationalmannschaft. Das abschätzige „die“ stand für den Auftaktgegner bei der WM 1982: Algerien. Und hinter „ich“ verbarg sich der damalige Bundestrainer Jupp Derwall. Mit dem Zug ist er dann doch nicht nach Hause gefahren, obwohl das Spiel mit 1:2 verloren ging.
Sensationell hatte der amtierende Europameister gegen eine Mannschaft verloren, die sich zum ersten Mal für eine WM qualifiziert hatte. Algerien schied dann doch noch aus, weil sich im entscheidenden dritten Spiel der Vorrundengruppe Deutschland und Österreich auf ein 1:0 geeinigt hatten – das einzige Ergebnis, das beiden Teams das Weiterkommen im Turnier garantierte. Seitdem müssen die jeweils letzten Begegnungen einer Vorrundengruppe gleichzeitig ausgetragen werden. Doch zurück zu jener ersten Begegnung. Die Nordafrikaner hatten mit ihrer unbekümmerten Spielweise die Herzen der Fans und den Respekt der Fachleute erworben – auch der deutschen.
So schrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung über die Kunst des Gegners: „Die Algerier hatten nicht allein Glück, sie spielten auch besser Fußball (…) von rhythmischer, brasilianisch anmutender Musikalität, die auch ein paar Tausend algerischer WM-Touristen hingebungsvoll zelebrierten. Dagegen wirkte der deutsche Schuhplattler auf dem Rasen schwerfällig, primitiv wie das Gejohle etlicher seiner Anhänger.„ Das erste Tor für die Algerier hatte ein gewisser Rabah Madjer erzielt. Fünf Jahre später sollte er einigen Spielern, die 1982 das Trikot der DFB-Elf trugen, noch einmal begegnen. Es war im Wiener Praterstadion, als der FC Porto, für den Madjer damals kickte, im Finale des Europapokals der Landesmeister auf Bayern München traf. Das Spiel stand 1:1, als Madjer den Ball aus drei Metern Entfernung zum entscheidenden Treffer im Bayern-Gehäuse versenkte – mit der Hacke!
Es war eines der spektakulärsten Tore der Europapokal-Geschichte. An diesem Tag wird es dem Schütze immer wieder in Erinnerung gerufen werden, denn Rabah Madjer feiert heute seinen 50. Geburtstag.
Autor von Small-Talk-Themen.de


