Archiv für Oktober, 2009

Alles über England

Freitag, 16. Oktober 2009

Schon wieder ein Buch über England? Das hatten wir, mögen Sie jetzt einschieben, in diesem Newsletter doch schon öfter, zuletzt am 23. Oktober 2008 „Schöne neue Inselwelt“. Das kann man, würde ich Ihnen antworten, nicht oft genug haben. Vor allem wenn es sich um ein informatives, spannendes und durchaus witziges Werk handelt wie England, glorious England von Holger Ehling, soeben erschienen im Ch. Links Verlag.

Der Autor lässt Allzubekanntes und Zuvielbeschriebenes lieber weg und konzentriert sich auf das wirklich Wesentliche: das britisch Skurrile, Schwarzhumorige, Kauzige. Die Geschichte des Inselvolkes erklärt er anhand von 7 Wundern und 12 Helden. Erstere beginnen mit Stonehenge und enden beim Eden Project, der größten Pflanzenschau der Welt im cornischen St. Austell, und dem London Eye: Dahinter verbirgt sich der beste Aussichtspunkt der Weltstadt, doch mehr sei an dieser Stelle nicht verraten. Und wer sind die Helden? Boadicea beispielsweise, die Keltenkönigin, die als Guerillakriegerin den römischen Besatzern im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung manche Schmach zufügte. Oder Jeremy Paxman: Der BBC-Nachrichtenmoderator mit Rottweilerqualitäten stellte einst Innenminister Michael Howard 14-mal hintereinander dieselbe Frage, weil dieser immer auswich. Den Reigen beschließt Bert Trautmann. Der war als Kriegsgefangener auf der Insel, blieb dort und tat als Torwart von Manchester City mehr für das deutsch-britische Verhältnis als jeder Politiker.

Am Ende von Ehlings Buch beschleicht einen das Gefühl, dass es sich bei den Briten um ein Volk handelt, welches den Deutschen nicht ganz unähnlich ist – nur mit Humor. Geradezu einzigartig macht Ehlings Buch der zwanzigseitige Exkurs des Autors über die englische Küche, mit Rezepten für Scones und Shepherd’s Pie, Bubble and Squeak und Roast Beef and Yorkshire Pudding. Und natürlich für Fish & Chips, die entgegen anders lautender Gerüchte nicht nur aus Fisch, Fritten und Fett, sondern aus fünf weiteren Zutaten bestehen.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Neues von der Buchmesse

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Was gibt es Neues auf der Buchmesse? Ein Buch von Willi Wottreng beispielsweise. Schaut man sich das Gesamtwerk des Schweizer Autors an, bleibt wenig vom Saubermannimage seines Heimatlandes übrig. Ob es um den filigranen Geldfälscher Farinet geht, die wild um sich ballernden Gangster Deubelbeiss und Schürmann (siehe dazu unseren Newsletter vom 5. Juli 2007 „Unparteiisch, aber mit Humor“) oder den ersten europäischen Hells-Angels-Gründer Schippert – Wottrengs Sympathien scheinen den Schweizern mit den nicht ganz so weißen Westen zu gehören.

Mit seinem neuen Buch verhält es sich kaum anders: Verbrechen in der Großstadt lautet der Titel, und die Geschichten spielen sämtlich im Chicago an der Limmat. Der Autor lässt die kriminelle Vergangenheit der deutschen Lesern unter dem Namen Zürich bekannten eidgenössischen Metropole in 24 spannenden Geschichten genüsslich wiederaufleben. Wottrengs Reigen beginnt mit eingewanderten Anarchisten, die zu Beginn des letzten Jahrhunderts ihre Bomben legen, und endet mit einem hohen Beamten im Zürcher Bauamt, der sich für das Mobbing seiner Kollegen mit einem Vierfachmord rächt – und nach vierzehn Jahren wieder freikommt.

