Ein nicht sehr anerkanntes Gewerbe
Donnerstag, 30. September 2010Heute ist der Namenstag des Hieronymus, des Schutzpatrons der Übersetzer. Den benötigen Angehörige dieses Berufs in der Tat. Übersetzen ist mehr als Wort-für-Wort-Übertragen, wie schon im 18. Jahrhundert der Göttinger Professor Georg Christoph Lichtenberg erkannte: „Ist es nicht sonderbar, dass eine wörtliche Übersetzung fast immer eine schlechte ist? Und doch lässt sich alles gut übersetzen. Man sieht hieraus, wie viel es sagen will, eine Sprache ganz verstehen; es heißt, das Volk ganz kennen, das sie spricht.“
Vor allem das literarische Übersetzen braucht sehr viel Zeit. Leider wird es nur sehr schlecht vergütet. Die meisten Literaturübersetzer, so der Verband auf seiner Webseite (www.literaturuebersetzer.de) erwirtschaften mit ihrer Arbeit ein Brutto-Einkommen von allenfalls 1000 Euro im Monat; das Seitenhonorar beträgt im Durchschnitt weniger als 18 Euro. Wer hat da noch Lust, lange nach einer geeigneten deutschen Entsprechung für ein originelles Wortspiel oder eine seltene Redewendung aus der Fremdsprache zu suchen?
Immerhin, ein Signal der Anerkennung hat den literarischen Übersetzern jetzt die Kunststiftung NRW gesendet: Die Nordrhein-Westfalen dotieren Ihren Übersetzerpreis mit 25 000 Euro! Für die Übersetzerinnen und Übersetzer unter der Leserschaft dieses Newsletters: Bewerbungsschluss ist der 1. Dezember; alles weitere finden Sie auf der Webseite www.kunststiftungnrw.de.
Autor von Small-Talk-Themen.de


