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Sozial kaufen

31. März 2010

Heute öffnet das erste Sozialkaufhaus in der Sachsenmetropole Leipzig. Im gesamten Bundesgebiet gibt es bereits 86 dieser Einrichtungen; die meisten, nämlich 20, im bevölkerungsreichsten Bundesland NRW. Bemerkenswert ist auch die Zahl von 9 für das kleine Rheinland-Pfalz, darunter ein Warenhaus in Bad Breisig, dem Ort, an dem dieser Newsletter erscheint. Das viel größere Baden-Württemberg dagegen weist nur zwei dieser Häuser auf.

Träger der Leipziger Einrichtung ist der Verein Resozialisierungshilfe. Alles wird dort zum Selbstkostenpreis angeboten. Schöner Nebeneffekt: 8 versicherungspflichtige Arbeitsplätze konnten so entstehen. Ausnahmslos sind sie mit ehemaligen Langzeitarbeitslosen besetzt. Die Sozialkaufhäuser sind auf Spenden und Haushaltsauflösungen angewiesen.

Falls Sie jetzt auf den Geschmack gekommen sind – ob als Kunde oder als Wohltäter – gehen Sie doch einmal auf die Internetseite www.sozialkaufhaus.com. Dort finden Sie bestimmt eine Einrichtung in Ihrer Nähe.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Eric Clapton wird 65

30. März 2010

Was macht eine Band, wenn sie in den Räumen einer Rundfunkanstalt zu lange auf einen Auftritt warten muss? Sie schreibt einen neuen Song. Das taten Jack Bruce, Ginger Baker und Eric Clapton, als es ihnen bei der BBC zu bunt wurde. Das Resultat konnte sich hören lassen: Politician ist bis heute eines der besten Blues-Stücke weißer Musiker. Aktuell ist es auch: Es geht um einen Volksvertreter, der für das Volk nicht zu sprechen ist, wenn es ihn braucht, und darüber hinaus sein Fähnchen schön in den Wind hängt: “I support the left, though I’m leaning to the right“ heißt es in einer Zeile.

Seine musikalisch beste Zeit hatte Eric Clapton - er wird heute 65 - mit der Band Cream und seinen Kollegen Baker und Bruce. Leider hielt das Experiment nur knappe zwei Jahre, doch verdanken wir ihm Klassiker wie White Room, Tales of Brave Ulysses und eben Politician. Clapton war auch mit anderen Bands erfolgreich: The Yardbirds, Bluesbreakers und Derek and the Dominoes. Aus letzterem Engagement stammt der Klassiker Layla. Das meiste Geld scheffelte Clapton als Solist. Zu diesem Zeitpunkt hatte er seinen künstlerischen Höhepunkt zwar bereits überschritten, doch muss man auch die harten Anfangsjahre seiner Karriere in Rechnung stellen, als er sich regelmäßig auf der Bühne verausgabte, dabei aber fast für lau spielte.

Es gab auch Schattenseiten in Claptons Leben: den Verlust des vierjährige Sohnes durch einen tragischen Fenstersturz, den er in seinem Lied Tears in Heaven verarbeitete, oder auch die langjährige Heroinsucht des Künstlers. Nicht verziehen haben viele Fans dem ursprünglich linken Clapton den Wahlkampfeinsatz für Maggie Thatcher in den 1980er Jahren: Wer sich einem Politician andient, ist selber ein Wendehals.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Vom deutschen Wolf berichteten wir zuletzt vor zwei Jahren (siehe unsere Newsletter vom 14. Juli „Dein Feind, der Wolf?“ und 11. Juni 2008 „Das Tier des Jahres 2003, für alle zugänglich“). Damals war in Schleswig-Holstein ein aus Sachsen eingewandertes ier überfahren worden. Die Biologin Ute Kröger vom ostholsteinischen Wildpark Eekholt hatte anschließend ihre Landsleute aufgefordert, darüber nachzudenken, wie man bei einer Einwanderung mit Meister Isegrim umgehen will. Es wurde nachgedacht.

