Archiv für Mai, 2009

60 Jahre Recht auf Kriegsdienstverweigerung

Donnerstag, 14. Mai 2009

Dieses Jahr feiern wir den 60. Geburtstag des Grundgesetztes. Der geht mit einem anderen Jubiläum einher, denn in §4 Absatz 3 unserer Verfassung heißt es:„Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden.“ Wichtig in diesem Satz war die Passage gegen sein Gewissen: Um herauszufinden, dass es der Verweigerer ernst meinte, besitzt der Staat das Recht auf eine Überprüfung.

Heute reicht eine schriftliche Darlegung der Gründe in der Regel aus. Bis Mitte 1983 wurden die Kriegsdienstverweigerer noch zu einer mündlichen Anhörung ins zuständige Kreiswehrersatzamt geladen, wo die berüchtigte Gewissensprüfung stattfand. Vor einer Kommission, bestehend aus einem Vorsitzenden und zwei Beisitzern, musste der Prüfling seine gewaltfreie Einstellung beweisen. Das war nicht einfach, vor allem wenn man mit seiner Meinung nach fiktiven Situationen konfrontiert wurde, die jedoch nach der maßgeblichen Überzeugung der Kommission durchaus dem Alltag entsprachen.

Das folgende Beispiel entstammt zwar einem Text der Kölner Band BAP, spiegelt aber – das kann der Verfasser dieses Newsletters aus eigener Erfahrung bestätigen – durchaus die Realität auf den Kreiswehrersatzämtern wider: „Stell dir vor, du sitzt daheim in deinem Garten, neben dir, da stünde ein Flugabwehrgeschütz. Oben in der Luft, da käme ein russisches Flugzeug, das will eine H-Bombe schmeißen, ehe es sich verdrückt. Ja, was tätst du dann, tätst du machen, Mann? Sag mir, wehrst du dich, oder ließest du deine Stadt im Stich?“ Zum Glück sind solche Fragen nicht mehr erlaubt; und die Initiatoren des morgigen Internationalen Tages der Kriegsdienstverweigerung werden dafür sorgen, dass es so bleibt.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Für Maria und alle Heiligen

Mittwoch, 13. Mai 2009

Heute vor 1400 Jahren wurde zum ersten Mal Allerheiligen gefeiert. Ursprünglich war der Tag nur den römischen Göttern gewidmet, jetzt wurde er der Jungfrau Maria und allen christlich-katholischen Märtyrern geweiht. Dafür sorgte Papst Bonifatius IV (siehe dazu auch unseren Newsletter vom 12. Mai 2006 "Warum morgen nicht Allerheiligen ist").

Der Wohltäter, so heißt sein Name vom Lateinischen ins Deutsche übersetzt, nutzte dazu ein Geschenk des oströmischen Kaisers Phokas: Der überließ Papst und Kirche das Gebäude mit der damals größten Kuppel der Welt zur beliebigen Verfügung. Bonifatius ließ aus allen Katakomben Roms die Gebeine der Märtyrer - insgesamt 28 sollen es gewesen sein - herankarren und schuf ihnen ein würdiges letztes Andenken.

Das verlegte Papst Gregor III. ein Jahrhundert später nicht nur auf den 1. November, sondern auch in die Basilika Sankt Peter. Gregors Kollege mit der Ordnungszahl IV verfügte im Jahr 835 für die gesamte römisch-katholische Kirche, dass ihr Fest zu Ehren Marias und der heiligen Märtyrer stets am 1. November gefeiert werden soll. Dabei ist es bis heute geblieben.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Ein Beruf, dem die Anerkennung lange versagt blieb

Dienstag, 12. Mai 2009

Heute ist der Internationale Tag der Pflege. Thema dieses Newsletters kann aber weder eine mögliche Unterversorgung der Patienten in unseren Krankenhäusern sein noch eine Diskussion der seitens der Großen Koalition in Angriff genommenen Pflegereform. Statt dessen widmen wir uns den Wurzeln dieses Gedenkdatums.

