Archiv für Juni, 2009

Ein ganz besonderer Tag auf der grünen Insel

Dienstag, 16. Juni 2009

Leopold Bloom spaziert, phantasiert, trinkt, quatscht, prügelt sich, liest, gafft und trifft einen trübseligen Stephen Dedalus. Das alles geschieht am 16. Juni 1904 in Dublin. Der Ire James Joyce machte daraus seinen Roman Ulysses, der achtzehn Jahre später erschien und zu einem Welterfolg wurde.

Das haben ihm seine Landsleute nicht vergessen und begehen deshalb jedes Jahr am 16. Juni ihren Bloomsday. An diesem Tag kleiden sich viele Dubliner nach der Mode des frühen 20. Jahrhunderts, um anschließend die Örtlichkeiten aufzusuchen, an denen der Roman spielt. Dort wird aus dem Roman vorgelesen, manche Szene von Schauspielern nachgestellt oder das Leben des Autors rekapituliert. Oder es wird einfach der Lieblingsbeschäftigung des Protagonisten nachgegangen und sich gepflegt betrunken – selbstverständlich unter Wahrung der Etikette auf gehobenem intellektuellen Niveau.

Wenn Sie sich über die Aktivitäten am Bloomsday informieren möchten, tun Sie dies am besten auf der Internetseite www.visitdublin.com/bloomsday. Joyce hatte das Datum übrigens nicht ohne Grund gewählt: Am 16. Juni 1904 lernte er seine spätere Frau Nora, für die er bereits seit längerem geschwärmt hatte, zum ersten Mal näher kennen. Wie nahe, darüber schwieg der Gentleman. Jedenfalls verbrachte er nicht die ganze Nacht mir ihr im Pub.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Vierzig Jahre Oliver Kahn

Montag, 15. Juni 2009

Die Torhüter gelten als die schrägsten Vögel im Fußball. Diese Etikettierung wurde von den Meistern ihres Fachs gerne in Kauf genommen: “Wer besser sein will als der Durchschnitt”, fand etwa die ehemalige Nummer eins der Münchner Bayern, “braucht dazu ein gewisses Maß an Besessenheit.”

Sein Nachfolger im Kasten, Michael Rensing, legte bislang nur ein gewisses Maß an Bescheidenheit an den Tag, weshalb er aktuell nur noch die Nummer zwei ist. Rensings großer Vorgänger hatte sich mit noch größerem Ehrgeiz und gelegentlichen Ausrastern rasch zum Schrecken nicht nur der gegnerischen Stürmer entwickelt.

Oliver Kahn biss nicht nur ins Ohr des Dortmunders Heiko Herrlich, er ging auch dem Hannoveraner Thomas Brdaric an die Gurgel. Selbst eigene Mannschaftskameraden mutierten zum Opfer von Kahns Jähzorn, so der schmächtige Andreas Herzog, der nach mangelhaftem Abwehrverhalten von Kahn geschüttelt wurde wie ein James Bond’scher Martini.

Immerhin blieb Herzog äußerlich ungerührt. Lässig ging auch Kahn außerhalb des Platzes mit seinen Eskapaden um: Nach der Attacke auf Herrlich teilte er den staunenden Journalisten lapidar mit, er habe nur die Direktive des Trainers befolgt: die lautete, sich am Gegner festzubeißen.

Wenn Oliver Kahn heute vierzig Jahre alt wird, ist es das zweite, das nette Gesicht, das sein Publikum zu sehen bekommt. Die geschätzten vierzig Zähne im Antlitz des früheren Torwarttitans erinnern freilich daran, dass Kahn auch anders kann.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Ein Staat, der zweimal unabhängig wurde

Freitag, 12. Juni 2009

Heute vor 111 Jahren wurde das Land, um das es heute geht, zum ersten Mal unabhängig. „Entdeckt“ hatten es die Spanier, die das Inselreich 1575 zur Kolonie machten und es nach ihrem damals regierenden König benannten. Doch war die Unabhängigkeit nach dem Abzug der Europäer nur von kurzer Dauer.Eine andere Macht trat auf den Plan, die zuvor selber Kolonie war: 1902 verleibten die USA sich die Eilande im Pazifik offiziell ein. Sie blieben vier Jahrzehnte, bis im Zweiten Weltkrieg die Japaner das Land in Besitz nahmen. Nach Kriegsende kam die gebeutelte Inselgruppe an die Vereinigten Staaten zurück, um 1946 endgültig unabhängig zu werden.

Die heutige Republik zählt knapp 90 Millionen Einwohner, mehr als Deutschland also. In ihr war bis 1973 Spanisch die zweite offizielle Sprache und wurde dann vom Englischen abgelöst. Die Staatspräsidenten haben heute noch zumeist spanische Namen, so auch die aktuelle Amtsinhaberin Gloria Arroyo. Wenn ich Ihnen jetzt noch verrate, dass vier von fünf Inselbewohnern Filipino sprechen, wissen Sie jetzt, um welchen Staat es sich handelt.