Sogar an allerhöchster Stelle: Umweltministerin Juliane Rumpf präsentierte jetzt ein Konzept, wie das scheue Tier in Schleswig-Holstein wieder heimisch gemacht werden kann. Der so genannte Wolfsmanagementplan sieht vor, die Bevölkerung für eine Wiederansiedlung zu sensibilisieren. Welche Gegenleistung der Wolf anbieten soll, ist nicht bekannt. Doch so schlimm soll der Räuber gar nicht sein: Immerhin leben inzwischen wieder 50 Wölfe in Deutschland, in 5 Rudeln. Zu Zwischenfällen ist es noch nicht gekommen.

Spezielle Wolfsbetreuer sollen dafür sorgen, dass die Ängste vor dem wilden Vetter unseres liebsten Haustiers abgebaut werden. Die Betreuer werden im Wildpark Eekholt angesiedelt. Dort soll sich, so wünscht es sich Ministerin Rumpf, ein zentraler Wolfsstützpunkt entwickeln.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Der lange Weg zur Bühne

26. März 2010

„Als ich um zehn Uhr auf die Uhr schaute, war es erst halb neun“: So beschreibt der Theaterkritiker Alfred Kerr ein Unbehagen, das seine Zunft – wie auch die Riege der Zuschauer – regelmäßig bei Vorstellungen heimsucht. Morgen ist der Welttag des Theaters. Zu diesem Anlass möchten wir die Schauspieler-Zuschauer-Beziehung einmal aus ungewohntem Aspekt beleuchten: dem Blickwinkel derer, die auf der Bühne stehen.

Eine interessante Begegnung der merkwürdigen Art beschrieb der Schauspieler Axel Milberg – der auch Nichttheatergehern bekannt sein dürfte, als psychopathischer Kieler Tatort-Kommissar Klaus Borowski – der Süddeutschen Zeitung: „Auf dem Weg zur Theatervorstellung habe ich als Autofahrer mal jemanden, der mich zuvor beim Spurwechsel geschnitten hatte, an der Ampel laut und mit eindeutigen Gesten beschimpft. Diese Blechkiste um einen herum sorgWelttag, Theater, Alfred, Kerr, Axel, Milberg, Geschichte, Auto, Ampel, Süddeutsche, Zeitungt ja für eine totale Depersonalisierung. Man ist nur noch Steinzeitmensch. Nun, dieses Ehepaar von der Ampel sah ich drei Stunden später wieder. Ich stand auf der Bühne der Kammerspiele und sah die beiden in der ersten Reihe Mitte sitzen. Sie klatschten, wie mir schien, etwas verhalten. Und ich verbeugte mich, wie mir schien, etwas tiefer.“

Möge es auch morgen wieder zu tiefen Verbeugungen auf der Bühne kommen! Hoffentlich sind sie den Leistungen auf der Bühnen und nicht denjenigen auf dem Weg dorthin geschuldet.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Was tun weiße Siedler im Hollywood-Western, wenn sie von Indianern angegriffen werden? Sie bilden eine Wagenburg. Das reale Vorbild wurde heute vor 590 Jahren erfunden.
Nicht im Wilden Westen, denn auf das Festland der heutigen USA hatte bis dahin noch kein europäischer Entdecker einen Fuß gesetzt.

Die Wiege der Wagenburg stand in Südböhmen, in der Nähe der Ortschaft Sudoměř. Dort war Jan Žižka unterwegs, ein Anhänger des Reformators Jan Hus (siehe dazu unseren Newsletter vom 6. Juli 2007 „Ein Versprechen, das nicht gehalten wurde“). Den wollten die Truppen des Kaisers Sigismund - fünf Jahre nachdem Jan Hus auf dem Scheiterhaufen in Konstanz geendet war, trotz vorheriger Zusage freien Geleits durch den Monarchen - in einem Kreuzzug zur Ordnung rufen. Das misslang gründlich: Als Žižka die kaiserlichen Kavalleristen heranpreschen sah, ließ er die Wagen einen Halbkreis bilden.

Die noch freie Flanke wurde durch einen der in Südböhmen so häufigen Teiche abgedeckt. Die Reiter mussten absteigen. Zu Fuß waren sie in ihren schweren Panzern sehr unbeweglich und hatten keine Chance mehr. Dies war die erste einer Reihe von Niederlagen, die Žižka den fremden Invasoren zufügte. Seit einem Unfall in der Kindheit war der Feldherr mit nur noch einem Auge ausgestattet (daher der Name, es ist das tschechische Wort für ‚einäugig’). In einem späteren Gefecht büßte Žižka durch einen Scharfschützen das zweite Auge ein. Seiner Kriegskunst trat das keinen Abbruch. Žižka verlor kein einziges Gefecht gegen Sigismunds Truppen, und die erfolgreiche Wagenburg-Taktik kam noch sehr häufig zum Einsatz.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Hast du etwas Zeit für mich, dann singe ich ein Lied für dich: So beginnt der bis zu seinem Erscheinen im Frühjahr 1983 erfolgreichste deutsche Song (siehe dazu auch unseren Newsletter vom 25. März 2008 „ Als 99 Luftballons die Welt eroberten“).

