Das Nonplusultra
Mittwoch, 16. September 2009Welches Wort wählen Sie, um etwas Ausdruck zu verleihen, das Sie für das Größte, das Höchste, das Unübertreffbare halten? Vielleicht den Begriff ‚Nonplusultra’? Übersetzt bedeuten diese drei aneinandergereihten Wörter ‚nicht mehr weiter’. Der Sage nach hat sie der antike Recke Herkules am Felsen von Gibraltar angebracht. Das Naturdenkmal zählte als „Säulen des Herakles“ zu den 7 Weltwundern. Es sollte Reisende davon abhalten, die Meerenge zwischen Nordafrika und Europa zu durchfahren und die damals bekannte Welt zu verlassen.
Der Spruch war so wirkungsvoll, dass Kaiser Karl V. – er machte in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts Spanien zum Weltreich – sich bemüßigt fühlte, ein symbolisches ‚plus ultra’ auf seine Fahnen zu schreiben: Das Ende der bewohnten Welt war noch nicht erreicht, es sollte noch weiter gehen. Zum Leidwesen ungezählter Ureinwohner in Süd- und Nordamerika tat es das auch.
Heute wird das Nonplusultra vor allem in der Werbung genutzt. Eine Aachener Agentur hat diesen Namen gleich für sich reklamiert – nachdrücklicher kann man in der Kommunikationsbranche wohl kaum auf seine Kompetenz hinweisen. Längst hat das Nonplusultra Einzug in die Alltagssprache gehalten, wenn auch auf manchmal etwas gewundenen Wegen. Als vor einigen Jahren der Rinderwahn die Runde machte und nicht nur auf der britischen Insel zu einem beliebten Gesprächsthema wurde, befand ich mich auf einer Wanderung im Hunsrück. In einem Dorf, an dessen Ende es nicht mehr weiterging, kam ich in einer Kneipe mit einem Mann ins Gespräch. Der fasste die Aufregung um die Seuche so zusammen: „BSE, das ist bei den Engländern jetzt das Nonplusultra.“ Irgendwo hatte er da Recht.
Autor von Small-Talk-Themen.de


