Archiv für April, 2009

Und was sind Böhmische Dörfer?

Donnerstag, 16. April 2009

Bevor ich die Frage in der Überschrift beantworte, lassen Sie mich eine zweite stellen, mit der ich etwas weiter aushole: Kommt Ihnen etwas spanisch vor? Blicken wir kurz auf den gestrigen Newsletter („Was steckt hinter einem Potemkinschen Dorf?“) zurück: Eine kritischer hinschauende Zarin Katharina hätte beim Anblick der Potemkinschen Dörfer exakt jenes Gefühl beschleichen müssen.

Die Redensart, etwas komme einem spanisch vor, geht zurück auf das frühe 16. Jahrhundert. Damals war Karl V. sowohl König von Spanien als auch, ab 1519, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Er soll das geflügelte Wort geprägt haben, da ihm viele spanische Sitten befremdlich anmuteten – obwohl Karl auf der iberischen Halbinsel geboren wurde und erst als junger Erwachsener Deutsch lernte.

In Spanien lautet die redensartliche Entsprechung des spanisch-komischen Gefühls übrigens „Esto me sueña a chino“, was soviel heißt wie „Das kommt mir chinesisch vor!“ Wenn solcherlei sprachliche Spitzfindigkeiten für Sie böhmische Dörfer sind, fragen Sie sich vielleicht noch, woher denn nun wieder jener Begriff stammt. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass die Dörfer, mit denen wir wenig anfangen können, in Böhmen spanischer Herkunft sind: „Pro mĕ je to španĕlská vesnice“; auf Deutsch: „Für mich ist das ein spanisches Dorf“.

Všechno včas? Was das heißt, erkläre ich Ihnen morgen.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Was steckt hinter einem Potemkinschen Dorf?

Mittwoch, 15. April 2009

Früher, als es noch keine Fußballspiele gab, führten die Nationen Kriege gegeneinander. Gegen den Erzfeind Türkei – das Osmanische Reich war durch und durch muslimisch – schnitt das christlich-orthodoxe Russland immer sehr schlecht ab. Das änderte sich jedoch mit der Auseinandersetzung, in der beide Staaten von 1768 bis 1774 verstrickt wurden.

An deren Ende wurde der Friede von Küčük-Kainardči geschlossen, in dem Russland große Teile der südlichen Ukraine gewann. Außerdem wurde die bislang türkische Krim unabhängig. Zur Sicherheit annektierte Russland ein Jahrzehnt später die Halbinsel. Danach passierte nicht sehr viel. Als Katharina die Zweite – sie wurde heute vor 325„Jahren geboren – 1787 die Krim besuchte, konnte man der russischen Zarin nichts Nennenswertes vorzeigen.

Zum Glück kam dem Gouverneur der Krim eine rettende Idee: Rasch ließ Grigorij Potemkin entlang der Wegstrecke Dörfer errichten. Da ein solches Vorhaben eine gewisse Zeit braucht, beschränkte sich Potemkin auf den Bau von Fassaden. Das sah auf den ersten Blick gut aus und versperrte zudem die Aussicht auf die trostlose Gegend dahinter. Einen zweiten Blick soll die Zarin nicht riskiert haben.

So gelang die Täuschung, und der Taschenspielertrick machte bald die Runde an den Stammtischen der Wirtshäuser. Aus dem Potemkinschen Dorf wurde sogar ein geflügelter Begriff: Er bezeichnet eine blendende Fassade, hinter der sich nichts verbirgt und mit der dürftige Inhalte kaschiert werden.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Ein Leben reich an Werken und Geschichten

Dienstag, 14. April 2009

Georg Friedrich Händel starb vor exakt einem Vierteljahrtausend in London. Da ein Tag nicht ausreicht, den Komponisten von 46 Opern und Schöpfer von 25 Oratorien gebührend zu ehren, wurde in der Musikszene das komplette Jahr 2009 zum Händel-Jahr erklärt. Sie werden dem großen musikalischen Geist also noch öfter begegnen.