Auch Ausländer spielen in dem Buch eine Rolle: etwa eine amerikanische Hochstaplerin, der rund 2 Dutzend Einheimische auf den Leim gehen, oder das RAF-Kommando, das sich ausgerechnet den Bankenplatz Zürich für eine Geldbeschaffungsaktion aussucht. Sehr bizarr ist auch die Geschichte eines Bäckers, der für seine Hitlerverehrung schwer büßen musste: Er endete als einer von insgesamt 17 Landesverrätern während des Zweiten Weltkriegs unter den Kugeln eines Hinrichtungskommandos. Ein Liechtensteiner war auch unter den Exekutierten. Vielleicht entwickelt sich ja daraus Willi Wottrengs nächstes Werk.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Marktplatz der Freiheit

Mittwoch, 14. Oktober 2009

„Die Buchmesse ist ein Marktplatz der Freiheit, der durch seine Struktur mit rund 7.000 Verlagen, 2.900 Veranstaltungen und 10.000 Journalisten sicherstellt, dass Zensur nicht stattfindet.“ Das versicherte vor einem Monat der Direktor der Frankfurter Buchmesse, Jürgen Boos, in einem Offenen Brief. Was war geschehen, dass Boos sich in dieser ungewöhnlichen Form an die Öffentlichkeit wendete? Den Stein des Anstoßes bildeten zwei kritische Autoren aus dem diesjährigen Messegastland China.

Ursprünglich waren Dai Qing und Bei Ling zu einem Symposium geladen, dass einen Monat vor der heute beginnenden Buchmesse stattfand. Dagegen protestierte das offizielle China, und die beiden wurden kurzerhand wieder ausgeladen. Dass sie dann doch überraschend auf der Veranstaltung auftauchten, spricht wiederum für die Organisatoren der Buchmesse: Sie wollten den Dissidenten ein Forum geben. Dies wiederum nahm ihnen die regierungstreue chinesische Delegation übel und drohte mit Abzug. Boos sah sich zu einer Entschuldigung gezwungen, rettete dadurch aber das Symposium. So kam es immerhin zu dem von der Messeleitung beabsichtigten Austausch zwischen Regime und Kritikern, das den in China totgeschwiegenen Dai Qing und Bei Ling bislang nie gekannte Aufmerksamkeit sicherte.

Zweck erfüllt, Gesicht verloren: Die Entschuldigung stieß allen China gegenüber kritisch eingestellten Journalisten sauer auf. Doch was hätte Boos anders machen sollen? Immerhin war es ihm gelungen, Vertreter des offiziellen und des kritischen Chinas an einen Tisch zu bekommen. Aus einer wesentlich besseren Ausgangsposition hatte vor zwei Jahren das Internationale Olympische Komitee bei den Spielen in Peking weit weniger gemacht.

Heute beginnt in Frankfurt die Buchmesse. Sie dauert bis Sonntag, und man darf gespannt sein, wie ehrlich und offen der Dialog mit dem Gastland China verläuft.

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Marie Osmond und Nana Mouskouri

Dienstag, 13. Oktober 2009

Heute haben zwei Sängerinnen Geburtstag, die mit schlimmen Schnulzen die Popwelt belastet haben. Sie finden, hier würde wieder einmal zu negativ berichtet? Einspruch! Gehen Sie doch mal auf Youtube und hören Sie sich den Song Paper Roses von Marie Osmond an. Die vor exakt einem halben Jahrhundert in Utah geborene Marie Osmond eroberte mit dieser Schmonzette 1973 doch tatsächlich die Spitzenposition der britischen und der US-Hitparade!

Ein viertel Jahrhundert älter als das jaulende Mormonentöchterchen ist Nana Mouskouri. Weiße Rosen aus Athen heißt ihr musikalischer Sündenfall. Wenn Sie mir nicht glauben: Auch in diesem Fall wird Youtube Sie eines besseren belehren. Zur Ehrenrettung Nana Mouskouris sei gesagt: Sie ist keine üble Jazzsängerin, und wer kann es einer Künstlerin verdenken, dass sie von zwei möglichen Musikkarrieren die kommerziellere gewählt hat? (Andere – der Schreiber dieser Zeilen eingeschlossen – wären froh, würde sich in ihrem Leben eine solche Alternative auftun.)

Und noch etwas sollte man Nana Mouskouri zugute halten: Als 1967 die Militärs in ihrer Heimat putschten und der Wiege der Demokratie sieben harte Jahre ohne den Genuss der besten aller Staatsformen bescherten, wurde Nana Mouskouri nicht müde, auf und abseits der Bühne ihrem Protest gegen das Regime Ausdruck zu geben. Abseits der Bühne hat auch Marie Osmond einiges vorzuweisen: Als größte Leistung bezeichnet sie auf ihrer Homepage die Geburt ihrer acht Kinder. Sie werden dafür sorgen, dass die Heiligen der letzten Tage so bald nicht aussterben werden.