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Was ist Kunst?

Mittwoch, 10. Juni 2009

An der Beantwortung der Frage „Was ist Kunst?“ haben sich schon viele Experten die Zähne ausgebissen. Die Kunst verglich der russische Schriftsteller Leo Tolstoi mit dem „Mikroskop, das der Künstler auf die Geheimnisse seiner Seele einstellt, um diese allen Menschen gemeinsamen Geheimnisse allen zu zeigen.“ Reichlich verzwickt, diese Definition, meinen Sie nicht auch?

Etwas einfacher drückte es der Maler Paul Klee aus: „Die Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar.“ Die kürzeste Erklärung, was Kunst ist, stammt vom Schriftsteller Leonhard Frank: „Weglassen“. Der französische Maler Henri Matisse versuchte, den Begriff an einem Beispiel zu erläutern: „Für einen Maler gibt es nichts Schwierigeres, als eine Rose zu malen, denn dazu muss er zuerst alle Rosen vergessen, die jemals gemalt worden sind.“ Johann Wolfgang von Goethe verzichtete lieber ganz auf alle Erklärungen: Für ihn ist Kunst „eine Vermittlerin des Unaussprechlichen; darum scheint es eine Torheit, sie wieder durch Worte vermitteln zu wollen.“

Der Wahrheit am nächsten kam wohl der russische Maler Wassily Kandinsky, der sich die Beantwortung der Frage allerdings recht einfach machte: „Kunst ist ein kompliziertes Phänomen.“ Dieses komplizierte Phänomen kann ab heute wieder 5 Tage lang in allen seinen Facetten betrachtet, diskutiert und gekauft werden – auf der größten Kunstmesse weltweit, der Art Basel.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Wie ein deutscher Offizier einen Lachs fängt

Dienstag, 9. Juni 2009

Welche Städte kommen Ihnen in den Sinn, wenn Sie an die Toskana denken? Vielleicht Florenz, Siena oder Pisa? Bestimmt nicht Prato, obwohl diese, was die Wirtschaftskraft angeht, es locker mit der Konkurrenz aufnehmen konnte. Hier ist das Textilzentrums Italiens, das heute freilich fest in chinesischer Hand ist. Früher waren Einwanderer aus dem Norden willkommen, auch aus Deutschland. So kam es, dass ein sächsischer Textilingenieur sich dort niederließ. Seinem heute vor 111 Jahren in Prato geborenen Sohn gab Erwin Suckert den Vornamen Erich. Der Filius passte sich gut in die italienische Umgebung ein, ging aufs Gymnasium, machte erste Schreibversuche in einem Satiremagazin.

Als der Erste Weltkrieg sein Wahlheimatland erreichte, meldet er sich als Freiwilliger – natürlich für die italienische Armee. Auch nach dem Krieg war er erfolgreich, zunächst als Diplomat, dann als Journalist, bis er Chefredakteur der renommierten Tageszeitung La Stampa wurde. Inzwischen hatte er seinen Namen gewechselt, aus Erich Suckert wurde Curzio Malaparte. Seine anfängliche Sympathie für den Faschismus wandelte sich allmählich in eine kritische Distanz zur Mussolini-Partei. Ganz brechen mit den Schwarzhemden wollte er nicht, obwohl er zuerst auf die Liparischen Inseln verbannt und anschließend unter Hausarrest gestellt wurde.

Als der nächste Krieg ausbrach, begann Malaparte dritte Karriere: als Kriegsberichterstatter und Buchautor. Sein berühmtestes Werk war Kaputt. Malaparte musste es als Roman tarnen; zu realistisch waren seine Schilderungen von der Ostfront, in denen er auch die Verbrechen der deutschen Wehrmacht und ihrer Verbündeten nicht aussparte. Die von ihm beschriebene beklemmende Atmosphäre brach Malaparte immer wieder durch bizarre, entlarvende Details auf. So berichtet er von einem deutschen General, der einen Lachs fangen will: Nach dreistündigem Kampf an der Angel fürchtet der Offizier, sich lächerlich zu machen – und befiehlt einem Untergebenen, den Fisch zu erschießen.

Malaparte machte noch eine politische Wendung durch, hin zum Kommunismus. Als er 1957 in Rom starb, vererbte er sein prächtiges Haus auf Capri Chinas Parteiführer Mao.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Die Geburt von Big Brother

Montag, 8. Juni 2009

„Big Brother is watching you“, heißt es in dem heute vor 60 Jahren erschienenen Zukunftsroman 1984. Die Vision vom großen Führer, der alles und jeden beobachtet, war auf das stalinistische Sowjetsystem gemünzt, das den Autor zutiefst enttäuscht hatte.

