Archiv für April, 2010

Der Mai ist gekommen, der Profit bleibt nicht aus

Freitag, 30. April 2010

„Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus, da bleibe, wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus:“ So heißt es in Emanuel Geibels 1841 entstandenen Wanderlied.

Morgen beginnt der Mai, das Wandern hat hierzulande schon seit längerem Konjunktur. 40 Millionen Deutsche, so eine Untersuchung des deutschen Wanderverbandes, verbringen ihre Freizeit auf Schusters Rappen. Das sagt natürlich überhaupt nichts aus. Aufschlussreicher wird die Studie, indem sie zwischen Tagesausflügen und mehrtägigen Wandertouren unterscheidet. Bei letzteren bringen es die Deutschen auf 8,7 Millionen jährlich, wobei im Schnitt dreieinhalb Übernachtungen pro Wanderurlaub anfallen. Das freut die einheimischen Urlaubsregionen nicht weniger als die auf der Wanderwelle mitschwimmende Freizeitindustrie. 144 000 Arbeitsplätze wurden durch das so gesundheitsfördernde wie umweltfreundliche Hobby geschaffen und 7,5 Milliarden Euro an Umsätzen generiert.

Hinzu kommt noch einmal die Hälfte dieser Summe für Ausrüstung wie Wanderschuhe und Wanderkarten. Nicht zu vergessen die Kosten, welche die gebeutelten Krankenkassen durch die höhere Fitness und geringere Anfälligkeit ihrer Mitglieder einsparen.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Was den guten Journalisten ausmacht

Donnerstag, 29. April 2010

“My English is broken, my legs are broken, but my spirit is unbroken:“ Die Worte, die der unglücklich in Australien gelandete Journalist Egon Erwin Kisch von sich gab, sind treuen Lesern dieses Newsletters ein Begriff (siehe unsere Ausgabe vom 31. März 2008 – Gebrochenes Englisch - ungebrochener Kampfgeist).

„Nichts ist verblüffender als die einfache Wahrheit“, beschreibt Kisch sein Berufsethos, „nichts ist exotischer als unsere Umwelt, nicht ist phantastischer als die Sachlichkeit. Und nichts Sensationelleres gibt es in der Welt als die Zeit, in der man lebt.“ Die ist für Kisch – er starb bereits 1940 – leider schon eine Weile vorbei. Überlebt haben ihn seine Reportagen. Das liegt auch an einer Berichterstattung, die keinen Spielraum für Beeinflussungen welcher Art auch immer ließ: „Der Reporter“, so Kisch, „hat keine Tendenz, hat nichts zu rechtfertigen und hat keinen Standpunkt. Er hat unbefangen Zeuge zu sein und unbefangene Zeugenschaft zu liefern.“ Das hört sich nicht gerade spektakulär an – und soll es auch nicht sein. Die Vermutung liegt nahe, dass Kisch weder für ein Hochglanzreisemagazin noch für ein reißerisches Boulevardblatt geschrieben hätte. „Die Orte und Erscheinungen, die er beschreibt,“, sagt Kisch über seinen Beruf und seine Berufung als Reporter, „die Versuche, die er anstellt, die Geschichte, deren Zeuge er ist, und die Quellen, die er aufsucht, müssen gar nicht so fern, gar nicht so selten und gar nicht so mühselig erreichbar sein, wenn er in einer Welt, die von der Lüge unermesslich überschwemmt ist, wenn er in einer Welt, die sich vergessen will und darum bloß auf Unwahrheit ausgeht, die Hingabe an sein Objekt hat.“

Kisch hatte sie, weshalb er auch 125 Jahre nach seiner Geburt Berufskollegen immer noch als Vorbild dient.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Kein Vertrauen in die Politik

Mittwoch, 28. April 2010

Vertrauen wird dadurch erschöpft, dass es in Anspruch genommen wird, schrieb einst Bertolt Brecht. Ob er damit die Politiker meinte? Folgt man dem Magazin Reader’s Digest, haben unsere Volksvertreter in dieser Beziehung zu hohes Anspruchsdenken an den Tag gelegt. Die Quittung bekamen sie unlängst in einer Umfrage, welche die Monatszeitschrift in Auftrag gegeben hat. Da landeten die Politiker auf dem letzten Platz: Nur jeder Zehnte würde einem Angehörigen dieser Berufsgruppe vertrauen.

