Archiv für Dezember, 2008

Englands Nationaldichter

Dienstag, 9. Dezember 2008

Wie heißt Englands Nationaldichter? Die Antwort auf diese Frage lautete nicht immer „William Shakespeare“. Ein anderer, gleichwohl jüngerer, hatte ihn lange Zeit von dieser Position verdrängt. Es war der Dichter und Bühnenautor John Milton, dessen Geburtstag sich heute zum 400. Mal jährt.

Ihm widmete zum 200. Geburtstag der bereits in unserem Newsletter erwähnte William Blake nicht nur ein berühmt gewordenes Gedicht. Blake illustrierte auch Miltons Hauptwerk über das verlorene Paradies. Als Paradise Lost 1667 erschien, war Milton bereits ein berühmter Mann. Das lag nicht nur an seinen Gedichten und Schauspielen.

Miltons wirkungsvollstes Schriftstück war ein politisches: In der Aeropagitica trat der Mann der Feder für Glaubens-, Gewissens- und Pressefreiheit ein und legte die Grundlage für die urbritische Tradition des Liberalismus. Milton hatte aber auch seine dunklen Seiten: In seiner Verteidigung der englischen Republik – ihre Gründung folgte 1649 auf die Abschaffung der Monarchie - gegen den Widerspruch vor allem der anglikanischen Kirche ging er so weit, dass er die Hinrichtung von König Charles I. guthieß. Seiner Reputation als Dichter und Freigeist tat dies keinen Abbruch. Bis heute wird Milton von den Briten verehrt, seine Gedichte und Texte stehen in jedem Schulbuch. Nur als Nationaldichter wurde er von Shakespeare wieder überholt.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Armer Teufel, tasmanischer!

Montag, 8. Dezember 2008

Das Echo auf den Tasmanischen Teufel ist geteilt. Die einen finden ihn putzig wegen seines schönen schwarzen Fells und seiner draufgängerischen Art. Andere fühlen sich von seinem nächtlichen Geheul und seinem Fressverhalten – vorzugsweise ernährt er sich von Aas, aus dem er gierig riesige Stücke reißt – abgestoßen.

Letzteres birgt eine weitere, viel größere Gefahr. Der Aasverzehr ist verantwortlich für die Infektion mit einem Virus, das der Tasmanische Teufel bei der Paarung auf seine Artgenossen überträgt: Auch bei der Vermehrung geht es lebhaft und nicht ohne tiefe Schrammen zu, denn das gegenseitige Sich-ins-Gesicht-Beißen gehört zum Ritual. Das Resultat ist frustrierend: Im letzten Jahr ist die Teufel-Population auf der größten australischen Insel Tasmanien um zwei Drittel von einst 150 000 auf aktuell 50 000 zurückgegangen. Doch gibt es Hoffnung für die beißwütigen, dackelgroßen Tiere.

Immunologen von der Universität Hobart haben herausgefunden, dass ein Teil der Teufel virenresistent ist. Nun gilt es, diese aufzuspüren und ihnen den körpereigenen Abwehrstoff abzuzapfen. Daraus soll ein Präparat hergestellt werden, das anderen bislang nicht resistenten Tieren eingeimpft werden kann. In Laborversuchen hat dies bislang funktioniert. Für Menschen ist ein Biss des Tasmanischen Teufels übrigens ungefährlich: Das Virus wird nur artintern übertragen.

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Ein Brauch findet seine Unschuld wieder

Freitag, 5. Dezember 2008

Als der schöne Schweizer Brauch des Klausjagens (siehe unseren Newsletter vom 5. Dezember 2007) erstmals schriftlich erwähnt – und damit historisch belegt – wurde, hatte er bereits seine Unschuld verloren. In Küssnacht beschwerten sich die Ratsherren in einem Protokoll über die Auswüchse des adventlichen Treibens. Die Umzüge des Samichlaus und dessen Schmutzlis (so heißen der Schweizer Nikolaus und seine Gehilfen) wurden immer lärmiger und erschreckten die braven Küssnachter Bürger zu Tode.

