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Ein Meinungsforschungsinstitut sollte nicht nur Statistiken abliefern, mittels derer sich verschiedene Tatbestände belegen lassen. Es muss auch in der Lage sein, Vorhersagen zu treffen, die sich auch als Fehlprognose gut verkaufen lassen. Vorbild war das in der griechischen Antike berühmte Delphische Orakel. Dessen Rat zogen alle Machthaber ein, die vor einer wichtigen Entscheidung standen.

So auch Krösus, der König von Lydien: Vor seinem geplanten Feldzug gegen den mächtigen Nachbarn Persien befragte er sicherheitshalber die renommierte Anstalt am Fuß des Parnass-Gebirges. Die antiken Vorhersageexperten prophezeiten ihm: „Wenn du die Grenze nach Persien überschreitest, wirst du ein großes Reich zerstören.“ Krösus zog im Vertrauen auf fette Beute los, verlor aber die Schlacht und geriet selbst in Gefangenschaft.

Immerhin hatte er, wie vorhergesagt, ein großes Reich zerstört. Schade nur, dass es sein eigenes war. Die Damen und Herren vom Delphischen Orakel waren immerhin fein raus: Der politisch ausgeschaltete Krösus konnte sich nicht mehr beschweren, und auch die siegreichen Perser werden ihnen kaum Vorwürfe gemacht haben.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Im Frühjahr 1980 wurde in Zürich ein autonomes Jugendzentrum eröffnet – und ein halbes Jahr später von den Behörden gegen den erbitterten Widerstand seiner Nutzer gewaltsam geschlossen. Daraufhin kam es in der größten Stadt der Schweiz zu tagelangen Krawallen, auf die Hunderte von Festnahmen folgten. Gesucht von der Zürcher Polizei wurde auch ein Unbekannter, der über den Zeitraum von drei Jahren 600 Strichmännchen an die Betonfassaden der vielen Hochhäuser gesprüht hatte.

Doch es sollte lange dauern, bis der Gejagte seinen Häschern ins Netz ging: Festgenommen wurde der mittlerweile per internationalem Haftbefehl gesuchte Sprayer von Zürich auf der deutschen Insel Fehmarn und anschließend der Schweizer Justiz überstellt. Die verurteilte ihn ein Jahr später wegen Sachbeschädigung zu einer sechsmonatigen Haftstrafe ohne Bewährung und einer Geldstrafe von 100 000 Franken.

Zu diesem Zeitpunkt hatten sich bereits zahlreiche Proteste aus dem In- und Ausland geregt, unter anderem von Willy Brandt und Joseph Beuys: Harald Naegeli, so hieß der Unbekannte, sei doch in Wirklichkeit ein Künstler. Dass er ein solcher war, bewies Naegeli in der Haftanstalt, deren ursprünglich kahle Wände er erfinderisch gestaltete. Wer ihm wohl das Spray geliefert hatte? Harald Naegeli hat dann auch in der Freiheit weitergesprüht – und tut’s bis heute. Längst sehen auch seine Schweizer Landsleute darin keinen Tatbestand der Sachbeschädigung mehr.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Warnung vor dem Bären!

27. August 2008

Unlängst wurden in Rumänien drei deutsche Urlauber nachts von einem Braunbären heimgesucht. Einer von ihnen trug dabei schwere, zum Glück aber nicht lebensgefährliche Verletzungen davon. Das Trio hatte einem Bericht des Nachrichtenmagazins Spiegel online zufolge im Bucegi-Massiv gezeltet, einem Teil der Südkarpaten, der bevorzugt von Bären besiedelt wird.

5000 der braunen Zotteltiere soll es insgesamt in Rumänien geben; die meisten von ihnen leben in den Wäldern und an den Berghängen des Landes. Den Behörden ist die Aufdringlichkeit des größten europäischen Landraubtiers seit langem bekannt. Sie haben deshalb in der Bucegi-Region zahlreiche Warnschilder aufgestellt mit Hinweisen auf die Gefahren, die durch marodierende Braunbären drohen.