Er handelt von 99 Luftballons. Seine Interpretin Gabriele Susanne Kerner, besser bekannt unter dem Künstlernamen Nena, wird heute ein halbes Jahrhundert alt. Wir gratulieren heute schon, das Fernsehen folgt mit zweitägiger Verspätung: Übermorgen strahlt der Privatsender RTL ab 21 Uhr 15 eine zweistündige Geburtstagsshow aus. So lange möchte ich Sie heute nicht quälen. Nena wurde in Hagen geboren, ihren Spitznamen hat sie aber beim Strandurlaub bekommen: Auf Spanisch bedeutet niña oder, noch informeller, nena schlicht ‘kleines Mädchen’.

Heute hat die Künstlerin selber fünf Sprösslinge, hinzu kommen noch zwei Enkelkinder. Zur Ruhe setzen will sich Großmutter Nena jedoch noch lange nicht, wie ein Blick in den Terminkalender auf ihrer Homepage www.nena.de zeigt. Machen wir zum Schluss ein wenig Werbung: Die nächste Tour beginnt am 8. April in Braunschweig und endet sechzehn Tage später in Berlin.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Eine bequeme Eigenschaft

23. März 2010

„Jahrhundertelang haben Könige, Priester, Feudalherren, Industrielle und Eltern darauf bestanden, dass Gehorsam eine Tugend und Ungehorsam ein Laster sei“: Das schreibt der US-Psychologe Erich Fromm, in seiner Abhandlung über den Ungehorsam.

Und fügt erklärend hinzu: „Der Grund ist einfach: Bisher hat während des größten Teils der Geschichte eine Minderheit über die Mehrheit geherrscht.“ Gehorsam ist in Fromms Augen eine systemerhaltende Eigenschaft. Die Unterwerfung unter einen fremden Willen bedeutet die Preisgabe der eigenen Unabhängigkeit. Sie bedeutet aber auch eine gewisse materielle Sicherheit und ein weitgehend stressfreies Leben. Schließlich wird man von seinem Beschützer versorgt. Dagegen läuft, wer Autoritäten in Frage stellt, mancherlei Gefahr:

etwa die Gefahr, sich plötzlich auf sich selbst zu verlassen, seinem Verstand zu folgen oder seinem Gewissen zu gehorchen. Ungehorsam ist, kurz gefasst, etwas für Unbequeme. Umgekehrt gilt für Fromm der Schluss, dass Gehorsam vor allem der Bequemlichkeit geschuldet ist.

Heute vor 110 Jahren kam Erich Fromm in Frankfurt am Main zur Welt. Nach Hitlers Machtergreifung emigrierte er in die USA, lebte eine Zeitlang in Mexiko und siedelte im Alter in die Schweiz über, ins sonnige Tessin. Dort starb er am 18. März 1980.

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Eine farblose Flüssigkeit, die schwarz wird, wenn man sein Gesicht darin wäscht: So definierte Mickey Mouse das Lebensmittel, das wir alle am dringendsten brauchen.

Leider hat es nicht jeder zur Verfügung: 1,2 Milliarden Menschen in den Entwicklungsländern besitzen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, und jedes Jahr sterben zehnmal so viele Menschen durch verschmutztes Wasser als durch militärische Auseinandersetzungen. Das liegt beileibe nicht daran, dass es so wenig Krieg auf dieser Welt gibt.

Wohl aber ausreichend Wasser: Der weitaus größte Teil davon weist jedoch eine Ingredienz auf, die es ungenießbar macht. Um das Schmutziggraue - so die Bedeutung des indogermanischen Wortstamms sal - wieder herauszuwaschen, wird großer Aufwand betrieben.

