Der Tag der Schicksalsgöttin
Heute ist das Fest der Fortuna. Der Göttin waren in der römischen Antike zahlreiche Tempel geweiht. In der Sprache der alten Römer bedeutet fortuna nicht nur ‚Glück‘, sondern ebenfalls ‚Vorherbestimmung‘.
Alles andere als eindeutig war auch die Begrifflichkeit im antiken Griechenland: Dort hatte das Wort krísis zwei Entsprechungen: Zum einen war damit ein Gerichtsurteil gemeint, die zweite Bedeutung stand für den Wendepunkt einer Krankheit, nachdem das Schlimmste überwunden schien. Wie im alten Europa ist auch im Chinesischen das Schicksal nicht eindeutig belegt: Das Begriffspaar wei ji steht für ‚Krise‘; im einzelnen bedeuten die beiden Wörter ‚Gefahr‘ und ‚Gelegenheit‘. Die weisen chinesischen Philosophen zogen daraus den einfachen Schluss, es komme beim Menschen halt darauf an, was er aus seinem Schicksal macht.
Ähnlich sah es ein deutscher Philosoph: „Was die Leute gemeiniglich als Schicksal nennen, sind meistens nur ihre eigenen dummen Streiche.“ Bezogen auf unsere aktuelle Wirtschaftskrise hat Arthur Schopenhauer da so Unrecht nicht.
Autor von Small-Talk-Themen.de


