Die Gebrauchtwagen-Frage
Freitag, 16. Januar 2009Im Wahljahr 2009 wird es in Deutschland insgesamt 15 politische Abstimmungen geben, bei denen die Bevölkerung gefragt ist. Neben der Europawahl stehen Kommunal- und Landtagswahlen gleich in mehreren Bundesländern an. Es beginnt mit dem Urnengang in Hessen am kommenden Sonntag; Höhepunkt ist die Bundestagswahl am 27. September.
Sind denn Wahlen, ist denn die Politik ein Thema für den Small Talk, werden Sie sich vielleicht fragen. Warum denn nicht? Sie müssen ja nicht jedem erzählen, wo Sie Ihr Kreuzchen machen. Auch tiefschürfende ideologische Beiträge wären in der leichten Konversation fehl am Platz. Andererseits liefern Politiker – vor allem wenn sie nach Wählerstimmen heischen – immer wieder Showeinlagen, deren Niveau häufig unter dem des Meeresspiegels anzusiedeln ist. Die Glaubwürdigkeit bleibt dabei manchmal auf der Strecke.
Apropos Glaubwürdigkeit: Wenn in einer Umfrage diejenige eines Politikers gemessen werden soll, wird in den USA die Gebrauchtwagen-Frage gestellt: „Würden Sie von dieser Person einen Gebrauchtwagen kaufen?“ Erstmalig angewandt hat sie der amerikanische Journalist Hunter S. Thompson, 1960 im Wahlkampf John F. Kennedy versus Richard M. Nixon. Letzterer fiel bei der Frage und anschließend auch bei der Abstimmung durch. Acht Jahre später wurde Nixon doch noch Präsident. Glaubwürdig war er aber – trotz Wiederwahl 1972 – immer noch nicht: Zwei Jahre später musste Nixon sein Amt niederlegen, weil er in der Watergate-Affäre gelogen hatte.
Autor von Small-Talk-Themen.de


