Winston Churchill, heute vor 135 Jahren geboren, war vor allem wegen seiner Zunge gefürchtet. Seinen Rivalen von der Labour Party, Clement Attlee, bezeichnete er einmal als „Schaf im Schafspelz“. Kein Wunder, dass Attlee, der Churchill im Amt des britischen Premierministers beerbte, auch dessen Nachfolger wurde – nachdem Labour die nächste Wahl deutlich gegen Churchills Konservative verlor.
Klar, dass ein so eloquenter Mann auch gute Reden vortragen kann. Seine wohl berühmteste hielt Churchill am 13. Mai 1940, als er seine Landsleute auf den Krieg gegen Nazideutschland einschwor. Doch die in den folgenden Jahrzehnten vor allem im angelsächsischen Sprachraum oft bemühte Triade „Blut, Schweiß und Tränen“ stammt nicht, wie allgemein angenommen, von Winston Churchill. Zuerst verwendete sie der englische Dichter John Donne im Jahr 1611. Auch dessen Kollege Lord Byron und der italienische Freiheitskämpfer Giuseppe Garibaldi machten von der Reihung Gebrauch. Churchill gebührt jedoch der Verdienst, die Wendung zum richtigen Zeitpunkt und vor dem passenden Publikum eingesetzt zu haben. Den „Blut, Schweiß und Tränen“ Donnes fügte Churchill übrigens noch einen weiteren Aspekt hinzu, sodass es in seiner Version korrekt lautete: „Ich habe nichts anzubieten als Blut, Arbeit, Tränen und Schweiß.“
Da der britische Rundfunk die Ansprache immer wieder sendete, wurde die Formulierung bald zu einem geflügelten Wort, allerdings in der griffigeren und nicht ganz korrekten Wiedergabe als „Blut, Schweiß und Tränen“. Den kompletten Text der Churchill-Rede finden Sie im Internet unter www.historyplace.com.
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Am Sonntag ist der erste Advent. In diesem Zusammenhang wurde in unserem Newsletter bereits des Kalenders gedacht (siehe Ausgabe vom 1. Dezember 2006 „Schöne neue Medizinerwelt?“). Heute erweisen wir dem Adventskranz die Reverenz. Woher stammt der eigentlich?
Das erste Exemplar sah noch etwas anders aus als dasjenige, das vielleicht auf Ihrem Küchentisch steht: Auf einem einfachen Holzreif waren nicht weniger Kerzen montiert wie ein Adventskalender Türchen aufweist. Dieser Original-Adventskranz fand sich um das Jahr 1839 herum – Genaueres entzieht sich der Kenntnis der Redaktion – im Rauhen Haus in Hamburg wieder. Dieses Institut für verwahrloste und verwaiste Kinder hatte sechs Jahre zuvor der Theologe Johann Hinrich Wichern in der Hafen- und Hansestadt gegründet.
Ab 1851 näherte sich der Adventskranz seiner heutigen Form an: Seit jenem Jahr schmückten Wicherns Zöglinge den Holzkranz erstmals mit Tannenzweigen. Wann die Idee mit den vier im Wochenrhythmus anzuzündenden Kerzen auf dem Adventskranz entstand, ist ebenfalls nicht sicher bekannt. Ebenso wenig wie die Herkunft des folgenden Abzählreims: „Advent, Advent, ein Lichtlein brennt; erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier - und wenn das fünfte brennt, dann haste Weihnachten verpennt!“
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Sie kommen in regelmäßigen Abständen heraus, meist monatlich, oft aber auch wöchentlich oder vierzehntäglich, sind geheftet oder geleimt, haben ein nach bestimmten Wiedererkennungsmerkmalen gestaltetes Deckblatt und sind hochgradig von der Zahl ihrer Abonnenten abhängig, wobei der Preis sich weniger nach der Qualität des Inhalts als nach der des Papiers richtet. Die Rede ist von Zeitschriften, deren Welttag heute begangen wird.
Die erste ihrer Art in Deutschland waren, glaubt man Wikipedia, die 1689 begonnenen „monatlichen Unterredungen einiger guter Freunde von allerhand Büchern und anderen annehmlichen Geschichten.“ Wie interessant! Heute präsentiert sich die ADAC Motorwelt als auflagenstärkstes der rund 10000 zwischen Aachen und Görlitz, Flensburg und Garmisch erscheinenden Periodika, was ebenfalls weniger der Originalität der Beiträge als der Tatsache geschuldet ist, dass so viele motorisierte Deutsche Mitglied in einem Automobilclub sind.
