Ein weltlicher und kirchlicher Feiertag
Freitag, 15. August 2008Aufmerksamen Leserinnen und Lesern wird nicht entgangen sein, dass in diesem Newsletter das kleine Land Liechtenstein überproportional häufig erwähnt wird, noch dazu, im Gegensatz zu den meisten anderen Medien, fast ausnahmslos mit positiven Schlagzeilen. Der heutige Anlass zur Berichterstattung ist der Nationalfeiertag am 15. August. Vermutlich wählte man das Datum, weil an diesem Tag eh’ frei ist (Mariä Himmelfahrt) und die Volkswirtschaft durch die Koinzidenz von weltlichem und kirchlichem Feiertag keine zusätzlichen Verdiensteinbußen hinnehmen musste.
Überhaupt sind die Liechtensteiner – das Fürstentum in seinen heutigen Grenzen besteht seit 1719 und ist seit 1806 ein souveräner Staat – sehr sparsam: Aus Kostengründen wurde das Militär aufgelöst, man vereinbarte eine Zollunion mit der Schweiz und lässt sich von den Eidgenossen auch in sämtlichen diplomatischen Angelegenheiten vertreten. Auf die Erhebung von Steuern wird weitgehend verzichtet – in der Hoffnung, dass sich die zahlreichen, zumindest per Postfach im Lande ansässigen Firmen erkenntlich zeigen und einen Teil ihrer Ersparnis auf Umwegen an die Staatskasse zurückführen.
Wirtschaftlich, auch das ist kein Nachteil, gehört Liechtenstein zum Europäischen Wirtschaftsraum. Doch allzu eng soll die Bindung an die EU nicht werden; einige Privilegien des Bank- und Postgeschäfts stünden dann auf dem Spiel. Daher steht laut offizieller Aussage des Fürstenhauses ein mittelfristiger EU-Beitritt nicht zur Diskussion.
Autor von Small-Talk-Themen.de