Da dieser in einem nicht weniger großen Körper wohnte, möchte ich Ihnen eine kleine Anekdote nicht vorenthalten: Einmal war Händel in seiner Wahlheimat zu einer Abendgesellschaft geladen, die für ihn jedoch enttäuschend verlief: Die Essensportionen waren einfach zu klein. Als ihn die Gastgeberin mit den Worten verabschiedete: „Verehrter Meister, ich hoffe, Sie erweisen mir die Ehre, recht bald wieder bei mir zu speisen“, antwortete Händel: „Wenn Sie erlauben, Mylady, sofort.“

Händels Leben ist reich an solchen Geschichten. Einige davon sind in „Händel – Der Film“ verarbeitet: Darin erzählt der Regisseur Ralf Pleger die amüsantesten Händel-Anekdoten in Form von Spielszenen nach. Heute wird der Streifen um 20 Uhr 15 auf 3sat gezeigt.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Bitte kein Eiertanz!

Donnerstag, 9. April 2009

Osterzeit ist Eierzeit: Der Brauch, diese zu bemalen, geht zurück ins Mittelalter. Damals wurden Steuern traditionell am Gründonnerstag beglichen – häufig in Form von gekochten und damit haltbaren Eiern. Ein Teil der Eier erhielt in der Kirche den Segen und wurde rot angemalt, um sie von nicht geweihten Exemplaren zu unterscheiden.

Aus dem Mittelalter stammt auch der Eiertanz, der, soweit ich weiß, nichts mit Ostern zu tun hat: Beim Eiertanz wurden rohe Eier auf den Boden gelegt. Der Tänzer musste sich mit verbundenen Augen um diese herum bewegen und durfte keins zerbrechen. Heute geht es meist darum, Dinge auf den Punkt zu bringen. Eiertänzer sind daher kaum noch geschätzt.

Sehr anschaulich wusste dies der US-Manager Ken Robertson zu erklären: Der ehemalige Exxon-Präsident sollte einmal eine Rede halten, für die ihm seiner Meinung nach nur sehr wenig Zeit zur Verfügung stand. Er begann mit den Worten: „Ich habe nur 20 Minuten Zeit für meinen Vortrag, und ich weiß überhaupt nicht, womit ich anfangen soll“. Ein Zwischenrufer aus dem Publikum half ihm auf die Sprünge: „Beginnen Sie mit der neunzehnten!“

Nutzen auch Sie die freie Zeit, die Ihnen am langen Osterwochenende reichlich zur Verfügung steht. Wir sind ab kommenden Dienstag wieder für Sie da.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Die nicht ganz so geheime Formel von Coca Cola

Mittwoch, 8. April 2009

Wie viel Zucker ist in Coca Cola enthalten? Diese Frage beschäftigt ganze Internetforen. Geben Sie doch mal die drei Wörter „Coca Cola Inhaltsstoffe“ in Google ein: Sie erhalten mehr als 10 000 Einträge. Einer davon ist vom Hersteller selbst, und der kann die Eingangsfrage am besten beantworten. „In 100 ml Coca-Cola“, steht auf der werkseigenen Webseite www.coca-cola-gmbh.de geschrieben, „sind 10,6 Gramm Zucker enthalten.“

Darunter kann sich der Konsument nicht wirklich etwas vorstellen. Deshalb ist diesem Satz auch ein Hinweis vorgeschoben: „Zucker gehört zu den Kohlenhydraten und versorgt unseren Körper schnell mit Energie.“ Klar, Cola ist ja auch ein Erfrischungsgetränk! Rechnet man die 10,6 Gramm einmal auf einen Liter der braunen Brause hoch, kommt man auf einen Anteil von 36 Stücken Würfelzucker pro Literflasche. Na dann prost! Bei so viel Zucker lässt der nächste Durst nicht lange auf sich warten. Der Koffeingehalt des weltweit beliebtesten Softdrinks ist übrigens weit geringer als vielfach angenommen: Coca-Cola enthält durchschnittlich 10 mg Koffein pro 100 ml. Für diese doch recht positive Meldung hat der Hersteller sofort einen anschaulichen Vergleich parat: „Der Koffeingehalt in einem Liter Coca-Cola entspricht in etwa dem einer Tasse mittelstarken Kaffees.“

