Der deutsche Rimbaud
Über das tragische Ende Rolf Dieter Brinkmanns wurde an dieser Stelle bereits berichtet (siehe unseren Newsletter vom 23. April 2009 „Der Tag, an dem Schriftsteller sterben“). In dieser Ausgabe geht es um das Andenken an den Schriftsteller, der heute 70 Jahre alt geworden wäre. Kritikerpapst Marcel Reich-Ranicki sah in Brinkmann einst „eine der größten Hoffnungen der jüngeren deutschen Literatur“, der Dramatiker Heiner Müller stufte ihn sogar als „das einzige Genie der westdeutschen Literatur“ ein.
Der österreichische Literaturwissenschaftler Andreas Weigel erkannte in Brinkmann gar einen deutschen Rimbaud – um gleichzeitig einzuschränken, dass es zwischenzeitlich sehr still um den 1975 tödlich Verunglückten geworden war. Und heute? Die Rolf-Dieter-Brinkmann-Gesellschaft – folgt man den Einträgen auf der gleichnamigen Webseite – scheint ihre Berichterstattung vor 6 Jahren eingestellt zu haben. Nicht jedoch der Deutschlandfunk: Er widmet dem wohl doch nicht ganz Vergessenen heute ab 20 Uhr 10 einen kompletten Radioabend.
Und auch die Literaturtage in der Geburtsstadt des Dichters erinnern sich dieses Frühjahr ausführlich des verlorenen Sohnes: Am 24. April beispielsweise liest der Schauspieler Klaus Maria Brandauer in der Aula der Vechtaer Universität aus Brinkmanns Werk.
Autor von Small-Talk-Themen.de


