Das kleine Wales hat einen Prinzen, der die Sprache nicht spricht (Charles kann nur Englisch), einen beliebten Sänger, der lieber nicht dort lebt (Tom Jones zog vor Jahrzehnten nach Kalifornien) und einen berühmten Dichter, der sich despektierlich über seine Heimat äußerte: „Wales ist das Land meiner Vorfahren“, sagte Dylan Thomas, „und die können es gerne behalten.“ Er selber wanderte erst nach London und später nach New York aus.
Vielleicht liegt es ja am schlechten Wetter, das Wales so unwohnlich macht. Böse Zungen behaupten, dort regne es an acht von sieben Tagen. Ein weiteres Problem – siehe oben – ist die Sprache. Sie ist so schwer zu erlernen, dass selbst Begabte mehrere Jahre brauchen, um eine Zeitung lesen und verstehen zu können. Ein Glück, dass die meisten Gazetten auf Englisch erscheinen. Und die Bewohner? Haben einen knorrigen Charme, der sich dem Fremden erst nach einiger Zeit erschließt. Der kanadische Intellektuelle Stephen Leacock scheiterte sogar komplett. Sein Fazit: „Jede Region der britischen Inseln hat ihren eigenen Humor. Außer Wales.“
Ob es dort wirklich so streng zugeht? Morgen spielt unsere Fußballnationalmannschaft in der Hauptstadt Cardiff. Eins ist gewiss: Die für ihre Härte berühmten walisischen Abwehrspieler werden humorlos zur Sache gehen.
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Heute möchte ich Ihnen ein weiteres Land näher bringen, das nicht so klein ist wie allgemein angenommen (siehe auch unseren Newsletter über Luxemburg vom 24. März „Kein so kleines Land“). Irland hat zwar nur etwas über 4 Millionen Einwohner, doch haben sich die Nachfahren von Generationen ausgewanderter Inselbürger auf der ganzen Welt ausgebreitet. Denken Sie nur mal daran, mit wie vielen Irish Pubs unser Globus an allen möglichen und unmöglichen Orten aufwarten kann.
Allein in den USA gibt es 45 Millionen – nein, nicht irische Kneipen, aber Einwohner, die sich stolz auf ihre irische Abstammung berufen. Einer davon ist derzeit Präsident und gleichfalls Ur-Ur-Ur-Enkel von Fulmuth Kearney aus Moneygall. Diese Sternstunde der Genealogie verdanken wir dem Pfarrer des kleinen Kaffs ziemlich genau in der Mitte Irlands. Fehlt nur noch, dass Amerikas Staatsoberhaupt sich künftig O’Bama schreibt.
Doch nicht nur durch Auswanderung macht die grüne Insel von sich reden. Seit es mit der Wirtschaft aufwärts geht, haben 200 000 Polen den Weg dorthin gefunden – um für immer zu bleiben. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung macht inzwischen ein Zwanzigstel aus. Leider ist es mit dem Wirtschaftsboom seit einigen Monaten vorbei, so dass manche Polen eine Weiterwanderung westwärts erwägen. Wird uns das in ferner Zukunft einen Obamski bescheren?
Der Autor der unterhaltsamen Landeskunde, aus der ich meine Informationen beziehe, hört auf den deutschen Namen Ralf Sotscheck. Er lebt aber seit 1985 in Dublin und ist längst irischer Staatsbürger. Von ihm stammt auch das Werk Nichts gegen Engländer, das in unserem Newsletter vom 23. Oktober 2008 „Schöne neue Inselwelt“ besprochen wurde. Ich freue mich schon auf die nachfolgenden Werke Nichts gegen Schotten und Nichts gegen Waliser. (Ralf Sotscheck, Nichts gegen Iren. Edition Tiamat, Berlin 2009. 144 Seiten, 13 Euro. Webseite des Verlags: www.edition-tiamat.de)
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„Theater“, bekannte einst Laurence Olivier, „ist masochistischer Exhibitionismus“. Beim britischen Schauspieler stimmte wenigstens das Schmerzensgeld, und später erhob ihn die Queen sogar in den Adelsstand. Oliviers weniger erfolgreiche Kollegen mussten dagegen hart um ihre Gage kämpfen. War der Kampf erfolglos, pflegte ihnen Regisseur Herbert Beerbohm Tree nach dem Vorsprechen einen Rat zu geben: „Bitte, schlagen Sie gleich nicht die Tür laut hinter sich zu, wenn Sie gehen.“
An einen solchen Rat hätte sich Trees deutscher Kollege Curt Goetz wohl kaum gehalten. Als der noch nicht so bekannt war und auch als Schauspieler arbeitete, bot ihm das Berliner Lessingtheater einmal eine Hauptrolle für 2000 Mark an. Die Antwort erfolgte per Telegramm: Akzeptiere mit 3000 Goetz – sonst von Berlichingen.“ Heute würde eine solche Replik per SMS gesendet werden.