Aus der Zusammensetzung des Getränks und der Propaganda des Unternehmens leitet sich auch die Antwort auf die Frage ab, warum Coca Cola so erfolgreich ist. An der geheimen Formel für die Getränkemischung liegt es vermutlich nicht. Eher daran, dass Zucker ein entscheidender Geschmacksträger ist und die Werbung ein Übriges tut. In Deutschland begann der Siegeszug von Coca Cola heute vor 80 Jahren, als erstmals eine Literflasche mit den 36 gar nicht so geheimen Zutaten abgefüllt wurde.

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Hand- und Mundwerk

Dienstag, 7. April 2009

Im ausgehenden Mittelalter waren gute Ärzte so selten wie objektiv nachweisbare Erfolge von Aderlässen. Und doch konnte ein Mediziner-As wie Theophrastus Bombastus von Hohenheim nicht von der Heilkunst allein leben. Obwohl seiner Überzeugung nach der Arzt im Herzen wuchs, weil „Helfen und nutz sein des Herzens Amt, Schwätzen und süßes Reden des Maules Amt“ waren, verdiente der später als Paracelsus berühmt Gewordene sein Geld weniger mit dem Hand- als mit dem Mundwerk.

Und heute? Muss der erfolgreiche Arzt nicht nur sein Medizinerlatein beherrschen, sondern vor allem die Sprache des Patienten. Nur jeder vierte Leidende, der in die Praxis kommt, ist einer Untersuchung der südenglischen Universität Southampton zufolge auf ein Medikament oder Rezept aus. Der Rest will reden, beraten werden, Lösungen für seine Probleme hören. Für eine solche Erledigung müssen Rat- und Hilfesuchende bei uns seit einigen Jahren einmal im Quartal zehn Euro auf den Tisch legen. Kein großer Betrag, vorausgesetzt, man ist nicht wirklich krank. Konfessionell gebundene Rat- und Hilfesuchende zahlen ja auch Kirchensteuer und werfen als Gottesdienstbesucher brav Münzen in den Klingelbeutel, und das jede Woche!

Heute ist Weltgesundheitstag, und die WHO definiert Gesundheit als „ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder gebrechen.“ Wichtig ist, das hat die Weltgesundheitsorganissation richtig erkannt, wie Leistung verkauft wird.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Der ziemlich letzte unbetretene Fleck der Erde

Montag, 6. April 2009

Heute vor 100 Jahren erreichte ein amerikanischer Entdecker einen der letzten unbetretenen Flecken der Erde. „Er war ein großer Mann mit wuchtigem Rumpf und dickem roten Haar, das zu ergrauen begann. Er trug einen langen Schnurrbart. Bei einer früheren Expedition hatte er die Zehen eingebüßt. Er ging merkwürdig schlurfend, schob die Füße über den Boden, ohne sie anzuheben.“ So beschreibt E.L. Doctorow in seinem großartigen Roman über die USA des frühen 20. Jahrhunderts den Forscher Robert Peary.

Der hatte auf seiner Entdeckungsfahrt die Füße zunächst nicht gebraucht. Sein komfortables Expeditionsschiff Roosevelt brachte ihn und seine Mannschaft ein gutes Stück näher ans Ziel. Doch es waren immer noch 800 Kilometer bis zum Nordpol zurückzulegen – zu Fuß. Auf dem Marsch begleiteten Peary 7 Amerikaner, 17 einheimische Inuit und 133 Schlittenhunde. Sollten Sie in dieser Reihenfolge eine Wertung sehen, kann ich Sie beruhigen: Peary waren, ihn selbst einmal ausgenommen, alle Teilnehmer herzlich egal. Sie sollten lediglich die militärische Disziplin aufbringen, die notwendig war, um das Ziel zu erreichen. „Peary“, schreibt Doctorow, „bezeichnete Loyalität und Gehorsam als die Tugenden der Eskimos, ungefähr dieselben Tugenden, die man bei Hunden suchte.“