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Deutschlands erster Unternehmensberater

Montag, 12. Oktober 2009

Ein Auto kann man nicht von innen anschieben: So umschreibt der Unternehmensberater Jobst Fiedler die Aufgaben seiner Branche. Der Satz hätte auch von Gerhard Kienbaum stammen können. Der heute vor 90 Jahren in Wuppertal-Barmen geborene Diplomingenieur war Deutschlands erster Unternehmensberater. Ein für damalige Verhältnisse typischer, heute allerdings kaum noch vorstellbarer Lebenslauf prägte seine Jahre bis zur ersten Firmengründung.

Kienbaum schrieb sich nach bestandenem Abitur in den Fächern Maschinenbau und Betriebswirtschaft an der Technischen Hochschule Danzig ein. Ausgerechnet in dieser Stadt brach mit der Beschießung der Westerplatte durch die deutsche Wehrmacht der Zweite Weltkrieg aus. Kienbaum konnte dem Militärdienst nicht entkommen, aber er überlebte ihn. Sein Vetter, der Geschichtsprofessor Hans-Ulrich Wehler, gibt einen Einblick in das Schicksal eines Gestrandeten: „Gerhard Kienbaum ist als U-Boot-Kapitän ein paar Mal abgesoffen, immer wieder rechtzeitig raus durch die Schleuse, der tauchte bei mir in verschlissener Uniform auf und bat mich um Handschuhe, weil 1945 ein kalter Winter war. Und er wollte ein Fahrrad, damit er sich bewegen konnte.“ Damit strampelte Kienbaum über zerstörte Straßen und holprige Feldwege durch seine alte bergische Heimat.

Auf der Suche nach Arbeit kam er ins Aggertal, ehemals Heimat vieler Hammerwerke und Gesenkschmieden. Einer Firma in Engelskirchen war im strengen Frost des letzten Kriegswinters der Heizkessel geplatzt. Kienbaum hatte die rettende Idee – und die Firma rasch den Experten, den sie für die Reparatur benötigte. Die gute Tat sprach sich herum, und das Improvisationstalent war bald auch außerhalb des Aggertals gefragt. Schon im Herbst 1945 gründete Kienbaum seine kleine Firma in Gummersbach. Sie entwickelte sich zur größten deutschen Unternehmensberatung. Als Gerhard Kienbaum 1998 starb, hatte er für die Leitung längst eine hausinterne Lösung gefunden und an seinen Sohn Jochen übergeben. An der Firmenphilosophie des Seniors änderte sich bis heute nichts: für andere Probleme lösen und aus Problemen Chancen machen.

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Was sich morgen beim Fußball nicht voraussagen lässt - und was doch

Freitag, 9. Oktober 2009

Warum schreiben wir so häufig über die Vergangenheit und nur selten über die Zukunft? So lautet ein Vorwurf, der gelegentlich der Redaktion dieses Newsletters gemacht wird. Blicken wir also heute einmal nach vorn und widmen uns dem Morgen. Morgen spielt Russland gegen Deutschland. Es geht um die Qualifikation für die nächste Fußball-WM in Südafrika, und Jogi Löws Elf darf nicht verlieren. Falls doch, muss sie in zwei Ausscheidungsspielen am 14. und 18. November gegen einen anderen Gruppenzweiten antreten. Deutschland hat auswärts noch nie ein WM-Qualifikationsspiel verloren. Und auch morgen würde ein Unentschieden reichen – vorausgesetzt, man besiegt Finnland im letzten Gruppenspiel daheim in Hamburg.

