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Eine alte Fotografie zeigt eine chaotische Menschenmenge im Nationalpalast von Mexico City. Soldaten in Galauniform stehen neben bewaffneten Bauern und Städtern im Sonntagsanzug. Sogar einige Kinder drängen sich zwischen die Erwachsenen, denn alle haben nur ein Ziel: Sie wollen auf dieses Bild.

Kein Wunder, denn das Motiv ist eine historisches: Soeben haben die Revolutionäre Francisco Villa und Emiliano Zapata die Hauptstadt ihres Landes erobert. Doch es bleibt eine Momentaufnahme. Villa sitzt auf dem Foto zwar auf dem Präsidentenstuhl, doch diese Rolle wird ihn überfordern. Anders der Mann neben Villa mit seinem riesigen Sombrero und dem fast noch breiteren Schnauzbart: Zapata hat gar nicht vor, Präsident zu werden. Sein Ziel ist zwar die Befreiung der Bauern aus der Abhängigkeit der Großgrundbesitzer – aber nur in seinem Heimatstaat Morelos im Süden Mexikos, wohin er alsbald zurückkehrt.

So gerät die Revolution ins Stocken. Der alte Präsident Venustiano Carranza kehrt auf den Stuhl zurück, der für Villa wohl eine Nummer zu groß gewesen war. Jetzt muss Carranza allerdings noch Zapata beseitigen. Obwohl weit weg im armen Süden des Landes, stellt der Volksheld weiter eine Gefahr für die bestehende, alles andere als stabile Ordnung dar. Im Dorf Chinameca tappt Zapata in die Falle. Als der Revolutionär die Einladung zum Mittagessen auf einer Hacienda annimmt, wird er von Milizionären, die sich dort versteckt haben, erschossen.

So endete heute vor 90 Jahren praktisch die mexikanische Revolution. Villa kämpfte im Norden des Landes noch weiter, wo er 1923 einem Scharfschützen zum Opfer fiel. Auch Carranza wurde in seinem Präsidentenamt nicht glücklich. Ein gutes Jahr nach Zapatas frühzeitigem Ende starb er durch die Kugel eines Attentäters.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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„Fasten, studieren, keine Frauen sehn – klarer Verrat am Königtum der Jugend.“ Meinte jedenfalls William Shakespeare. Doch irgendwann ist die Jugend vorbei, es melden sich die ersten Zipperlein, der Körper reagiert nicht mehr so, wie der Geist es vielleicht will, obwohl auch der schon nicht mehr ist, was er mal war. Muss man sich selbst da nicht etwas Gutes tun? Vielleicht eine Zeitlang entsagen, bevor man sich wieder den Genüssen des Lebens hingibt?

Gestern hat die Fastenzeit begonnen, und die sechseinhalb Wochen zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag nutzen viele Menschen, um sich innerlich zu reinigen. So auch einer unserer Leser, der mir schrieb, er verzichte in der Fastenzeit nicht nur auf Fleisch, Alkohol und Süßigkeiten. Auch den großen Zeitdieben verschließt er sich: „Der Fernseher bleibt ausgeschaltet, die Nachrichten werden nur im Radio verfolgt.“ Keine schlechte Idee! Leider kann er diesen Newsletter nicht lesen, denn Surfen im Internet ist ebenfalls gestrichen.

Vielleicht darf er ja weiter E-Mails schreiben und empfangen. Denn übertreiben, so versichert er am Schluss seiner Mitteilung, möchte er nichts: Schließlich seien die Sonntage bei ihm fastenfrei.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Heute ist Aschermittwoch. Auch an diesem traditionell religiösen Fest mischt sich die Politik gerne in Bereiche ein, in denen sie eigentlich nichts zu suchen hat. Im Wahljahr 2009 wird das kaum anders sein. Die Rede ist vom politischen Aschermittwoch, an dem gerne Reden gehalten werden. Den Ursprung dieses, na ja, Brauchtums haben wir im Newsletter vom 1. März 2006 erklärt.

