Archiv für April, 2010

Der deutsche Rimbaud

Freitag, 16. April 2010

Über das tragische Ende Rolf Dieter Brinkmanns wurde an dieser Stelle bereits berichtet (siehe unseren Newsletter vom 23. April 2009 „Der Tag, an dem Schriftsteller sterben“). In dieser Ausgabe geht es um das Andenken an den Schriftsteller, der heute 70 Jahre alt geworden wäre. Kritikerpapst Marcel Reich-Ranicki sah in Brinkmann einst „eine der größten Hoffnungen der jüngeren deutschen Literatur“, der Dramatiker Heiner Müller stufte ihn sogar als „das einzige Genie der westdeutschen Literatur“ ein.

Der österreichische Literaturwissenschaftler Andreas Weigel erkannte in Brinkmann gar einen deutschen Rimbaud – um gleichzeitig einzuschränken, dass es zwischenzeitlich sehr still um den 1975 tödlich Verunglückten geworden war. Und heute? Die Rolf-Dieter-Brinkmann-Gesellschaft – folgt man den Einträgen auf der gleichnamigen Webseite – scheint ihre Berichterstattung vor 6 Jahren eingestellt zu haben. Nicht jedoch der Deutschlandfunk: Er widmet dem wohl doch nicht ganz Vergessenen heute ab 20 Uhr 10 einen kompletten Radioabend.

Und auch die Literaturtage in der Geburtsstadt des Dichters erinnern sich dieses Frühjahr ausführlich des verlorenen Sohnes: Am 24. April beispielsweise liest der Schauspieler Klaus Maria Brandauer in der Aula der Vechtaer Universität aus Brinkmanns Werk.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Die erste demokratisch gewählte Präsidentin

Donnerstag, 15. April 2010

Schon wieder geht es um Island, doch heute steht ein weibliches Wesen im Mittelpunkt: Vor drei Jahrzehnten wurde zum ersten Mal eine Frau in das höchste Amt eines Staates gewählt. Diese Pionierleistung gelang 1980 der Isländerin Vigdis Finnbogadottir. Allerdings war Frau Finnbogadottir nicht die erste, die in einem modernen Staat das Präsidentenamt ausübte.

Jene Ehre darf Isabel Perón für sich beanspruchen. 6 Jahre zuvor wurde die Argentinierin jedoch nicht vom Volk, sondern vom Parlament gekürt, nachdem ihr Mann Juan im Amt verstorben war. Isabel Peróns Amtszeit endete im Chaos. Dies lag weniger daran, dass das achtgrößte Land der Erde von einer Frau regiert wurde. Vielmehr war der Niedergang, der in einer jahrelangen Militärdiktatur endete, einer außer Kontrolle geratenen Wirtschaftskrise geschuldet.

Ein ähnliches Schicksal blieb Vigdis Finnbogadottir erspart. Sie durfte nach drei weiteren erfolgreichen Wahlen bis 1996 im Präsidentenpalast von Reykjavik wohnen bleiben. Danach hatte sie keine Lust mehr und zog sich ins Privatleben zurück. Heute wird Vigdis Finnbogadottir achtzig Jahre alt. Hätte sie im Amt ausgehalten, wäre auch sie in ihrer Heimat in den zweifelhaften Genuss einer Wirtschaftskrise bis dato nie gekannten Ausmaßes gekommen. Nur der Militärputsch ist ihr und den Isländern bislang erspart geblieben.

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Gurus, Ex-Gurus und ein Redeauftritt mit Kultstatus

Mittwoch, 14. April 2010

Ein 0:0 gegen Island bietet fußballerisch wenig Unterhaltung. Das war auch am 6. September 2003 im EM-Qualifikationsspiel in Reykjavik nicht anders. Oder doch? Eidur Gudjohnsson (siehe unseren Newsletter vom 15. September 2008 „Vater und Sohn in einer Mannschaft“) machte sein bestes Länderspiel und war der überragende Mann auf dem Platz. Und Rudi Völler war der überragende Mann neben dem Platz.