Als später statt des Knallens von Peitschen wegen der größeren Lautstärke nicht selten sogar zu Pistolen gegriffen wurde, schritten die Offiziellen ein – zumal die Schusswaffen manchmal dazu verwendet wurden, Passanten nicht ganz freiwillige Geldgeschenke abzuverlangen. Die Sankt Nikolausengesellschaft zu Küssnacht wurde gegründet, damit das Klausjagen wieder in geordneten Bahnen verlief. Heute zählt der Verein 1600 Mitglieder. Leider nur männliche.

Um sich den jeweils in der Nacht vom 5.&bsp;auf den 6. November veranstalteten Umzug anzuschauen, strömen alljährlich bis zu 20 000 Menschen in das Städtchen am Rigi, dem heiligen Berg der Schweizer. Wollen Sie mehr über das Spektakel erfahren, empfehle ich Ihnen die Internetseite www.klausjagen.ch.

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Treulose Tochter, verbitterter Vater

Donnerstag, 4. Dezember 2008

Kennen Sie die Schutzheilige der Bergleute, Geologen, Glöckner, Glockengießer, Schmiede, Maurer, Steinmetze, Zimmerleute, Dachdecker, Elektriker, Architekten, Artilleristen, Feuerwerker, Feuerwehrleute, Totengräber, Hutmacher, der Mädchen und der Gefangenen? Nein? Dann helfe ich Ihnen noch ein wenig auf die Sprünge: Die Gesuchte zählt zu den vierzehn Nothelfern der katholischen Kirche und schützt auch vor Blitz und Donner, Feuergefahr, Fieber, Pest und plötzlichem Tod. Eine Menge Holz, das auf der heiligen Barbara lastet.

Ob sie wirklich existiert hat, ist historisch nicht gesichert. Falls doch, lebte sie im 3. Jahrhundert in Nikomedien, einer Gegend östlich des heutigen Istanbul. Die Tochter aus gutem Haus beging den für gewisse Kreise in damaliger Zeit unverzeihlichen Fauxpas, sich taufen zu lassen. Passt man einmal nicht auf, wird sich Barbaras Vater voll Verbitterung gesagt haben, verkauft das Flittchen sich an die verfluchten Christen! Die Strafe des erbosten Erzeugers ließ nicht lange auf sich warten: Er stellte sich nach Barbaras Ergreifung – auf ihrer letztlich vergeblichen Flucht war sie vermutlich von Vertretern einiger der eingangs erwähnten Berufsgruppen unterstützt worden &ndash selbst als Henker zur Verfügung. Mit einem Scharftrichterbeil schlug er dem renitenten Sprössling den Kopf ab. Doch auch das rabiate Familienoberhaupt traf die Rache, sogar noch am selben Tag: Ein vom Himmel gesandter Blitz machte aus ihm ein Häuflein Asche. Das alles geschah an einem 4. Dezember, weswegen wir heute der heiligen Barbara gedenken.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Vom Sorgenkind zum Menschen

Mittwoch, 3. Dezember 2008

„Am 3. Dezember“, berichten die gängigen Gedenktage-Verzeichnisse, „ist Internationaler Tag der Behinderten.“ Das Datum wurde, so heißt es weiter, von der World Health Organisation erstmals vor elf Jahren als Anlass genommen, um an die Probleme der Behinderten in unserer Gesellschaft zu erinnern.

Das mag ja alles ganz nett sein. Ein Problem der Betroffenen – worauf diese immer wieder auf ihren jeweiligen Internetseiten verweisen – ist die Stigmatisierung als ‘Behinderte’. Behindert ist man nicht, behindert wird man, sagt etwa die Aktion Mensch. Dem karitativen Verband stößt ein derart gedankenloses Brandmarken – auch wenn es nicht in böser Absicht geschieht – sauer auf: Diejenigen, die als ‘Behinderte’ abgestempelt werden, sehen sich selbst allenfalls als „Menschen mit Behinderungen“.

Eine solche feine Differenzierung in der Begriffswahl sollte auch in den Medien und in der Öffentlichkeit erfolgen: Behinderte Menschen sind keine Sorgenkinder und wollen daher auch von weniger Behinderten als normal angesehen werden. Ihre größte Selbsthilfeorganisation nennt sich deshalb seit einigen Jahren nicht mehr „Aktion Sorgenkind“, sondern „Aktion Mensch“.

