Archiv für 2011

Small Talk zwischen den Jahren

Mittwoch, 28. Dezember 2011

Der Newsletter, den Sie gerade vor sich haben, erscheint nur werktags. Daher befürchte ich, dass Sie diese Zeilen, zumal in einem Jahr mit unglücklich liegenden Feiertagen, an Ihrem Arbeitsplatz lesen.

Wenn Sie schon zwischen den Jahren ins Büro oder in die Werkhalle müssen, möchte ich Ihnen wenigstens das adäquate Small Talk-Thema für diese Woche liefern.

Die „Zeit zwischen den Jahren“ geht für manche bis Neujahr, für viele aber darüber hinaus: bis zum Tag der Heiligen Drei Könige, also bis zum 6. Januar.

Das hängt mit dem Wechsel des Neujahrstermins Ende des 17. Jahrhunderts zusammen. Erst 1691 legte Papst Innozenz XII. den Jahresbeginn endgültig auf den 1. Januar fest. Die Tage dazwischen wurden weder dem alten noch dem neuen Jahr zugerechnet, lagen also zwischen den Jahren.

Gefühlt war man erst am 6. Januar im neuen Jahr angekommen. Der Volksmund beziehungsweise eine alte Bauernregel sagt ja auch, dass ab Dreikönig die Tage länger werden (natürlich nur auf der Nordhalbkugel).

Meist aber sind mit der Zeit zwischen den Jahren die Tage ab dem 27. Dezember bis einschließlich Silvester gemeint. So genannt werden sie in Ermangelung besserer Namen. Fragen Sie Ihren Gesprächspartner im Small Talk, wie er die Sache sieht:

Welche Tage fallen aus seiner Sicht in die Zeit zwischen den Jahren? Wenn Sie ihn schon um seine Meinung bitten, können Sie auch gleich die Frage dranhängen, ob er vielleicht einen geeigneteren Namen für diese Periode weiß.

Übrigens galt früher für die Zeit zwischen den Jahren manches Verbot, dass auch heutigen Arbeitnehmern gefallen dürfte. So waren nur die notwendigsten Arbeiten erlaubt. Mägde und Knechte hatten grundsätzlich frei, und Juristen wie Kaufleute verzichteten auf Geschäftsabschlüsse - wegen der Unsicherheit bei der Datierung.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Friedlich schwappt die Westerwelle

Dienstag, 27. Dezember 2011

Über Guido Westerwelle ist in diesem Newsletter heuer bereits berichtet worden (siehe unsere Ausgabe vom 8. März 2011: Surfen auf der Westerwelle).

Es gäbe keinen Grund, dies schon wieder zu tun, würde er an diesem Tag nicht seinen fünfzigsten Geburtstag feiern. Zum Wiegenfest wäre dem Wahl-Bonner und Muss-Berliner zu wünschen, dass er sich mal kein böses oder hämisches Wort anhören braucht.

In einem Jahrzehnt mit recht viel Fortüne war es ihm als Vorsitzender der FDP gelungen, diese auf ein historisches Hoch zu führen, welches ziemlich genau mit der letzten Bundestagswahl koinzidierte. Leider zeichnete Westerwelle auch für den anschließenden Absturz verantwortlich, der die einst stolzen Liberalen in Meinungsumfragen auf den Status einer Splitterpartei herabsinken ließ. Freilich bleibt bis zum nächsten bundesweiten Urnengang noch ein wenig Zeit.

Zeit, die der Ex-Vorsitzende nutzen kann, um in seinem zweiten Aufgabenbereich zu glänzen. Seine bisherige Bilanz als Außenminister ist eher durchwachsen; es gab viel mehr Gemecker als Lob. Manchmal erfolgte die Kritik auch zu Unrecht, muss von dieser Stelle, die dem Regierungslager zuzurechnen wohl niemand in den Sinn käme, einmal klar gesagt werden.

In der heikelsten Situation seiner Amtsperiode bewies Westerwelle Besonnenheit, Weitsicht, Mut und Standfestigkeit. Am Ende war es ihm gelungen, Deutschland aus einem Krieg herauszuhalten. Das hatte ein Vorgänger, der einer erklärt pazifistischen Partei angehörte, nicht geschafft: Unter der Ägide des Herrn Fischer wurden aus deutschen Kampfflugzeugen Bomben auf Belgrad und andere jugoslawische Städte abgeworfen.

