Keine Schande, aber dennoch kaum zu ertragen
Freitag, 17. Oktober 2008„Bloß eine Klasse der Gesellschaft denkt mehr über das Geld nach als der Reiche“, fand der irische Spötter Oscar Wilde mit ungewöhnlichem Ernst, „und das ist der Arme. Der Arme kann sonst nichts denken. Und dies ist das Elend der Armen.“ Der heutige Tag ist ihnen gewidmet, denn die UNO hat den 17. Oktober weltweit zur Beseitigung der Armut ausgerufen.
„Das Sein bestimmt das Bewusstsein“, wusste schon der Welt erster Kapitalismuskritiker Karl Marx, und wenn das Portemonnaie leer ist, ist es auch mit der in den westlichen Industrieländern so gepriesenen Freiheit nicht weit her. Nach den Standards der Weltbank gilt als arm, wer weniger als einen US-Dollar pro Tag zum Ausgeben zur Verfügung hat. Davon kann man sich selbst in billigen Ländern wenig leisten, zudem schlägt sich ein derart niedriges Einkommen in der Lebenserwartung nieder:
Sie beträgt bei Armen gerade einmal 55 Jahre im Durchschnitt; in süd- und ostafrikanischen Staaten wie Swasiland sind es sogar nur 34! Mittellose haben kaum Zugang zu Bildung, daher auch keine gesellschaftlichen Aufstiegsmöglichkeiten und erst recht keine Lobby. Armut ist, da selten aus freien Stücken gewählt und ebenso selten selbst verschuldet, keine Schande. Das ist bereits das einzig Positive, was sich über sie sagen lässt.
Autor von Small-Talk-Themen.de


