William Claude Dukenfield, heute vor 130 Jahren in Philadelphia geboren, war ein bekannter Schauspieler. Unter seinem Künstlernamen W. C. Fields bekam er sogar einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame; zu seinem 100. Geburtstag ehrte ihn die US-Post mit einer Gedenkbriefmarke. Inzwischen ist der 1946 verstorbene Schauspieler allenfalls mal in der Wiederholung einer David Copperfield-Verfilmung zu sehen, in der er freilich nur eine Nebenrolle spielte.
W. C. Fields hatte viele Talente. Er war ein passabler Billardspieler und jonglierte so gut, dass es in dieser Kunst für einige Bühnenauftritte und Zirkusnummern reichte. Letztere paarte er mit einer gewissen Komik, indem er die längste Zeit so tat, als könne er überhaupt nicht mit den Bällen umgehen. Am lustigsten war W. C. Fields aber außerhalb von Bühne und Leinwand: Es gibt keine englischsprachige Zitatensammlung, die ohne seine Sprüche auskommt. Seinen Ruf hatte er weg als Kinderfeind („Jemand, der Kinder und Tiere hasst, kann so schlecht nicht sein“), Alkoholfreund („Ich trinke, also bin ich“; „Ich habe immer eine Flasche griffbereit, für den Fall, dass ich eine Schlange sehe. Ich habe immer auch eine Schlange griffbereit“), schwarzes Schaf der Familie („Alle Männer in meiner Familie hatten Bärte. Die meisten Frauen auch“), Menschenverächter („Ich lasse mir nicht nachsagen, ich hätte Vorurteile. Ich hasse alle Menschen gleich“) und, ja doch, Lebensbejaher („Beginne jeden Tag mit einem Lächeln. Dann hast Du’s hinter dich gebracht.“).
Was auf seinem Grabstein steht, entzieht sich der Kenntnis dieser Redaktion. Hätte Mr. Dukenfield dies selbst entscheiden können, stünde dort: „Hier liegt W. C. Fields. Er würde viel lieber in Philadelphia leben.“
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Eine unbehandelte Orange, eine unbehandelte Zitrone, zwei Liter billiger Rotwein, 50 ml Orangensaft, 35 cl vierundfünfzigprozentigen Rum, eine Zimtstange, sechs Gewürznelken und ein Zuckerhut ergibt, richtig verhackstückt und gemischt, langsam erhitzt und schließlich mit einem langen Streichholz angezündet was? Richtig, eine Feuerzangenbowle! Jetzt ist das richtige Wetter dafür. Gibt man den Begriff in Google ein, erhält man als ersten Treffer das Getränk; mit dem Hinweis, dass es sich um keine eigentliche Bowle, sondern um einen Punsch handelt. Direkt anschließend weist einen die Suchmaschine auf den gleichnamigen Film hin.
Der kam heute vor 66 Jahren zum ersten Mal ins Kino. Heinz Rühmann spielte darin den Dr. Johannes Pfeiffer, der ähnlich wie Thomas Alva Edison (siehe Newsletter von gestern „Eine Erfindung, die so neu nicht war“) niemals eine Schule von innen gesehen hatte. Der fiktive Pfeiffer – mit drei ‚f’, wie er gerne betont – wurde von Hauslehrern erzogen; seine Freunde beschließen, dass er unbedingt die Erfahrung eines Gymnasialbesuchs nachholen muss. Daraus entwickelte sich eine der erfolgreichsten deutschen Komödien aller Zeiten. In Universitäten hierzulande wird sie gerne als Winterkinospektakel aufgeführt; oft, wie etwa in Göttingen, mit tausenden rumseligen, wunderkerzenbewehrten Zuschauern.
Heinrich Spoerl schrieb die literarische Vorlage, Helmut Weiss führte Regie. Rühmann, neben Hauptdarsteller auch Produzent des Streifens, warnte vor zu exzessivem Genuss der Feuerzangenbowle: „Schon manche Gesundheit ist dadurch ruiniert worden, dass man auf die der anderen getrunken hat.“
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Der Erfinder der Glühbirne, das wissen die Leser dieses Newsletters, heißt Jára Cimrman und kommt aus Prag (siehe unsere Ausgabe vom 12. Oktober 2007 „Der Erfinder der Glühbirne, des Joghurts und des Panamakanals“). Sie wissen auch, dass der geniale Tscheche vergessen hatte, sein Patent anzumelden. Wegen dieses Versäumnisses kam ein gewisser Thomas Alva Edison heute vor 130 Jahren in den Genuss dieser Erfindung. Doch auch hinter dem US-Genie steckt eine gute Geschichte. Im Gegensatz zu allem, was über Jára Cimrman erzählt wird, besitzt sie sogar den Vorteil, der Wahrheit zu entsprechen.
