Fahrradfahren in Klagenfurt wieder erlaubt
Montag, 30. Juni 2008Die Europameisterschaft ist vorbei. Gottseidank, werden manche Bürger sagen, die in den Austragungsorten der Spiele wohnen. Etwa die Einwohner von Klagenfurt: Ihnen war es für die Dauer des Turniers untersagt, mit dem Rad in die Stadt zu fahren. Weil Sie womöglich einigen der angetrunkenen Fanmeilen-Besuchern auf deren Heimweg über die Hand gefahren wären? Nein, der Grund ist noch absurder:
Die mit immer leichteren Rahmen ausgestatteten Tretfahrzeuge hätten nüchterneren, dafür aggressiveren Fußballfans als Wurfgeschosse dienen können. Glaubte allen Ernstes die für die Sicherheit zuständige Staatsgewalt. Solch willkürliche Gefügigmachung war selbst dem Klagenfurter Bürgermeister Harald Scheucher zu viel: „Das ist alles Blödsinn“, schimpfte er auf die Polizei, „wir sind überorganisiert.“
Tatsächlich hätte man beide oben geschilderten Risiken vermeiden können, wenn man Bürger und angetrunkene Fans angehalten hätte, ausschließlich mit dem Auto in die Stadt und auch wieder heim zu fahren. So wäre sich niemand in die Quere und jeder sicher nach Hause gekommen.
Um Kollateralschäden vorzubeugen – Fahrradfahrer fielen ja aus, blieben noch die Minderjährigen – hätte man zusätzlich ein abendliches Ausgehverbot für alle Klagenfurter unter 18 Jahre aussprechen können. Was nicht ist, kann noch werden: Wenn das nächste Großereignis ansteht, sollten unterforderte Bürokraten ihren Hirngespinsten unbedingt freien Lauf lassen. Bis dahin ist Fahrradfahren in Klagenfurt erstmal wieder erlaubt
Autor von Small-Talk-Themen.de


