Der Monat, der morgen beginnt, „ist die Zeit glänzender Jagdgesellschaften und Bälle. Es ist der Monat, in dem Ehen geschlossen werden und zerbrechen, in dem die Nächte lang sind und ein wenig zuviel getrunken und getanzt wird, in dem man sich verliebt, sich den Himmel auf Erden verspricht und an gebrochenem Herzen zu sterben glaubt.“ So schildert die britische Schriftstellerin Rosamunde Pilcher den September.
Kritische Leser würden sich vermutlich fragen, ob diese Beschreibung nicht auch auf die übrigen elf Monate zutrifft. Sie würden aber kein Buch von Rosamunde Pilcher kaufen. Dort geht es recht vorhersehbar zu, mit holzschnittartigen, kein bisschen gebrochenen Charakteren und einem garantierten Happyend. Andererseits sprechen weltweit 60 Millionen verkaufter Bücher auch ein wenig für die Autorin, die freimütig zugibt, dass Sie Kitsch schreibt, den aber gut: „Um erfolgreich zu sein“, so ihr Credo, „musst du die Gefühle der Leser ansprechen. Du musst dafür sorgen, dass es sie drängt, die Seite umzublättern.“ Anspruchsvollere Menschen würde es vermutlich drängen, das ganze Buch umzublättern.Sie halten Rosamunde Pilchers Entscheidung, mit der Veröffentlichung von Wintersonne im Jahr 2000 nicht mehr zur Feder zu greifen, für ihre beste.
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„Eine Sammlung von Anekdoten und Maximen ist für den Weltmann der größte Schatz, wenn er die ersten an schicklichen Orten ins Gespräch einzustreuen, der letzten im treffenden Falle sich zu erinnern weiß.“ Diesen Ratschlag beherzigen wir zum 260. Geburtstag des Dichters und geben ein Zwiegespräch wieder, das sich am 28. August 1818 – oder war es der 27.? – in einem Hotelzimmer im böhmischen Karlsbad entspann.
Dort war Johann Wolfgang von Goethe, leider nicht bei bester Gesundheit, abgestiegen, und dorthin hatte ihn sein Leibarzt Wilhelm Rehbein (den Goethe um sieben Jahre überleben sollte) begleitet. Zwischen beiden ist, nachdem Goethe zwei Flaschen Rotwein auf sein Zimmer bringen ließ und trotz des Doktors Missbilligung Glas um Glas trank, folgender Dialog überliefert:
Goethe: „Was für einen Tag haben wir heute?“
Rehbein: „Den 27. August.“
Goethe: „Nein, es ist der 28. und mein Geburtstag!“
Rehbein: „Ach was, Ihren Geburtstag vergesse ich nie. Wir haben den 27.“
Goethe: „Das ist nicht wahr. Wir haben den 28.“
Rehbein: „Den 27.“
Schließlich klingelte Goethe einen Diener herbei und fragte diesen nach dem Datum. Die Antwort: „Heute ist der 27.“
Der Dichter, immer noch ungläubig, ließ sich einen Kalender bringen. Nach einer langen Pause stellte er fest: „Donnerwetter. Da habe ich mich umsonst besoffen!“
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Das Wörtchen jet heißt ‚tänzeln, stolzieren’ und war in der englischen Sprache ursprünglich ein Verb. 1420 wurde es erstmals erwähnt und 1692 um die Bedeutung ‚hervorschießen’ erweitert. Vier Jahre später verwendete man jet als Hauptwort, um einen Wasserstrahl zu beschreiben. Mit fortschreitender Technik wurde auch die Düse, durch die zunächst Wasser, später auch Gas oder Benzin schoss, als jet bezeichnet.
Heute vor 70 Jahren sorgte ein Ereignis für eine erneute Ausweitung des Vokabulars: Da startete das erste Strahl- oder Düsenflugzeug, eine Heinkel He 178, zu einem Probeflug in Rostock und kehrte dortselbst auch wieder wohlbehalten zur Erde zurück. Es bescherte der englischen Sprache zunächst die Kombination jet propulsion, übersetzt ‚Düsenantrieb’, und später, als die Düsenfliegerei kommerziell betrieben wurde, den jet set für Leute, die sich ein solches ebenso schnelles wie kostspieliges Transportmittel leisten konnten.
