Der Butt

„Als das feministische Tribunal zum ersten Mal tagte, wurde der Butt in einer flachen, etwa 1 ½ mal 2 Meter messenden Wanne von vier Helferinnen in den Saal gerollt und dem Gericht gegenübergestellt,“ schreibt Günter Grass in seinem Roman Der Butt. Ein anderer Butt muss heute abend in einem 2 Meter 44 hohen und 7 Meter 32 großen Kasten Platz nehmen. Zur Seite stehen ihm immerhin 10 Helfer, und gegenübergestellt wird er keinem Gericht, sondern der französischen Fußballequipe von Olympique Lyon.

Butts Mannschaft, die Bayern, müssen ein knappes Einszunull aus dem Hinspiel verteidigen, und wenn Butt seinen Kasten sauber hält, steht erstmals seit 2002 wieder ein deutscher Verein im Finale der Champions League. Jörg Butt, der Torhüter, hat dies bereits einmal geschafft. Vor 8 Jahren unterlag er mit Bayer Leverkusen dann im Endspiel von Glasgow Real Madrid unglücklich mit 1:2. Nach Madrid möchte Butt wie alle Münchner Teamkollegen unbedingt hin, dort findet das diesjährige Finale statt. Dazwischen stehen die 90, vielleicht auch 120 Minuten von Lyon.

In Grass’ Buch ging es übrigens nicht sehr fair zu, es „wurde aus dem Publikum heraus auf den Butt geschossen.“ Ein solches Szenario bleibt dem Bayern-Schlussmann im Stade Gerland hoffentlich erspart.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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