Die drei Touristen hatten die Schilder auch gesehen – und sich hinterher beschwert, dass diese nicht in deutscher Sprache auf die Bedrohung aufmerksam gemacht hätten. Nun, ein bisschen Vorbereitung einschließlich der Bereitschaft, sich auf sein Urlaubsland, dessen Bewohner und dessen Sprache einzulassen, sollte schon vorhanden sein. In Deutschland beispielsweise finden Rumänen sehr wenige Hinweisschilder, die in ihrer Landessprache vor Gefahren warnen.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Papst für 33 Tage

26. August 2008

Heute vor 30 Jahren, am 26. August 1978, wurde der italienische Kardinal Albino Luciani nach ungewöhnlich kurzer Beratungszeit von nur einem Tag zum Papst gewählt. Nach seinen beiden Vorgängern Johannes XXIII. und dem kürzlich verstorbenen Paul VI. legte er sich den Namen Johannes Paul I. zu. Es sollte einer der kürzesten Amtszeiten der römisch-katholischen Kirchengeschichte werden: 34 Tage später wurde der neue Papst tot in seinem Bett gefunden.

Da der Vatikan sich weigerte, eine Autopsie vornehmen zu lassen, schossen die Verschwörungstheorien ins Kraut. „Wurde der Papst Opfer eines Mordkomplotts zur Vertuschung dubioser Finanzgeschäfte?“, fragt die 1978er Chronik des Fischer-Verlags, „oder untergruben das intrigante Klima und die beklemmende Atmosphäre von Neid und Konkurrenz an der päpstlichen Kurie seine Gesundheit?“ Gestorben ist Johannes Paul I., so viel ist sicher, an einer Herzattacke. Doch wer oder was diese auslöste, konnte nie restlos geklärt werden.

Mit der Wahl des ersten nichtitalienischen Papstes seit 456 Jahren lenkte der Vatikan rasch von seinen Sorgen und Erklärungsnöten ab. Am 16. Oktober wurde der Pole Karol Wojtyla einer staunenden Weltöffentlichkeit als neues pontifikales Oberhaupt präsentiert. Nach seinem unglücklichen Vorgänger gab er sich den Papstnamen Johannes Paul II.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Er regierte zu einer Zeit, als die Pfalz noch zu Bayern gehörte. Ursprünglich liberal gesinnt, hob er nach seiner Thronbesteigung 1818 in seinem Königreich die Pressezensur auf. Später führte er sie wieder ein, als es auf dem Hambacher Schloss (siehe unseren Newsletter „Die Wiege der deutschen Demokratie“vom 30. Mai 2007) zu einer antimonarchistischen Kundgebung kam. In guter Erinnerung geblieben ist die rege Bautätigkeit unter seiner Ägide: Von der zeugen in der Hauptstadt München bis heute Siegestor und Staatsbibliothek, Universität und Feldherrnhalle, die Alte und Neue Pinakothek, die Ruhmeshalle und die Bavaria-Statue auf der Theresienwiese.

Auch an der Doanu war er tätig und ließ bei Regenstauf die Walhalla und bei Kelheim die Befreiungshalle errichten. Und im pfälzischen Ludwigshafen sorgte er dafür, dass eine neue Stadt am Rheinufer direkt gegenüber Mannheim errichtet wurde. Das war 1843, drei Jahre bevor eine verhängnisvolle Bekanntschaft für das schleichende Ende der Regentschaft König Ludwigs I. von Bayern sorgen sollte. Das Schicksal hielt in Person der irischen Tänzerin Elizabeth Rosanna Gilbert, die sich nach einem längeren Spanienaufenthalt Lola Montez nannte, Einzug in München. Ihr verfiel der Monarch, änderte zu ihren Gunsten sein Testament und schenkte ihr ein Palais in der Barerstraße.

Zuvor war die Dame mangels Talents an der Münchner Hofbühne abgelehnt worden. Der aufwändige Lebensstil der königlichen Geliebten sorgte bald für Unruhe unter der ohnehin revolutionär aufgewiegelten Bevölkerung. Ludwig zog die Notbremse und wies Lola Montez im Februar 1848 aus Bayern aus. Einen Monat später war sie wieder im Lande, und der König musste – wie demütigend! – polizeilich nach ihr fahnden lassen. Der Autoritätsverlust war so stark, dass er wenig später zugunsten seines Sohnes Maximilian abdankte. Zwei Jahrzehnte lebte Ludwig, ehemals König von Bayern, geboren heute vor 222 Jahren, noch als Privatier. Er starb in Nizza.