Weitere Prüfungen für das heutige Geburtstagskind, der auch mit einem halben Jahrhundert auf dem Buckel eher zu den jugendlichen Mitgliedern der Ministerriege zählt, stehen an. Der zweite Redaktionswunsch zielt daher auf ein auch künftig friedliches Schwappen der Westerwelle im Kabinett. Auf dass den Außenguido nicht sein Spruch aus unbeschwerter Vergangenheit einholt:

Es schadet im Leben nicht, wenn man mehr zu Ende gemacht hat als die Fahrschule.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Trost für alle Zukurzgekommenen

Freitag, 23. Dezember 2011

Haben Sie das Gefühl, im fast zu Ende gegangenen Jahr zu kurz gekommen zu sein? Ich möchte Ihnen weder Pessimismus anheim – noch Ihnen unterstellen, ein Profijammerer zu sein.

Aber was die arbeitsfreien Tage 2011 betraf, sah es doch recht mau aus. Der 1. Mai fiel auf den Tag, an dem bei uns aus religiösen Gründen die Arbeit ruht. Heiligabend und der erste Weihnachtsfeiertag füllen das anstehende Wochenende aus.

Und es kommt noch schlimmer: Silvester fällt auf einen Samstag, Neujahr auf einen Sonntag. Im vorangegangenen Jahr sah es übrigens nicht viel besser aus: Der 1. Mai fiel auf einen Samstag, der 3. Oktober auf einen Sonntag, der erste wie der zweite Weihnachtstag ebenfalls auf ein Wochenende, Neujahr auf einen Samstag.

Da hilft nur der Blick auf 2012. Zum Glück sorgt das Einschalten des 29. Februar in den Kalender für einen kleinen Sprung, der uns dem unglücklichen Zusammentreffen von Feiertagen und Wochenenden entkommen hilft. Danke, liebes Schaltjahr, möchte man sagen. Doch es war uns noch einen Gefallen schuldig.

Vor 4 Jahren hatte der Sprung dafür gesorgt, dass der 1. Mai uns wieder mal keinen zusätzlichen arbeitsfreien Tag bescherte. Anno 2008 waren der Tag der Arbeit und Christi Himmelfahrt auf dasselbe Datum gefallen.

Apropos Sprung: Im Englischen wird jener Schaltjahreigenschaft viel besser Ausdruck verliehen als im Deutschen. So heißt bei unseren Nachbarn auf der großen Insel und jenseits des noch viel größeren Teichs das Jahr mit dem Extratag leap year, Sprungjahr. Doch noch ist es nicht so weit. Daher wünsche ich Ihnen erst mal ein schönes und geruhsames Fest mit nicht mehr Ärger als dem darüber, dass 2 der weihnachtlichen Tage auf ein Wochenende fallen.

Die nächste Ausgabe unseres Newsletters erscheint am Dienstag, den 27. Dezember. Den Werktätigen aus der Leserschaft bleibt als einziger Trost: Wenigstens der zweite Weihnachtsfeiertag des Jahres 2011 ist ein zusätzlicher arbeitsfreier Tag.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Ein dunkles Kapitel Schweizer Geschichte

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Am Spanischen Bürgerkrieg (siehe unseren Newsletter vom 17. Juli 2006: 15 Milliarden Euro für General Franco) von 1936 bis 1939 nahmen viele Ausländer teil: 66 000 Deutsche und Italiener, die General Franco unterstützten, und fast ebenso viele Antifaschisten aus ganz Europa und den USA, die auf der Gegenseite kämpften.

Das größte Kontingent, gemessen an der Einwohnerzahl, steuerte die Schweiz bei. Einer dieser Freiwilligen war Männy Alt. An allen großen Schlachten des Bürgerkriegs nahm er als Flugabwehrkanonier teil. Als die Niederlage der Republikaner sich abzeichnete, ging Alt in die Heimat zurück. Die Kriegserlebnisse hatten ihn traumatisiert. Doch was ihn in der Schweiz erwartete, war fast noch schlimmer.

Nicht nur, dass die Eidgenossenschaft als erster Staat überhaupt die faschistische Franco-Regierung offiziell anerkannte: Sämtliche Rückkehrer wurden vor Gericht gestellt, wegen Kriegsdiensts in einer fremden Armee. Alt bekam 5 Monate Zuchthaus aufgebrummt. Obendrein wurden ihm für 2 Jahre alle bürgerlichen Rechte entzogen.

