Als Doping noch legal war

„Wenn du im Wald läufst, musst du ständig das Tempo und den Laufrhythmus ändern, um zum Beispiel Wurzeln auszuweichen, und das verlangt eine ständige Wachsamkeit, wie im Wettkampf“: So lautete das Erfolgsgeheimnis des Langstreckenläufers Lasse Virén, der bei den Olympischen Spielen 1972 und 1976 jeweils Gold über 5.000 und 10.000 Meter gewann.

Virén, der heute 60 Jahre alt wird, ist Finne, sein Land blickt in seiner Disziplin auf eine lange Tradition zurück, und die Wälder der Heimat sind als Quell für Ruhe und Kraft bekannt. Doch reicht das aus, um zweimal hintereinander Doppelolympiasieger zu werden? Im Rückblick fällt auf, dass Virén zwischen den Coups in München und Montreal nur wenige Wettkämpfe bestritt. Auch seine Erfolgsbilanz in diesen vier Jahren ist mager: Lediglich eine Bronzemedaille bei den Europameisterschaften in Rom 1974 steht zu Buche.

Schon früh keimte bei Experten der Verdacht auf, Virén habe mit einer wenig appetitlichen Methode nachgeholfen: der Blutauffrischung. Dabei trainiert der Athlet wochen- oder sogar monatelang an einem Ort, der mindestens 2.000 Meter über dem Meeresspiegel liegt, und zapft sich regelmäßig Blut ab. Das ist durch die Anstrengung in großer Höhe vermehrt mit roten Blutkörperchen angereicht. Wenn man die Flüssigkeit aufbewahrt und sie sich vor Wettkämpfen injiziert - das muss nicht einmal unmittelbar davor geschehen - stärkt man Kraft und Ausdauer gehörig. Das tat Virén vermutlich, doch wies er solcherlei Vorwürfe hartnäckig zurück.

Er hätte es auch zugeben können, denn die Methode war damals, im Gegensatz zu heute, nicht illegal und somit rechtlich gesehen kein Doping. Eine andere Frage ist die der Moral und der ungerechten Vorteilsbeschaffung gegenüber den Konkurrenten. Das Blutauffrischen wurde später durch das Doping mit Epo ersetzt, welches beispielsweise dem Radprofi und siebenmaligen Tour de France-Gewinner Lance Armstrong nachgewiesen wurde – allerdings nur für das Jahr 1999, als diese Praxis offiziell noch nicht verboten war. Heute gibt es modernere, noch schlechter nachweisbare Methoden des Dopings. Es darf getrost angenommen werden, dass Armstrong und Konsorten vor diesen nicht zurückschrecken.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Ein Kommentar to “Als Doping noch legal war”

  1. small-talk-themen.de schreibt dazu:

    Weiterführende Informationen zum heutigen Small-Talk-Themen-Newsletter:

    Mehr über Lasse Virén

    Einen schönen Mittwoch wünscht Ihnen das Team von small-talk-themen.de

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