Morgen gibt es gleich zwei Gründe, warum unser Newsletter nicht erscheint. Der erste heißt 1. Mai und der zweite Christi Himmelfahrt – dass beide Ereignisse auf einen Tag fallen, ist für Arbeitnehmer alles andere als schön. Wäre 2008 kein Schaltjahr, hätten alle Werktätigen hierzulande und in vielen anderen Teilen Europas zwei Tage hintereinander frei gehabt.
Ein kleiner Trost: Die Konstellation, dass der Tag der Arbeit und Christi Himmelfahrt auf dasselbe Datum fallen, tritt erst im Jahr 2160 wieder ein. Und das auch nur, wenn der 1. Mai bis dahin nicht als Urlaubstag abgeschafft ist.
In Großbritannien war an diesem Tag noch nie frei, und auch die zweitstärkste Industrienation Japan kennt den 1. Mai nicht als Feiertag. Anders in Nordamerika: In den Vereinigten Staaten und Kanada wird am Labour Day nicht gearbeitet – wohl aber am 1. Mai.
Wie kommt es zu diesem Paradox? Damit der Tag der Arbeit nicht auf ein Wochenende oder einen kirchlichen Feiertag fällt, begeht man ihn jenseits des Atlantiks immer am ersten Montag. Allerdings ist der betreffende Monat dort nicht der Mai, sondern der September. Ob auf der Maidemo oder der Himmelfahrtsprozession: Genießen Sie den morgigen Feiertag!
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Vor 30 Jahren endete die Bundesliga-Saison wegen der bevorstehenden Fußball-WM in Argentinien ungewöhnlich früh. Letzter Spieltag war der 29. April. Ungewöhnlich spannend war’s auch: Punktgleich an der Spitze standen der 1. FC Köln und Titelverteidiger Borussia Mönchengladbach, allerdings durch die Differenz von 10 Toren getrennt. Würden beide Mannschaften ihr letztes Spiel gewinnen, musste Mönchengladbach also 10 Tore mehr schießen als der Geißbock-Klub. Anders ausgedrückt: Bei einem 1:0- oder 2:0-Sieg der Kölner beim FC Sankt Pauli mussten die Gladbacher gegen Borussia Dortmund mit 12:0 gewinnen. Genau das taten sie auch.
Wie gut, dass die Kölner nicht auf die gewöhnliche Stärke der Dortmunder vertraut hatten und ihrerseits 5:0 gewannen. So wurde Köln zum dritten (und bis heute letzten) Mal in der Vereinsgeschichte Deutscher Meister. Mönchengladbach wartet bis heute darauf, seinen bis dato fünf einen sechsten Titelgewinn hinzuzufügen. Für die beiden aktuell zweitklassigen Mannschaften wäre es inzwischen schon ein Erfolg, überhaupt wieder in die 1. Bundesliga aufzusteigen.
Wie aber war ein 12:0 damals möglich? Immer noch ist es der höchste Sieg in der Bundesliga-Geschichte. Möglich machte ihn eine Dortmunder Elf, die aus welchem Grund auch immer das Fußballspielen eingestellt hatte. Leidtragender war – neben den Kölnern, aber die hatten ja noch Glück – Torhüter Peter Endrulat, der nach diesem Debakel nie wieder in der Bundesliga zwischen den Pfosten stand. Und der Trainer der Gurkentruppe? Wurde später DFB-Pokalsieger mit Fortuna Düsseldorf, Deutscher Meister mit Kaiserslautern und beides zusammen – und obendrein noch Europapokalsieger – mit Werder Bremen.
Bei der kommenden Europameisterschaft können Sie ihn bewundern: Dort verteidigt Otto Rehhagel den Titel, den er vor vier Jahren als Trainer der griechischen Nationalelf gewonnen hat.
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Im Jahre 1980 ging der Aktenkoffer von Thomas Keneally zu Bruch. Der australische Schriftsteller brauchte dringend einen neuen. Da er gerade in Los Angeles war, ging er in Beverly Hills in ein entsprechendes Geschäft. Das gehörte einem Herrn mit dem in Kalifornien recht seltenen Namen Leopold Pfefferberg. Der Autor und der Verkäufer kamen ins Gespräch – und Pfefferberg erzählte Keneally seine Geschichte. Sie handelt von Krakau und dem südpolnischen Podgorze, wo der jüdische Lehrer vor dem Zweiten Weltkrieg lebte, und dem Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, wohin er mit seiner Familie von den deutschen Besatzern deportiert wurde.