Thomas Alva Edison war es nicht in die Wiege gelegt, später einmal eine große Leuchte zu werden. Diese Aussichten sollten sich in den folgenden Lebensjahren kaum verbessern. Nicht, dass Edison ein schlechter Schüler war. Er ging erst gar nicht zur Schule. Deshalb konnte er selbst als Erwachsener keinen Satz fehlerfrei schreiben. Halb so wild, als Naturwissenschaftler musste er sich weniger mit Wörtern als mit Zahlen auskennen. Was Edison half, war seine Beharrlichkeit. „Unsere größte Schwäche“, bekannte er einmal, „liegt im Aufgeben. Der sicherste Weg zum Erfolg ist immer, es doch noch einmal zu versuchen.“
Tatsächlich war auch Edison nicht der Erfinder der Glühbirne beziehungsweise der Glühlampe. Der Brite Frederick de Moleyns erfand bereits 1841 ein ähnliches Gerät, das jedoch nicht sehr funktionstüchtig war. Andere, bessere Versionen folgten. Doch erst Edison gelang es, eine Glühlampe herzustellen, die haltbarer war, mehr Licht abgab und vor allem viel kostengünstiger war als die damals handelsüblichen Gaslampen.
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Das Weltwirtschaftsforum in Davos feiert Jubiläum: Zum 40. Mal treffen sich ab morgen in den Schweizer Bergen die Mächtigen dieser Erde zum „Überdenken, umgestalten, erneuern.“ So lautet der Titel der fünftägigen Veranstaltung, zu der 2500 Teilnehmer erwartet werden. Darunter sind 30 Staats- und Regierungschefs und 60 Minister. Zum Vergleich: Das Debüt im Jahr 1971 lockte 444 Manager an.
Doch das Treffen in Davos hat schon bessere Tage gesehen. So stimmte beispielsweise die Süddeutsche Zeitung in den letzten Jahren stets mit einer mehrseitigen Beilage auf das Großereignis ein. Inzwischen beschränkt sie sich auf eine Seite im Wirtschaftsteil. Gegner des Weltwirtschaftsforums (siehe unseren Newsletter vom 23. Januar 2008 „Ein Nest in den Schweizer Bergen wird zum Nabel der Welt“) werden diese Entwicklung mit Wohlwollen betrachten. Zu sehr ist Davos ein Jahrmarkt der Eitelkeiten, eine Bühne der Selbstdarsteller; zu selten folgen auf große Worte entsprechende Taten. Die Welt ist seit dem ersten Forum keine bessere geworden, die Globalisierung hat mehr Schatten als Licht produziert, und der Kapitalismus befindet sich in der kapitalsten Krise seiner Geschichte – allerdings ohne dass die von Karl Marx beschworenen Folgen tatsächlich eintreten werden.
Wie gut für die Verfechter der freien, Grenzen ignorierenden Marktwirtschaft, dass sich auch ihre Kritiker mitten in einer Krise befinden – sogar einer, die sich rational kaum erklären läst. Normalerweise müssten Organisationen wie attac in Zeiten der Krise Zulauf wie nie zuvor haben. Das Gegenteil ist der Fall. Und wenn die Globalisierungskritiker zum Gegenforum im brasilianischen Porto Alegre zusammenkommen, wird auch dieses Treffen viel weniger als bislang im Fokus der Öffentlichkeit sein.
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Der Weltkuscheltag war zwar bereits letzten Donnerstag, doch hatten wir an diesem Datum ein noch bedeutenderes Ereignis zu vermelden. Jetzt aber zu dem Tag, an dem sich alle lieb haben sollen. Über dessen Herkunft und Geschichte konnte die Redaktion dieses Newsletters leider nichts herausbekommen. Sogar auf der Wikipedia-Seite, die doch über alles Wichtige und Unwichtige zu berichten weiß, fand sich kein entsprechender Eintrag.