Sonst ist beim Theater aber vieles beim alten geblieben – vor allem, um mit dem Kritiker Sigmund Graff zu sprechen, „das Vergnügen an den Schwierigkeiten der auftretenden Personen.“ Heute ist der Internationaler Tag des Theaters, und um seine Zukunft muss einem nicht bange sein. Menschen mit Problemen wird es immer geben.
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Wer war B. Traven? Alle kannten den in deutscher Sprache publizierenden, im Süden von Mexiko lebenden Schriftsteller; nur Wenige wussten, wer sich hinter dem Pseudonym verbarg. B. Travens Bücher erreichten Millionenauflagen.
Gleich sein erster Roman “Das Totenschiff„ von 1926 wurde ein Bestseller. Erfolgreich war auch „Der Schatz der Sierra Madre“, wobei die Verfilmung mit Humphrey Bogart in der Hauptrolle etwas nachhalf.
Schon früh war der lange Zeit in München lebende Schriftstellerkollege Oskar Maria Graf auf der richtigen Spur: Er vermutete hinter B. Traven den Journalisten Ret Marut. Und so war es auch. Marut hatte wie Graf nach dem Ersten Weltkrieg in München gelebt. Und wie Graf war auch er ein Anhänger der Revolution (siehe unseren Newsletter vom 7. November 2008 „Heute kein Fragezeichen“), die am 1. Mai 1919 ein tragisches Ende nahm.
Marut gab den Ziegelbrenner heraus, eine linke Zeitschrift, und befand sich während der Eroberung Münchens durch die Gegenrevolutionäre in großer Gefahr. Er landete vor einem Feldgericht und sollte erschossen werden. Als der Mann, der vor ihm an der Reihe war, sich heftig wehrte, nutzte Marut die entstehende Unruhe zur Flucht. Später zeigte er sich erkenntlich: „Zwei Soldaten, denen einen Augenblick lang wohl ein Funken Menschlichkeit aufstieg, als sie sahen, wie hier mit dem Kostbarsten, was der Mensch besitzt, mit dem Leben, umgegangen wurde, waren an diesem Entkommen nicht unbeteiligt. Ihnen sei an dieser Stelle gedankt für die Erhaltung eines Menschenlebens.“ Anschließend tauchte Ret Marut unter und erst 1924 als B. Traven in Mexiko wieder auf. Dort lebte und schrieb er bis zu seinem Tod heute vor 40 Jahren.
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Kurz nachdem in den USA ein Präsident eingeführt wird, zieht er nach Washington ins Weiße Haus. Nicht nur die Boulevardpresse in der Hauptstadt interessiert sich anschließend dafür, wer mit ihm einzieht: Außer der Ehefrau, den Kindern und vielleicht dem Dienstpersonal lenken vor allem die Haustiere die Aufmerksamkeit der Journaille auf sich.
Fast immer sind es Hunde, die ihren Herrchen an den Dienstsitz folgen. Davon können Sie sich auf der Website www.sueddeutsche.de überzeugen. Vom Präsidenten Calvin Coolidge, den 1924 ein Golden Retriever begleitete, bis George Walker Bush und seinen Terriern sind dort alle Präsidentenhunde abgebildet. Nur Präsident Clinton scherte aus der Reihe der Canophilen aus: Sein Labrador Buddy musste sich den Platz am Kamin mit Kater Socks – so genannt wegen seiner weißen Pfoten – teilen.