Insgesamt ist die Zeitschriftenauflage hierzulande allerdings rückläufig. Ein Grund ist die Konkurrenz durch Online-Publikationen. Die sind einfach aktueller. Ob sie auch besser sind, ist eine andere Frage, deren Beantwortung wiederum so wichtig auch nicht wäre. „Das Publikum“, wusste bereits im 18. Jahrhundert der Philosoph Arthur Schopenhauer, „ist so einfältig, lieber das Neue als das Gute zu lesen.“
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„Vor einer Legion, ich weiß nicht mehr vor welcher, ritt eine üppige Weibsperson, eine rote Feder auf dem Hecker-Hute, Brille auf der Nase, angetan mit einem Reitkleide aus schwarzem Samt, im roten Gürtel zwei Pistolen, an der Seite einen Schleppsäbel und – hinter ihr reitend – ein badischer Dragoner als Ordonnanz“: Die so martialisch beschriebene Mathilde Franziska Anneke nahm zwar am badisch-pfälzischen Aufstand von 1848/49 teil, sogar zu Pferde und auch in vorderster Front, aber Waffen hat sie zeitlebens ebenso wenig getragen wie Männerkleidung.
Ihre Kriegstracht war vielmehr ein Produkt der Einbildungskraft der konservativen Kölnischen Zeitung: In deren Weltbild beschränkte sich das Tätigkeitsfeld einer Frau sich auf die Küche, bestenfalls auf einen literarischen Salon. Die Betroffene nahm es gelassen: „Dass die Herren Redacteure dieser alten Klatschdame“, nämlich der Kölnischen Zeitung, „die eigentlichen Motive, welche mich aus meinem mir ursprünglich angewiesenen Kreis in das Kriegsgewirre hinaustreten liessen, begreifen sollten, das habe ich von ihnen allerdings nicht erwartet.“ Die eigentlichen Motive, die Mathilde Franziska Anneke antrieben, waren der Wunsch nach Demokratie und sozialer Gerechtigkeit, zu der ihrer Auffassung nach nicht zuletzt die Gleichberechtigung der Frau gehörte. Der badisch-pfälzische Aufstand schlug ebenso fehl wie die bürgerliche Revolution in anderen deutschen Ländern.
Mathilde Anneke setzte sich in die Vereinigten Staaten ab. Dort engagierte sie sich nicht nur in der Frauenbewegung. Auch für andere politische Ziele setzte sie sich ein, etwa für die Abschaffung der Sklaverei oder die Einführung des Wahlrechts für Schwarze. Bereits 1852 erschien in Milwaukee die Deutsche Frauen-Zeitung, die erste feministische Zeitung in den USA – herausgegebenen von Mathilde Franziska Anneke. Sie starb heute vor 125 Jahren, ebenfalls in Milwaukee.
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„Die Säugetiere haben die Dinosaurier verdrängt“, erklärte der britische Naturforscher Charles Darwin, der heute vor 150 Jahren in seinem Werk Die Entstehung der Arten seine Evolutionstheorie (siehe dazu auch unseren Newsletter vom 11. Februar 2009 „Das Buch, das die Welt veränderte“) veröffentlichte, „weil sie schneller, kleiner und aggressiver waren.“
Immerhin haben es die Dinos 160 Millionen Jahre nicht nur auf der Erde ausgehalten, sondern sogar unseren Planeten beherrscht. Ich möchte nicht wissen, was im Rückblick in 159 Millionen und ein paar Hunderttausend Jahren über die Klasse der Säugetiere und deren am meisten entwickelte Art, den Menschen, berichtet wird. Denn „Dinosaurier“, schreibt der Journalist und Buchautor Ernst Probst, „hatten etwas mit Menschen gemeinsam. Auch sie mussten ihresgleichen am meisten fürchten.“ Wie gut, dass die Urviecher vor uns gelebt haben. So besteht wenigstens ein Rest Hoffnung, den selbst kritische Geister wie Probst uns – wenn auch mit erhobenem Zeigefinger – vermitteln: „Was kann man von Dinosauriern lernen? Niemandem gehört die Erde ewig.“
Botschaft verstanden, Problem nicht beseitigt. Vielleicht liegt es an der Geschwindigkeit, mit der die Welt sich dreht und wir uns in ihr fortbewegen? „Der Mensch hat den aufrechten Gang zu früh geprobt“, erkannte mit Darwin’scher Schärfe der auch als Loriot bekannte Humorist Vicco von Bülow(siehe unsere Ausgabe vom 12. November 2008 „Nashörner, Möpse und ein vierbeiniger Hitparadenstürmer“), „hätten wir noch 100000 Jahre gewartet – vielleicht wäre auch unser Gehirn nachgewachsen.“
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Blicken wir noch einmal 20 Jahre zurück: In den zwei Wochen nach der Maueröffnung hatten 11 Millionen DDR-Bürger bereits den Westen besucht. Die restlichen fünf Millionen hatten nicht nur auf die Reise, sondern auch auf 100 D-Mark Begrüßungsgeld verzichtet. Für unsere jüngeren Leser: Das sind umgerechnet etwas mehr als 51 Euro. Diesen Betrag bekamen Ostdeutsche, wenn sie unter Vorlage eines Ausweises bei einem westdeutschen Geldinstitut vorstellig wurden.