Das lag weniger an seiner Leistung als Teamchef denn an seiner Selbstdarstellung im Interview. Den ungewohnt unangenehme Fragen stellenden ARD-Kuschelreporter Waldemar Hartmann bezichtigte Völler, wohl schon drei Weizen intus zu haben. Dabei trinkt Hartmann eigener Aussage zufolge lieber Rotwein. Auch die Kommentatoren im Studio bekamen einiges zu hören: „Delling, das ist ein Sauerei, was der sagt. Die Geschichte mit dem Tiefpunkt, und nochmal ein Tiefpunkt. Da gibt’s nochmal einen niedrigeren Tiefpunkt. Ich kann diesen Scheißdreck nicht mehr hören.“

Völler legte Gerhard Delling nahe, zu Wetten, dass? zu wechseln. Zu dessen Kollegen Netzer meinte Völler nur: „Der Günter, was die früher für einen Scheiß gespielt haben, da konntest du doch früher überhaupt nicht hingehen, die haben doch früher Standfußball gespielt.“ Meinte Völler etwa das peinliche 0:0 in Albanien 1967, als die DFB-Elf zum bislang einzigen Mal in der Qualifikation zu einem großen Turnier ausschied? Damals fuhr Jugoslawien statt Deutschland zur Europameisterschaft nach Italien.

An Völlers Wutausbruch vor laufenden Kameras schieden sich die Geister. Unterste Schublade, meinten die einen; andere wiederum bescheinigen dem heutigen Geburtstagskind – Völler wird 50 – spätestens mit diesem Redeauftritt Kultstatus erlangt zu haben: In ihren Augen erhob sich jemand für alle Zeiten über „alle Gurus, diese Ex-Gurus, die irgendwann mal Fußball gespielt haben.“

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Nie aus Ostende herausgekommen

Dienstag, 13. April 2010

Flämische Maler, das sind nicht nur Bosch und Bruegel, van Eyck und Rubens. Sie alle lebten vor 1700. Der heute vor 150 Jahren geborene Vertreter dieser Kunst kam in Ostende zur Welt, wo er auch zeitlebens wirkte. Seine ersten Motive waren die Bürger der wenig geliebten Heimatstadt, die er für eng, muffig und spießig hielt - aber dennoch nicht verlassen wollte.

Er gab ihnen fratzenhafte Züge und setzte ihren wenig wohlgeformten Köpfen Zylinder auf. Dennoch waren die Gesichter gut zu identifizieren, was der Beliebtheit des Künstlers nicht förderlich war. Völlig verdarb es sich der Maler mit seinen Landsleuten, zumindest den gläubigen, als er den Einzug Christi in Brüssel auf Leinwand darstellte. Berüchtigt ist auch sein expressionistisches Werk Skelette im Kampf um den Leichnam eines Gehängten, das aus dem Jahr 1891 stammt.

Danach wurden nicht nur die Bilder ruhiger. Auch der Rummel um den Künstler ließ nach. In einer solchen Phase folgt meistens eine Ehrung. So auch bei unserem Maler: 1929 wurde ihm ein Adelstitel verliehen. James Ensor, Sohn eines englischen Vaters und einer flämischen Mutter, starb am 19. November 1949. Natürlich in Ostende.

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Ein Fluch, der keiner mehr ist

Montag, 12. April 2010

Heute vor 65 Jahren starb Franklin D. Roosevelt (siehe unseren Newsletter vom 8. November 2007 – „Der Präsident im Rollstuhl“). Das war einerseits überraschend, denn er war erst fünf Monate zuvor zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt worden. Andererseits auch nicht: Roosevelt litt seit Jahren am Guillain-Barré-Syndrom.

