Archiv für Dezember, 2009

Eine Wolke ohne Regen

Mittwoch, 9. Dezember 2009

Es war einmal ein Umweltgipfel. Der wurde 1992 in der schönen Stadt Rio de Janeiro abgehalten. Die Teilnehmer stellten fest, dass der Klimawandel ein ernstes Problem und die Staatengemeinschaft zum Handeln gezwungen ist. Auf der daraufhin einberufenen ersten UN-Klimakonferenz, 1995 in Berlin, beschloss man, die Gemeinschaft zu festigen und den Zwang zu verschärfen.

Auf dem dritten Weltklimagipfel 2 Jahre später im japanischen Kyoto wurden erstmals Ziele für eine Reduktion des Treibstoffausstoßes festgelegt, die für alle Industrienationen rechtlich verbindlich sein sollten. Das konnten sie aber nur, wenn die Staaten, die zusammen für 55 Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich sind, das so genannte Kyoto-Protokoll auch ratifizieren. Das ist inzwischen geschehen. Leider ist der größte Verursacher der treibgasgesteuerten Erderwärmung wieder ausgestiegen: Die Vereinigten Staaten haben das Kyoto-Protokoll zwar unterzeichnet, aber sie haben es nicht ratifiziert.

Seit Montag findet im dänischen Kopenhagen die mittlerweile fünfzehnte UN-Klimakonferenz statt, und sie dauert noch bis zum 18. Dezember. Was dort beschlossen wird, zeigt die Erfahrung, ist zwar wichtig. Noch wichtiger ist jedoch, dass die Regierungen später auch zu ihren eingegangenen Verpflichtungen stehen. Die US-Regierung sollte die Worte eines amerikanischen Schriftstellers beherzigen: „Ein Weiser ohne Taten“, meinte John Steinbeck, „ist eine Wolke ohne Regen.“ Das Volk wiederum sollte seine Regierung – vor allem, was die Umweltpolitik betrifft – stärker an Taten statt an Worten messen. Sonst wird nicht nur der Regen sauer.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Zu wenig geklaut

Dienstag, 8. Dezember 2009

Wer ein Ei stiehlt, stiehlt auch ein Kamel. Ins Deutsche übertragen lautet dieses arabische Sprichwort: Wer ein Brötchen stiehlt, dem kann man nicht mehr vertrauen und wird deshalb gekündigt. Um den Diebstahl eines Brötchens geht es heute in einer Verhandlung vorm Arbeitsgericht Dortmund.

Geklagt hat eine Sekretärin gegen die Kündigung, den ihr Arbeitgeber, der Baugewerbeverband Westfalen, gegen sie ausgesprochen hat. Der Grund: Sie hatte zwei Brötchenhälften geklaut. Ein ähnliches Vergehen wurde fast zeitgleich einer Kollegin zum Verhängnis – mit dem Unterschied, dass sich in ihrem Fall zwischen den beiden Brötchenhälften noch eine Frikadelle befand. Das Resultat war dasselbe, nämlich die fristlose Kündigung der Diebin.

Der Vorfall wurde publik und bald Gegenstand heftiger Diskussionen in den Medien. Tenor: Einer Sekretärin wird gekündigt; einem Manager, der sich unlauter bereichert, droht allenfalls eine Millionenabfindung. Daraufhin entschuldigte sich der Hauptgeschäftsführer bei der Sekretärin in einem offenen Brief. Die Kündigung nahm er nicht zurück. Im heute verhandelten Fall ist bislang sogar noch nicht einmal eine Entschuldigung seitens des Arbeitgebers erfolgt. Ob die Betroffene daraus lernt? „Stiehl ein Kamel“, wusste der Schriftsteller Hans Kasper, „und sie hängen dich. Stiehl eine Herde, und sie verhandeln mit dir.“

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Das Klavier hat sich betrunken

Montag, 7. Dezember 2009

„The piano has been drinking“, heißt einer seiner autobiografischen Songs. Er erzählt vom Leben tingelnder Künstler, das sich in den Stunden nach dem Auftritt auf den deprimierenden Mikrokosmos leerer Flaschen und überfüllter Aschenbecher reduziert. Die Begleitband ist schon abgereist und weit und breit keine Kellnerin zu sehen, um den erlösenden letzten Drink des Abends, aus dem längst schon ein weggeworfener Morgen geworden ist, zu servieren.