200 Kilometer vor dem Pol dünnte der Kapitän die Schar seiner Begleiter ein letztes Mal aus: Nur fünf durften mit zum Pol. Alle sind auf einem Foto verewigt, das Peary am Bestimmungsort schoss. Vier von ihnen waren Inuit, und sie haben auch Namen: Uqueah, Utah, Egingwah und Siglu. Der einzige Amerikaner im Begleiterquintett hieß Matthew Henson. Auch der besaß eine ungewöhnliche, für das Erreichen des Pols aber völlig unerhebliche Eigenschaft: Er war Schwarzer.

Doctorow beschreibt die Polpassage aus Sicht des Sohnes eines vor der letzten Etappe ausgesiebten weißen Teilnehmers: "Henson hatte Peary auf den früheren Expeditionen begleitet und war selbst ein kundiger und beachtlicher Arktisforscher. Er konnte die Hunde beinahe so gut lenken wie ein Eskimo, er wusste, wie Schlitten zu reparieren und Lager einzurichten waren, er verfügte über große Körperkräfte und konnte auf vielfältige Kenntnisse verweisen. Aber Vater spürte in sich ein unerklärliches Ressentiment gegen Hensons Anmaßung, und er fragte den Neger, woher er wisse, dass die Wahl auf ihn falle. […] Nun, Sir, sagte Matthew Henson mit einem Lächeln, ich weiß es einfach."

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Schimpansenforscherin statt Sekretärin

Freitag, 3. April 2009

Statt als Sekretärin wollte Jane Goodall lieber als Schimpansenforscherin arbeiten. So warf sie 1957 die Ausbildung im heimatlichen England hin und ging nach Afrika. Zunächst jobbte sie im Nationalmuseum von Kenia. Bald war ihr auch dies zu langweilig, und sie zog in den Gombe Stream National Park im benachbarten Tanzania, um dort unter Menschenaffen zu leben und deren Verhalten aus nächster Nähe zu studieren.

Die ungewöhnliche Methode brachte revolutionäre Erkenntnisse zu Tage, deren weitere Förderung nicht ausblieb. Obwohl Jane Goodall keinen höheren Schulabschluss besaß, durfte sie mit einer Sondererlaubnis an der renommierten Universität von Cambridge studieren. Anschließend kehrte die diplomierte Biologin nach Afrika zurück. Auf ihren Beobachtungen basieren die heute gängigen wissenschaftlichen Erkenntnisse, dass Schimpansen Werkzeuge verwenden - etwa Zweige, um Termiten aus Löchern herauszupulen oder Steine, mit denen sie Nussschalen zertrümmern.

Jane Goodall wurde nicht nur mit fachlichen Auszeichnungen überhäuft. Heute ist sie Friedensbotschafterin der Vereinten Nationen, und sie tritt für die Anwendung der Menschenrechte auch auf Menschenaffen ein. Am meisten gefreut hat sich Jane Goodall, die heute ihren 75. Geburtstag feiert, über eine ganz andere Art der Anerkennung: Der US-Zeichner Gary Larson verewigte sie in einem seiner Tiercartoons: Darin laust eine Schimpansin ihren Mann, hält plötzlich inne und schimpft: “Aha, schon wieder ein blondes Haar. Wohl mal wieder ‘Feldstudien’ mit dieser Jane Goodall gemacht?” Den Cartoon gibt’s als T-Shirt, weitere Informationen über Jane Goodall auf der englischsprachigen Webseite www.janegoodall.org.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Wo die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes beginnt

Donnerstag, 2. April 2009

Nachdem der Wahrheitsgehalt unseres Newsletters „Warum musste Tycho Brahe sterben?“ am gestrigen ersten April den Goldwaagentest nicht bestanden hätte, möchten wir wieder mit einer komplett zutreffenden Meldung aufwarten.