Die Pfefferbergs hatten Glück. Sie wurden gerettet von einem Menschen, der so gar nicht wie ein Held daherkommen wollte. Oskar Schindler war ein Bonvivant, Spekulant und Frauenheld – und hatte ein großes Herz. Er konnte es nicht mit ansehen, dass so viele jüdische Leben in der Gaskammer endeten. Wenigstens ein paar dieser Unglücklichen wollte er helfen: Er stellte sie in seiner Fabrik ein und überzeugte die deutschen Bewacher von der kriegswichtigen Bedeutung dieser Arbeiter. So bewahrte Oskar Schindler 1200 Menschen vor dem sicheren Tod.
Nach dem Krieg ging es ihm nicht gut. Sämtliche Versuche, in Argentinien und Deutschland wirtschaftlich Fuß zu fassen, scheiterten. Anders in Israel: Dort erinnerten sich diejenigen, die er gerettet hatte, seiner und halfen ihm, so gut sie konnten. Immer wieder fuhr Schindler zu Besuchen ins Heilige Land. Zu Hause fühlte er sich aber eher in Deutschland, obwohl in seiner Heimat kein Aufsehen um ihn gemacht wurde. Im Gegenteil: Als der heute vor hundert Jahren Geborene 1974 in Hildesheim starb, war er in der Öffentlichkeit komplett vergessen.
Ich selber stolperte 1987 in einer Londoner Buchhandlung über das Buch, das Thomas Keneally aus Pfefferbergs Bericht gemacht hatte. Es gefiel mir, und ich wollte meinem Vater eine deutsche Ausgabe schenken. Es gab keine. Das Buch war zwar 1984 bei Bertelsmann erschienen, und eine Taschenbuchausgabe folgte ebenfalls. Doch das war’s schon. Weitere Auflagen kamen mangels Leser- und Verlagsinteresse nicht zustande. Das änderte sich erst, als Regisseur Steven Spielberg aus dem Stoff einen Hollywoodschinken machte.
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Heute vor 25 Jahren erfuhren die Deutschen, dass ihre Vergangenheit keineswegs so war, wie sie in Schul- und anderen Büchern dargestellt ist. Verkündet wurde die neue Wahrheit von der Illustrierten Stern. Auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz präsentierte ihr Reporter Gerd Heidemann der staunenden Weltöffentlichkeit eine Reihe Kladden mit schwarzem Einband. Auf jedem Exemplar prangten gleich zwei Siegel, und oben links in der Ecke funkelte goldfarben das Kürzel „F.H.“.
Kein Zweifel: Heidemann hielt die geheimen Hitler-Tagebücher in Händen. Es folgten Gutachten mehrerer Historiker und Schriftsachverständiger – und eine Ausgabe des Stern, in der ihr Chefredakteur Peter Koch vollmundig verkündete: „Große Teile der deutschen Geschichte müssen umgeschrieben werden.“ Nun, mit dem Umschreiben hatte es noch etwas Zeit. Erste kritische Stimmen meldeten sich, unterstützt von seriösen Historikern, die akribischere Untersuchungen anmahnten. Die folgten dann auch, und Anfang Mai gab das Bundesinnenministerium bekannt, bei den Dokumenten handele es sich um eine plumpe Fälschung. Plump, weil das „F.H.“ hätte stutzig machen müssen – standen die Buchstaben wirklich, wie der Stern weismachen wollte, für „Führer Hitler“, wo doch Initialen wie „A.H.“ mehr Sinn ergeben hätten? – und Fälschung, weil die Tagebücher in Wirklichkeit von dem zwar begabten, doch leider bis dato recht erfolglosen Stuttgarter Künstler Konrad Kujau verfasst wurden.
Am Ende war die Bundesrepublik Deutschland um einen Medienskandal reicher, der Stern um 10 Millionen Mark – so viel hatte Heidemann an Kujau gezahlt – ärmer. Kujau erhielt wegen der Fälschung eine mehrjährige Haftstrafe; das an ihn gezahlte Geld ist nie wieder aufgetaucht. Und die Geschichte? Ist aus der ganzen Affäre unbeschadet hervorgegangen. Sie musste nicht umgeschrieben werden.
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Heute ist Girls’ Day, Mädchenzukunftstag. Er richtet sich an Schülerinnen im Alter zwischen 10 und 15 Jahren und befasst sich mit deren beruflichen Erwartungen und Aussichten. Die decken sich nicht immer, weshalb die Suche nach der späteren Beschäftigung nur selten im Traumjob endet. Ein Grund vielleicht, die Herangehensweise zu ändern und sich auch mal auf Felder zu begeben, die auf den ersten Blick ungewöhnliche Berufswege bereithalten.