Bei den Spitzenreitern der Skala, den Feuerwehrleuten, sah das ganz anders aus: Sie genießen, hochgerechnet, bei 94 % der deutschen Bevölkerung großes Vertrauen. Ähnlich gut schnitten die Piloten ab. Sie kamen auf 92 %. Interessant: Krankenschwestern (ebenfalls 92 %) waren vertrauenswürdiger als Ärzte (84 %), Polizisten (80 %) genossen mehr Kredit als Richter (60 %). Sehr schlecht schnitten Autoverkäufer (11 %) und Finanzberater (15 %) ab. Und die Journalisten? Kamen auf einen Wert von 26 %. Das verschaffte ihnen eine Platzierung im unteren Drittel.

Gegenüber ähnlichen Befragungen in der Vergangenheit ist das aber ein Fortschritt, da belegten die Vertreter der schreibenden Zunft regelmäßig den letzten Rang. Vielleicht wird es bald noch besser: wenn sie sich an dem Kollegen orientieren, der morgen vorgestellt wird und zeitlebens mindestens so vertrauenswürdig war wie heutzutage ein Feuerwehrmann.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Der Butt

Dienstag, 27. April 2010

„Als das feministische Tribunal zum ersten Mal tagte, wurde der Butt in einer flachen, etwa 1 ½ mal 2 Meter messenden Wanne von vier Helferinnen in den Saal gerollt und dem Gericht gegenübergestellt,“ schreibt Günter Grass in seinem Roman Der Butt. Ein anderer Butt muss heute abend in einem 2 Meter 44 hohen und 7 Meter 32 großen Kasten Platz nehmen. Zur Seite stehen ihm immerhin 10 Helfer, und gegenübergestellt wird er keinem Gericht, sondern der französischen Fußballequipe von Olympique Lyon.

Butts Mannschaft, die Bayern, müssen ein knappes Einszunull aus dem Hinspiel verteidigen, und wenn Butt seinen Kasten sauber hält, steht erstmals seit 2002 wieder ein deutscher Verein im Finale der Champions League. Jörg Butt, der Torhüter, hat dies bereits einmal geschafft. Vor 8 Jahren unterlag er mit Bayer Leverkusen dann im Endspiel von Glasgow Real Madrid unglücklich mit 1:2. Nach Madrid möchte Butt wie alle Münchner Teamkollegen unbedingt hin, dort findet das diesjährige Finale statt. Dazwischen stehen die 90, vielleicht auch 120 Minuten von Lyon.

In Grass’ Buch ging es übrigens nicht sehr fair zu, es „wurde aus dem Publikum heraus auf den Butt geschossen.“ Ein solches Szenario bleibt dem Bayern-Schlussmann im Stade Gerland hoffentlich erspart.

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Was ist ein Plagiat?

Montag, 26. April 2010

Wenn man aus einem Buch abschreibt, handelt es sich um ein Plagiat; schreibt man aus zwei Büchern ab, entsteht ein Essay; das Resultat des Kopierens dreier Bücher schimpft sich Kompilation; nimmt man vier Bücher als Grundlage, heißt das Ergebnis Dissertation. Natürlich ist auch diese scherzhafte Erklärung geklaut; sie stammt von einem gewissen Wilson Mizner und findet sich auf der Webseite plagiat.htw-berlin.de.

Dort ist ebenfalls eine ernsthafte Definition aufgeführt: „Unter Plagiat wird die unbefugte Übernahme fremden Geistesguts, der ‚Diebstahl’ geistigen Eigentums, verstanden.“ Da heute der Welttag des geistigen Eigentums begangen wird, soll auch der Urheber der letzteren Begriffsbestimmung nicht verschwiegen werden: Er heißt Gerhard Fröhlich. Die Frage, was genau ein Plagiat ist, lässt sich so eindeutig nicht beantworten. Die Online-Enzyklopädie Wikipedia beispielsweise tut sich recht schwer damit.

