Archiv für August, 2008

Ein weltlicher und kirchlicher Feiertag

Freitag, 15. August 2008

Aufmerksamen Leserinnen und Lesern wird nicht entgangen sein, dass in diesem Newsletter das kleine Land Liechtenstein überproportional häufig erwähnt wird, noch dazu, im Gegensatz zu den meisten anderen Medien, fast ausnahmslos mit positiven Schlagzeilen. Der heutige Anlass zur Berichterstattung ist der Nationalfeiertag am 15. August. Vermutlich wählte man das Datum, weil an diesem Tag eh’ frei ist (Mariä Himmelfahrt) und die Volkswirtschaft durch die Koinzidenz von weltlichem und kirchlichem Feiertag keine zusätzlichen Verdiensteinbußen hinnehmen musste.

Überhaupt sind die Liechtensteiner – das Fürstentum in seinen heutigen Grenzen besteht seit 1719 und ist seit 1806 ein souveräner Staat – sehr sparsam: Aus Kostengründen wurde das Militär aufgelöst, man vereinbarte eine Zollunion mit der Schweiz und lässt sich von den Eidgenossen auch in sämtlichen diplomatischen Angelegenheiten vertreten. Auf die Erhebung von Steuern wird weitgehend verzichtet – in der Hoffnung, dass sich die zahlreichen, zumindest per Postfach im Lande ansässigen Firmen erkenntlich zeigen und einen Teil ihrer Ersparnis auf Umwegen an die Staatskasse zurückführen.

Wirtschaftlich, auch das ist kein Nachteil, gehört Liechtenstein zum Europäischen Wirtschaftsraum. Doch allzu eng soll die Bindung an die EU nicht werden; einige Privilegien des Bank- und Postgeschäfts stünden dann auf dem Spiel. Daher steht laut offizieller Aussage des Fürstenhauses ein mittelfristiger EU-Beitritt nicht zur Diskussion.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Wenn das Müesli nicht mehr schmeckt

Donnerstag, 14. August 2008

Wenn ein Unternehmen gegründet wird, heißt das auf Neudeutsch Start-up. Wenn ein solches Unternehmen in den ersten zwölf Monaten sehr erfolgreich ist, wird es als Start-up des Jahres ausgezeichnet. Das passierte dem Passauer Online-Anbieter mymuesli.de.

Hinter dem – wie die Jury des Online-Gründerwettbewerbs deutsche-startups.de fand – innovativen Geschäftsmodell stehen drei junge Niederbayern: Max Wittrock, Hubertus Bessau und Philipp Kraiss bieten ihren Nutzern an, ihr eigenes Müesli zusammenzustellen – und schicken es ihnen frischhaltend und bruchsicher verpackt per Post zu.

Der Service von www.mymuesli.com richtet sich an alle „Genießer, Rosinenhasser, Allergiker, Sportler und Vollblutökos“, die in den Regalen hiesiger Super- und Biomärkte nicht fündig werden. Oder denen der durch einen 40-prozentigen Rosinenanteil fast unmerklich hochgeschraubte Zuckeranteil auf den Magen und die Geschmacksnerven schlägt. Oder die sich ärgern, dass der Anteil der leckeren Cashewkerne im Nuss-Müesli von Monat zu Monat sinkt.

„Stell Dir Dein Müsli selbst zusammen“, lautet daher die Maxime der Passauer Mixer, „wir liefern es Dir nach Hause.“ Ende April 2007 nahm der Service seinen Dienst auf; inzwischen versorgt er rund 15 000 Kunden mit selbst komponiertem Körnerfrühstück.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Die Folgen gewaltsamer Umerziehung

Mittwoch, 13. August 2008

Andere Menschen betrügen, unbeholfen agieren, hinterhältig sein: Für solche gering zu schätzenden Handlungen und Einstellungen kennt unsere Sprache die Begriffe linken, linkisch und link. Dahinter steckt nicht zuletzt die in unserer Gesellschaft gängige Vorstellung, Linkshänder seien sonderbare Wesen, denen man nicht so recht trauen kann. Um diesen Vorurteilen entgegenzuwirken, wurde der heutige Linkshändertag ins Leben gerufen (siehe auch unseren Newsletter „Tölpel und Pfuscher auf der ganzen Linie?“ vom 13. August 2007).

