Dem Mann, der heute 80 Jahre alt wird, bescheinigte Willy Brandt in einer düsteren Stunde, er sei „seit Goebbels der größte Hetzer in unserem Lande“. Das war sehr böse und leider auch daneben, da Brandt den so Beleidigten in die Nähe des Nationalsozialismus rückte. Ein Faschist war Heiner Geißler jedoch noch nie. Der Betroffene amtierte zu jener Zeit als Generalsekretär der CDU unter Helmut Kohl und hatte damals mehr Feinde als die SPD heute Wähler.
Die Zeiten habe sich geändert: Längst wird Heiner Geißler von Politikern aller Parteien respektiert, auch seitens der SPD und der Linken. Das hat auch etwas mit seiner politischen Läuterung zu tun: Geißler ist zwar immer noch Mitglied der CDU. Er ist aber zugleich einer der Wortführer des globalisierungskritischen Bündnisses attac (siehe unseren Newsletter vom 3. Juni 2008 „Ein Jahrzehnt attac“).
Die Tatsache, dass Geißler heute ebenso viel Gehör findet wie in seiner ersten Politikerkarriere – und mit viel mehr Sympathien als früher bedacht wird – hat nicht wenig mit seiner Einstellung zu tun: „Wer sich auf seinen Lorbeeren ausruht“, bekannte der Ex- Generalsekretär, „trägt sie an der falschen Körperstelle.“
Autor von Small-Talk-Themen.de










