Archiv für März, 2009

Der St. Patrick’s Day wird auch in Deutschland gefeiert

Dienstag, 17. März 2009

Sogar das Bier ist grün. Wie sie das hinkriegen, darüber schweigen sich die Hersteller aus. Es passt aber so schön ins Bild, wenn sich ein kilometerlanger grüner Lindwurm durch die Straßen der Hauptstadt schlängelt und 30 000 ebenfalls überwiegend grün Gekleidete begeisternd der Parade applaudieren.

Nein, nicht in Dublin. Sondern in der bayerischen Metropole: Der Umzug in Münchens Künstlerviertel Schwabing, jeweils am Sonntag vor dem Namenstag des irischen Heiligen Patrick (siehe auch unsere Newsletter vom 17. März 2008 „Wo der St. Patrick’s Day zuerst gefeiert wurde“ beziehungsweise vom 17. März 2006 „Was hat es mit dem St. Patrick’s Day auf sich?“), ist mittlerweile der größte seiner Art auf dem Kontinent. Die Idee hatte vor 13 Jahren ein irisches Original: Mike Spillane wollte seine Wahlheimat einmal nicht nur weiß-blau sehen. Gemeinsam mit drei anderen Exilanten beschloss er, eine liebgewonnene Tradition von der grünen Insel an die Isar zu importieren. Das Resultat war die erste deutsche Parade am St. Patrick’s Day, damals mit 250 Teilnehmern und einem Zehntel der aktuellen Zuschauerzahl.

Heute müssen einige der wichtigsten Straßen Münchens für dieses Ereignis gesperrt werden; daher auch die Verlegung auf den Sonntag. Allein die Hauptveranstaltung im Anschluss an die Parade – auf dem Münchner Odeonsplatz – mit Fahnenschwingern, traditioneller Musik und irischen Tänzen dauert fünf Stunden. Danach wird in den irischen Kneipen der Stadt weitergefeiert – wie an Patricks Namenstag am 17. März auch in den zahlreichen Irish Pubs in Deutschland.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Nichts berühren, alles vertiefen

Montag, 16. März 2009

Heute vor 10 Jahren erlebte die Europäische Union die schwerste Krise ihrer Geschichte. Was war geschehen? Die wichtigste politische Institution der Gemeinschaft, die Europäische Kommission, war geschlossen zurückgetreten; die EU stand also von einem Tag auf den anderen ohne Regierung da.

Grund für die plötzliche Flucht aus den Ämtern waren schwere Vorwürfe gleich an mehrere Kommissare: Sie hätten ihre Politik an den Interessen einzelner Gruppen ausgerichtet, die sich im Gegenzug für die erwiesenen Gefallen erkenntlich zeigen wollten. Vetternwirtschaft nennen es die einen, Betrug am Wähler die anderen. Am Wähler? Das ist nicht ganz richtig: Die Kommissare werden nämlich nicht vom Volk gewählt – bei den Europawahlen steht nur das der Kommission nachgeordnete Parlament zur Abstimmung – sondern von ihren Regierungen entsandt. Wollte man so dem Ziel näherkommen, dass die Kommissare alleine der Gemeinschaft, nicht ihren jeweiligen Herkunftsstaaten und deren Lobbyisten dienen?

Die Beantwortung dieser Frage überlasse ich Ihnen. Ohnehin werden an dieser Stelle Einwände kommen, ein solches Thema sei nicht mehr Gegenstand dieses Newsletters. Beenden wir also den Polit-Talk: Ziel des Small-Talks ist es – wie der irische Spötter Oscar Wilde erkannt hat – alles zu berühren und nichts zu vertiefen.

Erlauben Sie mir im Europawahljahr 2009 eine letzte Anmerkung zur Kommission, die zu unterdrücken mir schwerfallen würde: Am Tag nach dem Rücktritt kam sie noch einmal zusammen - um die Einrichtung einer Behörde zur besseren Betrugsbekämpfung zu beschließen.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Schon wieder Freitag der 13.!

Freitag, 13. März 2009

Jesses, schon wieder Freitag der 13.! Wie kann ich Ihnen da nur Angst machen und anschließend wieder nehmen, nachdem ich bereits letzten Monat (siehe unsere Ausgabe vom 13. Februar „Ein prekäres Datum, dass uns dieses Jahr noch zweimal bevorsteht“) vor den größten Gefahren in Form von herabfallenden Messern, zerbrochenen Spiegeln, aufgestellten Leitern und kreuzenden Katzen gewarnt habe?