Das Umschulen linkshändiger Kindern auf die ungeliebte rechte Seite führt häufig zu psychischen Schäden und resultiert in weiteren gesundheitlichen Problemen, die manchmal sehr spät bemerkt werden. Darauf machte mich eine Leserin (sie möchte ihren Namen nicht genannt haben) aufmerksam. Sie kam durch das Schreiben mit der nichtdominanten Hand gesundheitlich in eine Abwärtsspirale – was ihr erst im Alter von 40 Jahren bewusst wurde. Ärzte konnten ihr nicht helfen: Die Schulmedizin kennt kein durch Umschulungsspätfolgen bedingtes Krankheitsbild bei Linkshändern. Also suchte unsere Leserin Hilfe bei Gleichgesinnten auf den Internet-Seiten www.linkshaenderforum.org und www.linkerhand.de.

Bald erkannte sie, dass sie weder teure Medikamente noch komplizierte Behandlungen und Apparate brauchte, sondern lediglich Stift, Papier und Ruhe – um (wieder) mit der linken Hand schreiben zu lernen. Ihr Appell an die Ärzteschaft lautet, auf das Thema der Händigkeit zu achten, es auch anzusprechen und Patienten an Spezialisten zu vermitteln: sowohl Schüler, die den Start beim Schreiben mit der nichtdominanten Hand gewagt haben und zurückgeschult werden sollten, als auch Erwachsene, die an den vielfältigen Spätfolgen der mehr oder weniger sanften Umschulung leiden.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Was älteren Menschen wirklich zusetzt

Dienstag, 12. August 2008

Hitzewellen wie die vor zehn Jahren (siehe unseren gestrigen Newsletter „Rekorde, die niemanden erfreuen“) braucht kein Mensch. Sie sind aber weniger schädlich als angenommen. Das fand ein europäisches Medizinerteam heraus, welches die gesundheitlichen Folgen der globalen Erwärmung erforschte. Die Wissenschaftler stellten sich die Frage, ob durch die steigenden Temperaturen eine Zunahme der Sterblichkeit vor allem bei Senioren zu befürchten sei.

Unbestritten ist, dass längere Hitzeperioden wie in zahlreichen der vergangenen Jahre besonders den über 65-Jährigen zusetzen. Dies legt den Schluss nahe, dass die weltweite Klimaveränderung mit ungewohnt heißen Sommern eine Häufung der Todesfälle unter alten Menschen mit sich bringt. So untersuchten britische, italienische, niederländische und finnische Mediziner in ihren Heimatländern die Auswirkungen der Außentemperatur auf die Bevölkerung.

Das überraschende Ergebnis: In allen Regionen zusammengenommen waren auf eine Million Einwohner jedes Jahr durchschnittlich 217 Hitzetote gekommen. Diesen standen allerdings 2017 Kältetote – meistens betagtere Opfer grippaler Infekte – gegenüber.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Rekorde, die niemanden erfreuen

Montag, 11. August 2008

Vor zehn Jahren, am 11. August 1998, wurde die höchste jemals in unserem Land erreichte Temperatur gemessen. 41,2 Grad Celsius zeigte das Thermometer in Brauneberg an, einem kleinen Ort an der mittleren Mosel nicht weit von Bernkastel-Kues.

Zwar befand sich die Wetterstation wie vorgeschrieben im Schatten, doch leider auch auf einem Schieferberg: Das grauschwarze Gestein speichert die Wärme und gibt sie rasch wieder ab, was gegenüber Wetterstationen auf anderen Böden ein Wettbewerbsvorteil bedeutet. So blieb dem zentralmoselanischen Höchstwert die offizielle Anerkennung versagt. Daher sind die fünf Jahre später im saarländischen Nennig ordnungsgemäß registrierten 40,3 Grad der offizielle Hitzerekord für die Bundesrepublik Deutschland.

Hält die globale Erwärmung weiter an und sorgt für eine Klimaveränderung in Mitteleuropa, dürfte diese Bestleistung bald wieder gebrochen werden. Davon geht die in Genf ansässige Weltorganisation für Meteorologie aus. Zwar hat es nach dem Rekordjahr 1998 mit der weltweit höchsten Durchschnittstemperatur kein wärmeres Jahr mehr gegeben – und auch dieses Jahr wird, was die Temperaturen betrifft, verhalten ausfallen – doch bleibt uns das Phänomen immer heißerer Sommer langfristig erhalten.