Als Kommunist abgestempelt, gelang es ihm nicht mehr, in seinen ursprünglichen Beruf als Schlosser zurückzukehren. Für den Wehrdienst war er der Schweizer Armee willkommen, wählen gehen durfte er in dieser Zeit nicht – eine schwere Verletzung eines jahrhundertealten staatsbürgerlichen Rechts.

Nach Stalins Tod wanderte Alt in die Sowjetunion aus. Auch dort gefiel es ihm nicht, obwohl er mit seiner Familie einen höheren Lebensstandard genoss als in der Schweiz. Echter Kommunismus freilich sah für Alt anders aus. Im Mai 1960 war die Familie wieder in der alten Heimat, nicht glücklich, aber auch nicht unzufrieden.

Männy Alt wurde fast 90 Jahre alt. Sein großer Traum, in einer Gesellschaft unter Gleichen zu leben, ging nie in Erfüllung. Seine spannende Lebensgeschichte hat jetzt der Schweizer Autor und Filmemacher Erich Schmid veröffentlicht: In Spanien gekämpft, in Russland gescheitert. Das Buch ist vor kurzem bei Orell Füssli in Zürich erschienen.

Falls Sie auf die Schnelle noch ein Weihnachtsgeschenk suchen …

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Noch ein Klassiker für den vorweihnachtlichen Small Talk

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Einen vorweihnachtlichen Small Talk-Klassiker haben wir Ihnen letzte Woche vorgestellt: den Weihnachtsbaum. Eine weitere Frage an Ihr Gegenüber, die sich im Small Talk aufdrängt, lautet: Haben Sie schon alle Weihnachtsgeschenke besorgt?

Leider sieht man den meisten Last-Minute-Weihnachtsgeschenken an, dass sie auf den letzten Drücker besorgt wurden. Falls Ihr Gesprächspartner immer noch auf der Suche nach einem Weihnachtsgeschenk ist und fürchtet, der Zeitdruck gehe zu Lasten von Stil und Qualität, können Sie ihn mit ungewöhnlichen Vorschlägen überraschen. Zumindest heben sie sich positiv von den üblichen Last-Minute-Geschenken ab.

Nehmen Sie daher Abstand von den notorischen Parfüms, Socken oder Krawatten. Diesen fehlt zur kompletten Eintönigkeit nur noch der Aufdruck “Hauptsache irgendwas”. Da liegen Sie mit Geld oder einem Gutschein schon besser. Geld oder Gutschein?, wird Ihr Gegenüber entsetzt einwenden das geht doch gar nicht!.

Geht doch! Wichtig auch beim Last-Minute-Weihnachtsgeschenk ist das Individuelle und Außergewöhnliche. Bei einer Notlösung verhindert vor allem die Verpackung, dass sie ihren Charakter offenbart. Bleibt für andere Ideen wirklich keine Zeit mehr, darf es als Weihnachtsgeschenk auch Geld oder ein Gutschein sein.

Beim Geldpräsent, das wird Ihnen Ihr Small Talk-Gesprächspartner bestätigen, kommt alles auf die äußere Form an. Sie können bankfrische Scheine gerollt, gefaltet oder in einem fantasievollen Umschlag gesteckt verschenken. Neue, glänzende Münzen finden in einem dekorativen Weihnachtssäckchen oder in einer Dose mit Weihnachtsmotiv Platz.

Bliebe noch der Gutschein. Auch diese Idee können Sie Ihrem Gegenüber im Small Talk vermitteln. Warum nicht eine Einladung für ein Abendessen in einem italienischen Restaurant? Karte oder Gutschein passen ideal zwischen 2 Lasagneplatten, die Sie vorsichtig mit grün-weiß-rotem Geschenkband zusammenbinden und vielleicht mit einer Schmetterlingsnudel, einer Farfalla, verbinden. Das Geschenk perfekt macht ein Text, in welchem Sie vielleicht noch anbieten, an jenem Abend das Babyhüten zu übernehmen.

Vielleicht hat Ihr Gesprächspartner noch bessere Ideen für ein Last-Minute-Weihnachtsgeschenk? Fragen Sie ihn!

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Die längste Nacht des Jahres als Hort eines besonderen Tages

Dienstag, 20. Dezember 2011

Morgen ist der Tag der Taschenlampe. Warum dieses Datum am 21. Dezember begangen wird, ist eine komplizierte Geschichte.

Sie beginnt mit David Missell. Der Brite arbeitete in einer New Yorker Fabrik, die Lampen herstellte. Zupass kam Missell, dass es bereits elektrisches Licht und Batterien gab. Eine tragbare elektrische Laterne ebenfalls: Diese, von Louis A. Jackson 1895 zum Patent angemeldet, wurde an Fahrräder angebracht und fand beim US-Militär Verwendung.

