Assyrer, Zimbern und Karaimen
Über Karl-Markus Gauß haben wir an dieser Stelle bereits einmal berichtet (siehe unseren Newsletter vom 12. Dezember 2007 „Wo Sie heute zwei alte Bekannte treffen können“). Bekannt wurde den Autor mit einem Buch über Minderheiten in Europa. Es heißt Die sterbenden Europäer und handelt von Albanern in Süditalien, jüdischen Sepharden in Sarajevo, Sorben in Ostbrandenburg und Ostsachsen und Deutschen in der südslowenischen Gottschee (slowenisch: Kočevje).
Dieses Jahr hat Gauß einen neuen Titel herausgebracht: Die fröhlichen Untergeher von Roana. Einziges Manko des ansonsten aufschlussreichen Werks ist der Untertitel. „Unterwegs zu den Assyrern, Zimbern und Karaimen“ sagt auf den ersten Blick nur Altertumsforschern, Teutonenkennern und Tatarenfreunden etwas. Dahinter stehen, wie bei Gauß nicht anders zu vermuten, Minderheiten, die im Exil leben: Assyrische Einwanderer trifft man, nachdem diese Christen in ihrer ursprünglichen Heimat von Türken und Kurden bedrängt und verfolgt wurden, im südschwedischen Örebro an. Zimbern wiederum haben sich mit dem Abebben der Völkerwanderung in Bergdörfern im Trentino niedergelassen. Die Karaimen schließlich, ein Volk überwiegend jüdischen Bekenntnisses mit tatarischen Wurzeln, siedeln in Litauen.
Das alles liest sich dank des filigranen Ausdrucksvermögens des Autors, der bei seiner Recherche ungewöhnliche Wege beschritten und bewusst auf Komfort verzichtet hat, recht flüssig und kurzweilig – und empfiehlt sich als vorbereitende Lektüre für den Urlaub oder auch als Entschädigung für Daheimgebliebene. Erschienen ist Gauß’ Buch im Zsolnay Verlag, Wien, und kostet 17 Euro 90.
Autor von Small-Talk-Themen.de



16. Juli 2009 at 15:12
Das klingt schon interessant. Danke für den Tipp, werde mal das Buch gerne lesen.