Außerdem lastete seit 1865 ein Fluch auf dem Präsidenposten: Über den Daumen gepeilt alle zwei Jahrzehnte starb ein Inhaber während seiner Amtszeit. Es begann mit William H. Harrison. Dem kurz zuvor Gewählten wurde im Januar 1841 bereits seine Antrittsrede zum Verhängnis: Die dauerte, bei eisigem Wind, zwei Stunden und trug ihm eine Lungenentzündung davon. Drei Monate später war Harrison tot. Abraham Lincoln wurde fünf Tage nach dem Ende des amerikanischen Bürgerkriegs vom fanatischen Südstaatler John Wilkes Booth erschossen. Charles A. Garfield erlag 1881 einem Attentat. Der Mörder, Charles J. Guiteau, wollte, dass Chester A. Arthur Präsident würde. Was auch geschah, da in den USA beim Tod des Präsidenten noch am selben Tag automatisch der Vizepräsident ins Amt folgt. 1901 erlag William McKinley den Kugeln des Anarchisten Leon Czolgosz. Eines natürlichen Todes starb Warren G. Harding 1923, als er sich während einer Reise durch die Westküstenstaaten nacheinander eine schwere Lebensmittelvergiftung, eine Lungenentzündung und einen Herzinfarkt zuzog.

Das Schicksal Roosevelts ist bekannt, siehe oben. 1963 starb John F. Kennedy; er wurde Opfer eines Attentats, das Lee H. Oswald ausführte. Der nächste an der unseligen Reihe wäre Ronald Reagan gewesen: Auf ihn feuerte 1981 John Hinckley, traf aber nicht direkt: Eine Kugel prallte von der gepanzerten Präsidentenlimousine ab und verletzte Reagan nur, eine andere fing sich der Sicherheitsbeamte Tim McCarthy ein, als er sich in die Schussbahn warf und seinem Präsidenten möglicherweise das Leben rettete. Seitdem ist der Fluch durchbrochen, und nach 1963 hat jeder Inhaber des höchsten US-Amtes dieses überlebt.

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Italien ohne alte Römer und mittelalterliche Päpste

Freitag, 9. April 2010

Wenn Sie etwas über ein anderes Land - sagen wir mal: Italien - erfahren wollen, kaufen Sie sich ein Geschichtsbuch. Dabei möchten Sie nicht unbedingt bei den alten Römern anfangen und auch nicht bei den Päpsten im Mittelalter. Über die ist schon genug geschrieben worden. Nein, eine Geschichte über Italien müsste um 1900 beginnen und bis in die jüngste Zeit reichen.

Zum Glück gibt es jetzt ein solches Buch: Es heißt Geschichte Italiens im 20. Jahrhundert und ist soeben im Verlag C.H. Beck erschienen . Der Historiker Hans Woller, im Hauptberuf Chefredakteur der renommierten Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, spannt den Bogen vom Werden des modernen Staates in der Ära Giolitti über das dunkle Kapitel des Faschismus bis zum Wirtschaftswunder und politischen Chaos der Nachkriegszeit, samt Untergang des traditionellen Parteiensystems in den 1990er Jahren und kometenhaftem Aufstieg eines Medienzaren und Mailänder Fußballclubpatrons zum Ministerpräsidenten. Auf Dämonisierungen verzichtet der Autor, was dem Buch gut tut.

Schließlich will der Leser nicht zum zehnten Mal lesen, wie böse Mussolini war, sondern wissen, warum er sich 22 Jahre und damit ein volles Jahrzehnt länger als Hitler an der Macht halten konnte. Was die jüngste Vergangenheit betrifft, weigert sich Woller, Berlusconi bloß als das zu sehen, was er zweifellos ist, nämlich ein gnadenloser Populist. Dreimal haben ihn die Italiener gewählt, was nicht unbedingt daran liegt, dass das Volk so dumm ist. Berlusconi, dessen Politik nicht so weit entfernt von der seines Widersachers, Nachfolgers und Vorgängers Prodi ist, könnte auch den Nerv derjenigen getroffen haben, die sich traditionell auf der Verliererseite wähnen. Genau dort ortet Woller den Ministerpräsidenten in nicht allzu ferner Zukunft, falls dieser „sein Amt erneut zu egoistischen Zwecken missbraucht, seine Wahlversprechen erneut ignoriert - und danach von den mitnichten entmündigten Wählern erneut in die Opposition geschickt wird.“ Das Urteil über das Buch fällt noch kürzer aus: Sehr empfehlenswert!

