Die Schrecken des Krieges und ihre literarische Verarbeitung
Montag, 17. August 2009Als „rotbärtiger Kerl, der sich Christoffel Gelnhausen nannte und dessen schlaksiger Jugendlichkeit – er mochte Mitte Zwanzig sein – ein blattriges Gesicht widersprach“, beschreibt ihn Günter Grass in seinem Roman Das Treffen in Telgte. Und fügt hinzu: „In seinem grünen Wams unterm Federbuschhut wirkte er wie erfunden.“ Erfunden hatte Grass das Treffen aller namhaften deutschen Dichter im Münsterland, das der Autor am Ende des Dreißigjährigen Krieges spielen lässt.
Durchaus real war die Figur des Gelnhausen, nur hieß dieser mit richtigem Namen Hans Jakob Christoph von Grimmelshausen. Geboren wurde er um 1622 in jener hessischen Stadt, die Kaiser Friedrich Barbarossa gegründet hatte. Grimmelshausen war ein Kind des Dreißigjährigen Krieges, dessen Schrecken er in seinem Roman Der Abentheuerliche Simplicissimus Teutsch anschaulich und eindrucksvoll aus der Sicht eines kindlichen „tumben Tores“ beschrieb. Die 5 Bände des Simplicissimus sind die berühmteste literarische Verarbeitung eines Ereignisses, das die deutschen Länder von 1618 bis 1648 in bis dahin kaum gekannter Grausamkeit heimsuchte.
Nicht nur mit seinen Büchern hatte Grimmelshausen Erfolg: Im badischen Renchen, wo er sich nach dem Krieg niederließ, anvancierte er zum Bürgermeister. Nach dem Schriftsteller, der heute vor 333 Jahren starb, ist eine renommierte Auszeichnung für Autoren benannt: Der Grimmelshausen-Preis wird alle zwei Jahre verliehen. Diesjähriger Träger ist Reinhard Jirgl. In seinem Erstling nahm sich der Romancier ebenfalls eines epochalen Schreckensthemas an: des Zweiten Weltkriegs.
Autor von Small-Talk-Themen.de


