Archiv für April, 2008

Ein kleiner Ort im Erzgebirge und der Siegeszug des Tango

Mittwoch, 2. April 2008

Ich gebe es zu: Der Tango wurde nicht von den Finnen erfunden, und auch das Monotonen-Museum wird weiter seiner Errichtung harren. Was am gestrigen Beitrag (siehe unseren Newsletter „Als der Tango erfunden wurde“ vom 1. April) jedoch stimmt, ist die Sache mit Carlsfeld und dem Bandoneon. Der kleine Ort im Erzgebirge an der Grenze zu Tschechien ist in Argentinien ein Begriff – wegen seines Musikinstruments, das allerdings seit 1952 nicht mehr hergestellt wird.

Das Bandoneon, manche schreiben auch Bandonion, wurde von Heinrich Band erfunden und seit Mitte des 19. Jahrhunderts vom Carlsfelder Familienbetrieb Arnold produziert. Es ist kleiner und billiger als sein großer Bruder, das Akkordeon. Mit seinen 144 Knöpfen ist es aber sehr schwer zu spielen. Doch wie gelangte das Instrument nach Argentinien?

Angeblich – und auch das ist kein Aprilscherz – ließ ein deutscher Seemann ein Exemplar als Bezahlung für einen Bordellbesuch zurück. Nach Jahren gelang es einem unermüdlichen Musiker, dem Bandoneon alle Töne zu entlocken. Die komplizierte Technik passte zu einem ebenfalls sehr schwierigen Tanz: Noch heute wird kein Tango ohne Bandoneon gespielt.

Die Arnolds in Carlsfeld stellten die Produktion mit der Verstaatlichung ihres Familienbetriebs in der damaligen DDR ein. Seitdem wurde nie wieder ein gleichwertiges Instrument hergestellt. Inzwischen sind jedoch zwei Instrumentenbauer dabei, die lange verschüttete Tradition wieder zu beleben. Seit 1993 finden in Carlsfeld alljährlich Bandoneontreffen statt. Falls Sie teilnehmen möchten: Gehen Sie im Internet doch mal auf die Seite www.bandonion.de.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Als der Tango erfunden wurde

Dienstag, 1. April 2008

Der Tango ist ein trauriger Gedanke, den man tanzen kann: Dieser Satz beschreibt eine Leidenschaft, die von Argentinien und Uruguay ausgehend ganz Südamerika und schließlich auch den Rest der Welt erfasste. Sogar in Japan und Russland wird leidenschaftlich Tango getanzt. Deutschland hat ebenfalls einen Anteil an der Popularität der lateinamerikanischen Rhythmen:

Aus dem 1000-Einwohner-Nest Carlsfeld im Erzgebirge nahe der Grenze zu Tschechien stammt das Instrument, auf dem Tango-Musik hauptsächlich gespielt wird: das Bandoneon. Wer aber hat den Tanz erfunden? Es begann mit einem Kneipenbummel von fünf finnischen Seeleuten, deren Frachter im Hafen von Buenos Aires festgemacht hatte. Das Quintett hatte bereits fleißig dem Alkohol zugesprochen, als der Matrose Mauno Monotonen sein Bandoneon hervorzauberte.

Schon nach wenigen Minuten lauschte die komplette Gästeschar den tieftraurigen Weisen, die der Mann vom Polarkreis seinem Instrument entrang. Umringt wurde er von seinen Kumpanen, die sich nur noch schwer auf den Beinen halten konnten. Immer wieder mussten sie sich gegenseitig stützen. Die übrigen Gäste glaubten, die Seeleute mit den flachsblonden Haaren führten einen exotischen Tanz vor. Sie kopierten den bizarren Stil – und der Tango war geboren.

Doch woher kommt der Name? Ganz einfach: Monotonen erklärte entschuldigend, seine vier Begleiter seine alle reichlich tango – die finnische Bezeichnung für einen Zustand, in den man sich erst mühevoll hineintrinken muss. Heute vor hundert Jahren gingen Mauno Monotonen und seine Kumpels in Buenos Aires an Land. Dem Erfinder eines der weltweit beliebtesten Tänze zu Ehren wird an diesem Tag in der argentinischen Hauptstadt und im nordfinnischen Rovaniemi zeitgleich je ein Monotonen-Museum eingeweiht.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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