Dafür aber in einigen Internetforen, beispielsweise auf dem Portal www.sms-sprueche.ws unter der Rubrik ‚Anmache’. Natürlich hat der Redakteur hier allerlei Flachsinniges zu entdecken befürchtet, wurde aber angenehm enttäuscht. Eine Kostprobe gefällig? „Wusstest du, dass Polen und Indianer die besten Liebhaber sind? Ach, übrigens, ich heiße Winnetou Koslowski“ Das ist doch schon recht lustig, oder? Am besten fand ich aber diese Zeilen: „Wusstest Du, dass heute Weltkuscheltag ist? Ein Wort von Dir und ich verlasse meine Mutti!“
Falls die SMS-Anmache – das könnte vor allem die weibliche Hälfte der werten Leserschaft betreffen – doch keine Gnade findet, hat das späte Befassen mit dem Weltkuscheltag zumindest ein Gutes: Die beiden heute vorgestellten Sprüche kämen erst in 361 Tagen zum Einsatz.
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An dem Tag, als der heute vor 222 Jahren geborene George Gordon Byron 36 Jahre alt wurde, beschenkte er sich selbst mit einem Gedicht: On this Day I Complete My Thirty-sixth Year. Es wurde sein letztes, was sowohl die Gedichte als auch die Lebensjahre betraf, denn keine drei Monate später war Byron tot. Ob er das nahen seines Endes geahnt hat? Die letzten Zeilen seines Gedichts lauten (in der deutschen Übersetzung von Uwe Brüning):
Geh, deiner harrt ein enges Haus,
Ein Grab, Soldat und Kämpfer, du,
So wähl den besten Boden aus
Und geh zur Ruh!
Das mit dem besten Boden und dem ehrenvollen Tod hatte sich Byron so schön vorgestellt: Ein Jahr zuvor war er Mitglied des Revolutionskomitees zur Befreiung Griechenlands von der Türkenherrschaft geworden. Da der Dichter es nicht bei schönen Worten bewenden lasse wollte, nahm er aktiv am Befreiungskrieg teil. Leider wurde es nichts mit dem Heldentod. Byron starb am 19. April 1824 im zentralgriechischen Mesolóngi, gegenüber der Halbinsel Peloponnes - an Sumpffieber.
Leider durfte er die zweite Belagerung der Stadt durch die osmanischen Truppen im Jahr 1826 nicht miterleben, an deren Ende sich die Verteidiger, die sich dem Feind nicht ergeben wollten, in die Luft sprengten. Doch zeigten sich die griechischen Patrioten großzügig und verehren Byron bis heute als einen ihrer Nationalhelden.
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„Mit 50 hat jeder das Gesicht, das er verdient, meinte einmal George Orwell. Doch so alt wurde der 1903 geborene britische Autor nicht. Er starb bereits am 21. Januar 1950. Zwei Jahre zuvor hatte er seine Version vom autoritären Überwachungsstaat geschrieben – und die Jahreszahl für den Romantitel einfach umgedreht: 1984. Orwell war Schriftsteller, gleichzeitig aber auch Journalist. So beherrschte er neben der Literatur die Kunst, für den Alltag zu schreiben.
Einige der von ihm aufgestellten Regeln formulierte er in seinem Aufsatz Politics and the English Language (erschienen in The Collected Essays, Journalism and Letters. Penguin Books, Harmondsworth 1951). Ich möchte vier davon kurz zitieren:
Benutzen Sie nie ein langes Wort, wenn Sie an gleicher Stelle die Möglichkeit haben, ein kurzes einzusetzen.
Wo immer Sie ein Wort einsparen können, sparen Sie es ein.
Schreiben Sie nie im Passiv, wenn sich die aktive Form verwenden lässt.
Greifen Sie nie zu einem Fremdwort oder wissenschaftlichen Fachbegriff, wenn Sie dies(en) durch ein Wort aus der Alltagssprache ersetzen können.
An wie viele Regeln wird sich wohl in diesem Newsletter gehalten? Bestimmt nicht an die dritte! Ob das ein schlimmer Fehler ist? George Orwell jedenfalls hatte Humor und fügte den obigen Ratschlägen noch einen fünften hinzu:
Keine Regel ohne Ausnahme: Bevor Sie etwas Unmögliches formulieren, brechen Sie eines dieser Prinzipien!
Keine Regel ohne Ausnahme: Heute ist nicht nur George Orwells Todes-, sondern auch Weltkuscheltag. Daher werden wir über letzteres Ereignis ausnahmsweise erst am Montag berichten.