Heute endet in Bonn die UNESCO-Weltkonferenz Bildung für nachhaltige Entwicklung. Hintergrund sind nicht nur die krassen Unterschiede der Informations- und Lernmöglichkeiten zwischen Bewohnern von Entwicklungs- und Schwellenländern und jenen der westlichen Industriestaaten. Auch die Art des Lernens weltweit steht auf dem Prüfstand. Ziel ist es, das bisherige, allzuoft nach dem Bestehen von Prüfungen schielende Faktenwissen durch Kompetenzen wie soziale Verantwortung oder Zivilcourage anzureichern.

Morgen wird ebenfalls in Bonn ein runder Tisch abgehalten, auf dem über die Umsetzung der Konferenzergebnisse speziell in Deutschland diskutiert wird. Denn auch bei uns ist der Zugang zur Bildung nicht für alle gleich. „Die Tochter der türkischen Putzfrau“, so der Leiter der Iglu (Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung)-Studie in Deutschland, Wilfried Bos, „hat es trotz guter Leistungen deutlich schwerer, fürs Gymnasium empfohlen zu werden, als der Chefarzt-Sohn, der nur mittlere Leistungen bringt.“

Gerade in der aktuellen Wirtschaftskrise wird der Konferenz die Aufmerksamkeit nationaler und internationaler Politiker, Wirtschaftsfachleute und Medienvertreter sicher sein. Die so genannten Multuplikatoren wissen wie bereits anfangs des letzten Jahrhunderts der US-Autopionier Henry Ford: „Die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes beginnt nicht in der Fabrikhalle oder im Forschungslabor. Sie beginnt im Klassenzimmer.“ Näheres zur Konferenz lesen Sie im Internet unter www.esd-world-conference-2009.org.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Warum musste Tycho Brahe sterben?

Mittwoch, 1. April 2009

Tycho Brahe ist schon seit über 400 Jahren tot. Das hindert den großen Astronomen jedoch nicht, weiter Schlagzeilen zu produzieren. Kürzlich schrieb der Korrespondent der Süddeutschen Zeitung in Prag, der Sternforscher sei womöglich einem Mordanschlag zum Opfer gefallen; Details zum Tathergang würden derzeit von Wissenschaftlern untersucht.

Es existiert bereits eine handfeste Theorie, wer damals hinter dem Komplott steckte. Die wurde vom Nachrichtenmagazin Spiegel online verbreitet und ist unter www.spiegel.de nachzulesen. Des Giftmords mittels heimlicher Verabreichung von Quecksilber dringend verdächtig ist demnach Tychos Vetter Erik Brahe, nachdem dänische Forscher dessen Tagebuch ausgewertet hatten. Der Ablauf der Tat scheint weitgehend geklärt – nur das Motiv gab den Wissenschaftlern noch Rätsel auf.

Zum Glück konnte die Redaktion des Newsletters, den Sie gerade lesen, zur weiteren Erhellung der Ursachen beitragen: Der Mord geschah aus Rache. Dazu muss man wissen (und wenn Sie die Ausgabe vom 27. Juni 2007„Was macht eigentlich der Elch?“ heranziehen, wissen Sie es), dass die beiden Vettern große Liebhaber eines Tieres waren, welches auch unserer Leserschaft alles andere als gleichgültig ist. Tycho hatte sogar einen Elch als Hausgenossen auf seiner Sternwarte im Öresund. Mit dem ließ er sich regelmäßig auf Trinkgelage ein. Bei einem solchen stürzte der gehörnte Freund eine Treppe hinab, brach sich ein Bein und musste eingeschläfert werden. Nach diesem tragischen Unglück zog es Tycho ins Exil nach Prag, wo er am Hofe Kaiser Rudolfs II. Karriere machte.

Der feige Abschied und mangelnde Trauer für den Trinkkumpan ließen Vetter Erik nicht ruhen: Vier Jahre nach Tychos Ankunft in Prag besuchte er ihn unter einem Vorwand und mischte ihm bei täglichen Biergenus immer wieder unbemerkt einen hübschen Schuss Quecksilber unter. So starb Tycho Brahe am 24. Oktober 1601 ungleich qualvoller als sein vierbeiniger Freund – aus Rache für den Elch.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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