Es geht zurück auf Florence Nightingale, die am 12. Mai Geburtstag hat. Geboren wurde die Tochter aus reichem britischen Haus 1820 während einer ausgiebigen Europareise in Italien. Da die Eltern die Namen ihrer Sprösslinge vom Ort der Niederkunft ableiteten, dürfen Sie jetzt mal raten, wo. Lassen Sie mich eine zweite Frage stellen: Was machen höhere Töchter, denen elterlicherseits der Beruf der Krankenschwester verboten wird? Sie kaufen sich ein Krankenhaus.

Das von Florence Nightingale erworbene Establishment for Gentlewomen during Illness in London machte sie bekannt, der Krimkrieg berühmt: Als von der russisch-türkischen Front – wo auch französische und britische Truppen im Einsatz waren – Berichte von der katastrophalen medizinischen Versorgung der Soldaten nach außen drangen, reagierte Florence Nightingale sofort. Mit drei Dutzend ausgebildeten Pflegerinnen brach sie 1854 ins Krisengebiet auf und leistete professionelle Hilfe. Damit wurde nicht nur die Not der Kriegsteilnehmer wirksam gelindert, sondern auch der zuvor oft belächelte Beruf der Krankenschwester salonfähig. Hoch geachtet und mit zahlreichen Auszeichnungen versehen starb Florence Nightingale neunzigjährig in London.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Warten auf Sophie

Montag, 11. Mai 2009

„Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter – oder bleibt, wie’s ist“: Das ist die einzige Bauernregel, der niemand widersprechen kann. Die übrigren sind zwar wesentlich aussagefreudiger, doch hapert’s häufig mit dem Wahrheitsgehalt. Der liegt, so hat ein Schlauberger einmal ausgerechnet, bei 50 Prozent.

In dieser Woche haben die Bauernregeln Konjunktur, denn gleich fünf christlichen Märtyrern wird im katholischen Kalender gedacht. Es handelt sich um die drei so genannten Eisheiligen Pankratius, Servatius und Bonifatius, die allesamt im 4. Jahrhundert in Verteidigung ihres christlichen Glaubens gewaltsam zu Tode kamen. Ihre Feiertage sind der 12., 13. und 14. Mai. Etwas später entdeckt als Märtyrerin wurde, obwohl bereits 304 gestorben, Sophia von Rom. Sie ist daher keine Eisheilige, sondern die Patronin des Spätfrostes. Ihr Namenstag ist der 15. Mai. Erst im 5. Jahrhundert starb Bischof Mamertus den Märtyrertod; kalendarisch geht er jedoch den Kollegen voran: Sein Namenstag ist heute.

Die Bezeichnung „Eisheilige“ hat mit dem Säen und Auspflanzen im Garten beziehungsweise auf dem Feld zu tun: Beides sollte bei frostempfindlichen Kulturen – wegen der Mitte Mai durchaus noch zu erwartenden Temperaturstürze – erst nach dem 15. Mai erfolgen: „Vor Nachtfrost du nicht sicher bist“, sagt uns die entsprechende Bauernregel, „bis Sophie vorüber ist.“

Kommt ganz darauf an, in welcher Gegend man wohnt, könnte man noch hinzufügen. In der hoch gelegenen Eifel ist es im Mai nachts sicher kälter als in der flachen, geschützten Kölner Bucht.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Der schwedische Graf und seine kleine Insel

Freitag, 8. Mai 2009

Anfang der Woche stand eine kleine Schwedin im Mittelpunkt unseres Newsletters. Heute kommt ein großer Landsmann von nobler Abstammung zu dieser Ehre. Geboren wurde er vor genau 100 Jahren in Stockholm. Doch wird er zumindest in Deutschland weniger mit seinem Geburtsort in Verbindung gebracht als mit der Insel, auf der er im Alter von 95 Jahren starb. Die liegt mit zehn weiteren sowie zwei Halbinseln im Bodensee und wurde von dem schwedischen Adeligen zu einem wahren Blumenparadies umgebaut.