Ich habe mich ein wenig im Internet umgeschaut und allerlei verquaste Erklärungen gefunden. Eine liegt im Übergang vom Matriarchat zum Patriarchat: In vorchristlichen Kulturen bestimmten Frauen, wo’s lang geht. Das betraf auch die Zeiteinteilung: Ein Mondjahr bestand aus 13 Mondmonaten. Letztere waren dem weiblichen Menstruationszyklus angepasst und umfassten 28 Tage (x 13 = 364 + 1 Schalttag = 365 Tage). Der Übergang zum Patriarchat ging mit dem Wechsel zum Sonnenjahr einher. Seitdem haben wir zwölf Monate und alle vier Jahre einen Schalttag. Seitdem ist auch die 13 suspekt, zumal diese die heilige Zahl der altnordischen Liebes- und Fruchtbarkeitsgöttin Freya ist. Und nach der ist der Freitag benannt.

Ich habe aber auch eine Erklärung gefunden, warum Freitag der 13. ein Glückstag ist – für die Lottogesellschaften. Deren Umsatz steigt an diesem Datum sprunghaft an. Eine Erklärung liefert die Internet-Seite www.kindernetz.de: Viele Leute glauben fest daran, dass jener ausgewiesene Unglückstag ihnen einmal im Leben Glück bringe. Tatsächlich wurde bei der allerersten Ziehung der Lottozahlen in Deutschland am 9. Oktober 1955 eine 13 gezogen. Wenn die anderen Zahlen nicht stimmten, lag dies bestimmt daran, dass der Ziehungstag ein Sonntag war.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Die Wiederkehr des Verdrängten

Donnerstag, 12. März 2009

„Unser Programm ist die Wiederkehr des Verdrängten“: So lautet die Eigenwerbung des Ahriman-Verlags (im Internet unter www.ahriman.com), der mit seinem Programm an vergessene Ereignisse und Persönlichkeiten erinnern will.

Zu letzteren gehört zweifelsohne Erich Mühsam. Der Anarchist, Bürgerschreck, Bohemien, Dichter, Publizist, Agitationsredner und Revolutionär war zu Zeiten der Weimarer Republik ein berühmter Mann. Sein Problem war nur – so der Autor Chris Hirte, der eine Biografie über ihn geschrieben hat – dass jeder Mühsam schätzte, aber niemand ihm etwas zutraute. Außer den Nationalsozialisten, die ihn kurz nach ihrer Machtübernahme einsperrten und vor 75 Jahren im Konzentrationslager Oranienburg zu Tode quälten. Mühsam wurde 1878 geboren und wuchs in Lübeck auf. Doch auch im literarischen Gedächtnis seiner alten Heimatstadt bleiben ihm neben Schriftstellern wie Heinrich und vor allem Thomas Mann nur die hinteren Regionen. Die aber lohnt es manchmal zu aktivieren, was Chris Hirte mit seinem neu erschienenen Buch beweist.

Seine Mühsam-Biografie wird auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt, die heute beginnt und bis Sonntag dauert.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Rücktritt wegen schlechten Mannschaftsspiels

Mittwoch, 11. März 2009

Gestern hatten wir die Religion, heute haben wir die Politik als Small-Talk-Thema. Kein Wunder, denn das, was heute vor zehn Jahren passierte, war zu komisch, um an dieser Stelle nicht bedacht zu werden. Völlig überraschend trat damals Oskar Lafontaine sowohl von seinem Amt als Finanzminister als auch von seiner Position als SPD-Vorsitzender zurück.

Als Grund gab er „schlechtes Mannschaftsspiel“ an; seine Kritik galt aber eher dem Kapitän der Regierung, Gerhard Schröder. Dessen pragmatisch-wirtschaftsfreundlichen Kurs wollte Lafontaine nicht mittragen. Der Deutsche Aktienindex dankte es ihm mit einem Kurssprung von 5 Prozent, was der Zurückgetretene mit dem Bonmot kommentierte: „Das Herz wird noch nicht an der Börse gehandelt, aber es hat einen Standort – es schlägt links.“ Insofern ist Lafontaine sich und seiner Politik treu geblieben.