Missells Leistung war es, 3 Batterien hinter – statt 4 paarweise nebeneinander zu schalten. Zudem verkürzte er die Trockenbatterien, die gemeinsam mit Glühbirne und Reflektor nun in einen recht kleinen, handlichen Behälter passten, der wiederum in einer – zugegeben recht großen – Hosentasche Platz fand.

Nur aus- und hinterher sofort wieder einschalten ließ sich das Gerät nicht. Ob es Missells hohen Ansprüchen nicht genügte oder der Erfinder einfach Geld brauchte? Jedenfalls wurde das Patent, nachdem es am 10. Januar 1899 die Anerkennung erhalten hatte, sofort wieder verkauft.

Der neue Besitzer, ein russischer Einwanderer namens Conrad Hubert, ergänzte Missells Leuchte mit einem praktischen Ein-Aus-Schalter und meldete diese 1903 zum Patent an. Spätestens 1914 war er Millionär: Da hatte der in Marketingdingen äußerst gewandte Hubert seine Firma an den Großkonzern National Carbon verkauft. Parallel hatte in Deutschland der Unternehmer Paul Schmidt eine elektrische Taschenlampe entwickelt, sein Patent aber erst 1906 angemeldet.

Um die Verwirrung komplett zu machen: Es gibt einen weiteren Kandidaten, der behauptet, die elektrische Taschenlampe erfunden zu haben. Dies steckte ein gewisser Joshua Cowan 1947 der Illustrierten New Yorker. Cowen war David Missells damaliger Arbeitgeber und stellte in seiner Fabrik Lampen her. Doch interessierten Cowen Taschenlampen viel weniger als elektrische Modelleisenbahnen, sein eigentliches Steckenpferd, in das er alle seine Energie steckte. Zweifellos lassen sich Spielzeuglokomotiven mit elektrischer Beleuchtung besser verkaufen und passen sogar in die Hosentasche, aber deshalb gehen sie noch lange nicht als Taschenlampe durch. Das dachten sich wohl auch die Initiatoren des National Flashlight Day, als sie den Tag der Taschenlampe aus der Taufe hoben. Er wird jetzt einfach in der längsten Nacht des Jahres begangen, auf dass die Batterien in jedem Fall alle werden.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Ettore Schmitz? Nie gehört!

Montag, 19. Dezember 2011

Heute vor 150 Jahren wurde Ettore Schmitz geboren. Sagt Ihnen nichts, der Name?

Dann geht es Ihnen wie Millionen Italiener, die mit dem Signore deutschen Familiennamens kaum etwas anfangen können. Das ändert sich aber, sobald sie erfahren, dass eben jener Herr Schmitz unter dem Pseudonym Italo Svevo schriftstellerisch tätig war.

Dessen bekanntester Roman Zeno Cosini trägt stark autobiografische Züge, spielt in der wundervollen Hafenstadt Triest (siehe unsere Newsletter vom 30. Mai: Triest mit allen Sinnen und 15. November 2011: Europa Erlesen) und handelt von einem Protagonisten, der beim Versuch, sich das Rauchen abzugewöhnen, in die aufregenden Geheimnisse der Psychoanalyse eingeweiht wird.

Die Geschichte dieser Selbstfindung wäre auf ewig ein Geheimnis des Ettore Schmitz geblieben, hätte er sich nicht seinem Englischlehrer offenbart. Der hieß James Joyce (siehe unsere Ausgabe vom 13. Januar 2011: James Joyces wahre Heimat), war selber noch völlig unbekannt und hatte wohl keine hohen Erwartungen an das Manuskript, das sein Schüler ihm aufgenötigt hatte. „Ich frage mich, was das für ein Zeug ist“, soll er gesagt haben – und sich rasch vom Gegenteil überzeugen lassen.

Bereits bei der nächsten Begegnung zitierte Joyce einige Passagen auswendig. Auch als der Ire längst berühmt war, entsann er sich des österreichisch stämmigen Triestiners, der im Hauptberuf die Farbenfabrik seines Schwiegervaters leitete. 1923 erschien Zeno Cosini im italienischen Original. Doch wie schon von früheren literarischen Versuchen nahm in seiner Heimat niemand Notiz von dem Roman. Im Nachbarland Frankreich schon, aber erst 4 Jahre später und auf das unermüdliche Werben Joyces hin. Allmählich schwappte die Welle der Begeisterung auch nach Italien über.