Jährlich pilgern über eine Million Touristen auf das 45 Hektar große Eiland, um sich an der Blütenpracht zu erfreuen. Jene verdankt Mainau der geschützten Lage und dem milden Klima: Die glückliche Verbindung erlaubt das Wachstum temperaturempfindlicher Pflanzen, welche sonst nur im Mittelmeerraum gedeihen. Daher zählen Palmen und andere mediterrane Blickfänge zum Inselbild.

Lennart Graf Bernadotte, so heißt unser schwedische Pflanzenfreund, war zu Lebzeiten Präsident der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft. In dieser Funktion rief er den Wettbewerb Unser Dorf soll schöner werden ins Leben, an dem seit seiner Einführung im Jahr 1961 – wie auch unter dem seit einem Jahrzehnt neuen Titel Unser Dorf hat Zukunft - unzählige Gemeinden teilgenommen haben. So schön wie die Insel Mainau ist aber keine geworden.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Zahlen, die einfach nicht stimmen konnten

Donnerstag, 7. Mai 2009

„98,85 Prozent“, titelte die SED-Zeitung Neues Deutschland am Tag nach der Kommunalwahl in der DDR heute vor 20 Jahren, „stimmten für die Kandidaten der Nationalen Front.“ Neu kamen den Lesern solche Schlagzeilen nicht vor, denn in den so genannten sozialistischen Ländern waren ähnlich hohe Ergebnisse für die Einheitsliste üblich. Neu war nur, dass auch in der DDR die Menschen an solche Zahlen nicht mehr glaubten.

In den nächsten Tagen machte die Rede vom Wahlbetrug die Runde. Tatsächlich hielten die Zahlen einer Überprüfung nicht stand. In Leipzig etwa wurde die Auszählung der Stimmen in mehr als 160 Wahllokalen erstmals von unabhängigen Bürgergruppen überwacht. Gleiches geschah in anderen großen Städten wie Dresden, Rostock, Erfurt, Weimar, Jena und Plauen. Rechnete man die Ergebnisse der überprüften Wahlurnen hoch, kam man auf einen wesentlich höheren Anteil an Nein-Stimmen zur Einheitsliste als die offiziell zugegebenen 1,15 Prozent. Der Wahlbetrug und die Proteste dagegen waren der Anfang vom Ende der DDR und führten fünf Monate später zum Fall der Mauer.

Die ersten Risse im Eisernen Vorhang hatten die Ostdeutschen da bereits zu Gesicht bekommen – vorausgesetzt, sie verbrachten ihren Urlaub im Bruderland Ungarn. Dort waren in jenen ersten Maitagen die elektronischen Warnsysteme und die Stacheldrahtabsperrungen an der Grenze zu Österreich abgebaut worden. Nicht wenige DDR-Bürger nutzten die Gelegenheit zur Flucht in den Westen und sorgten somit für eine Zuspitzung der politischen Entwicklung in der alten Heimat.

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Zwei Jahre jünger als der Bruder, aber viel berühmter

Mittwoch, 6. Mai 2009

Der Forscher, dessen 150. Todestag heute begangen wird, „war in ganz Europa berühmt wegen einer Expedition in die Tropen, die er 25 Jahre zuvor (also im Jahr 1803) unternommen hatte. Er war in Neuspanien, Neugranada, Neubarcelona, Neuandalusien und den Vereinigten Staaten gewesen, hatte den natürlichen Kanal zwischen Orinoko und Amazonas entdeckt, den höchsten Berg der bekannten Welt bestiegen, Tausende Pflanzen und Hunderte Tiere, manche lebend, die meisten tot, gesammelt, hatte mit Papageien gesprochen, Leichen ausgegraben, jeden Fluss, Berg und See auf seinem Weg vermessen, war in jedes Erdloch gekrochen und hatte mehr Beeren gekostet und Bäume erklettert, als sich irgend jemand vorstellen mochte. Er war der jüngere von zwei Brüdern.“

