Der Wunsch nach Demokratie und sozialer Gerechtigkeit

„Vor einer Legion, ich weiß nicht mehr vor welcher, ritt eine üppige Weibsperson, eine rote Feder auf dem Hecker-Hute, Brille auf der Nase, angetan mit einem Reitkleide aus schwarzem Samt, im roten Gürtel zwei Pistolen, an der Seite einen Schleppsäbel und – hinter ihr reitend – ein badischer Dragoner als Ordonnanz“: Die so martialisch beschriebene Mathilde Franziska Anneke nahm zwar am badisch-pfälzischen Aufstand von 1848/49 teil, sogar zu Pferde und auch in vorderster Front, aber Waffen hat sie zeitlebens ebenso wenig getragen wie Männerkleidung.

Ihre Kriegstracht war vielmehr ein Produkt der Einbildungskraft der konservativen Kölnischen Zeitung: In deren Weltbild beschränkte sich das Tätigkeitsfeld einer Frau sich auf die Küche, bestenfalls auf einen literarischen Salon. Die Betroffene nahm es gelassen: „Dass die Herren Redacteure dieser alten Klatschdame“, nämlich der Kölnischen Zeitung, „die eigentlichen Motive, welche mich aus meinem mir ursprünglich angewiesenen Kreis in das Kriegsgewirre hinaustreten liessen, begreifen sollten, das habe ich von ihnen allerdings nicht erwartet.“ Die eigentlichen Motive, die Mathilde Franziska Anneke antrieben, waren der Wunsch nach Demokratie und sozialer Gerechtigkeit, zu der ihrer Auffassung nach nicht zuletzt die Gleichberechtigung der Frau gehörte. Der badisch-pfälzische Aufstand schlug ebenso fehl wie die bürgerliche Revolution in anderen deutschen Ländern.

Mathilde Anneke setzte sich in die Vereinigten Staaten ab. Dort engagierte sie sich nicht nur in der Frauenbewegung. Auch für andere politische Ziele setzte sie sich ein, etwa für die Abschaffung der Sklaverei oder die Einführung des Wahlrechts für Schwarze. Bereits 1852 erschien in Milwaukee die Deutsche Frauen-Zeitung, die erste feministische Zeitung in den USA – herausgegebenen von Mathilde Franziska Anneke. Sie starb heute vor 125 Jahren, ebenfalls in Milwaukee.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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