Heute möchte ich aus einem Bericht des Nachrichtenmagazins Spiegel online über die bestbesuchte letztjährige Veranstaltung zitieren: „Die Dreiländerhalle in Passau ist kein Ort der leisen Töne, im Gegenteil: Mit einer gepflegten Mischung aus Angriff, Polemik und Unterhaltung hat die bayerische CSU dort heute den diesjährigen politischen Aschermittwoch eröffnet - mit einer klaren Kampfansage an die Linke und die SPD. Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) warf den Sozialdemokraten vor, wenn es der Macht diene, gehe die SPD auch ‚eine blutrote Koalition‘ ein. ‚Wer mit der Linken ins Bett geht, bekommt keinen demokratischen Nachwuchs‘, warnte der CSU-Politiker.“ An dieser Stelle blenden wir uns ein. Beckstein? Können Sie sich an den Namen noch erinnern? Richtig, da war doch was, meint auch Spiegel online: „Für Beckstein war es die erste Rede, die er in seiner Funktion als bayerischer Regierungschef hielt, und er gab sich deshalb kämpferisch.“

Jetzt hat er ausgekämpft, die morgige Rede in Passau hält Becksteins Nachfolger Horst Seehofer. Zwischen diesem und dem geplanten Auftritt 2010 liegt wieder eine auch für Bayern wichtige Wahl. Sollen wir Seehofer wünschen, dass seine diesjährige Rede zum politischen Aschermittwoch im Rückblick nicht schon wieder als Schnee von gestern gehandelt wird?

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Nie wieder Strasse!

24. Februar 2009

„Wenn Sie eine schwarze Katze sehen, bringen Sie das Tier dazu, auf keinen Fall vor Ihnen die Strasse zu überqueren“: Als dieser Satz in unserem Newsletter vom Freitag den 13. erschien, war ich auf die eine oder andere Zuschrift erboster Tierschützer gefasst.

Ich erhielt tatsächlich eine Mail – von einem Sprachschützer: „Stets bekomme ich Beispiele genannt“, moniert unser Leser Hans Keller, „in denen Straße in öffentlichen Schreiben, Bekanntmachungen oder Straßenschildern mit Doppel-S geschrieben wird. Nun habe ich bei Ihnen in Ihrer Ausgabe vom 13. Februar auch ‚Strasse‘ gelesen. Damit unterstützen Sie diejenigen, die kritikarm alles übernehmen, was sie lesen bzw. finden.“

Da hat Herr Keller Recht. Selber käme ich nie auf die Idee, Straße mit Doppel-S zu schreiben. Anscheinend – es ist bereits das zweite Mal, dass mir dies passiert ist – habe ich diese Schreibweise irgendwo gelesen und im Unterbewusstsein übernommen. Dabei ist die Rechtschreibregel doch so einfach; vor allem, wenn Herr Keller sie so schön erklärt: „Wird der Vokal, der vor dem S-Laut steht, lang gesprochen, dann folgt der lange Buchstabe, also das ß – wie bei Straße, Schoß, Fuß. Wird der S-Laut kurz gesprochen, wie bei Kuss, Schloss, Biss, dann folgt der kurze Buchstabe, also das Doppel-S.“

Wenn nur das blöde Unterbewusstsein nicht wäre, Fehler, die man irgendwo liest, einfach zu übernehmen. Zumindest in diesem Newsletter soll dem nicht weiter Vorschub geleistet werden

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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„Wird man unerwartet gebeten, eine Rede zu halten, so erschrecke man nicht, sondern fasse sich. Aber kurz!“ Diese Empfehlung stammt von Heinz Erhardt, der heute seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte.

Nachdenkliche Themen waren nicht Sache des wohl berühmtesten Komikers der bundesrepublikanischen Wirtschaftswunderzeit. Eher war es der harmlose, aber handwerklich gekonnte Wortwitz, mit dem er sein Publikum zum Schmunzeln brachte. Manche doch recht flache Kalauer waren dabei, aber auch Gedichte die zeitlos sind und die Sie heute noch überall zitieren können – beispielsweise in Ihrem nächsten Small Talk. Eine Kostprobe:
„Es soll manchen Dichter geben,
der muss dichten, um zu leben.
Ist das immer so? Mitnichten,
manche leben um zu dichten.“
Den eben zitierten Vierzeiler finden Sie – neben zahlreichen anderen Beispielen seiner Fabulierkunst, aber auch allem Wissenswerten über das Leben Heinz Erhardts – auf der Internetseite www.heinzerhardt.com.