Er wurde nicht rückfällig, trat aus der SPD aus und in die Linkspartei ein und führt diese in die nächste Bundestagswahl. Einen Monat vorher tritt er als Spitzenkandidat der Linken bei der Landtagswahl im Saarland an. Dort hatte er 13 Jahre lang, von 1985 bis 1998, die Regierungsgeschäfte geführt – als SPD-Ministerpräsident.

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Seit 50 Jahren im Exil

Dienstag, 10. März 2009

Religion ist kein Small-Talk-Thema, Politik auch nicht. Warum erzähle ich Ihnen heute dann etwas über den Dalai Lama? Vielleicht, weil es sich um einen immer freundlichen, stets lächelnden, dennoch von allen Politikern und Theologen ernst genommenen älteren Herrn handelt, der nur ein Problem hat? Er darf nicht mehr zu Hause wohnen.

Heute vor 50 Jahren trieben ihn die chinesischen Besatzer seiner Heimat Tibet ins Exil. Seitdem residiert das Oberhaupt der Buddhisten im indischen Dharamsala, einer kleinen Stadt am Fuß des Himalaja. Tenzin Gyatso, so heißt der Dalai Lama mit bürgerlichem Namen, und sein Glaube erfreuen sich weltweit zunehmender Beliebtheit. Auch in Deutschland wächst das Interesse an der fernöstlichen Religion: Mittlerweile gibt es uns bei über 100 buddhistische Gruppen, die rund 100.000 Menschen vertreten; Gläubige asiatischer Abstammung nicht mitgerechnet.

Wenn Sie mehr über diese Religion erfahren möchten – ein wenig Allgemeinbildung kann ja nicht schaden – empfehle ich Ihnen die Webseite www.buddhismus.de. Wussten Sie übrigens, dass der am engsten mit dem Dalai Lama befreundete deutsche Politiker in Wiesbaden sitzt und der Partei mit dem C im Namen angehört? Es ist der hessische Ministerpräsident Roland Koch.

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Barbie wird 50

Montag, 9. März 2009

Die Mädchen benutzten die Puppe, um ihre Wunschvorstellungen der späteren Erwachsenenwelt auszudrücken: So erklärt Ruth Handler, die Erfinderin der Barbie-Puppe, den riesigen Erfolg ihres Modells. Interessant ist, wie sich das Äußere der Puppe in den letzten fünf Jahrzehnten gewandelt hat – und die Zukunftshoffnungen der Mädchen mit ihnen.

Ursprünglich hatte Ruth Handler nur die Idee, den üblichen Babypuppen – und der damit beabsichtigten Eingewöhnung der Mädchen in die Mutterrolle – ein Erwachsenenmodell entgegenzusetzen. Barbie wurde daher zunächst nur im Badeanzug angeboten. Weitere Anziehsachen mussten hinzugekauft werden. Darunter war nicht selten Berufskleidung; sogar Doktorrobe und -hut gehörten zum Sortiment. Nach Ruth Handlers Abschied vom Hersteller Mattel 1973 änderte sich das Konzept: Hatte Barbie bis dahin ein eher feministisches Image, verkam sie allmählich zum Modepüppchen. Der Schwerpunkt lag jetzt eindeutig auf Make-up, Frisuren und Designkleidung.

Immerhin: Barbie wird weiterhin als werktätige Frau verkauft; inzwischen hat sie an die hundert Berufe ausgeübt. Sie kommt nach wie vor ohne Ehemann aus (vom Dauerfreund Ken einmal abgesehen); Kinder hat sie auch keine, dafür aber ein eigenes Haus und ein Auto.

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Kritischer Geist mit scharfer Zunge

Freitag, 6. März 2009

„Viele, die ihrer Zeit vorausgeeilt waren, mussten auf sie in sehr unbequemen Unterkünften warten“: Auf den Urheber dieser Zeilen traf jenes kritischen Geistern beschiedene Schicksal nur bedingt zu. Der heute vor 100 Jahren geborene Stanislaw Jerzy Lec lebte als Kommunist im kommunistischen Polen. Solange dort verbissene Betonköpfe herrschten, hatte sein Metier, die Satire, nicht gerade Konjunktur.