Rund um den Globus sind über 14.000 Meerwasserentsalzungsanlagen in Gebrauch. Den größten Teil des auf diese Weise aufbereiteten Trinkwassers konsumieren die Bewohner der Arabischen Halbinsel. Dort ist die Entsalzung längst zu einem Umweltproblem geworden, wie die Süddeutsche Zeitung schreibt: „Die Anlagen am Golf spülen täglich 24 Tonnen Chlor, 300 Kilogramm Kupfer und 65 Tonnen anderer chemischer Substanzen in die Gewässer.“ Und durch die täglich zur Entsalzung entnommenen zwölf Millionen Kubikmeter Wasser wird den Fischen - und indirekt ihren tierischen und menschlichen Verwertern - die Nahrungsgrundlage in Form überlebenswichtiger Mikroorganismen entzogen.

Was gegen einen solchen Raubbau hilft? Weniger Wasser verbrauchen! Nicht nur am heutigen Weltwassertag sollte darüber nachgedacht werden.

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Vom Eise befreit sind zwar weder Strom noch Bäche, dennoch zieht am Wochenende der Frühling bei uns ein. Selbst Johann Wolfgang von Goethe, hieß es vor 4 Jahren in diesem Newsletter (siehe Ausgabe vom 20. März 2006 „Vom Eise befreit?!“) dürfte nur wenige Winter erlebt haben, die so lang und hart waren, dass er es zu ungemütlich für einen Aufenthalt in seinem Gartenhaus fand.

Nun, diesen Winter hätte er noch weniger Tage im Park an der Ilm in Weimar verbracht; es sei denn, unser Dichterfürst wäre ein Freund bizarrer Schneelandschaften gewesen. Was Goethe an Schnee faszinierte, waren die farbigen Schatten, die er – so der Dichter in seiner Farbenlehre – warf: „Der Schnee erscheint im Schatten blau, ebenso erscheint er auch bei eintretender Nacht, je dunkler es wird, desto tiefer wird die Farbe desselben werden“.

Goethes Farbenlehre zählt nicht zu den stärksten Werken des bedeutendsten deutschen Autors, weswegen statt auf die dunklen lieber auf die hellen Tage verwiesen wird, welche die neue Jahreszeit mit sich bringt. „Das holde Tal“, schreibt der Dichter in Reichthum und Blüthe, „hat schon die Sonne wieder/Mit Frühlingsblüt- und Blumen angefüllt,/Die Nachtigall singt immer neue Lieder/Dem Hochgefühl, das ihr entgegenquillt.“

Wie schön, dass Goethe die alte Journalistenregel beherrschte, immer dort, wo etwas einzusparen ist, dies auch zu tun – und seien es nur zwei Buchstaben.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Volkskammerwahlen hatte es in der DDR schon des öfteren gegeben. Meist liefen sie so ab, dass ein vorgefertigter Zettel in eine Urne geworfen wurde, ohne dass zuvor überhaupt ein Kreuzchen gemacht werden musste. Somit war die Liste mit den Vorschlägen der Wahlkommission – und damit der herrschenden Einheitspartei – ohne Einschränkung akzeptiert. Gewiss, man hätte auch einzelne Namen ausstreichen können, aber wer bringt für den Besuch im Wahllokal schon eigens Lineal und Rotstift mit?

Heute vor 20 Jahren fanden in der DDR dann die ersten freien Volkskammerwahlen statt. Es waren gleichzeitig auch die letzten: Mit dem Beitritt zur Bundesrepublik ein halbes Jahr später war die Deutsche Demokratische Republik Geschichte geworden. Schade eigentlich, denn im letzten Jahr ihres Bestehens hatte sie ihrem Namen alle Ehre gemacht. Abgestimmt wurde, sehr gerecht, nach reinem Verhältniswahlrecht, und 93,4 % der Bürger machten Gebrauch von ihrem Wahlrecht – verglichen mit Beteiligungen bei bundesdeutschen Wahlen und auch bei Urnengängen in anderen westlichen Demokratien – geradezu phänomenal.

Fleißig waren die gewählten Politiker auch: Fraktionssitzungen dauerten nicht selten 10 Stunden, und das neu gewählte Parlament verabschiedete insgesamt 164 Gesetze und 93 Beschlüsse. Kleine Notiz am Rande: Erster und letzter frei gewählter Ministerpräsident der DDR war Lothar de Maizière; seine stellvertretende Regierungssprecherin hieß Angela Merkel.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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