Dabei war George Orwell im Grunde seines Herzens immer noch Sozialist; nur hoffte er auf die Verwirklichung von Gleichheit und Brüderlichkeit in einer demokratischen Gesellschaft. Doch nach dem Zweiten Weltkrieg und der Ausbreitung des Stalinismus in ganz Osteuropa ebbte diese Hoffnung stark ab. Mehr noch: Der in England lebende Schriftsteller fürchtete, auch das restliche Europa würde irgendwann unter der Fuchtel eines totalitären Systems enden. Seine Version vom autoritären Überwachungsstaat schrieb Orwell 1948 – und drehte die Jahreszahl für den Romantitel einfach um.

Seit Erreichen dieses Datums ist mittlerweile ein Vierteljahrhundert ins Land gegangen, und nicht wenige Skeptiker sehen manche Prophezeiungen Orwells selbst in westlichen Demokratien in Erfüllung gegangen: Wie einfach etwa ist es für den Staat geworden, seine Bürger auszuspionieren!

Bleibt nur zu hoffen, dass die maßgeblichen Politiker Orwell gelesen haben und entsprechende Vorkehrungen treffen: Eine komplette Überwachung sollte allenfalls auf freiwilliger Basis in einem eigens dafür geschaffenen TV-Container stattfinden.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Pflanzen Sie einen Baum!

Freitag, 5. Juni 2009

„Gehen Sie nie ohne Ihren Stoffbeutel aus dem Haus“, empfiehlt die UN-Webseite www.unep.org zum heutigen Weltumwelttag, „dann können Sie in jedem Geschäft, in dem Sie einkaufen, die angebotene Plastiktragetasche ablehnen.“ Andere Vorschläge erscheinen zumindest hierzulande etwas merkwürdig, da ein eigentlich selbstverständliches Verhalten angemahnt wird: „Wir können Wasser sparen, indem wir nicht die ganze Zeit über, während wir uns rasieren, das Gesicht waschen oder die Zähne putzen, den Kran aufgedreht lassen.“

Nicht in jedem Land ist die Umweltbewegung schon seit mehr als drei Jahrzehnten so aktiv wie bei uns, und mancher Zeitgenosse bedarf immer noch Ratschläge wie diesem: „Wenn Sie das Haus verlassen, denken Sie bitte daran, überall das Licht auszumachen – und schalten Sie alle elektrischen Ladegeräte aus, denn diese ziehen auch Strom, wenn Sie nicht zu Hause sind.“ Insgesamt sind es 28 Tipps für den beruflichen und häuslichen Alltag, die das Konsumverhalten ändern und die Umwelt schonen sollen.

Ein Ratschlag findet sich gleich an mehreren Stellen: „Pflanzen Sie einen Baum!“ 7 Milliarden, so das Ziel des UN-Umweltprogramms, sollen es bis Ende des Jahres sein – ein Baum für jeden Erdenbürger. Am besten sollte der gute Vorsatz gleich heute umgesetzt werden, denn der Juni ist in jedem Land der Welt ein guter Pflanzmonat.

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Das erste osteuropäische Land mit neuer Demokratie

Donnerstag, 4. Juni 2009

Vor 20 Jahren hielt die Demokratie Einzug ins östliche Europa. Die Sowjetunion unter Michail Gorbatschow setzte nicht nur im eigenen Land auf Reformen, sondern lockerte auch den Griff auf die Verbündeten. „Im Grunde brauchen wir diese Führung über sie gar nicht“, sprach der oberste Genosse vertraulich zu seinen kommunistischen Parteikollegen: „Das bedeutet nämlich, dass wir sie uns auf den Hals laden.“

Lösungen für abtrünnige Vasallen wie 1956 in Ungarn (siehe unseren Newsletter vom 23. Oktober 2006 „Panzer in Budapest“) oder 1968 in der Tschechoslowakei (Newsletter vom 21. August 2008 „Überwintern mit Bier“) kamen also nicht mehr in Frage, zumal Länder wie Ungarn, Polen oder die DDR im westlichen Ausland hoch verschuldet waren. Doch war die in Aussicht gestellte politische Freiheit den sowjetischen Satellitenstaaten in Mittel- und Osteuropa durchaus willkommen. Den Anfang machten die Polen: Am 4. Juni 1989 fanden dort erstmals freie Wahlen statt, und im Senat eroberte die inzwischen zur Partei gewachsene frühere Gewerkschaft Solidarnosc 99 von 100 Sitzen. Dennoch musste sie sich die Macht weiter mit den Kommunisten teilen, denn bis zu den ersten freien Parlamentswahlen sollten noch einmal 2 Jahre ins Land gehen.