Der Rostocker Experimentalflug markierte ebenfalls den Beginn des Jetzeitalters; ein Begriff, der heute nur noch selten verwendet wird, obwohl wir viel häufiger als früher in Düsenflugzeugen reisen. Einen jet set gibt es auch nicht mehr, seitdem die schnellste kommerzielle Fortbewegungsart für breite Bevölkerungsschichten erschwinglich geworden ist.
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„Junge Leute leiden weniger unter eigenen Fehlern als unter der Weisheit der Alten.“ Diese Erfahrung des 1747 gestorbenen französischen Schriftstellers Luc de Clapiers, auch bekannt als Marquis de Vauvenargues, musste gestern Philipp Mißfelder machen. „Dabei besteht die Kunst der Weisheit“, folgt man dem amerikanischen Philosophen William James, „darin, zu wissen, was man übersehen muss.”
Diesen Rat wird der Verfasser des Newsletters, den Sie gerade lesen, auch befolgen – und Philipp Mißfelder in Zukunft wieder übersehen. Wenden wir uns daher dem erfreulichen Anlass unserer heutigen Ausgabe zu: Heute vor 100 Jahren wurde das deutsche Jugendherbergswerk gegründet. Junge und nicht mehr ganz so junge Leute sollten in eigens für sie eingerichteten Häusern die Gemeinschaft in all ihren Facetten erleben. Daraus wurde eine Erfolgsgeschichte mit Millionen begeisterten Gästen aller Altersgruppen. Nicht immer laufen die Begegnungen so harmonisch ab, wenn junge Leute auf Ältere treffen - etwa 85-jährige Träger in spe künstlicher Hüftgelenke auf Philipp … doch den wollten wir ja künftig übersehen.
Morgen wird sich wieder einem ernsthaften Thema gewidmet. Versprochen!
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Wenn es jemand bereits im zarten Alter von 30 in diesen Newsletter verschlägt, muss er entweder Sportler sein oder etwas Großartiges geleistet haben. Bei Philipp Mißfelder, der heute Geburtstag hat, ist beides nicht der Fall. Auch die Äußerungen des Bundesvorsitzenden der Jungen Union und Abgeordneten des deutschen Bundestags passen nicht in einen Small Talk-Newsletter, in dem Themen wie Politik, Krankheit und sozialer Sprengstoff nichts zu suchen haben. Vor allem dann nicht, wenn humorlos präsentiert werden wie von dem 1979 in Gelsenkirchen Geborenen.
Der sieht die Türkei am liebsten außerhalb der EU, in einer Erhöhung von Hartz IV-Leistungen für Kinder in erster Linie einen Anschub für die Tabak- und Spirituosenindustrie und es prinzipiell gar nicht ein, dass 85-Jährige künstliche Hüftgelenke auf Kosten der Solidargemeinschaft bekommen. Nein, der Grund, Philipp Mißfelder an dieser Stelle mit einem Beitrag zu würdigen, ist ein Zitat von Mark Twain, welches unterzubringen sich einfach kein besserer Aufhänger fand. „Als ich vierzehn war“, erinnert sich der Schriftsteller, „war mein Vater so unwissend. Ich konnte den alten Mann kaum in meiner Nähe ertragen. Aber mit 21 war ich verblüfft, wie viel er in sieben Jahren dazugelernt hatte.“
Geben wir uns also paternalistisch und Philipp Mißfelder ein wenig Zeit, Verblüffung zu zeigen, und gratulieren erstmal recht herzlich. Das gehört sich so.
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Ein Zimmer war für den britischen Schriftsteller Bruce Chatwin (siehe unseren Newsletter vom 19. Januar 2009 „Tod in Nizza“) lediglich ein Platz, wo man seinen Hut aufhängen kann. Den Hut brauchte er für seine zweite Berufung, das Wandern. Ein Zuhause dagegen lähmte ihn und verursachte Schreibblockaden.
Beim Wandern entstanden Chatwins fünf große Bücher, die alle auf verschiedenen Kontinenten angesiedelt sind. „Ich habe an verschiedenen Orten zu schreiben versucht“, erinnerte sich Chatwin, „in einer afrikanischen Lehmhütte, in einem Kloster auf dem Berg Athos, in einer Schriftstellerkolonie, in einer Kate im Moor, sogar in einem Zelt.“ Zwar gab Chatwin zu, es sei naiv zu glauben, alles wäre gut, wenn man bloß woanders als daheim wäre. Sandstürme, die einsetzende Regenzeit oder auch nur das Hämmern eines Presslufthammers irgendwo in der Nähe hätten in seinem Fall schon des öfteren für Heimweh gesorgt. Aber das war immer rasch verflogen; spätestens dann, wenn er wieder einen Fuß vor den anderen setzen konnte und in einer möglichst öden, weiten, leeren Landschaft unterwegs war.
