Die Erfindung des Fernsehers
Donnerstag, 2. Oktober 2008„Früher“, sagte der österreichische Entertainer Rainhard Fendrich, „wollten die Leute in den Himmel, heute wollen sie ins Fernsehen.“ Irrtum, Rainhard! Früher wollten die Leute in den Himmel fernsehen. Zumindest diejenigen, denen der Brillenmacher Hans Lipperhey vor genau 400 Jahren seine neueste Erfindung vorstellte: ein Instrument zum Sehen in die Ferne.
Die Ratsherren der Stadt Middelburg in der südholländischen Provinz Zeeland waren begeistert und erteilten dem gebürtigen Deutschen – Lipperhey war 1570 im niederrheinischen Wesel zur Welt gekommen – den Auftrag zum Bau des ersten Fernrohrs. Das funktionierte offenbar gut. So gut, dass im fernen Padua ein Mathematikprofessor namens Galileo Galilei von dieser Konstruktion erfuhr, sich die Baupläne beschaffte und das Gerät selber nachbaute.
Dazu lernte der Akademiker extra die Kunst des Linsenschleifens. Auf der Basis seiner so verbesserten Himmelsbeobachtungen stellte Galilei später die These auf, die Erde müsse sich um die Sonne drehen. Und was wurde aus Hans Lipperhey? Er starb 1619 in Middelburg, ohne jemals das Patent für seine Erfindung erhalten zu haben. Sein Pech war, dass sich zu jener Zeit auch andere Tüftler erfolgreich am Bau eines Fernrohrs geübt hatten.
Autor von Small-Talk-Themen.de


