Bohemians gegen Bohemians

Stellen Sie sich einmal vor, die Bundesliga hat begonnen, und es spielt der 1. FC Köln gegen den FC Köln. In der ersten tschechischen Liga ist so etwas möglich. Dort spielen ab dieser Saison – sie wird morgen eröffnet – zwei Vereine unter dem Namen Bohemians Prag. Das kam so: Der Traditionsverein Bohemians, Meister des Jahres 1983, verlor vor einigen Jahren seine Lizenz und damit auch seinen Platz in der Liga. Als Bohemians 1905 Prag spielte die Mannschaft zunächst im Amateurbereich weiter. Die Lizenz, der Platz in der Zweiten Liga (Bohemians war inzwischen abgestiegen) und der Vereinsname wurden vom damaligen Drittligisten FC Střížkov Praha 9 erworben.

Střížkov spielte recht ordentlich im Unterhaus des tschechischen Profifußballs. 2007 glückte sogar der Aufstieg in die Erste Liga. Auch die traditionellen Bohemians 1905 kickten munter weiter - so erfolgreich, dass Sie nicht nur den Aufstieg in die Zweite Liga, sondern letzte Saison sogar die Beförderung in die höchste Spielklasse schafften. Nun kommt es am 3. Oktober zum ersten Duell der beiden Bohemians – sofern Verband und Justiz mitspielen: Ersterer verbot die Namensdoppelung und hielt dem Traditionsclub zu, dessen Wappen seit einer Australientournee ein Känguruh ziert.

Eine weiteres Aushängeschild der Bohemians 1905 ist ihr Präsident: Antonín Panenka verwandelte bei der Europameisterschaft 1976, als die Tschechoslowakei das Finale gegen Deutschland gewann, den entscheidenden Elfmeter – mit einem ultralässigen Schlenzer exakt in die Mitte des Tores. Davon träumt Sepp Maier, damals Schlussmann, heute noch.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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