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Faule Äpfel und tote Hühner

Dienstag, 2. Dezember 2008

„Mit der Kreativität haben selbst große Geister ihre Probleme“, weiß T.C. Boyle. Der US-Schriftsteller verzückte seine Leserschaft mit historischen Romanen wie Wassermusik (deren Held, der schottische Entdeckungsreisende Mungo Park, wirklich gelebt hat), Abgesängen auf die Hippie-Bewegung (Grün ist die Hoffnung, Drop City) oder auch dem Sanatoriumsdrama Willkommen in Wellville, eine Art amerikanischer Adaption von Thomas Manns Der Zauberberg.

Boyles Initialen stehen für Tom Coraghessan: Thomas nannten ihn seine Eltern, den zweiten Vornamen gab er sich selbst - nach einem Vorfahren aus seiner irischstämmigen Familie. Boyles literarische Wurzeln liegen ebenfalls in Europa, und der Autor kommt gerne darauf zu sprechen.

In Deutschland etwa hat er sich nicht nur von Thomas Mann inspirieren lassen: „Friedrich Schiller“, sagte Boyle in einem Interview, „konnte angeblich nur schreiben, wenn er den Geruch von verfaulten Äpfeln in der Nase hatte.“ Auf die Frage, welchen Tricks er denn seine Einfälle verdanke, antwortete Boyle freimütig: „Ich töte jeden Morgen ein Huhn und lasse das Blut in eine Schüssel laufen. Während ich schreibe, bade ich meine Füße in der Schüssel. Wenn das Blut erkaltet ist, ist mein Tagwerk beendet. Da kann der alte Schiller nicht mithalten, oder?“

Vielleicht lag es daran, dass Schiller einfach nicht so viel Zeit zur Verfügung stand. Der Mann starb mit 45. T.C. Boyle immerhin wird heute 60 Jahre alt.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Ein trauriges Jubiläum

Montag, 1. Dezember 2008

Unsere Gesellschaft wird sich durch nichts mehr verändern als durch Aids: Diese Einschätzung der Mikrobiologin Helga Scherf ist richtig – und auch wieder nicht. 33 Millionen Menschen weltweit sind von HIV, also der Infizierung, und Aids, dem Ausbruch der tödlichen und bislang nicht heilbaren Krankheit, betroffen.

In Deutschland beträgt ihre Zahl 59 000. Alarmierend ist die ungleiche Verteilung der Krankheit. Am schlimmsten betroffen ist das südliche und östliche Afrika: Jeder vierte in Swaziland und Botswana, 23 Prozent in Lesotho, 18 Prozent in Simbabwe und 16 Prozent in der Republik Südafrika leiden an HIV oder Aids.

Immerhin ist die Zahl der Neuinfizierungen dort in den letzten Jahren zurückgegangen. Anders in der übrigen Welt: Hier steigt die Zahl der HIV- und Aidskranken weiter an, wenn auch nicht mehr so rasant wie zu Beginn des Jahrzehnts. Dass die Zahl der Aidstoten zurückgeht, liegt einzig an den besseren Medikamenten, die den Kranken inzwischen zur Verfügung stehen. Wichtiger aber wäre eine bessere Vorsorge, die nur über eine effizientere Aufklärung über die Krankheitsrisiken erreicht werden kann. Die war auch Thema der diesjährigen Weltaidskonferenz in Mexiko (siehe unseren Newsletter vom 6. August).

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gibt ob der vergleichsweise geringen Zahl der Infektionen in Deutschland keine Entwarnung. Im Gegenteil: Sie stellt gerade bei Jugendlichen eine wachsende Sorglosigkeit gegenüber HIV und Aids statt – und reiht sich in die Kampagne derjenigen ein, die am heutigen Weltaidstag vor möglichen Gefahren warnen wollen (Internet: www.bzga.de). Der erste Weltaidstag fand übrigens vor exakt 20 Jahren statt - ein trauriges Jubiläum.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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