Lange Schlangen vor den Bank und Sparkassen waren die Folge. Das Begrüßungsgeld hatte es bereits vorher gegeben, die langen Schlangen noch nicht. 1970 wurde es eingeführt, und die wenigen aus der DDR Ausreiseberechtigten – meist Rentner – durften es zweimal im Jahr in Anspruch nehmen. Es waren ja nur 30 D-Mark. Ein Jahr vor dem damals noch nicht geahnten Mauerfall wurde der Betrag auf 100 D-Mark erhöht, durfte aber nur noch einmal jährlich in Empfang genommen werden. Mit der Öffnung der Grenzen für alle DDR-Bürger wurde das Begrüßungsgeld auf eine Einmalzahlung reduziert und Ende 1989 ganz eingestellt. 260 Millionen D-Mark hatte die Bundesrepublik 1988 zahlen müssen; die Summe, die in den letzten beiden Monaten des Folgejahres zusammenkam, können Sie leicht ausrechnen.
Was hätten Sie mit dem Begrüßungsgeld angefangen? Dieselbe Frage, nur nicht im Konjunktiv, stellte das Online-Magazin Alles Lausitz seinen Lesern. Die manchmal doch etwas überraschenden Antworten finden Sie im Internet unter www.alles-lausitz.de.
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Morgen ist der Welttag des Fernsehens. Er hat keineswegs zum Ziel, dass sich rund um den Globus Menschen einen ganzen Tag lang vor die Glotze setzen. Vielmehr soll selektiv ferngesehen und der segensreiche Anteil des TV an der Informationsgesellschaft unterstrichen werden. So die Theorie. In der Praxis ist es mit der erzieherischen Wirkung der flimmernden Kiste nicht so weit her.
In einer britischen Studie, berichtet die Süddeutsche Zeitung, wurde Affen per TV beigebracht, Stöcke zusammenzustecken, um sich etwas Leckeres aus einem tiefen Behältnis zu angeln. Das funktionierte. Leider steckten die Affen die Stöcke auch zusammen, um sich etwas aus einem flacheren Gefäß zu fischen, dessen Boden sie locker mit der Hand erreicht hätten. Interessant war der Parallelversuch: Die Affen, die kein Fernsehen hatten, schafften es auch, die Stöcke miteinander zu verbinden. Anders als ihre glotzenden Kollegen benutzten sie die Angel nur dann, wenn es nötig war.
Von unseren Vettern zu uns: Seit der Mensch sich nicht mehr so viel in der Natur bewegt, wird er anfälliger für Krankheiten. Auf diese Entwicklung reagierten die TV-Macher und erfanden Gesundheitsmagazin Praxis. Die Sendung wurde von 1964 an Monat für Monat im ZDF ausgestrahlt, und das über drei Jahrzehnte. Mit eindrucksvollem Resultat: Am Tag nach jeder Sendung klagten die Ärzte in den Praxen über Patienten, die wiederum über Symptome klagten, die zuvor Thema in Gesundheitsmagazin Praxis waren.