Um das Thema in dieser Newsletter-Ausgabe abschließend zu behandeln, sei noch einmal das eingangs erwähnte Internetportal bemüht. Dort findet sich folgende originelle Erklärung: „Es ist nicht ganz einfach, Plagiat zu definieren. Es gibt eine einfache Analogie: Es ist wie die Frage, ab wann ein Mann eine Glatze hat. Es ist ganz klar, wenn er eine hat und auch klar, wenn er keine hat. Alles, was dazwischen liegt, muss man im Einzelfall genau abwägen.“

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Ich komme aus Karl-Marx-Stadt

Freitag, 23. April 2010

Fragte man einen Bürger aus der Mitte Deutschlands in der Mitte des 20. Jahrhunderts, wo er denn herkäme, antwortete er: aus Karl-Marx-Stadt. Am 10. Mai 1953 erhielt die südsächsische Metropole Chemnitz, rechtzeitig zum 135. Geburtstag des Begründers des wissenschaftlichen Sozialismus (siehe dazu unseren Newsletter vom 14. März 2008 – „Richtige Analyse - falscher Schluss?“), diesen neuen Namen.

Bei der Umbenennung ging es natürlich nur nach dem Willen der in der Deutschen Demokratischen Republik regierenden Einheitspartei, die sich mit dem Adjektiv ’sozialistisch’ schmückte. Folgende Begründung führten die Herren von der SED für den verordneten Namenswechsel an: „Die Hauptaufgabe im Karl-Marx-Jahr besteht darin, dem deutschen Volke die Augen zu öffnen über die welthistorische Bedeutung dieses größten Sohnes der deutschen Nation und die werktätigen Massen im Geiste des unversöhnlichen Kampfes für die sozialistische Gesellschaftsordnung zu erziehen.“ Dran glauben musste die mit damals knapp 400 000 Einwohnern viertgrößte Stadt der DDR. Die Bürger wurden nicht gefragt.

Erst am 23. April 1990, heute vor zwanzig Jahren, durften sie zur Urne schreiten. Das Ergebnis der späten Volksabstimmung war recht eindeutig: Drei von vier Wahlberechtigten wollten den alten Namen wiederhaben. Offiziell seit dem 1. Juni 1990 heißt Karl-Marx-Stadt wieder Chemnitz.

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Jetzt endlich auch der Boys’ Day

Donnerstag, 22. April 2010

Über den Mädchenzukunftstag, den Girls’ Day - inzwischen ohne Apostroph geschrieben - berichteten wir in unseren Ausgaben vom 24. April 2008 und vom 27. April 2006. Heute ist es wieder so weit: Angehenden Berufsanfängerinnen sollen mädchenuntypische Berufe im technischen und naturwissenschaftlichen Bereich schmackhaft gemacht werden. Näheres dazu findet sich im Internetportal www.girls-day.de.

Neu in diesem Jahr ist, dass es auch einen Boys’ Day gibt. Auf der Datenbank "Jungs willkommen" unter gleich zwei Webadressen - www.neue-wege-fuer-jungs.de und www.respekt-jungs.de - werden typisch weibliche Berufe vorgestellt, die sich freilich auch für Angehörige des anderen Geschlechts bestens eignen. Die Altenpflege zählt dazu, die Erziehung im Kindergarten oder auch die Arbeit im Krankenhaus. Alle diese Berufsfelder sind zukunftsträchtig, bislang aber fest in femininer Hand. Ändern könnte sich dies nach einem als positiv empfundenen Schnupperpraktikum. Adressen von Einrichtungen, die ein solches anbieten, finden sich ebenfalls auf den zuvor erwähnten Internetseiten.

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Ein Zivilisationskritiker namens Samuel Langhorne Clemens

Mittwoch, 21. April 2010

Heute vor 100 Jahren starb Samuel Langhorne Clemens. Kennen Sie nicht? Dann vielleicht sein Pseudonym: Unter diesem veröffentlichte der Autor seine Romane um Tom Sawyer und Huckleberry Finn.

Letzterer ist ein Stromer und lebt konsequenterweise am größten Fließgewässer Nordamerikas. Der ideale Ort für ihn ist ein Floß auf dem Mississippi; sein Leben ist so lange in Ordnung, wie er nicht darüber nachdenkt. Hucks bester Freund ist der entlaufene Negersklave Jim. Die beiden verstehen sich prima. Wären da nur nicht die schlimmen Selbstzweifel, die Huck regelmäßig befallen: Er hält sich für einen zutiefst schlechten Mensch, weil er seiner Bürgerpflicht nicht nachkommt und es nicht über sich bringt, Jim beim Sheriff anzuzeigen.