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Als am 21. Juli 1969 um 4 Uhr 15 mitteleuropäischer Zeit Edwin Aldrin ein Mensch den Mond betrat, begann für ihn eine schwere Zeit. Sein erstes Problem war, dass exakt 19 Minuten zuvor jemand dasselbe getan hatte. Ab da kannte Neil Armstrong jedes Kind; Edwin Aldrin blieb nur als sein Gehilfe in Erinnerung. Noch schlechter erging es Michael Collins: Der durfte zwar zum Mond mitfliegen, den Erdtrabanten aber nicht betreten. Wären alle drei Astronauten gleichzeitig auf dem Mond gewesen, hätte womöglich jemand das verlassene Raumschiff geklaut und wäre mit der Columbia davongedüst.
Nach der Rückkehr zur Erde wartete das nächste Problem auf Aldrin: „Wer auf dem Mond gewesen ist“, stellte er ernüchtert fest, „für den gibt es auf Erden keine Ziel mehr.“ Aldrin verließ die NASA, wurde alkoholabhängig, verfiel in Depressionen. Er raffte sich wieder auf, tüftelte Raumfahrtpatente aus, engagierte sich ehrenamtlich, startete ein zweites Leben – auch indem er ganz offiziell seinen Vornamen Edwin durch seinen Spitznamen Buzz ersetzen ließ.
Und er schrieb Bücher. Eines davon war seine Autobiografie mit dem bezeichnenden Titel Rückkehr zur Erde. Die hat er mittlerweile geschafft; wenn Buzz Aldrin heute seinen 80. Geburtstag feiert, steht er mit beiden Beinen wieder fest im Leben.
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Ihre berühmtesten Filmrollen waren die beiden ersten: Das Debüt als Schauspielerin gab Tippi Hedren in Die Vögel, und auch im nächsten Film desselben Regisseurs stand sie als Marnie vor der Kamera. Doch Tippi Hedren verdankte Alfred Hitchcock nicht nur ihren Aufstieg. Der hatte sie in einem Werbespot entdeckt und sie gleich für 7 Jahre verpflichtet.
Doch schon nach den ersten beiden Filmen war die Zusammenarbeit beendet. Schuld waren nicht die schauspielerischen Qualitäten. Die waren zweifellos vorhanden. Es lag eher daran, dass Tippi Hedren gut aussah und Alfred Hitchcock nicht – und dass der schwarzhumorige Brite den äußeren Makel nicht mit weiteren inneren Werten kompensieren konnte, die junge Damen an älteren Herren schätzen. So gab es für die Beiden außerhalb des Filmsets kein Happy End, was beim Regisseur gewisse Ressentiments zurückließ. Nicht nur, dass er selbst seiner bis dato bevorzugten Filmpartnerin keine weitere Rolle anbot. Hitchcock versicherte Hedren auch, ihre Karriere zu ruinieren. Zwar spielte sie später noch in zahlreichen weiteren Rollen, doch besaßen diese Streifen bei weitem nicht die Klasse der oben erwähnten Hitchcock-Filme.
Immerhin reichte es für die Gemobbte zu einem Stern in Hollywoods Walk of Fame, auf dem nur die berühmtesten Schauspieler verewigt sind. Heute feiert Tippi Hedren ihren achtzigsten Geburtstag.
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Die Dinosaurier mussten die Erde verlassen, weil sie zu groß geworden waren. Dieser Spruch hätte von Kenneth Boulding stammen können, jenem Wirtschaftswissenschaftler, der heute vor 100 Jahren im englischen Liverpool geboren wurde und später in die Vereinigten Staaten auswanderte. Von Boulding stammt allerdings der schöne Satz: „Jeder, der glaubt, exponentielles Wachstum kann unendlich lange andauern in einer endlichen Welt, ist entweder ein Irrer oder ein Ökonom.“
Boulding war Ökonom und erkannte auch die Grenzen seiner Wissenschaft. Er plädierte für den Austausch mit anderen Disziplinen, vor allem der Philosophie und der Religion. Schon 1966 sah er das industrielle Wachstum an seine Grenzen gekommen, ebenso die Belastbarkeit der Umwelt. Um seinen Beitrag zur Rettung des Planeten zu leisten, engagierte sich Boulding zudem in der Friedensbewegung.
Letzteres tat er bereits während des Zweiten Weltkriegs, und später gehörte er zu den Mitorganisatoren des ersten Teach-Ins einer amerikanischen Universität gegen den Vietnamkrieg. Sein Engagement zur Verhinderung militärischer Konflikte wurde letztlich sogar höher bewertet als die Leistungen in seinem ursprünglichen Fach: Boulding war für den Friedensnobelpreis nominiert, hat ihn aber nie bekommen. Er starb 1993 in Boulder im US-Bundesstaat Colorado, wo er bis zu seinem Ende an der Universität lehrte.
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