Chatwin wollte sogar beim Wandern sterben, doch verhinderte seine tödliche Aids-Krankheit diesen letzten Wusch und ließ ihn im Spital von Nizza seine Augen für immer schließen. Geblieben sind seine Bücher von Ruhelosigkeit und Nomadentum. Sollten Sie heute, am Deutschen Wandertag 2009, keine Gelegenheit für einen Spaziergang haben, nehmen Sie doch ein Buch von Bruce Chatwin in die Hand!
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Heute vor 50 Jahren kam der bislang letzte Stern auf das amerikanische Banner. Die geschieht nur, wenn ein neuer US-Bundesstaat aus der Taufe gehoben wird. Am 21. August 1959 war es so weit für eine Inselgruppe, deren Metropole Honolulu exakt 7785 Kilometer von der Bundeshauptstadt Washington entfernt ist.
Überhaupt hatten die Einheimischen ihre Schwierigkeiten mit den Amerikanern, bevor sie Mitglied der Union wurden. 1778 wurden die Pazifikeilande vom Weltumsegler James Cook entdeckt, der sein leicht überhebliches Auftreten gegenüber den Ureinwohnern mit dem Leben bezahlte. Auch die weitere Geschichte des Inselreichs verlief alles andere als unblutig. 1893 inszenierten weiße Siedler, hinter denen wiederum von Handelsinteressen gelenkte US-Firmen standen, einen Putsch gegen Königin Liliuokalani. In der Folgezeit hatten die Amerikaner endlich eine Kolonie, und der Inselhafen Pearl Harbor wurde zu einer militärischen Operationsbasis gegen die konkurrierenden Spanier ausgebaut, die zuvor ebenfalls ein Auge auf jenen strategisch wichtigen Pazifik-Archipel geworfen hatten.
Der japanische Bombenangriff auf die USA im Zweiten Weltkrieg traf daher auch nicht das amerikanische Festland. Als es zum Volksentscheid über den Beitritt zur Union kam, hatte der von Washington aus organisierte Zuzug von Asiaten und US-Amerikanern auf die Inselgruppe die Einheimischen längst zur Minderheit im eigenen Land gemacht. Daher war es keine Überraschung, dass sich die Bevölkerung Hawaiis entschied, ihr Territorium zum 50. Bundesstaat der USA zu machen.
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Vornehme Hotels wie das Grand Hyatt in Berlin oder das Atlantic Kempinski in Hamburg leisten sich einen Wasser-Sommelier: Der betreut wie der Kollege oder die Kollegin bei vermeintlich edleren Tropfen (siehe unseren Newsletter vom 16. Dezember 2008 „Vom Mundschenk zur Sommelière“) die Auswahl des kohlensäurehaltigen, immer häufiger auch stillen Getränks. Jetzt sofort den Bogen zu unserem aktuellen Thema, der Weltwasserwoche, zu schlagen und darauf hinzuweisen, dass jeder Sudanese ein Drittel seines Tages opfern muss, um eine Ration Wasser zu holen (siehe Ausgabe vom 22. August 2008 „Bei uns verschwendet, andernorts dringend benötigt“), wäre nicht fair.
Deshalb noch ein Satz zum Sommelier: Warum soll es solche Fachkräfte nur bei alkoholischen Getränken wie Wein und Whisky geben? Klar, die Menschen in Entwicklungsländern haben andere Sorgen, doch wird die gerechtere Verteilung und Nutzung von Wasser nicht in deutschen Hotels und Restaurants entschieden. Leider auch nicht auf dem Treffen in Stockholm, das übermorgen endet: Die 2000 Experten dort können nur Missstände aufzeigen, Warnungen aussprechen und Empfehlungen geben.