Leider konnte Italo Svevo, als der er nun vielen seiner Landsleute ein Begriff war – seinen Erfolg nicht mehr genießen. Am 12. September 1928 saß Ettore Schmitz mal wieder an der falschen Stelle, in einem Auto, das auf regennasser Fahrbahn ins Schleudern geriet und gegen einen Baum krachte. Einen Tag später war er tot.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Wenig zu ernten für die Kartoffelkäfer

Freitag, 16. Dezember 2011

Wenn ein Fußballverein aus dem Rheinland 111 Jahre alt wird, erfährt er in diesem Newsletter gewöhnlich eine besondere Würdigung.

Da der Borussia aus Mönchengladbach am 2. August 2011 diese Ehre zuteil wurde, darf der große Rivale, dessen Tivoli-Stadion sich nur sechzig Kilometer weiter südlich befindet, natürlich nicht übergangen werden.

Bis zum Beginn der 1970er Jahre war die Aachener Alemannia der erfolgreichere der beiden Vereine in äußersten Westen der Republik. Zweimal erreichten die Domstädter das DFB-Pokalfinale, zweimal unterlagen sie – gegen Rot-Weiß Essen und Borussia Dortmund.

Letztere Schlappe schmerzte besonders, zumal der BvB als der berühmtere Club in ganz Fußballdeutschland mit seiner Vereinsfarbe Schwarz-Gelb identifiziert wird, während den identisch kolorierten Alemannen nur die leicht spöttische Bezeichnung Kartoffelkäfer blieb.

Die größte Leistung der Aachener datiert aus dem Jahr 1969. Da belegte die Mannschaft Rang 2 gleich hinter den Münchner Bayern – und vor Mönchengladbach. Anschließend begann eine lange Leidenszeit. Der Abstieg in der nächsten Saison leitete eine 34-jährige Bundesliga-Abstinenz ein, von der ein volles Jahrzehnt sogar in der Drittklassigkeit verbracht wurde.

Erst zur Saison 2006/2007 gelang der Wiedereinzug in die Eliteliga. Doch auch der war nach nur einer Spielzeit Geschichte. Dabei hielt die 11 vom Tivoli lange Zeit gut mit, stand 7 Runden vor Schluss mit 33 Punkten auf Rang 9 - um in den letzten Begegnungen nur noch einen mickrigen Punkt zu holen.

Inzwischen hat sich Alemannia Aachen in der Zweiten Liga eingerichtet und ist sogar froh, wenn man nicht noch eine Etage tiefer fällt. Am Sonntag wartet als Gegner der Bundesliga-Meister von 1967: Mit den Braunschweigern verbindet die Aachener die gelben Trikots und die Erinnerung an bessere Zeiten – gepaart mit der Hoffnung der Kartoffelkäfer, dass es für sie auf dem Feld künftig wieder etwas zu ernten gibt. Bundesligareif ist zur Zeit einzig das moderne Stadion, das 33 000 Zuschauer fasst.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Ein Preis, der den Erfolg übersteigt

Donnerstag, 15. Dezember 2011

„Das zwanzigste Jahrhundert blickt nieder auf geheimnislose Welt“, schreibt Stefan Zweig in seinen Sternstunden der Menschheit. „Alle Länder sind erforscht …“

Alle Länder? Nein, die Landmasse am äußersten Südrand der Erde harrte auch anno 1912 noch ihrer kompletten Erschließung. Bis dahin war kein Mensch zum Südpol vorgedrungen. Doch zwei Schiffe näherten sich dem mythischen Ort beharrlich an, und es würde nur eine Frage der Zeit sein, bis der eine Kapitän als Entdecker gefeiert und der andere auf dem Müllhaufen der Geschichte, die nur Sieger kennt, landen würde. Doch es kam anders.

Während der Norweger Roald Amundsen heute vor hundert Jahren ohne nennenswerte Komplikationen eine Punktlandung hinlegte, für die ihn die Welt feierte, kämpfte sein Rivale einen verzweifelten Kampf im Ewigen Eis.

Hätte der Engländer Robert Scott gewusst, dass er auf seiner Route vier Wochen zu spät dran war und ihm am Ziel das Objekt seiner schlimmsten Alpträume erwartete – die von Amundsen hinterlassene norwegische Flagge – er wäre vielleicht früher umgekehrt. So erfährt die Verzweiflung auf dem Heimweg noch einmal eine Steigerung. Scott und seine Gefährten haben wirklich Pech!

