Der Mai macht alles grün
Freitag, 14. Mai 2010„Der Mai macht alles grün, Nur meine Hoffnung nicht“: So dichtete, eineinhalb Jahrhunderte vor Heiner Müller (siehe unseren Newsletter vom 9. Januar 2009 – Künstler ohne Illusion), der heute vor 222 Jahren im fränkischen Schweinfurt geborene Friedrich Rückert.
Was den Poeten selbst im Wonemonat so unglücklich machte, wird in der zweiten Strophe enthüllt: „Der Mai macht alles grün, Auch meiner Kinder Grab. Mit seinem Thaue sprühn Die Thränen mir hinab, Und seine Lüfte mühn Sich mit den Seufzern ab. Der Mai macht alles grün, Auch meiner Kinder Grab.“ Rückert litt zeitlebens schwer am Tod von zwei seiner Kinder in den Jahren 1833 und 1834. Rückert versuchte den Verlust künstlerisch zu verarbeiten. Gedicht auf Gedicht folgte, der Komponist Gustav Mahler vertonte den Zyklus unter dem Titel Kindertodtenlieder. Erfolgreich war Rückert auch in seinem eigentlichen Beruf: Der Sprachforscher begründete in Deutschland die Orientalistik als Wissenschaft. Als Professor wirkte er zunächst in Erlangen, später wurde er nach Berlin berufen.
Laut der Online-Enzyklopädie Wikipedia befasste er sich in seiner Laufbahn mit nicht weniger als 44 öst- und südöstlichen Sprachen – von Afghanisch bis Türkisch. Rückert, als Pensionär in seine fränkische Heimat zurückgekehrt, starb 1866 in der Nähe von Coburg.
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