Auch an anderen Spielorten birgt der Kampf um die Südafrika-Tickets reichlich Spannung. In Gruppe 1 empfängt Dänemark das Nachbarland. Im Prinzip ist alles klar: Die Dänen können Fußball spielen, die Schweden nicht. Gewinnt Dänemark, ist die WM-Teilnahme perfekt. Doch gehen Fußballspiele auch schon mal anders aus als vorhergesagt. Das wird beim entscheidenden Spiel der Gruppe 3 nicht der Fall sein: Die Slowakei braucht einen Punkt zum Gruppensieg, Slowenien einen Punkt zur Sicherung von Platz 2. Das Ergebnis des Spiels können Sie sich denken. Zum ersten Mal für eine Weltmeisterschaft qualifizieren kann sich Lettland – allerdings nur noch über den Umweg via Relegationsspiele. Dafür müssten die Außenseiter in Griechenland, das von Otto Rehhagel trainiert wird, gewinnen. Und würde im Erfolgsfall Mitte November eventuell auf Deutschland treffen. Schon einmal haben uns die Letten blamiert: Beim torlosen Remis während der Europameisterschaft 2004, als die damals von Rudi Völler trainierte Mannschaft in der Vorrunde kläglich scheiterte.

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Ein moralisches Angebot

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Vor 60 Jahren erhielt eine Sekretärin ein verlockendes Angebot: 100 Dollar sollte sie bekommen und Ihre Kollegin nichts. Sie konnte auch eine zweite Variante wählen: 150 Dollar für beide Sekretärinnen, vorausgesetzt, sie würden sich irgendwie einig, wie sie das Geld aufteilten. Die Vorschläge stammten von Merrill Flood: Der US-Mathematiker wollte herausfinden, ob und wie Menschen sich einen Gewinn teilen, wenn sie sich durch Kooperation eine zusätzliche Summe sichern können.

Wie hätten Sie sich wohl entschieden? Flood sagte voraus, die erste Sekretärin würde die 150 Dollar nehmen und ein Sechstel des Betrags ihrer Kollegin geben. Dann hätten beide – verglichen mit der ersten Variante – 25 Dollar zusätzlich gewonnen. Allerdings entschieden sich unsere Sekretärin anders: Sie halbierte die in Variante zwei angebotene Summe und gab ihrer Kollegin 75 Dollar. Daraus folgerte der Wissenschaftler Flood, dass Menschen nicht nur nach der mathematisch-ökonomischen Logik der Gewinnmaximierung handeln.

Offenbar wirken in Situationen, wie Flood sie geschaffen hatte, soziale Aspekte viel stärker auf die Beteiligten.

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40. Geburtstag auf dem Sterbebett

Mittwoch, 7. Oktober 2009

„Das Beste an der DDR“, fand Hermann Kant, „war der Traum, den wir von ihr hatten.“ Der Traum begann heute vor 60 Jahren, als der andere deutsche Staat gegründet wurde, in dem zahlreiche Antifaschisten an den Schalthebeln der Macht saßen – während in Westdeutschland, so deren Vorwurf, gewendete Nazis bedeutende Positionen in Politik, Justiz und Wirtschaft innehatten. Allerdings waren die Voraussetzungen für die Deutsche Demokratische Republik denkbar schlecht: Als Kriegsverlierer war sie der Sowjetunion ausgeliefert, die aus dem Land herausholte, was nur eben ging, und dies als Wiedergutmachung für die während der deutschen Besatzung erlittenen Schäden rechtfertigte. Die Westmächte verfuhren mit dem ihnen zugewandten Teil Deutschlands sehr viel gnädiger und gewährten ihm im Rahmen des Marshallplans großzügige Wirtschaftshilfe.

Der ökonomisch prosperierende Westen stand international bald wieder glänzend da: Das Zerstörungswerk des Zweiten Weltkriegs, so zynisch es klingen mag, erlaubte eine Komplettmodernisierung der Industrie, und rasch hatte der kapitalistische Teil Deutschlands die lange Zeit wohlhabenderen Nachbarn Großbritannien und Frankreich überflügelt. Wirtschaftlich spielte die DDR in einer anderen Liga, zusammen mit den Satellitenstaaten der Sowjetunion. Immerhin lag sie weltweit auf Rang 10 der größten Industrienationen – nicht schlecht für ein 16-Millionen-Volk. Gemessen wurde die DDR jedoch nicht an der Vergangenheit der ostdeutschen Länder oder an der Gegenwart der sozialistischen Bruderstaaten, sonder allein an der übermächtigen BRD. Und dieser Vergleich war einfach nicht zu gewinnen.