Schlechtes Wetter hält sie auf; sie brauchen zu viel Zeit zu den Depots, die sie auf dem Rückweg angelegt haben – wenn sie diese überhaupt finden; der Sturm lässt nicht nach; Rücksicht auf die Kranken und Schwächeren raubt zusätzliche Zeit und Kraft. Doch ist es ihr über allem stehender Edelmut und Zusammenhalt der Gruppe – auch über dem Leben des Einzelnen – der vor allem Scott unsterblich macht; „in großartigem Widerspiel“, schreibt Stefan Zweig, „entsteht aus einem heroischen Tode gesteigertes Leben, aus Untergang Wille zum Aufstieg ins Unendliche empor. Denn nur Ehrgeiz entzündet sich am Zufall des Erfolges und leichten Gelingens, nichts aber erhebt dermaßen herrlich das Herz als der Untergang eines Menschen im Kampf gegen die unbesiegbare Übermacht des Geschickes, diese allzeit großartigste aller Tragödien, die manchmal ein Dichter und tausendmal das Leben gestaltet.“

Und manchmal der Dichter und das Leben gemeinsam: Auch Amundsen ereilte wie Scott und seine Gefährten ein heroischer Tod (siehe unseren Newsletter vom 18. Juni 2008: Als Norwegen einen Volkshelden verlor ). Doch wurde weder des Norwegers Leiche noch sein Tagebuch gefunden, noch fand der Verschollene einen Anwalt mit pathetischer Feder. So lebt der bei der Rückkehr vom Südpol erfrorene Scott, besungen von Zweig & Co., als großer tragischer Held fort. Und Amundsen? Auch ein bisschen, zumal sein Tod ebenfalls tragisch war. Aber nicht dramatisch, weshalb ihm nur seine norwegischen Landsleute die Verehrung entgegenbringen, die auch er verdient.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Ein Klassiker für den vorweihnachtlichen Small Talk

Mittwoch, 14. Dezember 2011

Wer Weihnachten nicht im Herzen hat, findet es auch nicht unter einem Baum. Und doch gehört die geschmückte Fichte oder Tanne zum Fest einfach dazu. Beginnen Sie Ihren Vorweihnachts-Small Talk mit der Frage an Ihr Gegenüber, ob er bereits einen Weihnachtsbaum für sich und seine Familie besorgt hat. Daran lässt sich die eine oder andere Anekdote anreihen, welche Pannen Ihnen oder Ihrem Small Talk-Partner bei der Auswahl, beim Transport oder beim Schmücken des nadeligen Gewächses in der Vergangenheit unterlaufen sind.

Sie können im Small Talk auch auf die Geschichte des Weihnachtsbaums eingehen. Der festliche Brauch rund um die immergrüne Geschenkablage begann im späten Mittelalter. Als Paradiesbaum erinnerte die sperrige Pflanze bei den Krippenspielen während der Festtagsmessen an die Erbsünde. Außerhalb der Kirche fand der Weihnachtsbaum ab dem 16. Jahrhundert Verbreitung. Zunächst interessierten sich nur die auf Repräsentation erpichten europäischen Königshöfe dafür. Um 1800 hielt er dann Einzug in bürgerliche Wohnstuben.

Im Lauf des 19. Jahrhunderts wurde der Weihnachtsbaum in allen Kreisen der Bevölkerung zu dem Symbol der Advents- und Weihnachtszeit schlechthin. Dabei erfolgte die Verbreitung regional sehr unterschiedlich. In protestantischen Regionen zeigte man sich dem Weihnachtsbaum als Gegensymbol zur – katholischen – Krippe wesentlich aufgeschlossener als in katholischen Gebieten. Schließlich trugen die beiden Weltkriege entscheidend zur Popularisierung der christlichen Weihnacht unter dem Tannenbaum bei: In Lazaretten und selbst in Schützengräben wurde der Baumschmuck aufgestellt. So lernten Soldaten aus allen Teilen Europas den Brauch kennen und trugen ihn nach Hause – als Symbol des Friedens. Schade, dass zuerst ein Krieg geführt werde musste.

Kommen wir noch einmal zu den kleinen Katastrophen zurück. Viele Menschen machen sich sorgen, ihr Weihnachtsbaum sei zu klein. Darüber müsse sich wirklich niemand Gedanken machen, gibt der US-Komiker Larry Wilde Entwarnung: „In den Augen der Kinder sind sie alle mindestens 10 Meter hoch.“

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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