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Jeder sechste Mensch auf der Erde – so die UNESCO – hat nicht einmal sauberes Wasser zum Trinken. Jeden Tag, ergänzt das Hilfswerk Unicef, müssen 5000 Kinder sterben, weil ihnen nur verschmutztes Wasser zur Verfügung steht. Beide Organisationen mahnen im UN-Jahr der sanitären Grundversorgung – und aktuell während der in Stockholm heute zu Ende gehenden Weltwasserwoche – dringend an, den Zugang zu sauberem Wasser vor allem in den Vororten der Drittweltmetropolen und in den zahlreichen Krisengebieten mit ihren Flüchtlingslagern zu verbessern.

So muss ein Mensch im dürregeplagten und kriegsgeschüttelten Sudan laut einem Bericht des Deutschen Roten Kreuzes ein Drittel seines Tages opfern, um eine Ration Wasser zu holen. Und das nicht etwa, weil er soviel verbraucht: Während ein Europäer täglich rund 135 Liter Wasser durch die Leitung jagt, stehen dem Bewohner eines Entwicklungslandes im Schnitt nur etwa zehn Liter pro Tag zur Verfügung. Das Trinkwasser macht nur die Hälfte der Probleme aus, es hapert auch am Brauchwasser. Weltweit 2,6 Milliarden Menschen haben keine Möglichkeit, eine saubere Toilette zu benutzen. Das berichtet die deutsche Entwicklungshilfeorganisation GTZ (Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit). Die Folgen sind Krankheiten und Seuchen wie Durchfall, Ruhr und Cholera.

Ganz anders die Situation in den entwickelten Ländern, wo Wasser bedenkenlos verschwendet wird. Zwei Beispiele: Durch einen tropfenden Wasserhahn gehen jährlich 6000 Liter Trinkwasser verloren. Das sind in den Armenhäusern dieses Planeten 600 Tagesrationen. Im texanischen Austin, wo der siebenmalige Tour de France-Gewinner Lance Armstrong ein parkähnliches Anwesen besitzt, waren zur Bewässerung laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung im letzten Monat 1,25 Millionen Liter Wasser nötig. Die entsprechen 40323 Monatsrationen in einem Entwicklungsland.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Überwintern mit Bier

21. August 2008

Heute vor 40 Jahren endete der Versuch, in der kommunistischen Tschechoslowakei eine „sozialistische Marktwirtschaft“ mit Pressefreiheit, Streikrecht und der Duldung Andersdenkender einzuführen (siehe unseren Newsletter „Der Prager Frühling – mehr als nur Musik“ vom 13. Mai). Am 21. August 1968 besetzten sowjetische Panzer das Land einschließlich der Hauptstadt, in der alles begonnen hatte. Auf den Prager Frühling folgte ein jahrzehntelanger Winter. Der bedeutete auch das Karriereende des hoffnungsvollen Reformers Alexander Dubcek, der in der zynisch als „Normalisierung“ bezeichneten Phase politischer Unterdrückung als Waldarbeiter endete.

Beinahe noch unangenehmer empfand die Bevölkerung die Einschnitte im Konsumangebot. Nur an einem – wir würden sagen: Genussgetränk, für die meisten Tschechen ist es ein Grundnahrungsmittel – herrschte in der Folgezeit nie Mangel: Sogar ein Hardliner wie Gustav Husák, der die Sowjetunion um eine Invasion ersucht hatte, tat alles, damit der Gerstensaft nie zur Neige ging.

Dubceks Nachfolger als Generalsekretär der Kommunistischen Partei wusste: „Das Bier ist der Tschechen Brot.“ Es war die einzige seiner Ansichten, die auch Regimekritiker teilten. Einen von ihnen würdigte der britische Schriftsteller Bruce Chatwin im Roman „Utz“: „Sein Name war Kosík. Nach den Ereignissen von 1968 war er nach Amerika gegangen, nach Elizabeth, New Jersey. Aber er kehrte bald zurück. Das Bier dort war einfach ungenießbar.“

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„Ach, die Statistiken!“, schrieb unsere Leserin Maria Glock aus New York (erinnern Sie sich an die Ausgabe „Wie lebt es sich im Exil?“ vom 18. Dezember 2007?) anlässlich des Newsletters letzte Woche zu Kälte- und Hitzetoten. „Ich kann nur sagen, dass mir die Hitze jedes Jahr schlechter bekommt. Muss im Haus bleiben, das wird auch allen Senioren geraten. Vor allem keine Gartenarbeit in der Hitze, joggen und anderer Unsinn für alte Menschen. Heiße Grüße.“