Doch wie kann eine Regierung dies einem Volk klar machen, dem via Westfernsehen täglich eine andere Welt vorgespiegelt wird? Der Umkehrschluss ging in die Hose: Der Versuch, die eigenen Bürger von allen westlichen Einflüssen fernzuhalten, führte schließlich in den Untergang. Bereits ihren 40. Geburtstag beging die DDR auf dem Sterbebett, während abtrünnige Söhne und Töchter in den Botschaften von Budapest, Prag und Warschau ihre Ausreise feierten. Vier Tage vor dem 41. Geburtstag war dann alles vorbei.

Einen treffenden Abgesang formulierte ein Schauspieler und Sänger, der seiner Heimat beizeiten den Rücken gekehrt und dank seiner guten Ausbildung auch im Westen Karriere gemacht hatte: „In der DDR“, resümierte Manfred Krug, „hat man von mir eine Weltanschauung verlangt, ohne dass ich die Welt anschauen durfte.“

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Deutsches Erbe, amerikanisch gepflegt

Dienstag, 6. Oktober 2009

„Was die Deutschen gebracht haben, pflegt Amerika auf bestmögliche Weise weiter“, meinte Benjamin Franklin (siehe auch unseren Newsletter vom 17. Januar 2006 „Zeit ist Geld“). Der Erfinder und Politiker lebte als Herausgeber einer Zeitung in Philadelphia, der amerikanischen Stadt, in zuerst von Deutschen besiedelt wurde. Genau betrachtet handelt es sich nur um einen Stadtteil der Millionenmetropole: Germantown heißt der Ort, der am 6. Oktober 1683 von Auswanderern aus Krefeld gegründet wurde, bis heute.

Heute ist auch der Tag, den US-Präsident Ronald Reagan vor 22 Jahren zum German-American Day erkor, einem im Nordosten der Vereinigten Staaten von einigen Städten und Gemeinden begangenen Feiertag. „Nur wenige Völker haben sich so gut in den multikulturellen Flickenteppich der amerikanischen Gesellschaft eingepasst“, so Reagan in seiner Begründung, „und so mit einzigartigen wirtschaftlichen, politischen, sozialen, wissenschaftlichen und kulturellen Leistungen zum Wachstum und Erfolg der Vereinigten Staaten beigetragen wie die Amerikaner deutscher Abstammung.“

Bereits im 19. Jahrhundert war der 6 Oktober ein Feiertag in den USA, doch der Erste Weltkrieg und die in seinem Verlauf entstandenen antideutschen Ressentiments machten diesen schönen Brauch zunichte. Erst Reagan, dessen Vorfahren übrigens aus Irland stammten, ließ die Tradition wieder aufleben. Mehr über den Festtag, seine Wurzeln und die damit verbundenen Feiern lesen Sie auf der englischsprachigen Internetseite www.germanamericanday.org.

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Rote Tinte statt Radiergummi

Montag, 5. Oktober 2009

„Während meines neunjährigen Eingewecktseins an einem Augsburger Realgymnasium“, meinte rückblickend der Dramatiker Bertolt Brecht, „gelang es mir nicht, meine Lehrer wesentlich zu fördern.“ Dem Autor mit der Schulabneigung gelang es aber, seine Lehrer zu täuschen. Davon zeugt eine Geschichte, die wir anlässlich des heutigen Weltlehrertags zum Besten geben wollen.

Einmal hing Brechts Versetzung in die nächste Klasse von einer Französischarbeit ab, die freilich daneben ging. Ähnliches passierte einem Klassenkameraden im Fach Latein. Um eine bessere Note zu bekommen, radierte der Schlaumeier einige Fehler aus und ging anschließend zu seinem Lehrer. Der durchschaute den Trick und gab dem Pennäler statt der Fünf eine Sechs. Brecht mochte ein schlechter Schüler sein, erwies sich aber als lernfähig. Für seine Klassenarbeit nahm er rote Tinte, strich zusätzlich einige Stellen als Fehler an und fragte den Lehrer, was an jenen denn falsch sei. Der Pauker bekam ein schlechtes Gewissen; als Wiedergutmachung gab er Brecht eine ausreichende Note.

Schließlich erwies sich nicht die Schule, sondern ein anders Gebäude als hilfreich für Brechts Weiterkommen. Es war der Augsburger Bahnhof (siehe auch unseren Newsletter vom 14. August 2006 „Wer ‚a’ sagt, der muss nicht ‚b’sagen“). Von dort ging der Zug nach München, der Stadt, in der die Theaterkarriere des jungen Brecht ihren Anfang nahm.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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