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Rom mit kurzem ‘o’

Donnerstag, 8. April 2010

Rom, mit kurzem, nicht mit langem ‘o’, bedeutet ‘Mensch’, und der Plural Roma entsprechend ‘Menschen’. Als solche möchten sich die Angehörigen dieser Volksgruppe auch betrachtet sehen. Leider werden sie es nicht immer. Die Diskriminierungen fanden bereits im ausgehenden Mittelalter ihren Anfang und haben sich bis in die heutige zeit fortgesetzt. Negativer Höhepunkt war, das sollte auch in einem Smalltalk-Newsletter erwähnt werden, die Ermordung von mehr als 100 000 Roma in deutschen Vernichtungslagern.

Da die Roma in der perversen Sicht der Nationalsozialisten als Arier durchgingen, musste für ihre Tötung das Konstrukt bemüht werden, es handele sich um Asoziale. Vor allem europäische Rechtspopulisten versprechen sich von einer Sündenbockstrategie zuungunsten der Roma handfeste politische Vorteile. Manchmal ist es aber auch ein durchaus vorhandener guter Wille, der seltsame Blüten treibt. In Rheinland-Pfalz etwa dürfen Roma - und die mit ihnen verwandte Volksgruppe der Sinti - nicht mehr Zigeuner genannt werden. Sie werden jetzt tatsächlich unter der Bezeichnung "mobile ethnische Minderheiten" geführt. Als lebte jeder Roma oder Sinti im Wohnwagen! Es ist ja auch nicht so, dass jeder Deutsche Mercedes fährt und sich ausschließlich von Wurst ernährt. Wohl aber kann man dem deutschen Volk nachsagen, die meisten seiner Angehörigen reisten gerne; gleiches gilt für die Roma.

Der Schlüssel für ein unbefangenes Miteinander liegt, so einfach ist das manchmal, im Interesse für die andere Kultur und Lebensweise. Dem US-Schriftsteller Edgar Lawrence Doctorow ist das einmal sehr schön gelungen: In seinem Roman Loon Lake trifft Joe, der vagabundierende Protagonist mit autobiografischen Zügen, auf eine Gruppe umherziehender Roma. Für sie ist es nicht nur eine Selbstverständlichkeit, dem Stromer Essen und einen Platz zum Schlafen zu geben. Ihre Gesetze verbieten es sogar, ihn abzuweisen. Heute, am Internationalen Tag der Roma, lohnt es sich, mal darüber nachzudenken.

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Was sagt der Arzt?

Mittwoch, 7. April 2010

Heute ist Weltgesundheitstag. Nutzen wir den Anlass und befassen wir uns mit einer schon seit längerem aktuellen Diskussion im Gesundheitswesen. Nach den jüngsten Einschnitten vermehren sich die Befürchtungen, dass sich der soziale Status bald wieder wie in vergangenen Jahrhunderten am Gebiss ablesen lässt. In vergangenen Jahrhunderten? Im Frankreich Ludwigs XIII. wurden die Patienten noch wie Könige behandelt, glaubt man der Anekdote um einen gewissen Doktor Moreau.

Als der Monarch den berühmten französischen Arzt zu sich kommen ließ und verlangte, nicht „wie ein gewöhnlicher Patient“ behandelt zu werden, erwiderte dieser: „Leider kann ich keinen Unterschied machen, Sire; denn ich behandele alle meine Patienten wie Könige.“ Welcher Mediziner würde dies heute noch von sich behaupten? Selbst wenn er sich ausschließlich dem Hippokratischen Eid verpflichtet fühlte und alle, die zu ihm kommen, nach bestem Wissen und Gewissen pflegen wollte – die Krankenkassen würden ihm einen Strich durch die Rechnung machen.

„Der alte Arzt spricht lateinisch, der junge Arzt englisch. Der gute Arzt spricht die Sprache des Patienten“, sagte einmal die frühere Bundesgesundheitsministerin Ursula Lehr. Ihr aktueller Kollege hätte bestimmt einen Nebensatz hinzugefügt: „Der moderne Arzt spricht nicht so lange. Er passt die Behandlungsdauer an die Gesetze der Wirtschaft an.“

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Ein Gesetz über die Zeit

Dienstag, 6. April 2010

Auf die Sommerzeit müssen Sie sich schon seit zehn Tagen einstellen. In Deutschland wurde sie heute vor dreißig Jahren wieder eingeführt. Versuche, sie zu starten, hatte es seit 1916 immer wieder gegeben (siehe unsere Newsletter vom 26. März 2007 „Wer hat an der Uhr gedreht?“).