So bieten am Girls’ Day naturwissenschaftliche und technisch ausgerichtete Betriebe und Unternehmensabteilungen, aber auch Hochschulen, Forschungszentren, Labore und ähnliche Einrichtungen Schnupperveranstaltungen für Mädchen an. Der Girls’ Day hat zum Ziel, Kontakte herzustellen, die für die berufliche Zukunft der Noch-Schülerinnen hilfreich sein können. Wenn Sie – oder Ihre Tochter – sich näher über die berufliche Welt jenseits von Casting-Shows und Laufstegen informieren wollen, gehen Sie doch mal auf die Internet-Seite www.girls-day.de.
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Der 23. April ist der Welttag des Buches. In Deutschland gibt es für den Lesestoff zwischen zwei Deckeln noch einen weiteren Ehrentag: den 10. Mai. Er erinnert an das unrühmlichste Datum der deutschen Literaturgeschichte: die Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten an eben jenem Tag des Jahres 1933.
Den Welttag heute möchte ich zum Anlass nehmen, Ihnen das Buch mit dem schönen Titel Ja, nein, vielleicht zu empfehlen. Geschrieben hat es die Münchner Persönlichkeitstrainerin Gitte Härter. Das schöne an dem Ratgeber ist, dass er alles andere als oberlehrerhaft daherkommt: Patentrezepte, wie man in bestimmten Situationen handeln sollte, sucht man daher vergeblich, wie schon der Untertitel „Entscheidungen leichter treffen“ verrät. Vielmehr soll Menschen mit Angst vor folgenschweren Entschlüssen geholfen werden, diese Schritt für Schritt abzubauen. Dass Entscheidungen mit Nachteilen verbunden sind und auch mal falsch sein können, darf man sich, so Gitte Härter, ruhig eingestehen. Nur sollte darunter die Entschlussfreudigkeit nicht leiden.
Die Autorin möchte in ihren Lesern die Neugier darauf wecken, was nach einer getroffenen Entscheidung passiert. Und das ist doch allemal spannender als ein ewiges Hadern mit der eigenen Mutlosigkeit. Habe ich jetzt Ihre Neugier auf das Buch geweckt? Nähere Informationen erhalten Sie auf der Verlags-Webseite www.bwverlag.de.
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In der abgelaufenen Karnevals, Fastnachts- oder – je nach geographischem Standpunkt – Faschings-Saison war das Piratenkostüm die beliebteste Verkleidung. Weniger lustig geht es zurzeit auf den Meeren um Afrika zu: Dort treten Piraten ohne Ringelpulli und Augenklappe auf, gehen dafür aber ihrer ureigenen Beschäftigung nach: dem Kapern von Schiffen.
Das läuft weniger romantisch ab als Südseefilme à la Fluch der Karibik dies vermuten lassen. Nicht die Schiffsladung ist für die Freibeuter interessant, sondern allein die menschliche Fracht: Passagiere kann man entführen und für sie Lösegeld verlangen. Ein solches Schicksal widerfuhr vor einem Monat der Besatzung einer französischen Yacht, und am Wochenende musste die Crew eines spanischen Frachters erleben, dass Piraten keineswegs nur im Karneval auftreten. Dabei hat das Freibeutertum durchaus Tradition: Schon in der römischen Antike wurden Schiffe gekapert. Im Mittelalter setzten die Wikinger den Brauch fort. Allerdings plünderten die langbärtigen Nordmänner weniger einzelne Fahrzeuge als komplette Küstenstriche samt den dazugehörigen Landbewohnern aus.
Der bekannteste deutsche Pirat war Klaus Störtebeker, der in der Ostsee den Handelsschiffern der Hanse das Leben schwer machte. Dafür wurde er im Jahre 1401 in Hamburg geköpft. Das Wort Pirat stammt übrigens aus dem Griechischen: peirates bedeutet Angreifer. Eine ähnliche Bezeichnung haben wir aus dem Italienischen übernommen: corsaro steht für Seeräuber.
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Die Gründe, warum ein Schweizer die Vereinigten Staaten um politisches Asyl ersucht, verortet man in einem fernen Jahrhundert. Schließlich war es die Schweiz, die sich Emigranten und Flüchtlingen aus den Nachbarländern immer wieder als Exilland aussuchten. Der Mann, um den es heute geht, hatte sich eines derart schwerwiegenden Verbrechens schuldig gemacht, dass er sich offenbar erst jenseits des großen Teichs vor den Klauen der eidgenössischen Justiz sicher fühlte. Was aber hatte Christoph Meili so Schlimmes getan?