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„Ein Unternehmen produziert kein Geld, sondern Schuhe“: Es war Peter Ferdinand Drucker, der bereits in den Sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Manager ermahnte, nicht zu sehr auf den Aktienkurs zu schielen. Der in Wien geborene Bestsellerautor (Die Zukunft der Industriegesellschaft) sah vieles voraus: So warnte Drucker auch schon vor der Überalterung in den westlichen Industrienationen und kritisierte heftig die kurzfristige Orientierung in den Konzernzentralen.
Heute wäre der Management-Guru, der 2005 starb, 100 Jahre alt geworden. Überdauert haben einige seiner Weisheiten, etwa dass das Wichtigste in einem Gespräch ist, zu hören, was nicht gesagt wurde. Oder dass das, was Manager entscheiden zu unterlassen oft wichtiger ist als das, was sie entscheiden zu unternehmen. Aber dann wären die Herren doch lieber Unterlasser geworden und nicht Unternehmer, oder?
Geradezu zeitlos sind Druckers Aussagen über die Zeit. Etwa diese: „Zeit kann man nirgendwo mieten, kaufen oder anderweitig besorgen. Das Angebot an Zeit ist völlig unelastisch. Einerlei, wie hoch die Nachfrage: Das Angebot lässt sich nie vermehren.“ Um Ihr Zeitbudget nicht unnötig zu schmälern, schließe ich für heute.
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„Mode ist das wichtigste Mittel der Textilindustrie gegen die zunehmende Haltbarkeit der Stoffe“: Dieses Zitat stammt zwar nicht von unserem heutigen Geburtstagskind, sondern von dessen Kollegen Emilio Schuberth. Doch Wolfgang Joop, der an diesem 18. November 65 wird, steht ebenfalls seiner eigenen Branche durchaus kritisch gegenüber. „Teure Designerkleidung“, meinte er einmal, sei nichts für Kinder, denn die schaffe nur „Distanz und Isolation. Kinder wollen meistens so sein wie andere Kinder auch.“
Müssen sie halt alle Klamotten derselben Marke tragen, das freut wenigstens einen Produzenten. Wie der andere große deutsche Modeschöpfer Karl Lagerfeld (siehe unseren Newsletter vom 10. September 2008 „Small Talk mit Karl Lagerfeld“) gibt sich Joop weltmännisch und selbstironisch: „Gerne bleibe ich Deutscher und werde Weltbürger zur selben Zeit. Lieber lebe ich großgemustert als kleinkariert.“
Neben den beiden Villen in seiner Geburtsstadt Potsdam besitzt der Kosmopolit Joop ein Feriendomizil in Monte Carlo sowie ein Penthouse in New York – und in der Heimat einen Fanclub, den Sie im Internet unter der Adresse www.joopfanclub.de besuchen können.
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Stellen Sie sich vor, Sie gehen ins Theater, aber die Veranstaltung fällt aus. Sie gehen wieder nach Hause, und dort teilt man Ihnen mit, dass es für Sie auch in Zukunft keine Theatervorstellung mehr geben wird, schlicht und ergreifend aus dem Grund, da Sie tot sind. Das Ganze könnte der Feder Franz Kafkas entstammen. Doch nur der Schauplatz passt, der Rest hat sich wirklich so zugetragen.
Martin Šmíd hatte heute vor 20 Jahren an einer Demonstration teilgenommen. Es war die größte ihrer Art in der Geschichte der Tschechoslowakei, nur um tags darauf von einer noch größeren übertroffen zu werden. Da hatte nämlich das Gerücht die Runde gemacht, Šmíd sei bei der Kundgebung gegen die kommunistische Regierung von Polizisten totgeprügelt worden. Tatsächlich war es zu einem brutalen Einsatz der Ordnungshüter gekommen, doch Tote hatte es nicht gegeben. Die Nachricht hatte eine von der Opposition betriebene Agentur veröffentlicht, deren Arbeit offensichtlich auch nicht besser war als diejenige der so häufig kritisierten staatstragenden Organe. Die Falschmeldung löste eine Kettenreaktion aus, an deren Ende der Sturz des Regimes stand. 40 Jahre Diktatur hatten die Menschen so in Rage gebracht, dass es keiner spektakulärer Anlässe mehr bedurfte, um die – friedlich bleibende – Revolution in Gang zu halten.
Am 29. November 1989 dankte die kommunistische Partei, zehn Tage später ihr Führer Gustav Husák als Präsident ab. Wieder einen Monat später hatte die Tschechoslowakei in Vacláv Havel wieder ein demokratisch legitimiertes Staatsoberhaupt.
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