Jetzt wartet alle Welt gespannt darauf, welches Tier bei den Obamas einzieht. Nur soviel hat der Präsident bereits verraten: Es wird wieder ein Hund sein. Über die Rasse wird noch spekuliert. Eine recht seltene Art ist Favorit. In ihrer Heimat wird sie Cão de agua genannt: Der Wasserhund half ursprünglich portugiesischen Fischern beim Fang, bevor er durch modernere Methoden arbeitslos wurde.
Wenn Sie sich ein solches Tier einmal anschauen und vielleicht auch mehr über Haltung und Nutzung erfahren wollen, empfehle ich Ihnen die Internet-Seite www.wasserhund.com.
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„Lëtzebuerg, offiziell d’Groussherzogtum Lëtzebuerg, ass e Land an Europa, dat tëschent Däitschland, der Belsch a Frankräich läit. Et huet eng Fläch vun 2586 km² a ronn 450 000 Awunner“: So heißt es in der Wikipedia, die ja auch auf Lëtzebuergesch erscheint. Immerhin steht dort nicht der Satz, der überall sonst steht: Luxemburg sei ein kleines Land.
Mit diesem Klischee räumt endlich auch bei uns ein Buch der Reihe Deutschland und seine Nachbarn auf (dessen erstes – über die Schweiz – wir Ihnen am 20. Oktober 2008 „Wie gut kennen Sie Ihre Nachbarn?“ vorgestellt hatten). Gleich zu Beginn sagt der Autor Michael Erbe über Luxemburg, sein politisches Gewicht komme dem des belgischen Nachbarn mindestens gleich. Schon einmal hatte das Großherzogtum ähnlichen Einfluss in Europa wie heute: als die Könige mit dem Namen Karl und den Ordnungszahlen vier und fünf nicht nur ihr Land, sondern auch das Deutsche Reich, letzterer qua spanischem Kolonialreich sogar die halbe Welt regierte.
Heute heißen die Helden der luxemburgischen Politik Gaston Thorn und Jean-Claude Juncker. Ohne sie – das ist nicht übertrieben – würde es die EU in der heutigen Form nicht geben. Den unterhaltsamen Exkurs in luxemburgische Geschichte und Gegenwart würde man gerne vertiefen, doch gibt es dazu leider wenig Gelegenheit – und zu wenig Bücher über das scheinbar ach so kleine Land.
Selbst der Verlag C. H. Beck hat sich nicht richtig getraut und daher einen gemeinsamen Band über Belgien und Luxemburg herausgegeben. Die Lektüre – auch der Teil über Belgien – ist aber unbedingt empfehlenswert, da sie Wissenslücken füllt und Appetit auf mehr macht: Michael Erbe, Belgien Luxemburg. Verlag C. H. Beck, München 2009. ISBN 978 3 406 57851 9.
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Et is wie et is un et kütt wie et kütt, sagt der Rheinländer. Das gilt vor allem fürs Wetter, das man nicht ändern kann: Es ist wie es ist und es kommt wie es kommt. Aber es ist gut, wenn man weiß, wie es kommt, sagen die Wetterfrösche, die heute den Welttag der Meteorologie begehen (siehe dazu auch unseren Newsletter vom 23. März 2007 „Alle reden vom Wetter. Die WMO redet vom Klima.“). Und was sagt der Smalltalker? Der freut sich, dass er immer ein aktuelles Thema hat.
Über das Thema Wetter gibt es zudem zahlreiche Anekdoten. Eine besonders lustige, die jede Gesprächsrunde aufheitert, ist jene um einen ungarischen Schriftsteller aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts: Ferenc Molnár war zu Besuch in England. Als er sich auf die Rückreise in seine sonnigere Heimat machen wollte, goss es wieder einmal in Strömen. Ein britischer Kollege hielt schützend einen Regenschirm über den Gast.
Zum Abschied fragte er ihn: „Nun, wie hat es Ihnen auf unserer Insel gefallen?“ - „Ein großartiges Land“, antwortete Molnár, „es müsste nur überdacht werden.“
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Aus meteorologischer Sicht hat der Frühling bereits am 1. März begonnen. Heute um 12 Uhr 43 mitteleuropäischer Zeit ist es endlich auch aus kalendarischer Sicht so weit: Dann überschreitet die Sonne den Äquator auf ihrem Weg in Richtung Norden; Tag und Nacht sind bei uns gleich lang.