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500 Schafe für jeden Olympiasieger

Freitag, 8. August 2008

„Olympische Spiele“, meinte der irische Spötter und Dramatiker George Bernard Shaw, „sind eine wundervolle Gelegenheit, Zwietracht auch unter solchen Nationen zu stiften, die sonst keine Reibungsflächen haben.“ Das ist auch bei der heute eröffneten Olympiade der Fall. Die Staaten, die gute Geschäfte mit der Volksrepublik China machen, fühlen sich plötzlich bemüßigt, ein strengeres Auge auf die Menschenrechtsverletzungen in jenem Land zu werfen. Doch allzu kritisch darf der Blick auch nicht ausfallen, denn nach dem Ende der Spiele am 22. August stehen die wirtschaftlichen Beziehungen wieder im Vordergrund.

Bis dahin ist die Jugend der Welt gerufen, nach dem olympischen Motto höher – schneller – weiter gefälligst für positive Schlagzeilen zu sorgen. Die kann das Gastgeberland ebenso gut gebrauchen wie das durch zahlreiche Skandale gebeutelte Internationale Olympische Komitee.

Für die sympathischen Effekte sind – neben den unter Profibedingungen trainierenden Medaillengewinnern – die Athleten aus sportlich weniger bekannten Ländern zuständig, die ihren Sport noch als reine Amateure ausüben und denen das zweite olympische Ideal heilig ist: Dabeisein ist alles. Wen die zunehmende Kommerzialisierung des Sports und der Spiele allzu sehr grämt, kann sich mit folgendem Vergleich trösten:

Ganz lupenrein war der Amateurstatus bereits in der Antike nicht mehr. Zwar gab es bei den Olympiaden im alten Griechenland noch keine Preisgelder. Dennoch wussten die Sieger ihren Ruhm trefflich zu vergolden. So bekam im sechsten vorchristlichen Jahrhundert jeder aus Athen stammende Olympiasieger 500 Drachmen ausgezahlt. Dafür konnte er sich 500 Schafe kaufen.

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Tragik des Lebens

Donnerstag, 7. August 2008

„Ein männlicher Briefmark erlebte was Schönes, bevor er klebte. Er war von einer Prinzessin beleckt. Da war die Liebe in ihm erweckt. Er wollte sie wiederküssen, da hat er verreisen müssen. So liebte er sie vergebens. Das ist die Tragik des Lebens!“ Stumpfsinn in Versen nannte der Dichter seine kleinen gereimten Werke. Doch fiel das Urteil der Kollegen positiver aus:

„Ich freue mich an diesem Mann und seinem Humor, der so gar nicht golden ist, sondern echter Galgenhumor, schwebend zwischen Spaß und Not, zwischen Rausch und Verzweiflung.“ Das sagte kein geringerer als der Literaturnobelpreisträger Hermann Hesse. Auch Erich Kästner, der ähnliche Reimworte schrieb, stimmte in das Loblied ein: „So stark ist der Dichter in dem Manne, der erlebt, dass das Banalste und Niedrigste durch ihn zum Wunder wird.“

Die Rede ist von einem Verseschmied der filigransten Art, der uns an die Tausend kleiner hintersinniger Kunstwerke wie das eingangs zitierte hinterlassen hat. Als seine Lieblingsblume bezeichnete der heute vor 125 Jahren Geborene Seegras, als sein Lieblingsbuch das Hamburger Adressbuch.

Die größte Abneigung erzeugte in ihm laut eigener Aussage der Tod. Leider beruhte dieses Verhältnis nicht auf Gegenseitigkeit, weshalb Joachim Ringelnatz – Tragik des Lebens – bereits im Alter von 51 Jahren diese Welt verlassen musste. Seine Gedichte werden bis heute gerne gelesen und zitiert.

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Das erste prominente deutsche AIDS-Opfer

Mittwoch, 6. August 2008

In New York hatte er sich einen Namen gemacht, in Frankreich eine Goldene Schallplatte eingeheimst – nur in seiner Heimat Deutschland wurde er erst durch die damals nicht alltägliche Ursache seines Todes bekannt.

Die Rede ist von Klaus Sperber, einem gelernten Konditor aus dem allgäuischen Immenstadt. Er war ein begnadeter Sänger, reüssierte zunächst in der Popwelt und danach als Countertenor in der ernsten Muse. Aufgrund seiner Vielseitigkeit legte er sich den Nachnamen Nomi (ein Anagramm aus dem lateinischen omni = alles) zu. David Bowie engagierte ihn als Background-Sänger, Eberhard Schoener für seine Klassik-Rocknacht. Für Klaus Nomi schien es steil nach oben zu gehen, wäre da nicht die HIV-Infektion gewesen, die er sich vermutlich 1982 zugezogen hatte.