So beschreibt der Schriftsteller Daniel Kehlmann in seinem Erfolgsroman Die Vermessung der Welt jenen berühmten Entdecker und Gelehrten, dessen Namen auch die älteste Universität seiner Heimatstadt trägt. „Alles wissenschaftliche Arbeiten“, meinte unser Naturforscher einmal, „ist nichts anderes als immer neuen Stoff in allgemeine Gesetze zu bringen“. Dazu hat der 1769 in Berlin Geborene reichlich beigetragen, und womöglich haben Sie ihn inzwischen erraten. Wenn ich Ihnen noch sage, dass der oben erwähnte, zwei Jahre ältere, aber doch weniger berühmte Bruder auf den Vornamen Wilhelm hörte, schließen Sie jetzt vermutlich messerscharf, dass es sich bei der Hauptperson unseres heutigen Newsletters um Alexander von Humboldt handelt.

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Niemand ist behindert

Dienstag, 5. Mai 2009

Ende des letzten Jahres ist die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen ratifiziert worden. Am heutigen 5. Mai soll weltweit darauf hingewiesen werden, dass diese Gleichstellung nicht nur auf dem Papier besteht. „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden“, heißt es auch in unserem Grundgesetz.

Im Jahr 1994 wurde ein Zusatz angefügt: „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ Das beginnt manchmal schon bei der Wortwahl. Reden Nichtbehinderte von ‚Behinderten’, fühlen sich die Betroffenen abgewertet. Sich selbst sehen sie allenfalls als Menschen mit Behinderungen, keineswegs jedoch als ‚Sorgenkinder’, wie in graueren Zeiten der Name ihrer größten Hilfsorganisation vermuten ließ. Diese nennt sich seit einigen Jahren „Aktion Mensch“ und demonstriert gesundes Selbstbewusstsein, statt auf den Mitleideffekt zu setzen. Ein Beispiel: Niemand, sagt Aktion Mensch, ist an den Rollstuhl gefesselt. Rollstühle sind Hilfsmittel: Sie ermöglichen behinderten Menschen mehr Bewegungsfreiheit. Behindert, so lautet ihr Credo, ist man nicht. Behindert wird man.

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Die Person hinter Pippi

Montag, 4. Mai 2009

Kennen Sie Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf? Zugegeben, der Name ist ein bisschen lang; daher nannte sich ihre Trägerin schlicht Pippi Langstrumpf. Die rotbezopfte sommersprossige Göre, die locker mit dem linken Arm ein Pferd (am liebsten ihr eigenes, das auf den Namen Lilla Gubben hörte) stemmen konnte, entstammt der Fantasie der Schriftstellerin Astrid Lindgren (siehe dazu unseren Newsletter vom 14. November 2007 „Den Kopf in der Suppenschüssel, das Pferd auf dem Arm“).

Das Kinderbuch erschien 1945 in Schweden unter dem Originaltitel Pippi Långstrump. Vier Jahre später kam es in deutscher Übersetzung in unsere Buchläden. Richtig populär wurde die Figur durch die gleichnamige Fernsehserie. Der erste der insgesamt 21 Teile feierte am 31. Oktober 1971 in der ARD Premiere. Nicht wenig zum Erfolg beigetragen hat die Hauptdarstellerin: Inger Nilsson – nicht verwandt mit dem gleichnamigen Totenkopfäffchen, das zusammen mit Pippi in deren Villa Kunterbunt wohnte – gab Pippi Langstrumpf ihr unverwechselbares Gesicht.

Heute hat sie Geburtstag und wird 50 Jahre alt. Längst verdient Inger Nilsson ihr Geld in einem bürgerlichen Beruf, als Sekretärin einer Stockholmer Arztpraxis. Doch ihre Schauspielleidenschaft hat sie nie ganz aufgegeben. Zuletzt spielte sie eine Gerichtsmedizinerin in einem ZDF-Krimi. Auch auf der Kinoleinwand war Inger Nilsson zu sehen, in der Neuverfilmung des in Schweden angesiedelten Romans Schloss Gripsholm von Kurt Tucholsky.

Falls Sie noch mehr über Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf erfahren möchten, gehen Sie auf die Internet-Seite www.efraimstochter.de.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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