Als aber 1956 eine liberalere Regierung die stalinistische ablöste, ging es für Lec aufwärts. Endlich durfte er auch seine kritischen Aphorismen veröffentlichen, die später ebenfalls im Westen auf ein positives Echo stießen. Warum sollte dort nicht gelten, was der Ost-Philosoph daheim längst erkannt hatte: „Um an die Quelle zu kommen, muss man gegen den Strom schwimmen.“

Lec starb im Mai 1966 in Warschau und wurde in seiner Heimat mit einem Staatsbegräbnis geehrt. Überlebt haben die scharfzüngigen Aphorismen des Autors, die bis heute zahlreiche Zitatensammlungen zieren. Noch eine Kostprobe gefällig? "Um die Moral zu heben", stellte Lec mit zeitloser und systemübergreifender Gültigkeit fest, „muss man die Ansprüche senken.“

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Am Sonntag ist Internationaler Frauentag

Donnerstag, 5. März 2009

Ist der Weg in höchste politische Positionen für Frauen in Deutschland besonders schwierig? Von den ersten Demonstrationen in westeuropäischen Staaten am 8. März 1910 – auf dieses Datum geht der Internationale Frauentag zurück – bis zum Einzug Angela Merkels ins Bundeskanzleramt liegt eine Spanne von mehr als neun Jahrzehnten.

In anderen Staaten kamen Frauen schneller an die Macht als hierzulande. Den Anfang machte Sirimavo Bandaranaike: Als ihre Heimatinsel offiziell noch Ceylon hieß, wurde sie als weltweit erste Frau in das Amt des Premierministers gewählt. Das war 1960. Sechs Jahre später folgte ihr etwas weiter nördlich Indira Gandhi ins Ministerpräsidentenamt. Doch war der Aufstieg der beiden Frauen in Sri Lanka und Indien weniger der Emanzipationsbewegung als familiärer Protektion geschuldet. Bandaranaikes Mann war zuvor bereits Premierminister und im Amt einem Mordanschlag zum Opfer gefallen. Indira Gandhis Vater Jawaharlal Nehru war 1964 als Ministerpräsident ebenso einem Herzinfarkt erlegen wie zwei Jahre darauf sein Nachfolger Lalbahadur Shastri. Sowohl der Bandaranaike- als auch der Gandhi-Clan wollten ihre parlamentarischen Erbhöfe nicht aufgeben. Dabei spielte das Geschlecht des Amtsinhabers keine Rolle mehr.

Erste gewählte Ministerpräsidentin ohne familiäre Begünstigung war Golda Meir: Die Israelin erklomm 1969 – ein volles Jahrzehnt vor Premierministerin Margaret Thatcher in Großbritannien – die Regierungsspitze in ihrem Heimatland. Ob Meirs Landsfrau Tzipi Livni es ihr gleichtun kann? Zwar gewann die von ihr geführte Kadima-Partei die Parlamentswahl vom 10. Februar dieses Jahres. Mit der Regierungsbildung wurde allerdings ihr unterlegener männlicher Rivale Benjamin Nethanyahu beauftragt.

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Ein Indianer als US-Präsident?

Mittwoch, 4. März 2009

Barack Obama wurde als erster schwarzer US-Amerikaner ins höchste Amt gewählt. Wird es da nicht Zeit, dass jemandem aus einer anderen benachteiligten Bevölkerungsgruppe eine solche Ehre widerfährt? Diesem Ziel sehr nahe kam heute vor 80 Jahren der Republikaner Charles Curtis.

Der Sohn einer Indianerin vom Volk der Kansa wurde am Tag der Vereidigung von Präsident Herbert Hoover ins Vizepräsidentenamt eingeschworen. Damals fand die Inauguration stets am 4. März statt. Inzwischen wurde dieser Termin auf den 20. Januar vorverlegt (siehe auch unseren Newsletter: Was passieren kann, wenn ein Präsident zu lange redet). Curtis blieb vier Jahre im Amt – bis sein Chef die Präsidentenwahl gegen Franklin Delano Roosevelt (mehr über ihn lesen Sie in der Ausgabe vom 8. November 2007: Der Präsident im Rollstuhl) verlor. Damit war auch die politische Karriere von Charles Curtis beendet. Seitdem ist nie wieder ein Politiker indianischer Abstammung ins Vizepräsidentenamt aufgestiegen.

Bis ein Ureinwohner Nordamerikas es ins Weiße Haus schafft, dürften noch einige Jahre ins Land gehen. Da sind die Vettern im Süden des Doppelkontinents ein Stück weiter: Im Februar 2006 wurde Evo Morales als erster Indianer ins höchste Staatsamt Boliviens gewählt.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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