Der Tod einer großen Sängerin
Freitag, 17. Juli 2009Warum gab es in der Geschichte des Jazz so viele gute Sängerinnen, aber kaum Frauen, die an einem Instrument brillierten? Die Antwort ist einfach: Es wurde ihnen in einem von Männern dominierten Business nicht zugetraut. Zum Spielen eines Instruments bedarf es einer gewissen Technik, deren Beherrschung freilich inzwischen auch Frauen unter Beweis gestellt haben.
Typisch für die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts sind Sätze wie dieser, der den Erfolg einer der größten Jazz-Interpretinnen erklären sollte: „Die Basis meines Gesanges ist mein Gefühl; wenn ich nichts fühle, kann ich nicht singen.“ Die künstlerische Anerkennung war noch das geringste der Probleme, mit denen Sängerinnen wie Billie Holiday – von ihr stammt das Zitat – zu kämpfen hatten. Obwohl früh erfolgreich, litt sie zeitlebens unter ihrer Benachteiligung als Schwarze. Vor allem, wenn sie auf Tour gingen, machten die Sängerin und ihre schwarzen Begleitmusiker entwürdigende Erfahrungen. Diskriminierungen dieser Art wurden mit Alkohol- und Drogenkonsum kompensiert, die Anerkennung als Künstlerin beschränkte sich auf das Fachpublikum. Auch um ihre nicht unbeträchtlichen Einkünfte wurde die leicht naive Künstlerin von Managern, Konzertveranstaltern und betrügerischen Treuhändern immer wieder betrogen.
Heute vor 50 Jahren starb Billie Holiday, völlig verarmt, alkohol- und drogenabhängig, in einem New Yorker Hospital. Sie wurde nur 44 Jahre alt.
Autor von Small-Talk-Themen.de


