Unglücklich im Leben, reich nach dem Tod
Donnerstag, 3. Juli 2008„Die Liebe ist so unproblematisch wie ein Fahrzeug. Problematisch sind nur die Lenker, die Fahrgäste und die Straße.“ So pessimistisch sah Franz Kafka, dessen Geburtstag sich morgen zum 125. Mal jährt, die Welt. Was heißt die Welt? Seine Geburtsstadt Prag hat er kaum verlassen – abgesehen von einem kurzen Besuch in Berlin und mehreren Kuraufenthalten.
Was er in der Moldaumetropole sah, reichte ihm vollkommen. Die engen Gassen der mittelalterlich anmutenden Stadt empfand er als bedrückend. Lust, die Hauptstadt seines Landes zu besuchen – bis zum Ende der k.u.k. Monarchie war das Wien – hatte er schon gar nicht.
Kafka bezeichnete die Donaumetropole stets nur als „dieses absterbende Riesendorf“. Mit der Unabhängigkeit der Tschechoslowakei von Österreich 1918 war Kafka auch dessen Staatsbürgerschaft losgeworden. Zeit, seine berühmten Werke zu schreiben – die Erzählung Die Verwandlung und die Romane Das Schloss, Der Prozess und Amerika – blieb ihm wenig.
Kafka starb bereits 1924, mit 40 Jahren, an Tuberkulose. So unglücklich sein Leben verlief, so groß war der Nachruhm: In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Allensbach nach dem bedeutendsten deutschsprachigen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts landete der geborene Österreicher und spätere Tschechoslowake immerhin auf Platz sechs.
Autor von Small-Talk-Themen.de