Er hatte das Schweizer Bankgeheimnis verletzt! In seinem Job als Nachtwächter bei der Schweizerischen Bankgesellschaft schnüffelte Meili widerrechtlich in einem Container, der zum Schreddern bestimmt war. Einige der dort zur Vernichtung abgelegten Belege nahm er sogar mit nach Hause. Diese dokumentierten so genannte nachrichtenlose Vermögen von Kunden, die ihre Einlagen niemals abgeholt hatten. Konnten sie auch nicht, denn sie waren inzwischen Opfer des Völkermordes der deutschen Nationalsozialisten an den europäischen Juden geworden. Davon profitierten die Schweizer Finanzinstitute, bei denen sie ihr Vermögen deponiert hatten. Das nicht abgeholte Geld ging ins Eigentum der Banken über. Erst Meilis Zivilcourage und die Weitergabe der belastenden Dokumente an jüdische Opferorganisationen machte die Aufdeckung dieses Skandals möglich.
Heute wird Christoph Meili, der immer noch in den USA lebt, vierzig Jahre alt.
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Im Jahr 1954 wurde in einem Krankenhaus der nordindischen Stadt Lucknow ein zehn, vielleicht auch zwölf Jahre alter Junge von einem Unbekannten abgegeben. Ramu, wie er bald genannt wurde, konnte weder aufrecht gehen noch sprechen. Die meiste Zeit verbrachte er auf dem nackten Fußboden liegend, nach Hundeart zusammengerollt. Er stieß tierähnliche Laute aus und ernährte sich ausschließlich von rohem Fleisch. Das fasste er nicht etwa mit seinen Händen an, sondern packte es mit den Zähnen. Wasser leckte Ramu aus einer Schüssel. Vielleicht kennen Sie den Film Der Wolfsjunge von François Truffaut?
Die Handlung orientiert sich an einem historischen Fall: 1797 wurde im Wald nahe des südfranzösischen Städtchens Aveyron ein verwilderter Junge entdeckt. Nachdem der Victor genannte Wolfsjunge in die Obhut eines Lehrers und seiner Haushälterin kommt, macht er große Fortschritte. Truffauts Film endet in einem Stadium, in dem es noch Hoffnung gibt.
Im wirklichen Leben stagnierte Victors Entwicklung jedoch seit dem 18. Lebensjahr; er wurde nur 40 Jahre alt. Noch trauriger ist die Geschichte Ramus. Er vegetierte den Rest seines Lebens im Bett dahin. Für das Erlernen einer Sprache war es ohnehin zu spät. Nach Erkenntnissen der Hirnforschung wird, wer bis zum 12. Lebensjahr nicht gesprochen hat, dies auch danach nie tun können. Viele Ärzte, auch aus dem Ausland, bemühten sich um Ramu – vergebens. Am 20. April 1968 starb er im Krankenhaus von Lucknow.
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„Man muss leben, als hätte man hundertfünfzig Jahre Zeit“; empfahl der Schriftsteller, der heute 111 Jahre alt geworden wäre, denn „Hast ist der Feind des Lebens.“ Dass die Menschen nicht so viel von dem kostbaren Gut zur Verfügung haben, wusste Thornton Wilder nur allzu gut. Nicht von ungefähr beginnt sein erfolgreichster Roman Die Brücke von San Luis Rey – er erschien 1927 und hielt drei Monate lang die Spitzenposition der US-Bestsellerliste – mit diesem Satz:
„Freitag, den 2. Juli 1714, um die Mittagsstunde, riss die schönste Brücke in ganz Peru und stürzte fünf Reisende hinunter in den Abgrund.“
Im weiteren Verlauf der Geschichte lässt der Autor den Mönch Juniper die Lebensgeschichte der Opfer aufzeichnen. Aus dessen Nachforschungen ergibt sich einiges an Interessantem – nur keine schlüssige Erklärung für den scheinbar willkürlichen Tod der Fünf.
Dem Leser bleibt allein das Wissen, dass wir alle einmal sterben müssen – und als Trost vielleicht diese Erkenntnis am Ende des Buches: „Da ist ein Land der Lebenden und ein Land der Toten, und die Brücke zwischen ihnen ist die Liebe – das einzig Bleibende, der einzige Sinn.“ Sterben musste auch Thornton Wilder einmal. Er tat das am 7. Dezember 1975. Geblieben sind uns seine Bücher.
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