Der Künstler hat es vorgezogen, am Klavier sitzen zu bleiben und im immer kleiner werdenden Kreis weiterzuklimpern, und er hat sich auch dann noch nicht zur Flucht aus dem Veranstaltungsraum ins wenige Stockwerke höher gelegene Hotelzimmer aufraffen können, als auch der letzte Gast gegangen ist. Irgendwann ist er auf seinem Hocker eingeschlafen, den Kopf auf den Tasten, noch einmal eins geworden mit dem Instrument. Vielleicht ist es ihm da in den Sinn gekommen, allen seinen Lebenslügen eine weitere hinzuzufügen: „Das Klavier hat sich betrunken. Ich nicht.“

Tom Waits, der Künstler, der 1973 sein erstes Album veröffentlichte, ist immer noch im Geschäft, und er ist ein ganz Großer geworden. Nicht nur mit seinen melancholischen Liedern, die so schräg sind, dass sie sich souverän über alles Weinerliche erheben; auch auf der Leinwand: In Jim Jarmuschs in poetischem Schwarz-Weiß gehaltenen Epos über drei entflohene Sträflinge, Down by Law, wusste Waits ebenso zu glänzen wie im liebevoll-skurrilen Kammerstück Coffee and Cigarettes desselben Regisseurs.

Heute wird er sechzig Jahre alt, was seine Bewunderer angesichts der Tatsache, dass Waits schon immer so aussah, doch ein wenig überraschen mag.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Welche WM-Gegner winken der deutschen Elf?

Freitag, 4. Dezember 2009

Der 4. Dezember ist der Tag der Barbara, der Schutzheiligen der Bergleute, Geologen, Glöckner, Glockengießer, Schmiede, Maurer, Steinmetze, Zimmerleute, Dachdecker, Elektriker, Architekten, Artilleristen, Feuerwerker, Feuerwehrleute, Totengräber, Hutmacher, der Mädchen und der Gefangenen (siehe dazu unseren Newsletter vor genau einem Jahr „Treulose Tochter, verbitterter Vater“).

Ein weiterer Schutzbefohlener könnte heute hinzukommen, wenn ab 19 Uhr im südafrikanischen Kapstadt die Endrundengruppen der Fußballweltmeisterschaft 2010 ausgelost werden: Es ist die deutsche Nationalmannschaft, die auf leichte Gegner hofft. Das darf sie getrost, denn als gesetztes Team an der Spitze einer Gruppe fallen die anderen sieben Gesetzten als Gegner schon mal aus. Das sind neben Gastgeber Südafrika der amtierende Weltmeister Italien, der Europameister Spanien, Rekordweltmeister Brasilien und dazu Argentinien, England sowie die Niederlande.

Alle übrigen europäischen Teams, darunter Frankreich und Portugal, die somit als Gegner drohen, befinden sich in Topf vier. Die restlichen afrikanischen (Algerien, Elfenbeinküste, Ghana, Kamerun, Nigeria) und südamerikanischen (Chile, Paraguay, Uruguay) Qualifikanten kommen in Topf drei, der Rest landet in Topf zwei. Das Losglück ist der deutschen Mannschaft bei WM-Gruppenauslosungen traditionell treu. Im günstigsten Fall winken als Gegner Griechenland, Paraguay und Neuseeland.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Behindert wird man

Donnerstag, 3. Dezember 2009

„Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.“ So hieß es im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, bis vor 15 Jahren ein weiterer Satz hinzukam: „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“

Im Jahr 2002 wurde schließlich das Gesetz zur Gleichstellung aller Menschen, ausdrücklich auch solcher mit Behinderungen, vom Deutschen Bundestag verabschiedet. Seit März dieses Jahres gilt auch in Deutschland die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Doch wie nah sind Gesetz und Wirklichkeit hierzulande beieinander? In den rechtlichen Bestimmungen ist immer von Menschen mit Behinderungen statt von Behinderten die Rede. Aus gutem Grund: „Behinderte“ (ich setze den Begriff mal in Anführungszeichen) fühlen sich nämlich nicht ernstgenommen. Nach Auffassung der großen Mehrheit der Betroffenen ist man nämlich nicht, sondern wird behindert.