Immerhin kandidierten 1991 bereits mehr als 30 Parteien. Andererseits sank die Wahlbeteiligung auf matte 43 %: Auch in der aufkeimenden Demokratie war es nicht gelungen, der wirtschaftlichen Schwierigkeiten Herr zu werden. Bald war das alte Misstrauen gegenüber den politischen Repräsentanten in Polen zurückgekehrt.

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Stay gold!

Mittwoch, 3. Juni 2009

Anglizismen sind dem Verein Deutsche Sprache (VDS) häufig ein Ärgernis. Deshalb läuft, wer zu viele von ihnen verwendet, Gefahr, von den 31.000 Vereinsmitgliedern zum Sprachpanscher des Jahres gewählt zu werden. Letztes Jahr widerfuhr dem Regierenden Bürgermeister von Berlin die zweifelhafte Ehre: Klaus Wowereit warb mit dem Spruch „Be Berlin“ für seine Stadt. Dieses Mal stehen wieder 5 Kandidaten zur Auswahl.

Einer kann nichts dafür, denn Burger King – auch wenn es sich um die Deutschland-Abteilung handelt – ist nun mal ein US-Konzern. Warum sollte er in seiner Kundensprache keine englischen Ausdrücke verwenden? Die Politikerin Gabriele Pauly ist ähnlich unschuldig, wird aber vom VDS in die Nähe einer Vaterlandsverräterin gerückt – nur weil sie fordert, Englisch solle einzige EU-Amtssprache werden. Was ist daran so schlimm, wo so wenige Esperanto verstehen? Wirklich schlimm ist die Henkel AG. Sie hat ein „Nachhaltigkeitsprojekt für Jugendliche“ ins Leben gerufen – mit Sprüchen wie „Save Your Future“, einem „Code of Teamwork and Leadership“ sowie einem „Code of Corporate Sustainability“ und bietet jede Menge „TV Footage“. Nein danke, auf Filmmaterial möchten wir verzichten! Ebenso auf das Internationale Turnfest 2009 in Frankfurt, wenn es mit idiotischen Wortspielen wie „Gymmotion“, „Slacklining“ und „YouTurn“ beworben wird. „Es ist der Versuch einiger älterer Herren“, findet der VDS-Vorsitzende Walter Krämer nicht ganz zu Unrecht, „sich bei der Jugend einzuschleimen.“

Mein Favorit auf den Sprachpanscherpreis ist jedoch Sabine Bätzing: Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung warnt Jugendliche mit den Worten “Don’t drink too much - stay gold“ vor übertriebenem Genuss von Alkohol. Was anderes aber kann ursächlich sein für die, uuups, Verfassssung eines Verffffassers beim Vvvverfassen solcher, hicks, Botschaften?

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Meister der Halbzeitansprache

Dienstag, 2. Juni 2009

Was passiert in der Halbzeitpause eines Fußballspiels? Nicht viel, sollte man meinen, wenn eine Mannschaft im Viertelfinale des Europapokals 1:3 hinten liegt und zusätzlich noch das 0:2 aus dem Hinspiel aufholen muss.

So geschehen bei der Begegnung Bayer Uerdingen gegen Dynamo Dresden anno 1986. Um ein Ausscheiden zu vermeiden, hätten die Krefelder Vorstädter in der zweiten Halbzeit noch 5 Tore schießen müssen. Sie schossen 6. Was hatte der Trainer, Karl-Heinz Feldkamp, seinen Spielern nur in der Pause gesagt? Hatte er ’rumgebrüllt? Hatte er die versammelte Mannschaft ordentlich zusammengestaucht? Weit gefehlt! Er hatte ganz ruhig gesprochen und seinen Spielern den Druck genommen. Die spielten anschließend wesentlich geordneter, aber längst noch nicht spektakulär.

Vom Gegner kam ohnehin nichts mehr; Dresden hatte sich längst auf ein ungefährdetes Weiterkommen eingerichtet. Uerdingen jedoch wollte, um die eigenen Fans im Krefelder Stadion zu versöhnen, wenigstens noch das ein oder andere Tor schießen. Als dies zwischen der 58. und 65. Minute gleich dreimal gelang, war plötzlich wieder Feuer in der Begegnung. Uerdingen spielte wie entfesselt, Dresden lethargisch. Drei weitere Tore fielen, am Ende gewann Uerdingen mit 7:3 und war im Halbfinale.

Über dieses Fußballmärchen wird auch mehr als zwei Jahrzehnte später immer noch gesprochen, obwohl Uerdingen inzwischen fünftklassig spielt. Karl-Heinz Feldkamps Halbzeitansprache ist Legende geworden – und wird an seinem heutigen 75. Geburtstag bestimmt noch ein paar Mal aufgewärmt.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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