Am Ende akzeptiert Huck sein Verdorbensein, was nicht nur für Jim ein Glück ist. Die bissige Zivilisationskritik setzte sich auch diesseits der Romanwelt fort, im wirklichen Leben des Autors. So haben unzählige seiner Sinnsprüche bis in unsere Zeit überlebt. Einem davon möchte ich Ihnen noch mit auf den Weg geben: „Gesetzeslücken“, fand Mark Twain, „lassen sich durch beständigen Gebrauch beträchtlich erweitern.“

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Die Phalanx der Elchhasser

Dienstag, 20. April 2010

Bei den Tieren macht’s die Masse, dass man sie nicht mag. Die einzelne Ratte erscheint dem Menschen als durchaus putzig. Sieht er sich einer ganzen Horde gegenüber – und steht die Meute zudem in Verdacht, Krankheiten zu übertragen oder die Nahrung wegzunehmen – lässt die Sympathie merklich nach.

Wie gut, dass der durchschnittliche Leser dieses Newsletters in Deutschland und nicht im Osten Kanadas beheimatet ist. Die Bundesrepublik gilt nicht gerade als Elchland. Wenn doch einmal eines dieser schaufelförmigen Wesen in teutonischen Wäldern auftaucht, ist ihm die Sympathie eines ganzen Volkes sicher. Auf diesen Newsletter übertragen heißt das: Wenn wieder einmal von unserem gehörnten Freund die Rede ist, erreichen die Redaktion doppelt so viele positive Lesermeldungen wie an normalen Tagen, nämlich zwei. Auf der ostkanadischen Insel Neufundland hingegen leben 120 000, nach anderen Schätzungen sogar 150 000 Elche. Die futtern täglich einen halben Zentner, vorzugsweise in Form junger Fichten und Birken. Das schadet dem Wald und betrübt die Spaziergänger, erfüllt Ökologen mit Sorge und bringt die Anwohner in Rage: „Es gibt zu viele verdammte Elche in Neufundland“, zitiert die Süddeutsche Zeitung einen von ihnen, „sie laufen herum wie die Ratten.“

Ob der Rat helfen würde, es gegenüber den Tieren wie bei den Menschen zu handhaben und das Individuum in den Vordergrund zu stellen? Eher nicht, denn eine mächtige Lobby hat sich in die Phalanx der Elchhasser eingereiht: Nicht weniger als 800 Verkehrsunfälle mit Elchen gab es im vergangenen Jahr auf der Insel.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Schnell oder langsam durch den Regen?

Montag, 19. April 2010

Der April ist – nach den Worten des Aphoristikers Wolfram Weidner – der Monat, in dem das Wetter so unzuverlässig ist, dass es manchmal mit den Vorhersagen übereinstimmt. Und die lauten, um möglichst sicher zu gehen, meistens: Regen. Da das Wetter im April so wechselhaft ist, schlägt es sich häufig in Form kurzer Schauer nieder. Meistens treffen uns diese Kapriolen immer dann, wenn wir keinen Schirm mitführen.

Immer wieder stellt sich in solchen Situationen die Frage der Schadensbegrenzung: Wie schaffen wir es, möglichst wenig nass zu werden? Sollte wir dazu schnell oder langsam durch den Regen laufen? Dazu hat die Redaktion der WDR5-Wissenschaftssendung Leonardo folgende Überlegung angestellt: Wenn Sie eine Strecke von A nach B zurücklegen, befindet sich der Regen nicht nur über Ihrem Kopf, sondern überall um Sie herum. Mit der Vorderseite des Körpers nehmen Sie das gesamte Wasser auf, das sich zwischen den Punkten A und B gerade in Brust- und Bauchhöhe befindet – ganz gleich wie schnell Sie sich bewegen. Wenn Sie also Ihren Kopf möglichst trocken halten wollen, dann legen Sie einen Zahn zu. Der einzige Nachteil: Je schneller Sie gehen, desto größer die Durchschlagskraft der Regentropfen. Und umso stärker spüren Sie den Regen.

Soweit die Experten. Am besten, Sie gewöhnen sich an, immer einen Satz trockener Leibwäsche im Rucksack mitzuführen. Vielleicht auch eine dünne Ersatzhose. Und ein Handtuch.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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