Alles andere als eine Idylle

„Was wir an Weihnachten feiern“, sagt der frühere Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart und heutige Kurienkardinal im Vatikan, Walter Kasper, „ist alles andere als eine Idylle. Die Krippe, die wir längst in unsere warmen Stuben geholt haben, stand bekanntlich im Stall. Niemand war da, der der schwangeren Frau und dem jungen Mann aus Nazareth in Galiläa menschenwürdige Bleibe zu geben bereit war. Kaum war das Kind zur Welt gekommen, musste die junge Familie fliehen, weil Herodes, der machtbesessene Herrscher, dem Kind Jesus nach dem Leben trachtete. Flüchtlinge waren sie, politisch Verfolgte, Asylsuchende.“ Nicht nur katholische Würdenträger, auch weltliche Organisationen denken so.

Heute ist der Internationale Tag der Migranten, den die UNO erstmals im Jahr 2000 aufgerufen hat. Sie weist auf diesem Weg nachdrücklich auf die von der Vollversammlung bereits 1990 verabschiedete Internationale Konvention zum Schutz der Rechte aller Migranten und ihrer Familienangehörigen hin, die in den meisten Ländern der Erde leider nur auf dem Papier besteht. Was bisweilen weniger schlimm ist als die Hybris der EU-Staaten: Die versuchen mit allen Mitteln zu verhindern, dass Flüchtlinge in die Mitgliedsländer kommen, um dort ihre verbrieften Minderheitenrechte wahrzunehmen.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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