Der Krieg, der Südamerika veränderte

Erinnern Sie sich noch an unseren Newsletter über einen wohlwollenden Diktator? (siehe unsere Ausgabe vom 6 Oktober 2014: Ein wohlwollender Diktator). Sein Nachfolger, der Rechtsanwalt Carlos Antonio López, setzte im wesentlichen Francias Lebenswerk fort, führte sein Land aber nach und nach aus der Isolation.

Durch die vorsichtige Öffnung nach außen entwickelte sich Paraguay dank der soliden Basis, die Francia der Republik verschafft hatte, zum mit Abstand reichsten Land des Kontinents. Als erster lateinamerikanischer Staat besaß Paraguay eine Eisenbahn und eine Telegraphenlinie. In dem früheren reinen Agrarland entstand eine eisenverarbeitende Industrie, und in der Hauptstadt Asunción wurde sogar eine Werft gebaut.

Dabei blieb Paraguay im Gegensatz zu seinen hochverschuldeten Nachbarn unabhängig von ausländischem Kapital, konnte sich auf eine stabile Währung stützen und eine positive Handelsbilanz erzielen. Carlos Antonio López regierte Paraguay bis zu seinem Tod 1862.

Nachfolger wurde sein Sohn Francisco Solano López. Inzwischen war aus dem unscheinbaren Land eine nicht nur wirtschaftlich bedeutende Regionalmacht geworden. Mit einem stehenden Heer von 25.000 Soldaten besaß Paraguay eine größere Armee als Argentinien und Brasilien. Leider beging Francisco Solano López den Fehler, in der La-Plata-Region Großmachtpolitik zu betreiben. Als Brasilien in einen innerpolitischen Konflikt in Uruguay eingriff, ergriff López Partei. Er tat dies nicht aus politischer Überzeugung, sondern nur, um einen Vorwand für einen Einfall in Brasilien zu erhalten. Sobald die Regierung in Rio de Janeiro ihre ersten Soldaten nach Uruguay schickte, erklärte Paraguay – morgen vor 150 Jahren, am 13. Dezember 1864 – Brasilien den Krieg und marschierte mit seiner Armee in die brasilianische Provinz Mato Grosso ein.

Als Argentinien und Uruguay sich daraufhin mit Brasilien zur Tripelallianz verbündeten, besetzten paraguayische Truppen auch die argentinische Provinz Corrientes. In der Folgezeit tobte zwischen 1864 und 1870 der blutigste Konflikt, der je auf südamerikanischem Boden ausgetragen wurde. Mit seiner modernen Armee erwies sich Paraguay anfangs als klar überlegen. Doch auf Dauer konnte das bevölkerungsarme, etwa eine Million Einwohner zählende Land diesen Krieg nicht durchhalten. Die Wende trat ein, als die paraguayische Festung Humaitá am Paraguay-Fluss nach mehr als einjähriger Belagerung im August 1868 kapitulierte.

5 Monate später rückten die alliierten Truppen in Asunción ein. Der Krieg war jedoch erst zu Ende, als López, der sich mit seinen letzten Getreuen in den menschenleeren Nordwesten Paraguays zurückgezogen hatte, am 1. März 1870 im feindlichen Kugelhagel fiel. Die Auseinandersetzung zwischen Paraguay und der Tripelallianz forderten auf beiden Seiten ungeheure Opfer. Paraguay verlor vier Fünftel seiner männlichen Bevölkerung. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg überschritt die Einwohnerzahl des Landes wieder die Millionengrenze.

Von Francias Erbe ist in Paraguay nichts übrig geblieben. Seit dem Krieg gegen die Tripelallianz kam das Land wirtschaftlich nicht mehr auf die Füße. In den 4 Jahrzehnten nach López’ Tod wechselten sich 22 Präsidenten an der Regierung ab. Paraguay versank im Chaos; Francias Revolution war nur noch Geschichte. Heute zählt Paraguay zusammen mit Bolivien zu den ärmsten Ländern Südamerikas.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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