Damals war die Lebenserwartung mit einem solchen Handicap deutlich geringer als heute. Als Nomi am 6. August 1983 starb, lasen manche Deutsche seinen Namen zum ersten Mal: in einem Nachruf des Nachrichtenmagazins Der Spiegel. Auch von der Todesursache hatten hierzulande bislang nur die wenigsten gehört. Sie lautete: AIDS.

Klaus Nomi war der erste prominente Deutsche, den die heimtückische Krankheit dahinraffte. Exakt 25 Jahre nach seinem Tod steht in Mexiko bei der Weltaidskonferenz zur Debatte, wie künftig die Zahl der Opfer heruntergeschraubt werden kann.

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Wenn in Australien jemand den Harold Holt macht

Dienstag, 5. August 2008

Heute wäre der 100. Geburtstag von Harold Holt. Ob er noch lebt, darf bezweifelt werden, denn am 17. Dezember 1967 hat man ihn zuletzt gesehen. Danach verschwand er, was recht ungewöhnlich für einen Ministerpräsidenten einer westlichen Demokratie ist (siehe auch unseren Newsletter „Melden Sie Harold Holt, wenn er selbst es nicht tut!“ vom 17. Dezember 2007).

An jenem Morgen spazierte Australiens Regierungschef gemeinsam mit ein paar Freunden an der Cheviot Beach im äußersten Süden des Kontinents. Der Wellengang war beträchtlich, weshalb Holt als Einziger aus der Gruppe ins Wasser ging. Die Zurückgebliebenen erinnerten sich noch daran, dass der begeisterte Schwimmer dies recht unvermittelt mit einem kühnen Kopfsprung tat – vielleicht, um ihre Warnungen zu ignorieren.

Weder Holt noch seine Leiche tauchten je wieder auf, trotz der bis dahin größten Suchaktion in der Geschichte des Landes. Die wurde zwei Tage später abgebrochen und Holt für tot erklärt. Trotz der Tragik dieses Vorfalls kursieren zahlreiche Witze über des Premiers Verschwinden, und in Australien sagt man über jemanden, der sich plötzlich aus dem Staub macht: He did a Harold Holt – er hat den Harold Holt gemacht.

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Eine Amtszeit, an deren Ende 28 Jahre Haft standen

Montag, 4. August 2008

Als heute vor 25 Jahren erstmals ein Sozialist italienischer Ministerpräsident wurde, bedeutete das gleichzeitig das schleichende Ende dieser einst großen Partei. Schuld war niemand anderer als der Ministerpräsident selbst:

Am Ende der Amtszeit Bettino Craxis bedurfte es eines Neustarts der Demokratie auf der Apenninen-Halbinsel. Zunächst sorgte das Verhandlungsgeschick Craxis für eine stabile Phase in der chronisch instabilen Republik: Vier Jahre lang hielt seine Regierung, für italienische Verhältnisse eine kleine Ewigkeit. Doch als herauskam, dass nicht alles taktischen Fähigkeiten zu verdanken, sondern auch eine Menge Bestechungsgeld im Spiel war, geriet das System Craxi ins Wanken.

Später gab der gewiefte Politiker zu, dass seine Partei insgesamt 93 Millionen Euro an Schmiergeldern eingenommen hatte. Hinzu kamen für Craxis Privatschatulle 10 Millionen weitere Euro allein von einem Unternehmer namens Silvio Berlusconi – für die allein ihm erteilte Sondererlaubnis, drei Privatfernsehsender gleichzeitig in Italien zu betreiben. Für das illegale Geschäft erhielt Berlusconi 28 Monate Haft – allerdings wurde das Urteil ein Jahr später kassiert.

Zu 28 Jahren Haft wurde am Ende Craxi verknackt. Auch er musste von seiner Strafe keinen einzigen Tag absitzen. Es traf sich nämlich gut, dass Craxi zuvor enge Beziehungen zu einer Reihe zweifelhafter Regime gepflegt hatte. Eines davon, dasjenige Tunesiens, gewährte dem Flüchtigen großzügig Asyl. So kam es, dass Bettino Craxi im Jahr 2000 zwar recht einsam, aber bis dahin gänzlich unbehelligt in seiner aus Schmiergeldern finanzierten Villa im Badeort Hammamet starb.

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