Was werden Menschen mit Behinderungen wohl denken, wenn sie der Internetseite der für ihre Belange zuständigen Beauftragten der Bundesregierung einen Besuch abstatten? Die heißt tatsächlich www.behindertenbeauftragte.de. Darauf sei am heutigen, von der UNO ausgerufenen Internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen einmal hingewiesen.

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Die älteste deutsche Universität

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Wie heißt die älteste deutsche Universität? Diese Frage lässt sich so leicht nicht beantworten, denn das Objekt befindet sich heute nicht mehr auf deutschem Boden. Sondern auf tschechischem, denn in Prag entstand 1348 die Karlsuniversität, benannt nach dem damaligen böhmischen König, der später zugleich Kaiser des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation wurde.

Es war die erste Universitätsgründung nördlich der Alpen. Im selben Jahrhundert erfolgten drei weitere auf damals wie heute deutschem Gebiet: 1386 in Heidelberg, zwei Jahre später in Köln und sechs Jahre später in Erfurt. Von diesem Trio bestand allein die Heidelberger Hochschule ohne Unterbrechung bis heute fort, die beiden anderen mussten zwischenzeitlich geschlossen werden. Demnach wäre also Heidelberg die älteste deutsche Universität.

Ja und nein, könnte man antworten. Denn heute vor 600 Jahren fand ein Ereignis statt, welches den Heidelbergern diese Ehrenbezeichnung streitig macht: Die deutschstämmigen Professoren, die zuvor wegen einer Auseinandersetzung mit den tschechischen Kollegen Prag verlassen und ihre Studenten gleich mitgenommen hatten, gründeten am 2. Dezember 1409 feierlich die alma mater lipsiensis. Zu diesem Zeitpunkt war der Lehrbetrieb bereits aufgenommen und hatte durch den Umzug so gut wie keine Unterbrechung erfahren. Als direkte Weiterführung einer deutschen Hochschulgründung auf deutschem Gebiet käme somit der Leipziger Universität der Rang der ältesten deutschen zu. Oder ist diese Begründung zu weit hergeholt?

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Vor dem Fest und zwischen den Jahren

Dienstag, 1. Dezember 2009

Der Dezember soll der kürzeste Monat des Jahres sein. Jedenfalls aus Arbeitgebersicht: Für die selbsternannten Träger der deutschen Wirtschaft zerfällt der Dezember in drei Phasen. Die erste währt dieses Jahr 17 Werktage lang, bei tendenziell sinkendem Arbeitseifer durch Nikolaus, diverse Betriebsfeiern, vielleicht das eine oder andere Adventskegeln und weitere die Gemeinschaft der Werktätigen stärkende, deren, wie es so schön auf Neudeutsch heißt, work output jedoch bremsende Zeitvertreibe.

In der zweiten Monatsphase folgen nach dem stimmungsmäßigen Vorlauf die eigentlichen Festtage im handlichen Dreierpack; wobei einer von ihnen auf einen Samstag fällt, was wiederum alle Unternehmer versöhnen dürfte, zumal 2009 auch Allerheiligen, das Reformationsfest und der Nationalfeiertag am Wochenende stattfanden.

Die letzte Dezemberwoche dient der Vorbereitung auf Neujahr: Man nennt die Zeit zwischen dem Zweiten Weihnachtstag und Silvester in Ermangelung treffender Namen daher „zwischen den Jahren“. Das ist natürlich Blödsinn, denn die Tage zwischen dem 26. und 31. Dezember existieren ja wirklich. Nur spielen sie in der Wahrnehmung der meisten Menschen keine große Rolle.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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