Der italienische Bismarck
In jeder größeren italienischen Stadt ist eine Straße oder ein Platz nach ihm benannt, und nicht selten wird er in der Geschichtsschreibung als italienischer Bismarck bezeichnet. Der heute vor 200 Jahren geborene Camillo Graf Cavour gilt – neben Giuseppe Garibaldi (siehe unseren Newsletter vom 4. Juli 2007 „Ein nationaler Held“) – als Begründer der Einheit Italiens, dessen erster Ministerpräsident er auch wurde.
Garibaldi war der Kämpfer, Cavour der Politiker. Die Leidenschaft des oft unbeherrschten Volkshelden kanalisierte sein staatsmännisches Pendant durch Verstand und Verhandlungsgeschick. Allein mit Garibaldis doch recht bescheidenen militärischen Mitteln wäre die angestrebte Einheit Italiens wohl nie zustande gekommen. Es bedurfte eines Strategen, der auch im Hintergrund die Strippen zu ziehen wusste – und es vor allem verstand, einen Konflikt mit dem Papst in Rom und dessen Verbündeten zu vermeiden. Bei aller Raffinesse war Cavour durchaus integer. Seine Verhandlungserfolge erzielte er mit einer unkonventionellen Methode: „Ich habe die Kunst entdeckt, wie man Diplomaten täuschen kann: Ich sage die Wahrheit. Die glaubt nämlich keiner.“
Der mächtigste Politiker der Appenninenhalbinsel starb 2 Monate nach seiner Amtsübernahme an einem Schlaganfall. Da war sein Werk, die Entwicklung Italiens zum Nationalstaat, nicht mehr rückgängig zu machen. Ebenso der erworbene Ruhm: Cavours früher Tod verhinderte, dass auch nur ein bisschen davon abblätterte. „Es ist meistens leichter“, wusste Italiens Bismarck, „für etwas zu sterben als dafür zu leben.“
Autor von Small-Talk-Themen.de