Entlassen möchte ich Sie für heute mit einem Wahlspruch des Künstlers, den Sie nicht nur an Karneval zu Ihrer persönlichen Maxime machen sollten: „Wer sich selbst auf den Arm nimmt, erspart anderen die Arbeit.“ Unser nächster Newsletter erscheint wegen des höchsten rheinischen Feiertags erst am Dienstag.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Vor 90 Jahren, bei den Reichstagswahlen am 19. Januar 1919, durften Frauen in Deutschland erstmals wählen. Nicht nur das: Sie kamen auch in den Genuss des passiven Wahlrechts. So zogen exakt einen Monat später 37 weibliche Abgeordnete ins Parlament ein.

Als erste von ihnen ergriff die Sozialdemokratin Marie Juchacz in der Weimarer Nationalversammlung das Wort. Bereits mit ihrer Redeeröffnung verbuchte sie den ersten Erfolg, und spätestens jetzt hörten ihr alle Anwesenden zu. Zu ihrem denkwürdigen Auftritt vermerkt das Sitzungsprotokoll nach der leicht ironischen Anrede „Meine Herren und Damen!“ – Heiterkeit. Das lachen verging den Herren allerdings schnell, zumal die neue Abgeordnete ihnen klarmachte, dass es sich beim Frauenwahlrecht keineswegs um einen Akt männlicher Gnade handelt: „Ich möchte hier feststellen und glaube damit im Einverständnis vieler zu sprechen, dass wir deutschen Frauen dieser Regierung nicht etwa in dem althergebrachten Sinne Dank schuldig sind. Was diese Regierung getan hat, das war eine Selbstverständlichkeit: Sie hat den Frauen gegeben, was ihnen bis dahin zu Unrecht vorenthalten worden ist.“

Marie Juchacz’ Rede können Sie im Original hier nachlesen. Morgen begeht das Rheinland seinen – politisch folgenlosen – Frauentag, da erscheint unser Newsletter nicht. Aber am Freitag: Dann geht es um den 100. Geburtstag eines bis heute bei Jung und Alt beliebten Komikers, den morgen abend die ARD in einer Sondersendung um 20:15 Uhr ehrt.

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Im Cricket und im Baseball kommt es darauf an, einen Ball mit möglichst hoher Geschwindigkeit zu werfen. Das Flugobjekt zu treffen wird für den Mann am Schlag noch schwerer, wenn es mit einem Drall versehen ist. Ein derart schwer auszurechnendes Wurfgerät nennen Briten und Amerikaner Screwball. Schwer auszurechnen sind auch die Komödien, die unter dieser Bezeichnung firmieren.

Die Süddeutsche Zeitung definiert sie als „Beziehungskomödien, in denen sich alles um Liebe und Sex dreht, in denen alles anders kommt, als man denkt, in denen die raffinierte Handlung vorangetrieben wird von geschliffenen, schnellen und respektlosen Dialogen, in denen sich die Protagonisten, erstaunlicherweise immer ein Mann und eine Frau, am Anfang nicht leiden können und am Ende kriegen.“ Sicher haben Sie eine solche Screwball-Komödie, vorzugsweise made in Hollywood, schon einmal im Kino gesehen.

Das Genre wurde heute vor 75 Jahren begründet, als Frank Capras „Es geschah in einer Nacht“ in die Kinos kam. Klar, in einer Nacht bleibt nicht viel Zeit, da ist das Tempo naturgemäß hoch. Es beginnt mit einem Bus, der eine Panne, und zwei Fahrgästen, die folglich schlechte Laune haben. Und da das Leben ein Baseball ist, der sich dreht und wendet, finden sich Millionenerbin Ellie und Zeitungsreporter Peter – was anfangs niemand für möglich hielt – am Ende des Films doch noch.

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„Bescheidenheit ist die schlimmste Form der Eitelkeit“, fand der französische Missionar Charles de Foucauld. Offenbar hatte der fromme Mann in seinem Leben viele Dankesreden gehört, die von ihren Preisträgern mit den Worten begonnen wurden, sie hätten den Preis ja gar nicht verdient. Nichts langweilt ein Publikum mehr als unterwürfige Buhlerei um Komplimente. Das sah offenbar auch der Althistoriker Christian Meier so, als ihm vor einem Jahrzehnt ein begehrter Preis verliehen wurde.