Dahinter stand eine wirtschaftliche Überlegung: Der teuer gewordene Energieverbrauch sollte gedrosselt werden. So etwas geht in Deutschland sehr bürokratisch vonstatten. Für die Sommerzeit brauchte es extra eines Zeitgesetzes, das wirklich so hieß. Der Bundestag verabschiedete es am 25. Juli 1978, wie es in dem Beschluss hieß, „zur besseren Ausnutzung der Tageshelligkeit und zur Angleichung der Zeitzählung an diejenige benachbarter Staaten. Tatsächlich hatte bis dato nur Dänemark die Sommerzeit noch nicht eingeführt. Anfangs galt die Sommerzeit in Deutschland und den meisten anderen Staaten nur von Ende März bis Ende September.

Eine Ausnahme bildete Großbritannien: Auf der Insel dachte man pragmatisch und fand, auch im Oktober ließe sich Energie sparen. Dieser Überlegung schlossen sich später die übrigen europäischen Regierungen an. Seit 1996 gibt es für die Sommerzeit eine einheitliche Regelung in ganz Europa: Sie reicht vom letzten Wochenende im März bis zum letzten Wochenende im Oktober.

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Wandern im Nationalpark Nordeifel

Donnerstag, 1. April 2010

Stellen Sie sich vor, Sie spazieren durch den Wald, und Ihnen begegnet eine fünfköpfige Familie. Alle sind braun gekleidet, recht schweigsam und fallen durch ihre ungewöhnliche Fortbewegungsart auf. Die findet auf allen Vieren statt, denn bei dem Quintett handelt es sich um Braunbären. Bis zum 17. Jahrhundert hat Meister Petz in der Eifel gelebt und wurde unlängst wieder dort angesiedelt.

Seine neue Heimat ist der Nationalpark Nordeifel nahe der belgischen Grenze. In dem über Jahrzehnte naturbelassenen Gebiet hielt früher die Armee des Nachbarlandes ihre Manöver ab. Nach Ansicht der Nationalparkverwaltung eignet es sich bestens für die Wiederansiedlung zwischenzeitlich ausgestorbenen Wildes. Die Braunbären stammen aus Rumänien, wo sie in einer Vorstadt von Cluj hausten, dem ehemals deutschsprachigen Klausenburg. Die putzigen Tiere ernährten sich von dem, was die Einheimischen wegwarfen, und richteten allenfalls an Mülltonnen Schäden an, berichtet Viorel Veterinescu, der selbst aus Rumänien stammt und seit einem Jahr Chef der Eifeler Nationalparkverwaltung ist. Befürchtungen, die ausgesetzten Bären könnte eine Gefahr für Parkbesucher darstellen, verweist Veterinescu ins Reich der Fabel: „In den letzten zehn Jahren gab es in Nordrumänien exakt einen Bärenzwischenfall mit Personenschaden: Ein Bauer wollte verhindern, dass ein Bär seinen Wertstoffbehälter nach Essbarem durchsuchte. Kurzerhand schob er ihn in die Tonne und verriegelte den Deckel. Unklug nur, dass er nach einer halben Stunde nachschaute, ob der Bär immer noch da war.“

Besuchern, die unvermittelt einem oder mehreren Mitgliedern der Bärenfamilie begegnen, rät Veterinescu, das im Rucksack mitgeführte Essen zu teilen: “Dabei sollte es unbedingt gerecht zugehen. Bären können sehr empfindlich sein!” Im übrigen lägen am Eingang zum Nationalpark Exemplare von Joshua Pivens und David Borgenichts Bestseller Das Survival-Buch: Überleben in Extremsituationen zur kostenlosen Mitnahme bereit. Als weitere Maßnahme erwägt Veterinescu, eine Ausgabe von Tony Buzans erfolgreichem Ratgeber Wie lese ich ein Buch in 10 Minuten hinzuzugeben. Dafür müsste allerdings ein kleiner Obolus von ein paar Euro entrichtet werden.

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