Aktuell haben laut Informationen des Kinderhilfswerks UNICEF 5,7 Milliarden Menschen sauberes Trinkwasser zur Verfügung; das sind immerhin 1,6 Milliarden mehr als im Jahr 1990. Andererseits: Mehr als einer Milliarde bleibt dieses Recht versagt. Klimawandel, Wirtschaftskrisen und Naturkatastrophen verschärfen die Situation, untätige Regierungen machen sie nicht besser. Seit Jahren liegt die UN-Konvention für ein grenzüberschreitendes Management von Trinkwasservorkommen auf Eis, da es immer noch nicht von allen beteiligten Staaten ratifiziert, geschweige denn umgesetzt worden ist. Gelöst werden muss auch die Sanitärfrage: Durch verschmutztes Wasser, so die UNO, sterben jährlich zehnmal so viele Menschen wie durch Kriege.
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Was konnten DDR-Bürger 1989 tun, um in den Westen zu kommen? Sie konnten einen Ausreiseantrag stellen. Über 40 000 waren auf diesem legalen Weg in der ersten Jahreshälfte in die Bundesrepublik gelangt. Die große Mehrheit derjenigen, die ihrer ostdeutschen Heimat den Rücken kehrten, tat dies mit weniger Geduld. Viele reisten in die sozialistischen Bruderländer, um über die BRD-Botschaften nach Westdeutschland aufgenommen zu werden.
Über Ungarn existierte ein direkterer Weg: Dort waren Ende Juni die ersten Grenzbefestigungen zu Österreich in einem symbolischen Akt entfernt worden. Bilder gingen um die Welt, auf denen die Außenminister Alois Mock und Gyula Horn mit Bolzenschneidern den Stacheldraht durchtrennten. Doch offiziell wurde DDR-Flüchtlingen der Gang über die ungarisch-österreichische Grenze noch nicht gestattet. Wer erwischt wurde, konnte theoretisch sogar an die Behörden in Ostberlin überstellt werden.
Umso willkommener war die Gelegenheit, die sich heute vor 20 Jahren bot: Ein so genanntes Paneuropa-Frühstück nahe der ungarischen Grenzstadt Sopron, veranstaltet mit stillschweigender Rückendeckung aus Budapest, öffnete für drei Stunden den Eisernen Vorhang. Hunderte Ostdeutscher nutzten dies zur gefahrlosen Flucht, begleitet von Reportern und Kamerateams. Wieder gingen die Bilder um die Welt und dienten allen Landsleuten, die sich jener Tage im Ausland aufhielten, als Signal.
Nur einen Tag später musste die bundesdeutsche Vertretung in Prag, wie zuvor bereits die Botschaft in Budapest, wegen des großen Ansturms geschlossen werden. In einer „einmaligen humanitären Aktion“ erlaubte die ungarische Regierung den in ihrer Hauptstadt Zuflucht Suchenden die Ausreise und stattete sie mit Rotkreuz-Papieren aus. Es sollte nicht mehr lange dauern, bis aus der einmaligen Aktion Gewohnheit wurde, und den Machthabern in Ostberlin dämmerte allmählich, dass ihr letztes Stündchen geschlagen hatte.
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Nichts ist so unwichtig wie die Nachricht von gestern. Deshalb bemühen sich die Zeitungen darum, täglich neue Meldungen zu verbreiten. Damit sie das können, hilft ihnen die Deutsche Presseagentur, kurz dpa genannt. Heute vor 60 Jahren wurde sie in Goslar gegründet. Inzwischen sammeln 456 fest angestellte Redakteure und, laut Eigendarstellung, rund tausend freie Journalisten weltweit „Informationen zu aktuellen Ereignissen und Themen, die für die Öffentlichkeit interessant sein könnten.“
Das zu lesende, hörende oder sehende Ergebnis sind am Tag rund 650 via Presse, Funk oder Fernsehen gesendete Nachrichten, die alle auf dpa-Informationen basieren. Dies alles hat natürlich seinen Preis, denn indirekt werden auch die Nachrichten bezahlt, die dpa produziert hat, für die jedoch kein Abnehmer gefunden werden konnte. Ein Teil davon landet auf Umwegen in der Redaktion des Newsletters, den Sie gerade lesen.
Anders als die dpa-Nachrichten sind unsere täglichen Beiträge weder aktuell noch für eine breite Öffentlichkeit interessant, und Geld verdienen lässt sich damit schon gar nicht. Dafür sind die Meldungen so exklusiv, dass Sie in jeder Small Talk-Runde die übrigen Teilnehmer damit überraschen können.
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