Affe oder Apostel?
Donnerstag, 13. März 2008„Eine seltsamere Ware gibt es schwerlich in der Welt“, befand der Göttinger Physikprofessor Georg Christoph Lichtenberg: „von Leuten gedruckt, die sie nicht verstehen; von Leuten verkauft, die sie nicht verstehen; gebunden, rezensiert und gelesen von Leuten, die sie nicht verstehen, und nun gar geschrieben von Leuten, die sie nicht verstehen.“
Dabei schrieb Lichtenberg selbst Bücher – sogar solche, die mit seinem Fachbereich nichts zu tun hatten. Noch heute, mehr als 200 Jahre nach dem Tod des Verfassers, werden seine gesammelten geistreichen Sprüche, die Aphorismen, gerne gekauft. Offenbar traute Lichtenberg den Lesern von Büchern am wenigsten zu. Das lässt nicht nur seine eingangs zitierte Bemerkung vermuten.
„Ein Buch ist ein Spiegel“, fand der Spötter ein anderes Mal, „wenn ein Affe hineinguckt, so kann kein Apostel heraussehen.“ Affe oder Apostel – vom Geschmack der Leser hängen die Autoren nun mal ab. Und vom Geschick der Verlage, diese richtig zu bewerben und in den Buchhandlungen zu platzieren. Darum vor allem geht es auf der Leipzig Buchmesse, die heute beginnt und bis zum Sonntag dauert.
Autor von Small-Talk-Themen.de


