Und was sind Böhmische Dörfer?
Donnerstag, 16. April 2009Bevor ich die Frage in der Überschrift beantworte, lassen Sie mich eine zweite stellen, mit der ich etwas weiter aushole: Kommt Ihnen etwas spanisch vor? Blicken wir kurz auf den gestrigen Newsletter („Was steckt hinter einem Potemkinschen Dorf?“) zurück: Eine kritischer hinschauende Zarin Katharina hätte beim Anblick der Potemkinschen Dörfer exakt jenes Gefühl beschleichen müssen.
Die Redensart, etwas komme einem spanisch vor, geht zurück auf das frühe 16. Jahrhundert. Damals war Karl V. sowohl König von Spanien als auch, ab 1519, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Er soll das geflügelte Wort geprägt haben, da ihm viele spanische Sitten befremdlich anmuteten – obwohl Karl auf der iberischen Halbinsel geboren wurde und erst als junger Erwachsener Deutsch lernte.
In Spanien lautet die redensartliche Entsprechung des spanisch-komischen Gefühls übrigens „Esto me sueña a chino“, was soviel heißt wie „Das kommt mir chinesisch vor!“ Wenn solcherlei sprachliche Spitzfindigkeiten für Sie böhmische Dörfer sind, fragen Sie sich vielleicht noch, woher denn nun wieder jener Begriff stammt. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass die Dörfer, mit denen wir wenig anfangen können, in Böhmen spanischer Herkunft sind: „Pro mĕ je to španĕlská vesnice“; auf Deutsch: „Für mich ist das ein spanisches Dorf“.
Všechno včas? Was das heißt, erkläre ich Ihnen morgen.
Autor von Small-Talk-Themen.de


