Das Ende der Revolution in Mexiko
Freitag, 27. Februar 2009Eine alte Fotografie zeigt eine chaotische Menschenmenge im Nationalpalast von Mexico City. Soldaten in Galauniform stehen neben bewaffneten Bauern und Städtern im Sonntagsanzug. Sogar einige Kinder drängen sich zwischen die Erwachsenen, denn alle haben nur ein Ziel: Sie wollen auf dieses Bild.
Kein Wunder, denn das Motiv ist eine historisches: Soeben haben die Revolutionäre Francisco Villa und Emiliano Zapata die Hauptstadt ihres Landes erobert. Doch es bleibt eine Momentaufnahme. Villa sitzt auf dem Foto zwar auf dem Präsidentenstuhl, doch diese Rolle wird ihn überfordern. Anders der Mann neben Villa mit seinem riesigen Sombrero und dem fast noch breiteren Schnauzbart: Zapata hat gar nicht vor, Präsident zu werden. Sein Ziel ist zwar die Befreiung der Bauern aus der Abhängigkeit der Großgrundbesitzer – aber nur in seinem Heimatstaat Morelos im Süden Mexikos, wohin er alsbald zurückkehrt.
So gerät die Revolution ins Stocken. Der alte Präsident Venustiano Carranza kehrt auf den Stuhl zurück, der für Villa wohl eine Nummer zu groß gewesen war. Jetzt muss Carranza allerdings noch Zapata beseitigen. Obwohl weit weg im armen Süden des Landes, stellt der Volksheld weiter eine Gefahr für die bestehende, alles andere als stabile Ordnung dar. Im Dorf Chinameca tappt Zapata in die Falle. Als der Revolutionär die Einladung zum Mittagessen auf einer Hacienda annimmt, wird er von Milizionären, die sich dort versteckt haben, erschossen.
So endete heute vor 90 Jahren praktisch die mexikanische Revolution. Villa kämpfte im Norden des Landes noch weiter, wo er 1923 einem Scharfschützen zum Opfer fiel. Auch Carranza wurde in seinem Präsidentenamt nicht glücklich. Ein gutes Jahr nach Zapatas frühzeitigem Ende starb er durch die Kugel eines Attentäters.
Autor von Small-Talk-Themen.de


