Ein Land wird Fünfzig - und kaum einer merkt es
Dienstag, 17. August 2010Das heutige Geburtstagskind steht selten in der Öffentlichkeit. 50 Jahre alt ist es geworden und steht doch meist im Schatten seiner großen Nachbarn. Die heißen Kamerun und Kongo und übertreffen es bei weitem an Einwohnerzahl. Knapp 1,5 Millionen Menschen verlieren sich in dem Land, das immerhin etwas größer ist als die alte Bundesrepublik.
Bekannt wurde es durch einen elsässischen Urwalddoktor, der eine Aversion gegen Hering hatte (siehe unseren Newsletter vom 11. September 2006 „Mögen Sie auch keinen Hering?“), dem dafür aber das Schicksal afrikanischer Waisen umso mehr am Herzen hing. In Lambarene schuf er ihnen einen Zufluchtsort. Wer wie Albert Schweitzer „die Ärmsten dieser Welt gesehen hat, fühlt sich reich genug zu helfen.“ Die Ärmsten des Kontinents leben freilich nicht in Afrikas am dünnsten besiedelten Land, das nach vier Jahrzehnten autoritärer Herrschaft unter Bongo Ondimba eine lange Phase der Stabilität genoss.
Nach dem Tod des Volkspatrons im letzten Jahr erbte Sohn Ali das Präsidentenamt, und nichts spricht dafür, dass der Küstenstaat in den nächsten Jahren im Chaos versinken oder kompletter Verarmung anheim fallen wird. Das hätte bei der Unabhängigkeit Gabuns am 17. August 1960 niemand vorherzusagen gewagt - was nicht heißen soll, das afrikanische Staaten nicht zur Demokratie fähig wären.
Autor von Small-Talk-Themen.de