Aus poetischer Sicht beginnt der Frühling am 21. März; jedenfalls hat dies die Unesco so festgelegt. Morgen wird weltweit der Tag der Poesie begangen, der unter der Schirmherrschaft der Weltkulturorganisation steht. Auf diese Weise soll an die großen Möglichkeiten der Dichtkunst erinnert werden, die „unsere Ängste, Hoffnungen, Sehnsüchte und Ahnungen ausdrückt.“ Wir wollen in unserem Newsletter beides verbinden: den Beginn des Frühlings und die Poesie – mit einem Vers des schwäbischen Dichters Eduard Mörike:
Frühling lässt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte.
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist’s!
Dich hab ich vernommen!
„Man muss immer etwas haben, worauf man sich freut“, war der Wahlspruch Eduard Mörikes. Freuen Sie sich auf den Frühling!
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Erfolge sind immer ein Ergebnis von Leistung und Beziehungen, lautet die Philosophie der Webseite www.frauen-kluengeln.de. Wer sich beim beruflichen Weiterkommen durch Netzwerke helfen lässt, tut gut daran. Eine schnellere Karriere und ein höherer Verdienst winken.
Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Personalberatung Access unter mehr als 1800 Akademikern in kaufmännischen Berufen. In der Studie bezeichnete sich jeder zweite Teilnehmer als Netzwerker. Über 36 % von ihnen waren mindestens Projektleiter – bei den Einzelkämpfern schafften das nur 26 %. Fast 40 % der Netzwerker verdienten mehr als 50 000 Euro im Jahr. Von den Einzelkämpfern gelang dies lediglich 30 %. Ähnlich sieht dies der Bundesverband Sekretariat und Büromanagement und will heute ein Zeichen setzen: Der von ihm organisierte Office Day richtet sich an Sekretärinnen, Assistentinnen, Büroleiterinnen und Selbstständige in diesem Bereich – vielleicht auch an Sie?
Bundesweit finden an diesem Tag Weiterbildungsveranstaltungen statt, aber auch Netzwerktreffen, auf denen man interessante und eventuell für das berufliche Fortkommen nützliche Leute kennenlernen kann.Es ist der nunmehr vierte Office Day, der im Zweijahresrhythmus stattfindet. Weitere Informationen gibt’s im Internet unter www.bsb-office.de.
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Der erstmals vom Volk gewählte bayerische Landtag durfte heute vor 90 Jahren - ebenfalls eine Premiere – den bayerischen Ministerpräsidenten küren. Bis dahin hatte dies der König in Eigenregie besorgt. Doch seit der Revolution, die am 7. November 1918 (siehe unseren Newsletter vom 7. November 2008 „Heute kein Fragezeichen“) die weiß-blaue Monarchie hinweggefegt hatte, war der Thron verwaist, König Ludwig im Exil.
Der neue Ministerpräsident hieß Johannes Hoffmann, war Sozialdemokrat, Protestant und Pfälzer – eine auch für die damalige Zeit ungewöhnliche, aber nachvollziehbare Konstellation: Die Pfalz gehörte seit 1838 zu Bayern, der verlorene Erste Weltkrieg – mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil gefallener bayerischer Soldaten – hatte im Voralpenland eine starke Opposition gegen den katholischen Obrigkeitsstaat entstehen lassen, und die SPD ging aus der Landtagswahl knapp hinter der konservativen Bayerischen Volkspartei als zweitstärkste Partei hervor.
Hoffmann war politisch integer, privat ein eher zurückgezogener und scheuer Mensch. Persönlich bedürfnislos, lebte er asketisch und war ein besessener Arbeiter. Als seine Frau zu einem längeren Kuraufenthalt in Davos weilte, zog er zu Hause aus. Er richtete sich in einer kleinen Kammer im Landtagsgebäude ein und schlief dort auch. Hoffmann hielt nichts von Konventionen und hasste alle Umgangsformen, die seiner Meinung nach nur von der Sache ablenkten. Beispielsweise verbot er seinen Kindern, ‚bitte’ und ‚danke’ zu sagen.
Politisches Glück war Hoffmann nicht beschieden: Nach nur einem Jahr im Amt trat er aus Protest gegen den zunehmenden Einfluss konservativer Militärs und der aufkommenden Nationalsozialisten zurück. Hoffmann starb, von der Öffentlichkeit bald vergessen, am 15. Dezember 1930 in Berlin.
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