Zentralismus nicht erwünscht
Freitag, 30. Juli 2010„Es gehört zum deutschen Spießertraum“, sagte einmal der Schweizer Schriftsteller Peter Bichsel, „dass die Schweiz als politisches Idyll fernab aller Probleme existiere.“ Wenn dem so ist, bin ich gerne deutscher Spießer und attestiere den Eidgenossen ein paar Eigenschaften, die ich auch meinem Volk wünsche – beispielsweise das unaufgeregte Verhältnis zu ihrer Nation. Am Wochenende begehen die Schweizer ihren Nationalfeiertag.
Dem allen Eidgenossen tief innewohnenden föderalistisch-sympathischen Wesen entsprechend nennen unsere Nachbarn ihren 1. August allerdings nicht ‚Nationalfeiertag’, sondern ‚Bundesfeiertag’. Der Schweiz ist jeder Zentralismus fremd. Sie hat nicht einmal eine Hauptstadt; Bern ist, seit 1848, offiziell nur ‚Bundessitz’. Auch nimmt es den Schweizern niemand übel, wenn sie Flagge zeigen: Das weiße Kreuz auf rotem Feld ist in der ganzen Welt willkommen. Als National-, pardon, Bundessymbol dient es seit 1824. Erfunden haben es die Schwyzer.
Wie es sich für einen dem föderalen Prinzip verpflichteten Bund gehört, wurde das Kreuz niemals als Flagge dekretiert: Die anderen Kantone haben das Schwyzer Wappen freiwillig übernommen. Nur bei den Ausmaßen der Flagge gibt es eine zentralistische Vorgabe. Im Jahr 1889 legte ein Bundesbeschluss fest, dass die vier Arme des Kreuzes je ein Sechstel länger als breit sind.
Autor von Small-Talk-Themen.de