Nicht weniger temperierte Grüße zurück, liebe Frau Glock! Und was die Statistiken betrifft, da haben Sie recht: Es handelt sich dabei nicht selten um die hohe Kunst, mit Zahlen zu lügen. Einmal las ich über eine statistische Erhebung mit Feldversuch in einer großen Wohnanlage. Die eine Hälfte der dort lebenden Bevölkerung wurde in eine Sauna, die andere in einen Kühlraum gesperrt. Anschließend errechneten die Statistiker, die Menschen in der Siedlung lebten in einem angemessenen Durchschnittsklima.

Auch dieser Newsletter beruft sich gelegentlich auf Umfragen und Statistiken. Doch sind alle unsere Quellen mindestens so seriös wie, sagen wir mal, das Delphische Orakel.

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Was verbirgt sich hinter dem „Kleinen Schwarzen“? Ganz strenge Vorgaben gibt es für dieses Kleidungsstück nicht, schreiben die Stil-Experten des Informationsdienstes Der große Knigge. Doch einige wenige Richtlinien sollten schon erfüllt werden:

Schlicht, schwarz, kurz, muss es sein, mit einem Schnitt, der die Figur umschmeichelt und aus einem hochwertigen Stoff, der angenehmen und bequemen am Körper liegt. Variationen gibt es bei der Länge: bis zum Knie oder gerne auch etwas kürzer darf es reichen und kann arm-, aber auch halb armlang oder ärmellos sein. Beim Ausschnitt ist vieles möglich: recht weit offen oder geschlossen, mit Stehkragen und sogar als Rolli. So kann Frau das Modell wählen, in dem sie sich wohlfühlt.

Die Erfinderin des Kleinen Schwarzen, Coco Chanel, wurde heute vor 125 Jahren geboren. Zu Lebzeiten der französischen Modeschöpferin waren Damen oft opulent geschmückt – fast wie Weihnachtsbäume. Coco Chanel schaffte das Korsett ab uns verzichtete auf alles, was überflüssig war. Stattdessen setzte sie auf schlichte Eleganz.

Der Umstand, dass bei seiner Einführung 1926 das Kleine Schwarze kurz unterhalb des Knies endete, war für damalige Verhältnisse revolutionär und skandalös. Als Coco Chanel 1971 starb, war es längst salonfähig.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Er wurde heute vor 100 Jahren in Nordirland geboren, spielte für den schottischen Spitzenklub Rangers FC in Glasgow und hieß Sam English. In der Saison 1931/32 stellte er mit 44 Toren einen neuen Vereinsrekord auf: Nie wieder sollte ein Fußballspieler so häufig für die Blauhemden treffen. Doch das war’s auch schon mit den positiven Meldungen über Sam English. In derselben Saison widerfuhr ihm ein Missgeschick, das ihn sein ganzes Leben lang nachhängen sollte:

Im Nachbarschaftsduell mit Celtic, am 5. September 1931, prallte deren Torhüter bei einem Rettungsversuch mit dem Kopf gegen Englishs Knie. Der Aufprall war so heftig, dass John Thomson mit der Bahre vom Platz getragen werden musste. Wenige Stunden später starb der 22-jährige Keeper im Krankenhaus. Seitdem spannen Celtic-Anhänger an der Geschichte, der nur ein Jahr ältere English habe Thomson absichtlich verletzt – eine Legende, die ohne zu hinterfragen von vielen Medien (auch dem deutschen ZDF in einer Reportage) übernommen wurde und zur Vertiefung der Feindschaft zwischen den beiden größten schottischen Fußballklubs beitrug.

Erst letztes Jahr, 40 Jahre nach dem Tod von Sam English, räumte die Celtic-Fanseite www.kerrydalestreet.com mit diesem Mythos auf. Für den bis zu seinem vorzeitigen Karriereende mit 28 – und darüber hinaus – Verfolgten kam das natürlich zu spät:

English wurde nur 59 Jahre alt; er starb an seinem Geburtstag. Als er, unheilbar an einer Muskellähmung erkrankt, ins Hospital eingeliefert wurde, gab eine Krankenschwester zu Protokoll, der Patient habe wie ein uralter Mann ausgesehen. An jenem 5. September 1931 waren in Glasgow gleich zwei Leben zerstört worden.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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