Der damals noch an der Münchner Universität lehrende Professor begann seine Dankesrede mit folgenden Worten: „Meine Damen und Herren, wenn ich heute mit dem Cicero-Rednerpreis ausgezeichnet werde, denke ich, dass ich diese Auszeichnung“ – es folgte eine kleine Pause, in der Meier kurz innehielt – „verdient habe.“ Alle im Saal lachten befreit auf, und anschließend konnte der Vortragende in aller Ruhe sein Redetalent beweisen.

Heute wird Meier wieder eine Dankesrede halten müssen, wenn ihm allerlei Honoratioren zum 80. Geburtstag gratulieren. Bescheiden muss der Autor grundlegender Werks über das antike Athen und den römischen Feldherrn Caesar nicht an den Tag legen. Schließlich gehört er zu Deutschlands größten Althistorikern. Das sieht auch der renommierte Siedler Verlag so: Für seine brandneue Geschichte Europas hat er Meier mit der Fertigstellung des ersten Bandes Die Alte Welt betraut.

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Sind sie abergläubisch? Dann steht Ihnen ein hartes Jahr bevor! Nicht weniger als dreimal werden Sie sich 2009 mit einem prekären Datum konfrontiert sehen. Wenn Sie diese Zeilen lesen, haben Sie den ersten Freitag den 13. bereits zur Hälfte hinter sich. Das ist doch schon mal was, oder?

Für den Rest des Tages sowie für den 13. März und 13. November – auch das sind leider Freitage – habe ich ein paar äußerst praktische Tipps. Für den ersten ist es leider schon zu spät: Sie hätten nicht mit dem linken Fuß zuerst aufstehen sollen! Die nächsten Ratschläge sollten Sie jedoch unbedingt beherzigen. Lassen Sie im weiteren Tagesverlauf kein Messer fallen und zerbrechen keine Spiegel. Das bringt Unglück. Vermeiden Sie es außerdem, unter einer Leiter oder unter Dachziegeln durchzulaufen: Es könnte Ihnen etwas auf den Kopf fallen! Und wenn Sie eine schwarze Katze sehen, bringen Sie das Tier dazu, auf keinen Fall vor Ihnen die Strasse zu überqueren. Lässt sich dies nicht verhindern, sorgen Sie wenigstens dafür, dass es nicht von links nach rechts geschieht.

Sollte auch dies schief gehen, bleibt Ihnen nur ein Trost: Der Freitag der 13. ist, was Unglücksfälle betrifft, längst nicht so schlimm, wie ihn der Volksmund macht. Sie glauben mir nicht? Dann schlagen Sie im Archiv dieses Newsletters nach.

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Wer ist der beliebteste US-Präsident aller Zeiten? Diese Frage stellte der amerikanische Nachrichtensender ABC seinen Zuschauern. Als Antwort erhielten die Journalisten den Namen des Staatsoberhauptes, das heute vor 200 Jahren geboren wurde. Auch der amtierende US-Präsident hält viel von diesem Vorgänger: Barack Obama nennt Abraham Lincoln als sein Vorbild und leistete seinen Amtseid auf jene Bibel, auf die schon Lincoln bei dessen Inauguration die Hand gelegt hatte.

Lincolns größte Leistung, so bescheinigen es ihm seine Landleute, war die Abschaffung der Sklaverei. Anhänger der im amerikanischen Bürgerkrieg unterlegenen Südstaaten sahen das anders. Ein besonders fanatischer, der Schauspieler John Wilkes Booth, erschoss Lincoln am 14. April 1865, einem Karfreitag. Dafür wurde er drei Monate später gehängt. Abraham Lincoln lebt in den Herzen und Köpfen der Amerikaner fort. Was die Wirkung von Präsidenten auf ihr Volk betrifft, kannte sich Lincoln bereits damals gut aus: „Die öffentliche Meinung“, stellte er fest, „ist alles: Mit ihr gibt es keine Niederlage, ohne sie keinen Erfolg.“

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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